Frankfurter Gemeine Zeitung

„Steiner, Steiner über alles“ und ein Hilferuf

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Wer weiß etwas über den Verbleib des seit sechs Wochen verschwundenen Journalisten Thorsten Kraechan aus Mörfelden-Walldorf?

Ich habe den so ziemlich untergegangenen Beruf des Buchhändlers in Trier erlernt, in einer ziemlich großen, ziemlich guten Buchhandlung. Eine Buchhandlung, die es lange nicht mehr gibt. Wenn es sie noch gäbe, dann würde sie als ein leuchtendes Beispiel einer dem Zeitgeist und Einkaufsverhalten diametral entgegengesetzten Institution gefeiert werden. Eine Buchhandlung, die auf fast 1000 qm eher einer Bibliothek glich. In der noch vorbildlich ausgebildet wurde, in der noch Menschen arbeiteten, welche die Berufsbezeichnung Buchhändler zu recht trugen.

Eine Macke hatte jedoch der Chef, oder seine zweite Ehefrau. Die war Anthroposophin. Es gab eine große Abteilung mit den ungezählten Pamphleten des „Universalgenies“ und der seiner Jünger. Anfang der achtziger Jahre waren die Anthroposophen auch in Trier eine gut vernetzte Gesellschaft: Waldorfschulen, Lesekreise, Malwerkstätten und was das spinnerte „Genie“ Steiner noch alles so losgetreten hatte. Und ich schwöre, noch ehe die sie nur ein Wort gesagt hatten, wußte ich, ihnen mußte ich den Weg in den ersten Stock weisen. Man entwickelte schnell ein Sensorium für die Mitglieder dieser „Sekte“, anders lassen sich für mich diese von „Geheimwissen“ erleuchteten Menschen nicht beschreiben.

Das „ganzheitliche“ Lernen wurde als große Errungenschaft propagiert. „Ganzheitlich“ hieß jedoch Abschottung der Kinder vor den „Gefahren“ der modernen Gesellschaft, vom untersagten Eisessen bis zum Fernsehverbot. Kritisches Infragestellen der verqueren Ideologie des „Meisters“ war verpönt.

Vor nun 150 Jahren hat sich das sterbliche Gefäß Rudolf Steiners bequemt, zu uns zu kommen. Und die bürgerliche Presse eiert in erstaunlichem Maße in ihren Gedenkartikeln herum. Sicher, er war („zeitweise“) ein Rassist, er war hatte zu allem und jedem was zu sagen, 6000 Vorträge hat er landauf, landab gehalten, als ein schamloser Eklektiker. Einer, meine ich, dem gegenüber sich ein Freiherr zu und ab Guttenberg sich als Gralshüter abendländischem Wissenschaftsethos positionieren könnte. In den publizistischen Steiner-Gedenkfeiern löst man den „ganzheitlichen“ Erziehungs- und Gartenanbaugedanken aus dem verquasten „Gesamtgedankengebäude“ heraus und fördert so frohgemut die Rehabilitation eines, mit Verlaub, Scharlatans. Möglicherweise, weil man es sich nicht mit den Abonnenten einer der Scientology verwandten Organisation verderben will?

Nur ein Artikel nannte Roß und Reiter. Am 26. Februar veröffentlichte die Berliner Tageszeitung Die junge Welt einen Artikel von Thorsten Kraechan zum Thema mit dem Hinweis: “Die junge Welt bittet um Mithilfe: Thorsten Kraechan, der Autor des obenstehenden Artikels, ist seit mehr als sechs Wochen verschwunden. Seine Wohnung in Mörfelden-Walldorf hat er seitdem nicht mehr betreten, auf seinem Konto gibt es keinen Zahlungsverkehr. Seine Angehörigen und seine Freunde haben nichts mehr von ihm gehört. Wer ihn zuletzt gesehen hat, meldet sich bitte bei der Feuilletonredaktion dieser Zeitung; cm@jungewelt.de. Telefon: 030 / 53 63 55-12
Ich kenne Thorsten Kraechan nicht persönlich, unterstütze aber diese Suchanfrage.

Zur wohlgefälligen Beachtung sei Kraechans Artikel hier wiedergegeben.

“In ihm wohnt etwas
Anruf von außerhalb unseres Planetensystems: Rudolf Steiner hätte 150. Geburtstag

Von Thorsten Kraechan

»Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, daß diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiß und als ein Seitenhieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune – das sind immer die aussterbenden Teile. Die Weißen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln.«

Rudolf Steiner, Die Schöpfung der Welt und des Menschen

Am Sonntag vor 150 Jahren wurde der spirituelle Führer der Anthroposophen, Rudolf Steiner, geboren. Im Vorfeld des Jubiläums wurde der Okkultist mit großangelegten Kampagnen zur Bildungsbürger-Ikone aufgebaut. Während der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst weilte er an Bushaltestellen in Plakatform wenigstens optisch unter den Lebenden, in den Messehallen hatten seine Jünger unter einem dezenten Steiner-Schrein mehrere Kubikmeter druckfrische Echolalien seiner eklektischen Vorträge aufgebahrt. Steiner schrieb nicht, er ließ schreiben. Kaum ein Thema, das es schaffte, nicht auf diesem Weg ganzheitlich von ihm bewältigt zu werden, wenigstens posthum per Miniheft, das Steiners spezielle Sicht auf dieses oder jenes spezielle Thema erläutert.

Nachdem aus Steiners stofflichem Leib 1925 das Leben wich, blieb der Steinerismus ein lebendiger Kult. Das Konterfei des dandyesken Denkasketen mit den Argusaugen starrt in unzähligen Einrichtungen von den Wänden. Im Leben vor dem Tod hatte er so viel über das Leben danach diktiert, daß seine eigene Todesursache mysteriös bleiben mußte: Er starb nicht an ordinärem Magenkrebs, sondern »der Ätherleib (konnte) nicht mehr richtig in die Verdauungsorgane eingreifen« (Michael Grandt, »Schwarzbuch Waldorf«).

Wie begehen die Jünger das Wiegenfest? »Statt großer Geburtstagsfeiern« wünscht die erweckte Diplomingenieurin Judith von Halle in den infoseiten anthroposophie, daß »auch die Vertreter der Anthroposophischen Gesellschaft weniger ein Spiegel gegenwärtiger Zeitgeist-Erscheinungen wären, sondern Fackelträger christlicher Spiritualität«. Zeitgeist ist für von Halle alle »wohlwollende bis vollmundige« Kritik an Steiner, die in der Regel »lediglich die eigene Mediokrität zum Ausdruck bringt«. Ihre Fackel ist nicht die des »weltabgewandten Spiritismus«, sagt sie. »Im Gegenteil. In erster Linie geht es nicht darum, wie man nun (endlich) Zugang zu höheren Welten gewinnt, sondern darum, ein für das soziale Gefüge brauchbarer Mensch (…) zu werden.« Ihr geht es um die Abrichtung des einzelnen. Wer sich nicht nach oben strampelt – Steiners Welten liegen in großen Höhen –, ist unbrauchbar.

Scharf kritisiert die Tugendwächterin ihre Glaubensgemeinschaft für die Anpassung an die (uneingeweihte) Öffentlichkeit: So »ergeht man sich fast ausschließlich in der Hervorhebung dessen, was außerhalb anthroposophischer Kreise salonfähig erscheint: Sozialimpuls, Landwirtschaft, Schule«, statt »zu einem solchen Anlaß einmal ernsthaft auf die okkulte Biographie Rudolf Steiners einzugehen«. Von Halles eigene okkulte Biographie kann sich sehen lassen: Nach vierjähriger Nulldiät, die nötig war, um ihre »Sinneswahrnehmung (…) wie bei einem Raubtier« zu schärfen, wurde sie christliche Märtyrerin mit Stigmata-Performance und gelangte zur geheimwissenschaftlichen Überzeugung, AIDS sei eine »Folge des Glaubens«, daß der Mensch »vom Affen abstamme« (nach Steiner verhielt es sich genau umgekehrt).

In der Anthroposophie kommt ein Unding selten allein. Neoliberaler Leistungskult verschmilzt mit völkisch-rassistischem, latent antisemitischem Elitebewußtsein und faschistoider Wellness-Ästhetik. (…) Vom Alltag in ihrem Bienenstaat erzählt ein Comicstrip im Wellness-Magazin von Weleda. Eine Musterfrau, als Comicfigur eher antik, schmiert früh am Morgen die Pausenbrote für ihre Musterkinder, die sie im Kleinwagen zur Schule fährt. Den eleganten Gatten bekommt sie erst abends zu Gesicht. Bleibt sie morgens auch nur ein paar Minuten liegen, rächt sich das. Sie vergißt Unterlagen für ein Meeting. Ihr Chef ist ein riesiger Eierkopf mit schnabelförmiger Nase und Hut, ohne Körper. Abends ißt sie allein, aber lernt aus ihrem Fehler, schläft weniger, und prompt erscheint die Welt in warmen Grüntönen. Startet sie nur munter genug in die Sklaverei fürs soziale Gefüge, ist der straff durchorganisierte Stundenplan der ganzheitlichen Familie gerettet, bis zum »gemeinsamen Abendessen« mit dem Gatten. Der Chef erscheint als normal proportionierter, angenehmer Gesprächspartner mit weichen Gesichtszügen. »Kaffeepause und interessantes Gespräch mit dem Chef« notiert die Scherenschnitt-Mutter. Die Vorstellung von ihm als Eierkopf war eine Folge ihrer Faulheit. Eigentlich gibt es keine unangenehmen Chefs; nur faule, maulende Angestellte, die lieber schlafen, als anständig zu arbeiten.

