Frankfurter Gemeine Zeitung

Ein Wintermärchen

Kompromisse – historisch

Na, ist doch prima gelaufen. Nachdem in Hamburg die wohl entscheidenden Stimmen im Bundesrat flöten gingen, mit Scholz ein wortmächtiger Befürworter der sozialdemokratischen Jahrhundert-Reformen die Mikrofone dominiert, schon ist ein weiterer historischer Kompromiss gefunden. Keine Rede mehr von Mindestlöhnen, ebenso wenig von faulen Berechnungen. Die SPD ist in Geberlaune und die CDU einfach nur grosszügig. Hartz IV wird erheblich gesteigert. Damit ist auch vom Tisch wie mit sicheren Teuerungen im nächsten Jahr umzugehen sein, denn auch dies ist geregelt.

Es ist doch immer wieder beruhigend und herzerwärmend wie die SPD sich stets noch zum staatstragenden Vehikel umfunktioniert, selbst die wenigen sinnvollen Forderungen sofort fallen lässt, zu denen sie sich aufraffen konnte. Die holden Frauen Verhandlungsführerinnen strahlen, es gibt wieder mal nur Siegerinnen (und Frau Schröder ist schwanger).

Jetzt müssen wir uns von diesen zwei Blondchen erklären lassen, wieso es nur Gewinner gibt, wie das Weibliche doch für moralisch einwandfreie Handlungen steht. Es wird getrickst und geschachert, alles im Hinblick auf den Idioten, der oder die da ein paar Kreuzchen auf Altpapier machen soll.

Nun wird ein Run losgehen, die Innenstadt voller Hartz IV Leute, die mit dem Geld nur so um sich schmeissen.

Der Einzelhandel verzeichnet dann Rekord um Rekord, geschuldet der monumentalen Nachzahlung. Ebenso gut gelaunt die Automobilindustrie, die endlich ihre Kleinwagenhalden los wird.

Der neueste Geschäftsklima-Index zeigt, dass die deutschen Unternehmer schon reagiert haben und es kaum erwarten können, dass dieser ungeheure Schub, den wir den Frauen von der Leyen und Scheswig gar nicht genug danken können. Die katholischen Gruppe in Hartz IV haben bereits einen Dankgottesdienst im Kölner Dom organisiert, dabei sind die Damen evangelisch.

Deutschland, du Land des guten Gewissens, du Hort der sozialen Gerechtigkeit, jetzt kann die Politik ausschwärmen und den Rest Europas genau so organisieren. Die Kritik, dass bei uns zu wenig konsumiert wird, wird jetzt endlich verstummen.

Sämtliche Medien werden endlich wieder voller zufriedener Gesichter sein, in den Stuben wie auf den Schirmen.

Verständlich, dass der Zorn bei der FDP Stammklientel sich nun irgendwie Luft machen muss, wenn sie in ihren SUV sitzen und der Strom der Einkaufenden, der sich über die Zebrastreifen ergiesst , einfach nicht abreissen will und sie so auf der Stelle festgenagelt sind. Während dieser aufgezwungenen Wartezeiten wird ihnen klar werden, dass dieser grossmäulige Vorsitzende ein falsches Spiel mit ihnen gespielt hat als er Steuerkürzungen ankündigte, die – das ist jetzt klar – nicht kommen. „Guido gib uns unsere Euro wieder“, schallt es in den Hinterzimmern der Nobel-Etablissements.

Derweil herrscht fröhliches Treiben in den Innenstädten, der Betrag für Alkohol ist zwar gestrichen aber das tut nichts zur Sache.

Die deutschen Gemeinden frohlocken ebenfalls können sie doch mit dem Bildungspaket endlich ihre Personalkosten begleichen und die Turnhallen auslasten. Auch Theater und Oper freuen sich bereits auf die grössere Nachfrage seitens eines jüngeren Publikums, das demnächst derart alimentiert in die Häuser strömen wird. Hier kann durchaus in Kauf genommen werden, dass ein Teil der Gesangsstunden dann für DSDS etwas zweckentfremdet wird.

Der Arbeitgeberverband lädt zum Umtrunk, ist doch die Leiharbeitsgeschichte und der Mindestlohn jetzt vom Tisch, was weitere 0,2 Punkte im Klima-Index bringt. Krise, welche Krise, es bedarf einiger mutiger Entscheidungen und fertig.

Ja unsere Frauen, die verstehen was vom Haushalten.

Nach dem Krieg haben sie das Land mit ihren Händen aufgebaut, dann haben sie für Nachwuchs gesorgt und jetzt zeigen sie auf höherer Ebene, was sie gelernt haben, sind sie nicht zum Knuddeln, die Blondchen im Besonderen.

Hart in der Sache, moderat im Umgang und viel Kosmetik für die Empfänger, so geht post-moderne Problembewältigung, meine Herren!

Und das geht nächstes Jahr so weiter, denn dann wird aufgestockt, was das Zeug hält. Der Effekt auf die Zuwachsraten im nächsten Jahr lässt den Chef-Ökonomen der Bild-Zeitung Herrn (Un-)Sinn seine Essays von vor der Krise schnell verbrennen und den Beitrag der Hartzer zur Binnenkonjunktur in höchsten Tönen besingen.

Man muss den begeisterten Massen in ihrem Taumel manch kleine Übertreibung nachsehen, wenn z.B. Fünf-Euro-Scheine aus den Fenstern fliegen. Die tun nicht weh. Dass sie dazu benutzt werden, sich die Lines durch den Kolben zu ziehen, ist ein böswilliges Gerücht, verbreitet von den Langweilern aus strukturkonservativem Hamburger Bürgertum und frustrierten Existenzen, denen die spätrömische Dekadenz davon zu eilen droht und die die Liegen mit Hartzern besetzt vorzufinden riskieren.

Da zeigt sich, wer auf der Seite des Volkes steht, nicht bei der Linken und die Grünen haben sich als Verweigerer dieses historischen Kompromisses deutlich geoutet.

Das Volk besingt Ministerin

In allerhöchsten Tönen

Berauschet sinken Hartzer hin

Und tun dem Laster frönen.

Des Reichtum endlich Zeit

Zu schön um wahr zu sein

Wir küssen den 5-Euro-Schein

Nächst Jahr es Taler schneit .


21 Kommentare zu “Ein Wintermärchen”

  1. gaukler

    “Die katholischen Gruppe in Hartz IV haben bereits einen Dankgottesdienst im Kölner Dom organisiert” – echt ?

  2. trickster

    Ein untrügliches Zeichen für die Erkennung eines “unverschuldet” in Not geratenen ist die gezeigte Dankbarkeit. Das ist seit ewigen Zeiten dessen Ausweis. Und ähnlich wie zu Fuggers Zeiten gibt es auch heute katholische Hartz IV Typen. Da es hienieden keine Gerechtigkeit und Belohnung gibt, bringt man die Dankbarkeit zum Ausdruck, indem man sich ums Seelenheil des Spenders kümmert.
    Ei, ei, und das von einem Agnostiker.

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