Frankfurter Gemeine Zeitung

Medien-Kompass – Erste Woche 2011

Ja wie schön, nun macht man sich um die kulturelle Verfassung der “Elite” Gedanken, die Süddeutsche hat nämlich den Männerbund des Thilo Sarrazin erforscht (leider nicht online). Ein eher trauriges Bild armer Erfolgreicher.

Es ging um die Käufer des Buchs des verehrten Bankers. Wir ahnten es: nicht nur den Bankern geht es selten ums Gemeinwohl, den Lesern des Elaborats auch. Es scheint viele Überdeckungen zwischen Autor und Käufern zu geben.

Die von der Süddeutschen beauftragte Umfrage ergab: männlich, berufsorientiert, sauber und ordentlich – gutbetucht. Aber noch mehr: es sind ängstliche Figuren, die sich zu Hause hinter der “FAZ”, der “Welt” und der “Zeit” verstecken oder Volkstheater im Heimkino schauen.  Also genau das, was sich hinter vielen schicken Fassaden von Einfamilienhäusern abspielt.

Was die Forderer nach Flexibilität bei den anderen wirklich umtreibt: nur nichts ändern, nicht aus dem Haus gehen und was Neues erfahren.

Der Umfrage-Befun scheint eher den Hintergrund wie Charakter gegenwärtiger “bürgerlicher Aufklärung” zu treffen als das wohlfeile Geschwätz, das sich um die angeblich liberale, weltoffene, kosmopolitische Freizügigkeit dreht.

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Schönt passt dazu der akademische Geist, der uns in Gestalt eines deutschen Literaturtheoretikers aus den USA herüberweht. Der bekannte postmoderne Professor Hans Ulrich Gumbrecht möchte uns im Freitag über die Misere der Meisterdenker informieren.

Nun könnte man meinen, dass der Hermeneutiker sich  um die Mutlosigkeit gegenüber der Schwierigkeiten von Geld- wie Wortschwachen einsetzt, aber weit gefehlt. Ähnlich wie Meisterschwafler der Art Broder, Sarrazin oder Bolz sieht er das “riskante Denken” bedroht, das sich den herrschenden Gepflogenheiten anschließt und wirklich in deren Sinn noch etwas in Gang setzen kann. Bedroht von angeblichen linken Mehrheitspositionen, die zur Norm geworden eine “zum Staats-Sozialismus entartete Sozialdemokratie” instituiert, die hier die Luft und Boden-Herrschaft habe.

Die Unverfrorenheit von 180-Grad-Verdrehung erstaunt, aber der Mann lebt halt in einem anderen, westlicheren Land. Vielleicht hat ihn die Tea-Party schon zu sehr eingeräuchert, dass er etwa eine gesetztliche Krankenversicherung zum Staats-Sozialismus zählt.

Mutig sind für den Herrn in Amerika die Steuerbefreier-Heroen, die das Geschwätz von Ertrags-Meistern auf Cocktail-Parties zur mutigen Erkenntnis von Geistesgrößen hochstilisieren, und dabei Zeichner von Risikopapieren aller Art in ihrem sicheren Heim als schlaue Köpfe feiern.

Tatsächlich Herr Gumbrecht, eine größere Misere, an der sie selbst gehörigen Anteil haben.

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Den engen Zusammenhang von Zugriffen auf Daten des “Publikums” in Web mit der “Real-Welt” stellt “Gutjahr” dar: “Alle Jahre wieder heißt es im deutschen Blätterwald: Auf zum munteren Internet-Bashing! Alle Jahre? Ach was, keine Woche, ohne dass ein deutsches Qualitätsmedium vor den Gefahren von Google, Facebook und Twitter warnt. Heute – aus aktuellem Anlass – DER SPIEGEL.”
Die lesenswerte Analyse gibt´s hier.


7 Kommentare zu “Medien-Kompass – Erste Woche 2011”

  1. ebook leser

    Schau an, es liegt wohl in der Familie oder kann man vielleicht sagen, nachdem Sarrazin immer noch SPD Mitglied ist, wird die Schuld an seiner Frau gesucht. Wenn man so liest, was wie lange schon bekannt ist und wenn das wirklich stimmen sollte, dann frage ich mich doch, warum die Schulbehörden schon längst nicht aktiv geworden sind. So ist z.B. zu lesen: Der Konflikt köchelt allerdings schon seit Jahren. Immer wieder hatte es Kritik am Erziehungsstil von Ursula Sarrazin gegeben. Schon 2002, als sie an einer Berliner Montessori-Schule unterrichtete und ihr Mann noch kaum bekannt war, beschwerten sich fast alle Eltern ihrer Klasse. Am Ende eines Schuljahrs legten sie der Direktorin die bereits ausgefüllten Abmeldeformulare ihrer Kinder vor und erklärten: “Wenn Frau Sarrazin hier bleibt, verlassen unsere Kinder die Schule.” Wenig später wechselte die Lehrerin die Schule “Sie wehrte alle Vorwürfe ab”, erinnert sich ein Vater. so der Spiegel.

  2. Bert Bresgen

    Interessant ist auch, -worauf sie indirekt hinweisen-dass hierzulande inzwischen “Paare” Karriere in der Politik machen wie in USA, siehe von Guttenberg oder eben Sarrain plus Frau auf dem jüngsten Focuscover. Da ist etwas neo-monachisches drin.

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