Frankfurter Gemeine Zeitung

Kristina Schröder- Symptomatisch für eine Generation?

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Frau Schröder ist sich ihres Erfolges und ihrer Position durchaus bewusst. Ihr ganzes Auftreten strahlt eine Mischung aus Selbstbewusstsein und Lebensfreude aus und dies lässt sie sich weder von ihren politischen Gegnern, noch einer grantelnden Altfeministin nehmen.

Bestimmt wäre Frau Schröder bei einem Treffen zu Kaffee und Kuchen oder auch einem Brunch mit Grüntee und Sushi eine recht angenehme Gesellschaft.
In ihrer Familienpolitik ist sie, für eine CDU-Politikerin, äußerst modern und liberal.
Außerdem erweckt sie den Eindruck, als sei sie bereit, auf jeden zuzugehen.
Schließlich gehörte sie schon der sogenannten „Pizza-Connection“ an, im Rahmen derer erste Grundlagen für eine Schwarz-Grüne Zusammenarbeit gelegt wurden.
Auch mit dem Computer Chaos Club und der Piratenpartei zeigt sie sich durchaus gesprächsbereit.
Man könnte sie beinahe schon als „erfrischend unideologisch“ bezeichnen, wären da nicht ihre reaktionären geistigen Ausfälle, die scheinbar gar nicht zum Charakter unserer sympathischen jungen Ministerin passen, tatsächlich aber, bei näherem Hinschauen, folgerichtig ihrem Weltbild und ihrem Charakter entsprechen.

Denn man darf nicht vergessen:
Kristina Schröder ist jung, erfolgreich glücklich verheiratet, schwanger und weiß, dass sie ihr persönliches Glück zu einem guten Teil dem herrschenden politischen System verdankt. (Naja… ihre Schwangerschaft vielleicht nicht, auch wenn es hin und wieder vorkommt, dass Menschen von diesem System gefickt werden.)

Außerdem ist sie Christin und weiß deshalb, dass sie zu den Guten gehört. Wenn ein System dazu führt, dass es ihr als gutem Menschen gut geht, so muss folglich auch das System selbst gut sein.
Wer hingegen eine tatsächliche oder vermeintliche Bedrohung für dieses System darstellt, muss böse sein.
Außerdem bedroht so jemand ihr gemachtes Nestchen und natürlicherweise gebietet es ihr gesamter Instinkt, auf jeden der dies wagt, fauchend und mit aufgerissenem Schnabel zuzugehen, wie eine Muttergans, der man eines ihrer Küken klaut.

Wahrscheinlich wäre Kristina Schröder tatsächlich liberal, wenn da nicht dieser Angstkomplex wäre. So aber ist sie nur dem gegenüber liberal eingestellt, vor dem sie keine Angst hat.
Islamisten zum Beispiel machen ihr Riesenangst, obwohl sie immer wieder betont, dass sie grundsätzlich nichts gegen den Islam habe.
Deshalb setzt sie sich auch für Islamunterricht ein und für die Öffnung der CDU für verfassungstreue Muslime. Sie wünscht sich den gebändigten und angepassten Moslem, denn vor dem muss sie keine Angst haben. Dem gegenüber ist sie dann natürlich auch gerne weltoffen, wodurch sie sich von den traditionalistischen Hardlinern ihrer Partei, die den Türken die Belagerung Wiens noch immer nicht verziehen haben, unterscheidet.

Linke machen Kristina Schröder ebenfalls große Angst. Vor allem weil diese sich nicht so gerne bändigen lassen und die Tendenz haben, das System, welches ihr warmes Nestchen bildet, zu kritisieren. Christlich sind die meisten Linken auch nicht wirklich, also sind sie gewissermaßen Kristina Schröders Antithese und damit böse.
Und wenn jemand böse ist, dann muss man ihn überwachen damit man ihn kontrollieren kann. Denn wenn man jemanden kontrolliert, muss man nicht mehr so viel Angst vor ihm haben.
So bastelt Kristina Schröder an einer Welt, in der Kristina Schröders endlich angstfrei ihre Kinder in einer Wiesbadener Nobelgegend aufziehen können, ohne ständigen Bedrohungen durch Deutschfeindlichkeit, Killerspiele und Linke ausgesetzt zu sein.
Um mehr geht es ihr gar nicht.
Alle anderen sollen so weiterleben wie bisher, denn was scheren sie die anderen, sofern sie keine Gefahr darstellen?