Weleda-Leutchen sind in ihrer Freizeit heiter-gestreßte und aktiv-entspannte Rasenmäher, Wiesenausstecher, Leergutordner, Wandanstreicher, Geräteruderer, Heimwerker, Putzkräfte, Schrankauswischer, Tintenfaßfüller und Laubsauger. Sie wissen: »Morgens eine halbe Stunde vertrödelt, ist manchmal der ganze Tag im Eimer. Wer zeitig anfängt, macht sich das Leben schöner«. Welcher Nachbar liebt sie dafür nicht?

Auch »der deutsche Psychologe« Robert Betz pflegt Kontakte zu höheren Welten und Wesen mit enormer Willensstärke. Seine Bücher und CDs für das Wachwerden und »Anfangen« füllen Regale. Betz operiert völkisch und antiintellektuell, ohne Fachchinesisch; er übersetzt anthroposophisches Vokabular (von höheren Welten über Engel bis zu Indigo-Menschen) ins Kumpelhaft-Bodenständige. Sein Werk umfaßt tiefsinnige Sprüche wie »Wenn eine Frau zuviel Männersamen abbekommt, wachsen ihr kleine Bärte«, oder »das Leben ist kein Arschloch«, haha. Die ordinäre Masche ist Teil der Marketingstrategie. Bei Onkel Betz orakeln die Engel aus »unverbogenem« Kindermund. Das entspricht Steiners Vorstellung vom »kindlichen Menschen« als einer Art »Telefonverbindung« zu Gott: »Haben wir ein Kind vor uns, das schon zu sich ›Ich‹ sagt, das wir also in gewissem Sinn als einen Menschen ansprechen, so müssen wir uns klar sein darüber: In ihm wohnt etwas, was eine Spiegelung ist von etwas, das nicht außerhalb unserer Erde, sondern außerhalb unseres Planetensystems tätig ist.« (Steiner, »Elemente der Erziehungskunst«).

Betz zufolge leiden die Geschlechter heute darunter, daß sie nicht genügend sie selbst sind – also nicht »ganz Frau« und nicht »ganz Mann«. Gesund macht, wenn die Frau sich auf ihr Urbild als wässriges Wandlungsprinzip bzw. »Salzkorn im Meer« besinnt und von Natur aus »empfangend« ist, während der Mann mit seiner angeborenen »Grundgeilheit« als »orgastisch tätiger« Urquell »mit ganz viel Lust durch die Welt geht«. »Der kleine Führer zum großen Erfolg«, Betz, läßt Frauen ihre Leiden kurieren durch Rückbesinnung auf »das Grundprinzip des Weibchens, sich zu öffnen«, bis »die Schleier sich heben«. Zu den Erretteten zählt Andrea Schirnack, die nach eigenen Angaben »aus der knallharten Journalismusbranche (RTL, Sat.1)« kam, bevor sie vom »hohen Gesetz« »beauftragt« wurde, auf das »Goldene Zeitalter der Liebe« hinzuarbeiten.

Hartz-IV-Empfängern wird mit Lektion eins in Betz’ Buch »Pinke, Knete, Mäuse« geholfen: »Ich akzeptiere den Gedanken, daß ich (…) meine finanziellen Probleme selbst erschaffen habe, und ich weigere mich, irgend jemanden, irgend etwas sonst dafür verantwortlich zu machen.« Schon gar nicht die Gesellschaftsordnung: »Erste Aufgabe eines Unternehmens ist es, gewinnorientiert zu arbeiten, nicht Arbeitsplätze zu sichern; Aldis und Lidls machen ihre Umsätze auch nicht in erster Linie mit Hartz-IV-Empfängern«.

Wer selbst für diese Discounter unbrauchbar ist, muß sich mit Betz’ »Wir sind Deutschland«-CD in Frage stellen: »Will ich weiter nur ein Nutznießer sein oder gar Schmarotzer des Gemeinwesens Deutschlands«? Hier wiegt das Schmarotzen besonders schwer, unter anderem weil es hier »so herrlich viele Brot- und Wurstsorten« gibt. Aber nicht nur, meint Betz: »Ich bin stolz auf Fähigkeiten, die es zwar auch in anderen Ländern gibt, aber selten so durchgängig und oft anzutreffen wie bei uns, so daß ich mich nicht scheue, sie als typisch deutsch zu bezeichnen. Dazu zähle ich unter anderem Professionalität, Präzision und Gründlichkeit, Qualitätsbewußtsein, Schaffensfreude, Schaffensdrang und Kreativität, Pünktlichkeit und Termintreue, Struktur, Ordnung und Sauberkeit«.

So klingt die bodenständige Spiritualität des esoterischen Volksgeist-Kollektivs im Jahre 86 nach Steiner: Pinke, Knete, Mäuse, das Recht auf die gesunde Grundgeilheit des Mannes, deutsche Wurst und Deutschland, Deutschland über alles.


24 Kommentare zu “„Steiner, Steiner über alles“ und ein Hilferuf”

  1. Anna Schneider

    Oh je…- selten habe ich einen dümmeren, vorurteilsvolleren, undifferenzierteren und befangeneren Artikel gelesen als den von Juergen Lentes!
    Nur der Artikel der jungen Welt von Thorsten Kraechan ist noch eine kleine Spur “faschistoider”, verlogener – und gehässiger…- zumal z.B. der erwähnte Psychologe Robert Betz sowieso nichts mit Anthroposophie oder Rudolf Steiner zu tun hat. Bewußter und leicht durchschaubarer Täuschungsversuch mit der bewußten Absicht, den Leser, den man für offensichtlich ziemlich dumm hält, mit propagandistisch-diffamierenden Gedänkengängen gegen die Anthroposophie zu mobilisieren. Nein danke…

  2. Wohlgemuth

    “Abschottung der Kinder vor den „Gefahren“ der modernen Gesellschaft” als mißratenes Schema der Walldorfschulen finde ich nun auch etwas platt.
    Die Alternative Handy-Üben und Teeny-Mobbing in der üblichen Hardcore-Schule ist wirklich nicht erstrebenswert. Hier werden die “Gefahren” der modernen Gesellschaft nicht nur gelernt, sondern pausenlos aufgebaut und verstärkt.

  3. Jürgen Lentes

    statt eines kommentars lassen wir doch mal den “meister” selber sprechen:

    … Steiners Rassenlehre wird von der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung bis zum heutigen Tage verbreitet – und ist somit offiziell als Lehre des Predigers von seinen Gralshütern, der Nachlassverwaltung, aufgenommen worden. Sie wird unter anderem als Teil der Steiner-Gesamtausgabe (GA) unter der Bibliographie-Nr. 349 publiziert, hat einen Band-Umfang von 264 Seiten und kostet 54 Mark. Der Titel ist anspruchsvoll: “Vom Leben des Menschen und der Erde – über das Wesen des Christentums”. Auch heute ist dieser Band in Deutschland in jeder Buchhandlung erhältlich oder zu bestellen. WELT am SONNTAG machte am 26.Februar 1997 zum Beweis einen Testkauf.

    Erstmals ist Steiners Rassenlehre 1943 – also während der Hitler-Zeit – als “Einzelausgabe” im schweizerischen Dornach herausgebracht worden. Die Nachlassverwaltung legt Wert darauf, dass es an der Authentizität der Lehre nicht das Geringste zu zweifeln gibt: Der Steiner-Vortrag am 3.März 1923 für die Arbeiter an Steiners Goetheanum-Bau in Dornach bei Basel sei von der Berufsstenographin Helene Finckh mitstenographiert und in Klartext übertragen worden, wird unter dem Stichwort “Hinweise” auf Seite 255 betont. der zweiten Auflage von 1980 liege eine vollständige Neuübertragung des ursprünglichen Stenogramms zugrunde. In der jetzigen Zusammenstellung erschien die erste Auflage 1961, die heutige zweite Auflage 1980. In dem Band wird Steiners Rassenlehre von Seite 52 bis Seite 68 ausgebreitet – mithin über 17 Seiten.
    Nicht der von Steiner darin benutzte Begriff “Neger” ist Rassismusbeweis, sondern seine Gedanken. Anthroposoph Steiner selektiert die Rassen in Schwarze mit “Hinterhirn” und “Triebleben”, in Gelbe mit “Mittelhirn” und “Gefühlsleben” und in Weisse mit “Vorderhirn” und “Denkleben”. Steiner legt damit Selbstzeugnisse seines Rassismus ab. WELT am SONNTAG dokumentiert nachfolgend einige dieser Selbstzeugnisse aus der heutzutage erhältlichen zweiten Auflage:

    Rudolf Steiners Vortrag 3.3.1923:

    “Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, dass sie jetzt in Europa eine so grosse Rolle spielt…”

    “Diese Schwarzen in Afrika haben die Eigentümlichkeit, dass sie alles Licht und alle Wärme vom Weltenraum aufsaugen. sie nehmen das auf. Und dieses Licht und diese Wärme im Weltenraum, die kann nicht durch den ganzen Körper durchgehen, weil ja der Mensch immer ein Mensch ist, selbst wenn er ein Schwarzer ist. Es geht nicht durch den ganzen Körper durch, sondern hält sich an die Oberfläche der Haut, und da wird die Haut dann selber schwarz. So dass also ein Schwarzer in Afrika ein Mensch ist, der möglichst viel Wärme und Licht vom Weltenraum aufnimmt und in sich verarbeitet. Dadurch, dass er das tut, wirken über den ganzen Menschen hin die Kräfte des Weltenalls (Buch: Zeichnung S.56, links). Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muss etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das , was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen drinnen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammenhängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben.

    Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.”

    Steiner fährt fort: “Manchmal wirft die Einrichtung des Menschen noch solche Nebenprodukte ab. Das kann man gerade beim Neger sehen. Der Neger hat nicht nur dieses Kochen in seinem Organismus, sondern er hat auch noch ein furchtbar schlaues und aufmerksames Auge. Er guckt schlau und sehr aufmerksam. Das könnten Sie leicht als Widerspruch auffassen. Aber das ist so: Wenn da vorne der Nerv des Auges sitzt (Buch: Zeichnung S.56), so gehen die Nerven just ins Hinterhirn hinein; die kreuzen sich da. Der Nerv, der geht also ins Hinterhirn. Und weil der Neger das Hinterhirn besonders ausgebildet hat, deshalb guckt er auch so schlau, deshalb ist er ein so schlauer Beobachter der Welt.”
    “.. wird alles klar” [Steiner: Nur die Weissen arbeiten "im Geiste"]

    Steiner führt weiter aus:

    “Wenn man das anfängt zu verstehen, so wird einem alles klar. Aber solche Betrachtungen, wie wir sie jetzt wieder machen, die macht die heutige Wissenschaft gar nicht. Sie versteht daher nichts von all dem …”

    Steiner lehrt in dem Vortrag ausserdem:

    “Die Weissen sind eigentlich diejenigen Menschen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen …”

    “Die weisse Rasse ist die zukünftige, ist die im Geiste schaffende Rasse …”

    Diese Rassentheorie Steiners wird im Buch, wie im Zitat erwähnt, auf Seite 56 mit einer dreiteiligen Zeichnung veranschaulicht. Steiner hat nämlich seine verbale Rassenlehre eigenhändig mit Skizzen visuell bekräftigt. Die Zeichnungen in dem Buch sind nach Angaben der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung “nach Wandtafelskizzen Rudolf Steiners” von Leonore Uhlig “ausgeführt” worden.

    Als Steiner in dem Vortrag seine Rassenlehre predigte, war er 62 Jahre alt. Diese Offenbarung Steiners geschah fast auf den Tag zwei Jahre vor seinem Tod, kann also als gültige Überzeugung eines reifen Mannes eingeordnet werden.
    Jochen Kummer, Hamburg

    Quelle: Magazin W5, Nr.6/97; Wer, wie, was, wo, warum des Christ-Seins im Alltag Schweiz; Zürich Redaktion Magazin W5; Impuls-Verlag AG, Postfach, 8023 Zürich, S.42-47

    Motto der Anthro-Irren, könnte es nicht lauten: Auch bei Hitler war nichjt alles gut!

    Bringt Euer Geld doch zum Psycho Betz. Ihr werdet Euer Geld zwar schnell los, aber ganz, ganz schnell zum “Geistwesen”. Ääh!

  4. Wohlgemuth

    “Bringt Euer Geld doch zum Psycho Betz. Ihr werdet Euer Geld zwar schnell los, aber ganz, ganz schnell zum “Geistwesen”.” was soll denn der Quatsch ?

  5. Jürgen Lentes

    Was ist daran nicht zu verstehen?

  6. Wolfgang Stadler

    Der wahre Kern der Anthroposophie:

    “Den Sinn der Welt verwirklicht – die von Weisheit erleuchtete und von Liebe erwärmte Tat des Menschen.”

    * “Das spricht sich in unserem ersten Grundsatz aus: einen Bruderbund zu gründen über die ganze Erde hin, ohne Rücksicht auf Rasse, Geschlecht, Farbe und so weiter.” – Die Welträtsel und die Anthroposophie (GA 54), S. 52f.

    * “Der Antisemitismus ist ein Hohn auf allen Glauben an die Ideen. Er spricht vor allem der Idee Hohn, dass die Menschheit höher stehe als jede Form (Stamm, Rasse, Volk), in der sich die Menschheit auslebt.” – Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887–1901 (GA 31), S. 412.

    * “Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit.” – Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis (GA 177), S.205.

    * “Es ist doch einerlei, ob jemand Jude oder Germane ist… Das ist so einfach, dass man fast dumm ist, wenn man es sagt. Wie dumm muss man aber erst sein, wenn man das Gegenteil sagt!” – Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887–1901 (GA 31), S. 198f.

    * “Durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen.” – Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis (GA 177), S. 205f.

    * “Unsere Gesellschaft vereint in einer gemeinsamen geistigen Strömung die Angehörigen der verschiedensten Rassen, Völker, die heute feindlich gegeneinander sind. […] Wir suchen das, was zerstreut war in der Welt, wiederum zu sammeln, und die Angehörigen der verschiedenen Nationen umfassen sich wieder brüderlich, werden Brüder innerhalb unserer Reihen.” – während der ersten Wochen des Ersten Weltkriegs, am 13. September 1914, in: Mitteleuropa zwischen Ost und West (GA 174a), S. 21.

    * “Wir sind als Menschen gleich […], einfach durch die Tatsache, dass wir alle Menschenantlitz tragen… Wir sind verschieden voneinander durch unsere individuellen Begabungen, die aber unserer Innerlichkeit angehören.” – Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen (GA 192), S. 39f.

    „Diese Indianer, die man ausgerottet hat bei der Eroberung von Amerika, sie waren ja nach der Ansicht der Europäer recht unkultivierte Menschen. Ja, äußerlich waren sie auch recht unkultivierte Menschen. Aber das Eigentümliche war, daß diese amerikanischen Indianer, die man ausrottete, ein ganz intensives übersinnliches Wissen hatten [...]

    Die Geschichte erzählt von allerlei Kulturwanderungen von Asien herüber nach Europa über Griechenland, Rom und so weiter. Aber sie erzählt nicht, daß noch eine andere Kulturwanderung stattgefunden hat, jetzt nicht auf dem Wege von Asien herüber nach Europa, sondern von Asien über den Stillen Ozean herüber nach unserem heutigen Westen, nach Amerika, auf den Wegen, die in alten Zeiten eben durchaus möglich waren. Dasjenige, was im Osten an Geistigkeit errungen worden ist, das ist gerade nach Amerika gebracht worden. [...]

    Aber man hat ihn [den Kontakt zu Amerika] so entdeckt, daß man die damaligen Amerikaner, die amerikanischen Indianer massakriert hat. Diese Art von Kulturausdehnung, das war die erste Etappe auf dem Wege, auf dem wir dann nach und nach weitergegangen sind. Ja, es ist in der Tat so, daß, als die Europäer nach Amerika gekommen sind, sie bei den Indianern wohl eine äußere Schmutzkultur in der materiellen Welt gefunden haben, daß sie aber auch gefunden haben ein hohes spirituelles Leben bei diesen sogenannten wilden Menschen, denen sie den Garaus gemacht haben. Und diese „wilden” Menschen haben bei jeder Gelegenheit gesprochen von dem Geiste, der in allen Einzelheiten ihres Lebens bei ihnen lebte. Es war für diejenigen Europäer, die etwas davon verstehen konnten, zuweilen ein großes Erlebnis, gerade die Art und Weise kennenzulernen, wie diese amerikanischen Indianer von dem großen Geiste redeten. Wodurch hatten sich im Laufe der Erdenentwickelung gerade diese äußerlich herabgekommenen Indianer die Möglichkeit bewahrt, zu diesem großen Geiste, der die Welt durchwellt und durchwebt, aufzuschauen? Dadurch hatten sie sich die Möglichkeit bewahrt, daß sie gerade äußerlich-physisch in einer gewissen Weise herabgekommen waren. Sie waren äußerlich-physisch verknöchert. Dadurch war ihnen geblieben, wie eine gewaltige Erinnerung, das Wissen von dem großen Geiste, das ihnen von Osten, von unserem Osten, aber auf dem anderen, dem entgegengesetzten Wege durch den Stillen Ozean, zugekommen war. Das hatten sie sich bewahrt. Sie hatten sich abgegliedert von der Seelenerkenntnis und leiblichen Erkenntnis die geistige Erkenntnis. Sie lebten gewissermaßen ganz aufgehend im Geiste.

