Frankfurter Gemeine Zeitung

Aufruf (5)

Die Ware aller Waren

Nachdem wir uns jetzt mit Erfolg versprechenden Formen des Humankapitals beschäftigt und die Anforderungen an die Warenwelten untersucht haben, wollen wir die Ware aller Waren näher beleuchten. Die entscheidende Grösse, der wir heute Rechnung zu tragen haben, ist die Tatsache, dass Geld nicht mehr länger nur Ausdruck und Vergleichsgrösse der Güter darstellt, sondern selbst zur bestimmenden Ware geworden ist. Wen das an Dagobert Duck erinnert, liegt gar nicht so falsch.

Seine Produktion, sein Handel und eben auch seine Vernichtung (gemeinhin Konsumption, im Volksmund: ausgeben, ist jedoch ungenau) ist zur alles überstrahlenden Antriebskraft der Ökonomie geraten. „Es ist bloß Geld“ ist zu einem hoffnungslos antiquierten Statement geronnen.

Geld entsteht heute per Mausklick und entschwindet mittels selbigem wieder. Jeder Kredit generiert es, jede Rückzahlung lässt es verschwinden. Wenn überhaupt drückt es potentielles Eigentum aus, eines, das noch nicht endgültig festgelegt ist, noch merkwürdig gestaltlos erscheint und doch ist es die begehrte Substanz der Substanzlosigkeit.

Diesen eigenartigen Merkmalen tragen Banken heute noch Rechnung, wenn sie nach Sicherheiten fragen, wobei auch hier die beste Sicherheit darin besteht, ausreichend Guthaben auf dem Konto zu haben, das hat nämlich die Bank selbst zugesichert. Sie sorgen auch dafür, dass wir einen erheblichen Teil dessen, was wir umgangssprachlich als „unser Geld“ bezeichnen, überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, denn was wir wirklich in Händen halten ist der Kontoauszug. Oder halt dieses Stück Plastik mit Magnetstreifen.

Die Ökonomen stellen zu Recht fest, dass Geld sich von den anderen Warenströmen emanzipiert hat, zumal von der Materialität seiner Daseinsformen (Münze, Schein, Gold, Silber). Es kann nicht nur jegliche Form annehmen, es ist zugleich immer mehr als nur diese.

>GELD< ist heute so selbstverständlich, dass es zur Natur zu gehören scheint und wie bei jeder „natürlichen“ Ressource tritt auch hier in Verbindung mit dem uns geläufigen Eigentumsbegriff das Charakteristikum der Knappheit auf, daher das >knappe Geld<, ein Satz, den jeder schon einmal benutzt hat. Da es immer noch mehr zu kaufen gibt, der Geldbesitz für die meisten jedoch endlich, kommt der „knappen Kasse“ in seiner Selbstverständlichkeit Alltagsrealität zu und es wird als solche kaum bezweifelt, wenn ein Politiker daher kommt und einfach sagt: die Kassen sind leer.

Geld schmilzt dahin, zerrinnt, wird verdient, arbeitet, wird zum Fenster raus geschmissen, gehortet, auf die hohe Kante gelegt oder in den Strumpf gesteckt. Es ist bare Münze oder Papier oder einfach ein Zeichen auf einem Display. In anderer Form kann man es in Händen halten, Wein damit zahlen, es zum Spielen nutzen, eine Linie ziehen. „Am Gelde hängt, zum Gelde drängt – alles.“ Das wusste Goethe nur zu gut.

Diese eigenartige Substanzlosigkeit erlaubt dem GELD überall hin zu diffundieren, alles anzustossen, zu kontrollieren und weckt Begierden, ohne in die materiellen Prozesse wirklich einzugehen, geschweige in ihnen aufzugehen. Das ist auch mit der grossen „Volatilität“ gemeint. Wichtiger allerdings ist dabei, dass es in rasender Geschwindigkeit seinen Ort verändern kann, sofern es noch einen hat.

Weiter scheint der Markt dieser besonderen Ware zumindest heute noch keine Sättigung zu kennen, endlich aber unbegrenzt. Wenn wir uns einmal von den alten Zöpfen trennen (Im Schweiße deines Angesichts, wer (wes Geld) nicht arbeitet, der soll nicht essen), stellen wir sofort fest, dass der Mangel an Geld zu allen möglichen Kapriolen verleitet. In Frankfurt ohne Arbeit, geht noch; in Frankfurt ohne Geld, geht nix mehr!

Der nächstliegende Schluss hiesse, alle Anstrengungen darauf zu konzentrieren, die Produktion dieser Ware anzukurbeln und zum Mittelpunkt unserer Ökonomie zu machen. Dies in hoher Qualität. Damit würde nicht nur der Rang dieser Ware herausgestellt, sondern endlich begonnen, die immense Nachfrage zu bedienen.

Die Begehrtheit dieser Ware steigert die Nachfrage, was wiederum höhere Preise zur Folge hat, damit lässt sich mehr eintauschen, so dass in den Breiten, die über die entsprechende Industrie zur Produktion dieser Ware verfügt, die Lebenshaltungskosten sinken können. Sehen wir uns nur den prozentualen Anteil eines identischen Warenkorbes am Einkommen eines Brokers (Geldproduzent) und eines Kleinbauers (Bedarfsgüter) an.

Wir haben im letzten Kapitel aufgezeigt, dass Waren dann  ökonomisch viel versprechend sind, wenn sie sich der Geldform annähern. Statt demnach in schwerfällige Güter wie Atomkraftwerke sollte in die Produktion solcher Waren investiert werden, die kürzeste Umschlagszeiten aufweisen. Im Tausch mit diesen können dann andere Waren bezogen werden.

Hier gilt es, Exportweltmeister zu werden. Wenn wir weiterhin daran festhalten, auf alten Geleisen zu fahren, werden wir die Umbrüche nicht bewältigen können. Wir werden auch die neuen Formen der Existenz nicht zur Alltagswirklichkeit machen.


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