Frankfurter Gemeine Zeitung

Bemerkenswertes – Erste Februar-Woche 2011

Natürlich: die arabischen Revolten und Revolutionen rühren auch hier auf. Wie können die dumpfen islamistischen Massen plötzlich zivilisierte Dinge machen ?

Plötzlich fällt es sogar auf, dass wir so zivilisierten Westländer beste Beziehungen zu den Despoten unterhalten, daß das demokratisierende Geplapper über “Aufklärung” andererorts sich im wesentlichen auf die Bedingungen unserer eigenen Befindlichkeiten, besonders derjenigen mit genügend Finanzausstattung richten. Passend dazu sind die anti-islamischen Äusserungen der britischen Premiers und die begleitenden Großdemonstrationen der Rechten gegen Muslime in London.

Naja, zumindest eine Parallelentwicklung gibt es: die Müdigkeit an den postdemokratischen Verhältnissen hier hat Ähnlichkeit mit dem Unwillen an vor-demokratischen Umständen dort. Bei uns tritt das aber nur sporadisch auf und ist eher lokal beschränkt. In a-demokratischen Ländern wie Russland oder China (siehe zur dortigen Manipulation der Ereignisse hier) ist aber auch davon kaum die Rede.

Alle gleichen sich aber darin, dass lokale Selbststeuerung durch globale Systeme entmächtigt wird. Deshalb setzt ein wichtiger politischer Hebel von Mißbilligungen genau dort an.

Eine Solidaritätsdemonstration für die arabische Revolte am Samstag in Frankfurt unterstützten nur die Linken, selbst die geschwärzten Rhein-Main-Grünen können solchen Unternehmungen über den Öko-Einkauf hinaus inzwischen kaum noch etwas abgewinnen.

Viel Jubel in Frankfurt: in Soll und Haben kann man wieder feiern, jetzt sogar ökologisch! Neuen Rekord-Gewinn verspricht Deutsche Bank Chef Ackermann, da steigt doch der Kurs um 20 Prozent in den letzen Wochen – und noch mehr wird erwartet.

Zwei Umstände begleiten das Glück aus Frankfurt: eine Einigung über kriminelle Machenschaften des Instituts in den USA, bei der das Institut gegen Zahlung von 554 Millionen Dollar vom Steuerbetrug freigesprochen wurde. Und dann die wunderschönen Bedingungen in Europa, fast zinslos Geld von der Zentralbank leihen zu können, und gegen hohe Zinsen diese an “schlecht wirtschaftende Staaten” weiter zu verleihen. Der Gedanke an eine staatlich gesponserte Gelddruckmaschine liegt nicht fern.

Die Deutsche Bank kann sich dabei auf Medien und Politik verlassen. Das US-Spektakel wurde hier kaum publik, geschweige eine Nachfrage nach entsprechenden Untersuchungen hier. Im Gegenteil: kriminelle Machenschaften um die Frankfurter Banken werden eher gefeiert, alles freut sich etwa mit Roland Koch über dessen Vorstandsposten bei der Großbank UBS – er hat sich eben um den Finanzplatz Frankfurt verdient gemacht. Wie ist das wohl gemeint?

Auch das deutsch-französische Regierungs-Geschrei um die schlecht wirtschaftenden Staaten (die wie Irland und Spanien hierzulande bis vor kurzem als leuchtendes Beispiel für echte Globalisierungsgewinner präsentiert wurden) sowie die Medienunterstützung dafür wirkte letztlich verkaufsfördernd. Die Staatsanleihen dieser Länder waren in den letzten Wochen wieder sehr gefragt, wurden vielfach überzeichnet. Die Banken wie die Anleger wissen offensichtlich, wie sie sicher viel Geld damit verdienen.

(Ein wunderschöner Simmungsbericht über Irland, die Psychogeografie Dublins findet sich hier)


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