    Die Europäer hatten eine heillose Furcht vor dem, was da als Kunde über den Geist von seiten der nordamerikanischen Indianer zutage trat. Die Europäer hatten ja auch schon früher dafür gesorgt, daß diese Furcht vor dem Geiste nicht ausgetrieben werde. Ich habe Ihnen öfters jenes denkwürdige Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 erwähnt, auf dem die katholische Kirche den Glauben an den Geist abgeschafft hat, auf dem die katholische Kirche dekretiert hat, daß man künftig nicht glauben dürfe an Leib, Seele und Geist, sondern daß man nur glauben dürfe an Leib und Seele. Und diese Abschaffung der Erkenntnis des Geistes, sie hat alles dasjenige bewirkt, was an wissenschaftlichem und Erkenntnis-Chaos über Europa gekommen ist. Es war daher kein Wunder, daß diese in der Furcht vor allem Geistigen erwachsene europäische Menschheit noch heillosere Angst bekam, als sie nun den amerikanischen Indianern mit ihrer Kunde von dem großen Geiste gegenüberstand.”

    (R. Steiner, GA 192, Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen, 20.7.1919, 5. 309—311)

    * “Die Liebe ist ein Erleben des anderen in der eigenen Seele.” – Die Schwelle der geistigen Welt (GA 17), S. 25.

    * “Es gibt im menschlichen Leben nichts anderes, was sozial richtig gedacht sein kann, als dasjenige, welches mit Mutterliebe sozial gedacht ist.” – Vortrag am 10. Januar 1919

    * “Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnis des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen.” – Philosophie der Freiheit (GA 4), S. 166.

    * “Nicht darauf kommt es an, daß ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, daß der andere das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage.” – Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? (GA 10) S. 70.

    * “Und die wichtigste Frage ist diejenige nach dem Wesen des Menschen selber: Den Menschen erkennen, den Menschen verstehen, mit den Menschen auskommen, mit den Menschen gemeinsam leben können. Das ist schließlich dasjenige, wohin im Grunde alles menschliche Denken doch tendieren muss, wenn der Mensch nicht den Boden unter den Füßen verlieren will.” – Die großen Fragen unserer Zeit, Archiati Verlag, 2005

    * “Wo Liebe, wo Mitgefühl sich regen im Leben, vernimmt man den Zauberhauch des die Sinneswelt durchdringenden Geistes.” – Die Schwelle der geistigen Welt (GA 17), S. 25.

    * “Frei ist der Mensch, insofern er in jedem Augenblick seines Lebens sich selbst zu folgen in der Lage ist.” – Die Philosophie der Freiheit

    * “Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von den Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.” – Geisteswissenschaft und soziale Frage. In: Luzifer-Gnosis, Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie 1903–1908 (GA 34) S. 213

  7. Wolfgang Stadler

    Rassismus und Nationalismus sind etwas ganz Furchtbares
    »Das ist ja etwas ganz Furchtbares, wie heute die Menschen hineinstreben in Rassen und Völker und wie sie allen Kosmopolitismus im Grunde begraben wollen.«
    Rudolf Steiner, 18. September 1924, Apokalypse und Priesterwirken, GA 346, S. 206.

    (ein halbes Jahr vor Steiners Tod)

    Nationaler Chauvinismus ist Opposition gegen den Geist
    „Dieses Pochen auf die Nationalität, dieses nur leben wollen in der Nationalität. Das ist die Opposition gegen das Geistig-Seelische, denn dieses Geistig-Seelische, das kümmert sich nicht um die Nationalität.”
    (GA 202, 14.12.1920, S. 154)

    Es gibt noch 1000 andere Zitate diesen Stils von R.Steiner – aber dazu müßte man ihn kennen – und nicht über ihn lügen und lästern und Halbwahrheiten verbreiten!

  8. Wolfgang Stadler

    Adolf Hitler schrieb persönlich im “Völkischen Beobachter” über “den Juden Rudolf Steiner”:
    … … …

    Im Verlauf der Londoner Angelegenheiten tauchen nun allmählich derartig geheimnisvolle Begleitumstände auf, daß es nicht nur zweckmässig, sondern endlich notwendig ist, sich diesen Herrn Minister, intimen Freund des Gnostikers und Anthroposophen Rudolf Steiner, Anhänger der Dreigliederung des sozialen Organismus und wie diese ganzen jüdischen Methoden zur Zerstörung der normalen Geistesverfassung der Völker heissen, etwas näher daraufhin zu besehen, ob das geistlose Gesicht nach Lloyd Georges Meinung wirklich nur die Folge des Mangels an Geist ist oder die Larve, hinter der sich anderes verbirgt. …

    …Polen wird Oberschlesien besetzen. Deutschland wird sich aubäumen. Frankreich droht im Falle eines deutschen Wiederstandes mit der Besetzung des Ruhrgebiets, und dann wird Herr Simons, der Mann mit dem geistlos-blöden Gesicht, wie Herr Lloyd George meint, das deutsche Volk wieder vertreten. Dann wird dieser Freund Deutschlands und Rudolf Steiners uns wieder aufmerksam machen, daß wir, um das Ruhrgebiet zu behalten, doch noch eher Oberschlesien abtreten können, denn Oberschlesien fördert 43 Millionen Tonnen Kohle und das Ruhrgebiet 115 Millionen Tonnen, und so wird man und denn unser (von) Gott und Vernunft verlassenes Volk wieder beschwätzen, nur ja um Gottes Himmelswillen keinen ernstlichen Widerstand, nur Ruhe und Besonnenheit, das bekannte Feldgeschrei der deutschen Zeitungslöwen oder Levi. Wir werden um des Friedens, der Ruhe und des Ruhrgebiets willen dann auf Oberschlesien verzichten und sechs Monate später aus irgend einem Anlass das Ruhrgebiet unter dem homerischen Gelächter der ganzen anderen Welt doch verlieren. Herr Simons aber wird nach wie vor blöde schauen. Wie sagt doch Lloyd George: ‘Er hat keinen Geist’
    Und das ist einer der Hauptgründe der Entwaffnung des deutschen Volkes. Denn dieses wehrlos gemacht werden und nicht die bayerischen Einwohner. Und deshalb protestieren wir dagegen und nicht aus Gründen spießerhafter Krähwinkelei.
    Und wer ist die treibende Kraft hinter all diesen Teufeleien? Der Jude! Freund des Doktor Rudolf Steiner, des Freundes Simons, des ‘Geistlosen’.”

  9. Wolfgang Stadler

    Blonde Bestien
    “Es war schon der Teufel, der den Menschen die Versuchung eingegeben hat, als Nietzsche-Anhänger selbst »blonde Bestien« zu sein.”
    (GA 177, Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt, 1´6.10.1917, S. 74)

  10. Wolfgang Stadler

    Abfertigung des Antisemitismus
    „Für mich hat es nie eine Judenfrage gegeben. Mein Entwicklungsgang war auch ein solcher, daß damals, als ein Teil der nationalen Studentenschaft Österreichs antisemitisch wurde, mir das als eine Verhöhnung aller Bildungserrungenschaften der neuen Zeit erschien. Ich habe den Menschen nie nach etwas anderem beurteilen können als nach den individuellen, persönlichen Charaktereigenschaften, die ich an ihm kennenlerne. Ob einer Jude war oder nicht: das war mir immer ganz gleichgültig. Ich darf wohl sagen: diese Stimmung ist mir auch bis jetzt geblieben. Und ich habe im Antisemitismus nie etwas anderes sehen können als eine Anschauung, die bei ihren Trägern auf Inferiorität des Geistes, auf mangelhaftes ethisches Urteilsvermögen und auf Abgeschmacktheit deutet [...], die jeder gesunden Vorstellungsart ins Gesicht schlägt.”
    (GA 31, Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887-1901, 01.09.1900, S. 199)

    „Der Antisemitismus ist nicht allein für die Juden eine Gefahr, er ist es auch für die Nichtjuden. Er geht aus einer Gesinnung hervor, der es mit dem gesunden, geraden Urteil nicht Ernst ist. Er befördert eine solche Gesinnung. Und wer philosophisch denkt, sollte dem nicht ruhig zusehen. Der Glaube an die Ideen wird erst dann wieder zu seiner Geltung kommen, wenn wir den ihm entgegengesetzten Unglauben auf allen Gebieten so energisch als möglich bekämpfen.”
    (GA 31, Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887-1901, 20. und 27.November 1901, S. 413).

    Bei denjenigen, bei denen das Karma einen Überschuß an Bösem ergibt, wird innerhalb des Geistigen das Böse ganz besonders hervortreten. Auf der einen Seite werden dann Menschen da sein von einer gewaltigen inneren Güte, von Genialität an Liebe und Güte; aber auf der anderen Seite wird auch das Gegenteil da sein. Das Böse wird als Gesinnung ohne Deckmantel bei einer großen Anzahl von Menschen vorhanden sein, nicht mehr bemäntelt, nicht mehr verborgen. Die Bösen werden sich des Bösen rühmen als etwas besonders Wertvollem. Es dämmert schon bei manchen genialen Menschen etwas auf von einer gewissen Wollust an diesem Bösen, diesem Dämonischen der sechsten Wurzelrasse. Nietzsches »blonde Bestie« ist zum Beispiel so ein Vorspuk davon.”
    [GA 93, Die Tempellegende und die goldene Legende, Vortrag über den Manichäismus am 11. November 1904 in Berlin, vor Mitgliedern der Esoterischen Schule der TG, S. 77.]

    „Eine Wurzelrasse heißt in der Geheimwissenschaft ein Schöpfungstag.”
    Rudolf Steiner, 14.11.1906, GA 245, S.101-102.