Mit diesem Denken ist sie allerdings nicht alleine, sondern es ist in ihrer/meiner Generation sehr verbreitet.
Und grundsätzlich halte ich es nicht einmal für falsch, unideologisch und situativ zu denken.
Meine Anfangs erwähnten älteren Freunde, werden bei diesem Satz wahrscheinlich schon entrüstet den Kopf schütteln.
Einer dieser Freunde bedauerte es, dass das Potenzial zur Radikalität in meiner Generation verlorengegangen sei. In den Sechzigern sei es noch einfacher gewesen 50.000 Menschen für ein politisches Anliegen auf die Straße zu bringen, heute dagegen könne man froh sein, wenn 500 Leute zur Demo kommen.
Ich hingegen stelle mir manchmal die Frage, ob dies wirklich bedauerlich ist, denn einen abgeklärten Umgang mit allen Arten von Ideologismen und Moralismen halte ich für geradezu wünschenswert.
Ich würde mich beispielsweise nicht auf die Straße stellen und Transparente mit dem Konterfei Mao Tse Tungs spazieren tragen, denn das System, welches dieser verkörperte, entspricht nicht meinen Vorstellungen einer freien und menschenwürdigen Gesellschaft.
Auch bin ich nicht der Meinung, dass alles Private politisch sei und würde wie ein Löwe für mein Recht kämpfen, auch in einer Wohngemeinschaft bei verschlossener Tür zu kacken.
Außerdem produzieren ideologische Radikalismen regelmäßig Realzustände, die ein Zerrbild ihres gutgemeinten Anspruches darstellen.
Nehmen wir einmal das „herrschaftsfreie“ Zusammenleben in den heute noch existierenden linken Kommunen, in denen bewusst auf demokratische Abstimmungen verzichtet wird, da diese auch eine Herrschaft der Mehrheit darstellen.
In allen derartigen Gemeinschaften, die ich bisher kennenlernen durfte, endete der „herrschaftsfreie“ Zustand in der tatsächlichen Herrschaft einiger charismatischer Wortführer einschließlich Ausgrenzung jeglicher Abweichler, letztlich also in einer weit rigideren Herrschaftspraxis, als sie jedem demokratischen System besteht.
(Vielleicht sollte ich einmal etwas darüber schreiben, warum dies ein Prozess ist, der fast zwangsläufig eintritt)

Tatsache ist, dass jede Ideologie eliminatorische Tendenzen gegen Ideologien entwickelt, deren Zielvorstellungen ihr entgegengesetzt sind. Mit diesen gehen dann leicht, wenn auch nicht zwangsweise, eliminatorische Tendenzen gegen die Menschen, die sie vertreten einher.
Die Ideologiefreiheit meiner Generation ist in diesem Sinne eigentlich über weite Strecken durchaus angenehmer Zustand, da sie zu einer Philosophie des „Leben und Leben lassen“ führt, die sich auf jeden erdenklichen kulturellen, sozialen oder weltanschaulichen Unterschied erstrecken kann.
Auch eine konservative Kristina Schröder käme nicht mehr auf die Idee einen Menschen beispielsweise aufgrund seiner Homosexualität zu verdammen oder eine andere Frau geringzuschätzen, bloß weil sie häufig wechselnde Sexualpartner hatte.

Mein Freund, der das fehlende Potenzial meiner Generation zum Radikalismus bedauerte, gab zu, früher selbst politisch sehr radikal links gewesen zu sein.
Man stelle sich einmal vor, er hätte damals tatsächlich genug Andere für seine Sache motivieren können um eine erfolgreiche Revolution durchzuführen und eine Gesellschaftsform nach seinen Vorstellungen erzwingen können.
Er hätte wohl damals einen Zustand geschaffen, den er aus heutiger Sicht selbst nicht mehr haben wollte.

In diesem Sinne begrüße ich, dass meine Generation allen „heilsbringenden“ und „alleinseligmachenden“ ideologischen Konzepten eher abgeneigt gegenübersteht.

Leider hat es meine Generation aber noch nicht geschafft, sich von allen überkommenen Heilslehren loszumachen. Insbesondere liebgewonnene Ideologiereste vergangener Jahrhunderte erweisen sich, wie alles Verkrustete und Eingetrocknete, als äußerst hartnäckig.
So führt die vermeintliche Ideologiefreiheit viel zu oft zurück zu konservativen, christlichen und abendländischen Werten, anstatt über diese hinauszudenken, was sich auch bei unserer jungen Ministerin zeigt.

Einer der wichtigsten Antriebe hierfür ist die Statuspanik, die meiner Generation gewissermaßen in die Wiege gelegt wurde.
Statuspanik führt fast zwangsläufig zu Konservatismus, da der eigene Status (egal ob gut oder schlecht) auch immer an die Verhältnisse des eigenen Umfelds gekoppelt ist.
Darum wünscht jemand, der unter Statuspanik leidet natürlich, dass die herrschenden Verhältnisse, die seinen Status bedingen, möglichst erhalten bleiben.
Dies ist in meiner Generation verständlicherweise recht verbreitet.
Schließlich ist meine Generation zumindest in den Industrieländern in einem unglaublich wohlhabenden und geregelten Umfeld großgeworden.
Dieses Umfeld scheint aber bedroht, durch die Prozesse der Globalisierung.
Wer vor diesen Prozessen Angst hat, flüchtet sich in das Althergebrachte, also das Konservative, das Häusliche, den eigenen akademischen Abschluss, den eigenen wirtschaftlichen Erfolg, die eigene Familie und wird auf jede Bedrohung dessen reagieren. Mit Reaktion. Reaktionärer Reaktion im wahrsten Sinne des Wortes.

In diesem Sinne scheint die Statusangst der große Feind zu sein, den meine Generation besiegen wird müssen, wenn sie nicht als bieder und rückschrittlich in die Geschichte eingehen will.


18 Kommentare zu “Kristina Schröder- Symptomatisch für eine Generation?”

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