    „In den ersten atlantischen Rassen bestand noch ein starkes Zusammengehörigkeitsband, so daß die ersten Unterrassen sich auch nach der Farbe gliederten, und dieses Gruppenseelenelement haben wir noch in den verschiedenfarbigen Menschen. Diese Unterschiede werden immer mehr verschwinden, je mehr das individuelle Element die Oberhand gewinnt. Es wird eine Zeit kommen, wo es keine verschiedenfarbigen Rassen mehr geben wird. Der Unterschied in bezug auf die Rassen wird aufgehört haben, dagegen werden individuell die größten Unterschiede bestehen.

    Es wird dahin kommen, daß alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. Die Zusammengehörigkeit wird nicht mehr durch das gemeinsame Blut vorhanden sein, sondern durch das, was Seele an Seele bindet. Das ist der Gang der Menschheitsentwicklung.”
    (GA 99, Die Theosophie des Rosenkreuzers, 4.6.1907).

    Wenn dasjenige, was der Menschheit dienen soll, verwendet wird in dem Dienst einer abgesonderten Rasse, etwa um dieser Rasse die Oberherrschaft über die Erde zu verschaffen, dann ist das im großen Maßstabe schwarze Magie, denn es geschieht nicht im Einklang mit der Erdenführung. Es ist das erste Erfordernis: hinaus zu sein über das, was uns nur mit einem Teil der Menschheit verbindet.”
    (GA 101, »Mythen und Sagen.« 21.10.1907, anläßlich der Generalversammlung der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in Berlin, nachmittags in einem Vortrag über »Weiße und schwarze Magie«)

    Darum handelt es sich, daß das Wort Rasse eine Bezeichnung ist, die nur für gewisse Zeiten gilt. Um den sechsten Zeitraum herum hat der Begriff kaum mehr einen Sinn. Rasse halten nur noch in sich die Elemente, die von der atlantischen Zeit geblieben sind.”
    [GA 117, Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien, 4.12.1909, S. 164/5]

    Daher ist es so dringend notwendig, zu verstehen, daß unsere anthroposophische Bewegung eine geistige ist, die auf das Spirituelle sieht, und gerade das, was aus physischen Unterschieden herrührt, durch die Kraft der geistigen Bewegung überwindet. Es ist ja durchaus begreiflich, daß eine jede Bewegung sozusagen ihre Kinderkrankheiten hat und daß man im Anfang der theosophischen Bewegung die Sache so dargestellt hat, als wenn sozusagen die Erde in sieben Zeiträume zerfiele – man nannte das Hauptrassen – und jede der Hauptrassen in sieben Unterrassen; und daß das alles sich so stetig wiederholen würde, so daß man immer von sieben Rassen sprechen könnte und sieben Unterrassen. Aber man muß über die Kinderkrankheiten hinauskommen und sich klar sein darüber, daß der Rassenbegriff aufhört eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit.”
    [GA 117, Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien, 4.12.1909, 5. 151/2]

    »Soziales Verständnis, Gedankenfreiheit, Geist-Erkenntnis – das sind die drei großen Ziele, Impulse des fünften nachatlantischen Zeitraums [seit dem 15. Jahrhundert].«
    (GA 168, Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten, 10.10.1916, S. 113.)

    „Die Rasse ist etwas, was entstanden ist und wieder vergeht. Das Zeitalter in dem die Rassen sich gebildet haben, ist das lemurische und atlantische Zeitalter. Heute haben wir nur die Nachzügler der Rassen.”
    (GA 109, Das Prinzip der spirituellen Ökonomie, 9.6.1909, S. 234).

    „Sie wissen, wir können diesen Ausdruck Unterrasse aus oftgenannten Gründen nicht brauchen, weil man dadurch schon ein einseitiges, ein Gruppenziel verfolgt, während es uns nie um Gruppenziele zu tun ist, sondern immer um die allgemeinen menschheitlichen Ziele.”
    (GA 173, Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Das Karma der Unwahrhaftigkeit, 17.12.1916, S. 166)

    „Nun ist gerade das Allgemein-Menschliche das, was der Mensch an sich trägt, ohne daß es sich in dieses oder jenes Volkstum individualisiert, spezifiziert, was man sich durch die Geisteswissenschaft voll zum Bewußtsein bringen kann, weil ja alles das, was den Hauptinhalt der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft ausmacht, wirklich für jeden Menschen gilt, ohne irgendeinen Gruppenunterschied. [...]

    „Der Deutsche wird durch Geisteswissenschaft erkennen – er hat nötig, das in aller Objektivität und Demut aufzufassen –, daß er durch das, was die Volksseele zu seinem Ich spricht, dazu prädestiniert ist, das Allgemein-Menschliche durch seine Nationalität zu suchen. Daß er mitbekommt, was ihn über die Nationalität hinausführt, das ist das Nationale deutschen Wesens. Darin besteht das konkret Nationale deutschen Wesens, daß es durch das Nationale über die Nation hinausgetrieben wird in das allgemeine Menschentum hinein.”
    (GA 174 a, Mitteleuropa zwischen Ost und West, 23.3.1915, S. 72)

    „Verspüren wir, daß der Grundsatz, den wir haben innerhalb unserer Geistesbewegung, von einem gewissen Wirken, ohne Unterschied der Rasse, Farbe, Nationalität und so weiter, im Grunde genommen so eng zusammenhängt mit dem tieferen Wesen dieser unserer Bewegung, daß es ja eigentlich für den, der den tiefen Ernst der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten einsieht, ein Unsinn ist, diesen ersten Grundsatz nicht zu vertreten.”
    (GA 174 a, Mitteleuropa zwischen Ost und West, 3.12.1914, S. 36)

    Es ist jeder wirklichen Erkenntnis der Geisteswissenschaft zuwiderlaufend, wenn davon gesprochen würde, daß in demselben Sinne, wie es in der Vergangenheit führende Rassen für die einzelnen Kulturepochen gegeben hat, es etwa auch in der Zukunft eine solche führende Rasse geben würde, die namentlich durch Naturmerkmale hervorgebracht würde. Die uralt indische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, die alte persische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, ebenso die ägyptisch-chaldäische Kultur und die griechisch lateinische Kultur. Heute schon sehen wir, wie im Grunde genommen die Kultur nicht mehr getragen wird von einer führenden Rasse unmittelbar, sondern wie die Kultur sich über alle Rassen ausbreitet. Und die Geisteswissenschaft soll ja gerade dasjenige sein, was ohne Unterschied der Rassen und Stämme die Kultur über die ganze Erde trägt, insofern die Kultur Geisteskultur ist. [...]

    Ohne Unterschied eines äußeren Bekenntnisses muß Brüderlichkeit unter den Menschen sein
    „Wenn einmal nicht nur der Brahmine den Brahminen, der Paria den Paria, der Jude den Juden, der Christ den Christen lieben und verstehen wird, sondern wenn der Jude den Christen, der Paria den Brahminen, der Amerikaner den Asiaten als Mensch zu verstehen und sich in ihn zu versetzen vermag, dann wird man auch wissen, wie tief christlich empfunden es ist, wenn wir sagen: Ohne Unterschied eines jeglichen äußeren Bekenntnisses muß Brüderlichkeit unter den Menschen sein.”
    (GA 155, Theosophische Moral, 29.5.1912, S. 103-104)

    Jede Menschenseele trägt einen göttlichen Kern in sich
    „Zwei Grundimpulse sind es zunächst, welche ein wirklich moralisches Leben begründen können: Erstens der Glaube an das Göttliche auf dem Grund einer jeden Menschenseele, zweitens die aus diesem Glauben hervorsprießende maßlose Liebe zum Menschen … der dritte Impuls, das ist die Hoffnung für jede Menschenseele, daß sie den Weg wieder zurückfinden kann zu dem Göttlich-Geistigen.”
    (GA 155, Theosophische Moral, 29.5.1912, S. 103-104)

    Die anthroposophische Bewegung bietet eine Lehre, die allen Menschen zugänglich ist, ohne Unterschied von Rasse, Nation und Geschlecht.
    „Aber jetzt schon hört der Rassenbegriff auf, in bezug auf die Entwicklung der Menschheit einen rechten Sinn zu haben. Nicht wird es so sein, wie es zum Beispiel in früheren Zeiten war, daß für das, was als sechster Kulturzeitraum auf den unserigen folgt, von irgendeinem räumlichen Zentrum aus die Verbreitung dieser Kultur im wesentlichen geschieht, sondern, was wichtig ist, das ist, daß Theosophie sich verbreitet unter der Menschheit, daß sie – wie man bei ihrem Ursprunge sagte, als man noch mehr ein dunkles Bewußtsein von dem gehabt hat, was als theosophische Bewegung notwendig ist – eine Lehre sein muß ohne Unterschied von Rasse, Nation und Geschlecht. Aus allen Rassen heraus werden diejenigen, die durch die Geisteswissenschaft gegangen sind, für die sechste Kulturepoche kommen und über die Erde hin eine neue Kulturepoche begründen, welche nicht mehr auf einen Rassenbegriff gegründet ist, gegenüber welcher der Rassenbegriff nicht mehr seine Bedeutung hat. Kurz, das, was in der Welt Maja, der äußeren Räumlichkeit, eine Bedeutung hat, schwindet dahin. Das müssen wir allmählich verstehen lernen, indem wir uns weiter entwickeln mit der geisteswissenschaftlichen Bewegung. Das wurde im Anfange noch nicht verstanden. Deshalb sehen wir, wie das sonst so verdienstvolle Buch «Der buddhistische Katechismus» von Olcott, wenn wir es durchlesen, etwas hervorruft, als wenn sich Rassen immer gleichartig abwickeln wie Räder. Aber diese Begriffe verlieren ihre Bedeutung für die nächste Zeit, und wir müssen uns klar sein, daß diese Anfangsstadien der theosophischen Bewegung überholt sind und daß wir für die sechste Kulturepoche dem Rassenbegriff keinen rechten Sinn mehr beilegen können.”
    (GA 130, Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, 2.12.1911, S. 169/170)

    Die Menschheit ist von einer Einheit ausgegangen; aber die bisherige Erdenentwickelung hat zur Sonderung geführt. In der Christus-Vorstellung ist zunächst ein Ideal gegeben, das aller Sonderung entgegenwirkt, denn in dem Menschen, der den Christusnamen trägt, leben auch die Kräfte des hohen Sonnenwesens, in denen jedes menschliche Ich seinen Urgrund findet. … Indem zunächst in dem bloßen Gedanken erfaßt wurde, daß in Christus Jesus der Idealmensch lebt, zu dem die Bedingungen der Sonderung nicht dringen, wurde das Christentum das Ideal der umfassenden Brüderlichkeit. Über alle Sonderinteressen und Sonderverwandtschaften hinweg trat das Gefühl auf, daß des Menschen innerstes Ich bei jedem den gleichen Ursprung hat. (Neben allen Erdenvorfahren tritt der gemeinsame Vater aller Menschen auf. «Ich und der Vater sind Eins.»)
    (GA 13, Die Geheimwissenschaft im Umriß, Berlin 1910, Kapitel: »Die Weltentwicklung und der Mensch«, S. 293-294)

    So ist die Anthroposophie, das anthroposophisch verstandene Christentum keine Lehre, kein Dogma, keine Sektiererei, sondern es ist etwas anderes, es ist Leben, es ist etwas in die Zukunft hineinweisendes, es ist etwas, was das Herz höher schlagen macht im besten Sinne des Wortes, es ist etwas, was die Seele erhebt zu den größten Aufgaben der Gegenwart, weil die größten Aufgaben allein dem segensreichen Hoffen für die Zukunft entsprechen können. Dann werden wir das Christentum begriffen haben, wenn es uns Leben gibt für die Zukunft.”
    (GA 54, 1.2.1906, Die Welträtsel und die Anthroposophie, S. 276-278)

  11. JürgenLentes

    da kann man nur kontern mit weiteren rassistischen zitaten.

    mir drängt sich langsam der verdacht auf, daß der copy und paste-man seiner zeit seine so “gelehrten” vorträge, immerhin 6000 an der zahl, wie andere ihre gewaschenen unterhosen an der leine nach dem wind gehängt, resp. vorgetragen hat.

    und immer in einem gleichermaßen verschwimmelten stil, der den herrn goethe,auf den sich das “universalgenie” steiner so gern berief, die zornesröte ins gesicht getrieben hätte, wenn er denn diesen unfug noch selbst erlebt hätte. vielleicht hätte er christiane mit dem nudelholz losgeschickt, aber dann… heftig auf den vorderkopf!!! (bei den weißen)

    und man lasse doch einmal das begriffsinstrumentarium
    revue passieren! also, ich weiß nicht, der glaubt auch an astrologie, an mr. hubbard, die magie der bäume und geister, die ihm über die schulter gucken.

    wer da nicht das große kotzen kriegt,

    herr steiner war und bleibt ein scharlatan, ein betrüger ein opportiunist, eine kosmische null!, wer heute noch diesen verquasten quatsch inspirierend findet, dem ist auf dieser welt nicht mehr zu helfen.

    ach ja, herr stadler, noch ein paar zitate? folgen gleich.

    ich schließe vorher mit goethe:

    “Getretner Quark
    Wird breit, nicht stark.”

    “Alles was der äthiopischen Rasse ihre besonderen Merkmale verleiht, das kommt davon her, dass die Merkurkräfte in dem Drüsensystem der betreffenden Menschen kochen und brodeln. Das kommt davon her, dass sie auskochen, was die allgemeine, gleiche Menschengestalt zu der besonderen der äthiopischen Rasse macht mit der schwarzen Hautfarbe, dem wolligen Haar und so weiter.”
    (Rudolf Steiner; Ga 121, S. 107f.)

    *
    “Neulich bin ich in Basel in eine Buchhandlung gekommen, da fand ich das neueste Programm dessen, was gedruckt wird: ein Negerroman, wie überhaupt jetzt Neger allmählich in die Zivilisation von Europa hineinkommen! Es werden überall Negertänze aufgeführt, Negertänze gehüpft. Aber wir haben ja sogar schon diesen Negerroman. Er ist urlangweilig, greulich langweilig, aber die Leute verschlingen ihn. Ja, ich bin meinerseits davon überzeugt, wenn wir noch eine Anzahl Negerromane kriegen und geben diese den schwangeren Frauen zu lesen, in der ersten Zeit der Schwangerschaft namentlich, wo sie heute ja gerade solche Gelüste manchmal entwickeln können – wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt werden, dass Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben, die mulattenähnlich aussehen werden.”
    (Rudolf Steiner; GA 348, S. 185)

    *
    “Die schreckliche Kulturbrutalität der Verpflanzung der schwarzen Menschen nach Europa, ist eine furchtbare Tat, die der Franzose an anderen tut. Sie wirkt in noch schlimmerer Weise auf Frankreich zurück. Auf das Blut, auf die Rasse wirkt das unglaublich stark zurück. Das wird wesentlich die französische Dekadenz fördern. Das französische Volk wird als Rasse wieder zurückgebracht.”
    (Rudolf Steiner; GA 300/2, S. 282)

    *
    “Also diese braunen Malaien sind ausgewanderte Mongolen, die sich aber jetzt, weil die Sonne anders auf sie wirkt, angewöhnen, mehr Licht und Wärme aufzunehmen. Bedenken Sie aber, dass sie nicht die Natur dazu haben. Sie haben sich schon angewöhnt, sogar ein solchers Knochengerüste zu haben, dass sie nur einen bestimmten Grad von Wärme aufnehmen können. Sie haben nicht die Natur, so viel Wärme aufzunehmen, als sie jetzt als Malaien aufnehmen. Die Folge davon ist, dass sie anfangen, unbrauchbare Menschen zu werden, dass sie anfangen, Menschen zu werden, die am Menschenkörper zerbröckeln, deren Körper abstirbt. Das ist in der Tat bei der malaiischen Bevölkerung der Fall. Die stirbt an der Sonne. Die stirbt an der Östlichkeit. So dass man sagen kann: Während die Gelben, die Mongolen noch Menschen in der Vollkraft sind, sind die Malaien schon eine abstrebende Rasse. Sie sterben ab.”
    (Rudolf Steiner; GA 354, S. 61)

    *
    “Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, dass diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiss und als ein Seitenhieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune – das sind immer duie aussterbenden Teile. Die Weissen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln.”
    (Rudolf Steiner; GA 354, S. 62f.)

    *

    “Und wenn der Mensch nicht loskommen kann mit seinem sogenannten Denken und von dem Sprachinhalte, so denkt er eigentlich, wenn er substantivisch denkt, etwas Ungeistiges, etwas, was gar nicht hineindringt in die geistige Welt. Er schnürt sich einfach durch das substantivische Denken von der geistigen Welt ab. Das ist auch in der Gegenwart reichlich der Fall, dass sich Menschen durch ein gewisses substantivisches Denken von der geistigen Welt abschnüren. Völker, welche schon in die Dekadenz gekommen sind und welche selbst Verben sehr substantivisch empfinden, wie die Neger, die schnüren sich dadurch vollständig von der geistigen Welt ab.”
    (Rudolf Steiner: Vortrag vom 11.4.1919, GA 190, S. 149)

    *

    “Also die Normalmenschen waren für die Eingeweihten am besten zubrauchen als Material für die Zukunftsentwicklung, und sie waren auch diejenigen, welche der grosse Sonnen-Eingeweihte, der Manu, um sich sammelte als das entwicklungsfähigste Volk. Diejenigen Völker, bei denen der Ich-Trieb zu stark entwickelt war und von innen heraus den ganzen Menschen durchdrang und ihm die Ichheit, die Egoität aufprägte, die wanderten allmählich nach Westen, und das wurde die Bevölkerung, die in ihren letzten Resten auftritt, als die indianische Bevölkerung Amerikas. Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden.”
    (Rudolf Steiner: Vortrag vom 03. 03. 1909, GA 107, S. 285f.)

    *

    “Ein Deutscher aber – und ein deutsches Volk – kann man, wie Fichte sagte, eben nicht – als blosses Naturgeschöpf – sein, sondern nur als Geistwesen – werden. Die deutsche Lage verweigert dem Deutschen die Gunst, in seiner blossen Natur liegen bleiben zu können. Bleibt ‘der Riese’ liegen, dann kann er von jedem Naturwissenschaftler und -techniker kunstgerecht gefesselt werden. Erhebt er sich aber, so kann er sich mit Jedem, der sich gleichfalls aus blosser Naturgeschöpflichkeit zum freien Menschentum erhebt, über die Welt hin verbünden.”
    (Roman Boos (Hg.): Rudolf Steiner während des Weltkrieges, Beiträge Rudolf Steiners zur Bewältigung der Aufgaben, die durch den Krieg der Welt gestellt wurden, mit Einwilligung von Frau Marie Steiner, Verlag der Sozialwissenschaftlichen Vereinigung am Goetheanum in Kommission beim Philosophisch-Anthroposphischen Verlag, Dornach (Schweiz), Juli 1933, S. XXVI.)

    “Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, dass der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französischen Volk in die Verstandes- und Gemütsseele, bei dem britischen Volk in die Bewusstseinsseele, und bei dem deutschen Volk in das Ich.”
    (Rudolf Steiner: Die Europäischen Völker im Verhältnis zu ihren Volksgeistern; Vortrag vom 14. März 1915 in Nürnberg; Dornach (Schweiz) 1968, S. 22ff.)

    *

    “Zuletzt würden nur mehr Braun- und Schwarzhaarige da sein können; aber wenn nicht abgeholfen wird, so bleiben sie zugleich dumm. Denn je stärker die Körperkräfte sind, desto weniger stark sind die seelischen Kräfte. Und die Erdmenschheit würde vor der Gefahr stehen, wenn die Blonden ausstreben, dass die ganze Erdenmenschheit eigentlich dumm würde. (…) Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würde, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss durch eine geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man kann also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Masse, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. (…) Denn es ist tatsächlich so, dass, je mehr die blonden Rassen ausstreben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer.”
    (Rudolf Steiner: Über Gesundheit und Krankheit. Dornach 1983, S. 103)

    *

    “Alle Begründungen von bestimmten Rechten, wie sie z.B, die Naturrechtslehrer versuchen, sind Sophistereien. Alles Recht hat seinen Ursprung in der Macht. Der Stärkere überwindet den Schwächeren und drängt ihm seinen Willen auf. Dieser richtet sich dann nach jenem; was der erstere will gilt als Recht. Nachdenken darüber, ob jemandem ein Recht wirklich zustehe, beruht auf einem Verkennen dieses Charakters des Rechtes. Wie lange ein Recht gilt, kann nur davon abhängen, wie lange derjenige, der sich das Recht erobert hat, es zu verteidigen im Stande ist.”
    (Rudolf Steiner zu Zitaten von Goethe über das Regieren)

  12. Wolfgang Stadler

    Übrigens: die in Thorsten Kraechans Artikel erwähnte Judith von Halle – die völlig falsch dargestellt wird von einem offensichtlich Ahnungslosen, der sich nie näher mit der Frau beschäftigte – ist in einem jüdischen Elternhaus aufgewachsen…- sie könnte Euch alle mal über R.Steineres angeblichen Rassismus, Antisemitismus usw. aufklären…

  13. Wolfgang Stadler

    Abschließend noch ein Zitat des amerikanischen Literaturnobelpreisträgers Saul Bellow über Rudolf Steiner:

    “Ich habe Spinoza, Kant, Hegel usw. gelesen, Philosophen, von denen man sich an einem Vormittag einen Begriff bilden kann, aber was hat man später davon? Nur Ansichten, nur Gedanken. Steiner jedoch ist etwas anderes. Er fordert, dass man nicht nur denken, sondern erleben und handeln soll. Er gibt exakte Übungen und Methoden an, damit man kontrollieren kann, ob das, was er sagt, wahr sei.” – Saul Bellow in einem Interview; Das Goetheanum, 56. Jahrgang, Nr. 4, 23. Januar 1977, S. 30

    Christian Morgenstern, 1913:

    “Es gibt in der ganzen Kulturwelt keinen größeren geistigen Genuss, als diesem Mann zuzuhören, als sich von diesem unvergleichlichen Lehrer ‘Vortrag halten zu lassen’” Christian Morgenstern

  14. Wolfgang Stadler

    http://www.youtube.com/watch?v=zTSpm2Cg7yg

  15. Anna Schneider

    Der moderne Mensch – mal anders betrachtet…
    Um uns besser zu verstehen, nicht nur im üblich-psychologischen Sinne, sondern umfassender – und in die Menschheitsgeschichte eingebettet, sollten wir uns evtl. tatsächlich Hilfe holen bei älteren Mythen – bzw. Autoren, die – wie Goethe – eigentlich sehr geheimnisvolle Dinge aussprachen – und ihrer Zeit weit voraus waren.

    Vielleicht merken wir zu wenig, wie ein friedlicheres Miteinander nicht nur durch politische Veränderungen, sondern durch ganz neue Betrachtungen möglich sind. Folgende Zitate zum Thema “gespaltene Seele” geben mir sehr zu denken – und haben mich stark beeindruckt:

    „Wie kann z.B. ein Mensch wie Goethe auf der einen Seite in seiner Seele gewisse Geheimnisse dieser Menschenseele tragen, und auf der anderen Seite oftmals so von Leidenschaft durchwühlt sein, wie es die Menschen nun eben finden, die in einer etwas äußerlichen Weise die Goethe-Biographie verfolgen….Goethe…im krassen Sinne eine „Doppelnatur“. Auf der einen Seite steht die hochsinnige große Seele…, die manche tiefe Geheimnisse des Menschenwesens zum Ausdruck gebracht hat…Und dann tritt wiederum auf bei Goethe, ihn selbst quälend, ihn in vieler Beziehung mit Gewissensbissen durchdringend, die andere Natur, „menschlich allzu menschlich“ in vieler Beziehung.

    Es wird in unserer Zeit und in die weitere Zukunft hinein durchaus noch viele ähnliche Naturen geben, wie Goethe eine war, die mit dem einen Teil ihres Wesens hoch hinaufsteigen, mit dem anderen Teile dagegen mit dem „Menschlichen, Allzumenschlichen“ zusammenhängen. …

    …So mag denn die Menschennatur in der neueren Zeit noch eine Doppelnatur sein. In die Kräfte, die vorzugsweise der Bewusstseinsseele angehören, muß der Mensch Wissen aufnehmen, innerliches spirituelles Wissen, spirituelle Erkenntnis. Überwinden muß der Mensch die zwei Gebiete, die Parzival durchmacht: überwinden muß er die „Dumpfheit“ und den „Zweifel“ der Seele…. … Wissend muß der Mensch werden in bezug auf die spirituellen Welten….Nur dadurch…kann die menschliche Seelenentwicklung … wirklich fruchtbar hinüberschreiten. …

    … Denn nach und nach müssen eben überwunden werden die unbewussten und toten Kräfte der Seele und des Organismus durch eine starke Durchdringung der Bewusstseinsseele mit spirituellem Wissen, das heißt mit verstandenem, begriffenem spirituellen Wissen, nicht mit einem auf Autorität gebauten Wissen. …

    … So mag denn vielleicht bei manchem modernen Menschen, der da hinaufstrebt in die höhrern Welten, an seiner äußeren Gestalt noch etwas sichtbar sein von dem „Menschlich-Allzumenschlichen“ oder von demjenigen, wodurch er sich heraushebt aus dem „Menschlichen, Allzumenschlichen“. Ja, es mögen die „Narrenkleider“ durch die Rüstung des Spirituellen hindurch noch sichtbar sein wie bei Parzival. Aber darauf kommt es nicht an. Sondern darauf kommt es an, dass in der Seele vorhanden ist der Drang nach spirituellem Wissen, nach spirituellem Verständnis – jener Drang, der unauslöschlich in Parzival ist und der ihn endlich doch hinbringt zur Burg des heiligen Gral. …
    Eigentlich kann es eine tiefere moderne Seele gar nicht geben, die nicht durch den nagenden Zweifel durchgeht. Kennengelernt sollte die moderne Seele diesen nagenden Zweifel haben!”

    Sicherlich nicht sehr alltägliche Gedanken, sondern etwas tiefere Betrachtungen, mit denen sich keine Psychologie befaßt – die ich hier von einem in der Öffentlichkeit teilweise hochverehrten – andererseits äußerst verschmähten – bei den meisten jedoch recht unbekannten Denker zitiert habe. Es handelt sich um Rudolf Steiner, der uns hier dazu aufruft, uns auf den Weg zur “Burg des heiligen Gral” zu machen. (Und den man höchstens als Begründer der Waldorfpädagogik oder im Zusammenhang mit Demeter oder Weleda kennt)

    Denn – und das betrifft uns alle:

    “….wenn man in dem Sinne eben gescheiter und gescheiter wird, wie es heute Mode ist, den Menschen „gescheit“ zu nennen, so entwickelt man in seiner Seele solche Kräfte, die in dieser Inkarnation vielleicht sich sehr fähig erweisen, das große Wort zu führen da, wo man materialistisch und monistisch leben will; aber dann veröden gewisse lebendige Kräfte, die im Organismus des Menschen sein sollen.”

    Der moderne Mensch sollte jemand sein, “der nachstrebt den Tugenden Parzivals, und der doch weiß, dass er noch ein anderer ist: dass er – durch alle die geschilderten Verhältnisse der neueren Zeit, weil er ein Mensch der neueren Zeit ist – der verwundete Amfortas ist. Der Mensch der neueren Zeit trägt diese Doppelnatur in sich: strebender Parzival – und verwundeter Amfortas. So muß er sich selbst fühlen in seiner Selbsterkenntnis. Daraus quellen dann die Kräfte, die eben aus dieser Zweiheit heraus zur Einheit werden müssen und den Menschen wieder ein Stück weiterbringen sollen in der Weltentwicklung.”

    Tröstlich finde ich, “dass der Mensch, um die Freiheit sich zu erringen, durch die „Verwundung“ des Amfortas gehen muß, den Amfortas in sich kennenlernen muß, damit er auch den Parzival kennenlernen kann.”

    Vielerlei Schmerz, den man durchlebt, erhält somit einen Sinn – was ich sehr tröstlich finde.

    Armselig finde ich heutzutage, wie derlei Gedankengut kleingemacht, ignoriert oder gar belächelt wird – am schlimmsten ist wohl, daß es gar nicht wirklich verstanden wird. Oft am wenigsten von denen, die sich für sehr intellektuell und klug halten…- und die schnell dabei sind, derlei Gedanken als “stümperhaft” zu bezeichnen – oder die gar den Autor zu vernichten gedenken.

  16. Anna Schneider

    http://www.youtube.com/watch?v=zTSpm2Cg7yg

    ANSCHAUEN

  17. Anna Schneider

    Das Ergebenheitsgebet

    Was auch kommt, was mir auch die nächste Stunde, der
    Nächste Tag bringen mag: Ich kann es zunächst, wenn es mir ganz unbekannt ist, durch keine Furcht ändern. Ich erwarte es mit vollkommenster innerer Seelenruhe, mit vollkommener Meeresstille des Gemüts.

    Duch Angst und Furcht wird unsere Entwicklung gehemmt;
    wir weisen durch die Wellen der Furcht und Angst zurück, was in unsere Seele aus der Zukunft herein will.

    Die Hingabe an das, was man die göttliche Weisheit in den Ereignissen nennt, die Gewissheit, dass das, was da kommen wird, sein muß, und dass es auch nach irgendeiner Richtung seine guten Wirkungen haben müsste, das Hervorrufen dieser Stimmung in Worten, in Empfindungen, in Ideen, das ist die Stimmung des Ergebenheitsgebetes.

    Es gehört zu dem, was wir in dieser Zeit lernen müssen:

    Aus reinem Vertrauen zu leben, ohne Daseinssicherung, aus dem Vertrauen auf die immer gegenwärtige Hilfe der geistigen Welt. Wahrhaftig, anders geht es heute nicht, wenn der Mut nicht sinken soll.

    Nehmen wir unseren Willen gehörig Zucht und suchen wir die Erweckung von innen jeden Morgen und jeden abend.
    R.Steiner

  18. W.St.

    Hier die objektive Forschung – auf die wir uns einigen sollten:
    (Zumal das Thema Rassen bis vor 20 Jahren niemanden interessierte – weil es so ein kleines Randthema der ganzen Anthroposophie ist. Kein Anthroposoph interssierte sich dafür, niemand leitete aus der Anthroposophie irgend einen Rassismus ab. Das Thema kam erst in den neunzigern stark auf.) Aber hier die objektive Forschung:

    “… ein Fehler der Weltgeschichte”? -
    Judentum, Zionismus und Antisemitismus aus der Sicht Rudolf Steiners

    Von Ralf Sonnenberg

    War Rudolf Steiner ein “völkischer Antisemit”? Kritische Kurzbibliografie und Resümee

    Vor allem seit Mitte der neunziger Jahre äußern Autoren den Verdacht, die Anthroposophie transportiere antisemitische bzw. rassistische Inhalte und sei mitunter sogar Wegbereiterin des Nationalsozialismus gewesen.(89) Für kurzweiliges Medieninteresse sorgte ein 2007 bei der “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” (BPjM) eingegangener Antrag auf die Indizierung zweier Vortragszyklen Steiners wegen “rassistischer Passagen”, dem jedoch nicht stattgegeben wurde. (90)

    Tatsächlich bediente sich der Gründer der Anthroposophie aus dem Repertoire theosophischer und anderer Rassentheorien (91), auch wenn der Behandlung des Themas “Rassen” – sofern dieser Begriff somatische Varietäten und nicht bewusstseinsgeschichtliche Etappen im Sinne theosophischer Terminologie meint – in Steiners umfangreichem Werk eine recht marginale Stellung einnimmt.(92) Steiner ersetzte zudem – was von Anthroposophie-Kritikern bisweilen unterschlagen wird – den von Helena P. Blavatsky in erster Linie zu Periodisierungszwecken verwendeten Begriff “Wurzelrasse” durch semantisch zutreffendere Ausdrücke wie “Epoche”, “Hauptzeitraum” oder “Zeitalter”. Blavatskys “Unterrassen”, welche die “Wurzelrassen” untergliedern sollten, nannte er nach 1907 zunehmend und dann ausschließlich “Kulturepochen”, “Kulturperioden” oder “Kulturzeitalter”, worin ein deutlicher Versuch gesehen werden kann, rassenbiologische Konnotationen in den Hintergrund treten zu lassen.(93)

    Als “rassistisch” muss jedoch aus heutiger Sicht Steiners sporadisches Bemühen gewertet werden, biologische “Rassen” mit dem Grad der mentalen “Entwicklungsreife” ihrer Angehörigen zu korrelieren und somit eine Hierarchisierung von Menschengruppen spirituell zu begründen, deren unterste Sprossen den – aufgrund ihrer physischen “Degeneration” zum Aussterben verurteilten – Indianern (94) sowie den von “Trieben”(95) und “Witterungen”(96) dominierten “Negern” vorbehalten bleiben. Die Tatsache, dass der Anthroposophie-Begründer bisweilen auch anerkennende Worte über den Animismus der Indianer, die “Naturgeistigkeit” der Afrikaner oder die “Tao-Religion” der Chinesen verlor kann nicht darüber hinweg täuschen, dass außereuropäische Kulturen in dessen Augen grundsätzlich “atavistisch” waren und – gemäß der eurozentrischen Binnenlogik seines geschichtsevolutionären Denkens – sogar noch unter der materialistisch geprägten Zivilisation des modernen Europa rangierten, die immerhin eine Vorbereitungs- und Durchgangsstufe zur Entwicklung der “Bewusstseinsseele”(97) markierte.

    Die “arische” oder europäische hielt Steiner, der hieraus allerdings keine imperialen, kolonialistischen oder sozialdarwinistischen Zielsetzungen ableitete, für die “zukünftige, da am Geiste schaffende Rasse”.(98) Sie repräsentiert innerhalb seines Weltanschauungskosmos die “fünfte nachatlantische Kulturepoche”, deren Anfang er auf den Beginn der frühen Neuzeit datierte.(99) Die diskriminierenden Implikationen des evolutionsgeschichtlichen Stufenmodells hoffte Steiner durch eine Dialektik einzuholen, die er seinen gelegentlich auch rassenkundlichen Überlegungen vorschaltete: Die Reinkarnationsfolgen der menschlichen Individuen führten demnach durch die verschiedenen biologischen “Rassen” hindurch, so dass, “obgleich man uns entgegenhalten kann, dass der Europäer gegen die schwarze und die gelbe Rasse einen Vorsprung hat, doch keine eigentliche Benachteiligung” bestehe.(100)

    Nach Auffassung des Politologen Helmut Zander ist Steiners Oeuvre “von einer nicht systematisierten oder hermeneutisch integrierten Ambivalenz gekennzeichnet”, “in der Unvereinbares und Widersprechendes stehengeblieben” seien. Es hinge, worin Zander Recht zu geben ist, somit auch “von den Interessen der Leser ab, ob die Anthroposophie rassistisch interpretiert wird oder nicht.”(101) Die völkische Tradition, unter welcher Zander recht allgemein “sozialdarwinistische” und “rassistische” Auffassungen versteht, ließe sich auch heute noch “neben und in den humanistischen Vorstellungen” der Anthroposophie auffinden.(102) Zander konzediert jedoch, dass Steiner kein “scharfmacherischer politischer Rassist oder Antisemit” gewesen sei, auch wenn er “zum intellektuellen Hintergrund und Überbau der deutschen Tragödie” gehöre.(103)

    In früheren Beiträgen verortete Zander die Entstehungsgeschichte der theosophisch-anthroposophischen Bewegung im Sammelsurium völkischer Sondergemeinschaften (104), wie sie sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum zu formieren und in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu konsolidieren begannen. In seinem 2007 erschienenen Werk “Anthroposophie in Deutschland” revidierte er jedoch fast geräuschlos die vormalige Situierung der Anthroposophie im völkischen Lager (105), auch wenn der Autor weiterhin “Konvergenzen” und “Berührungspunkte” etwa zwischen Steiners “rassentheoretischem Denken” und den Ideologien völkischer Aktivisten auszumachen glaubt (106) – was zur Rückfrage Anlass gibt, weshalb Zander nicht mit derselben Akribie in die entgegengesetzte Richtung blickt, was ihm gestatten würde, beispielsweise auch “sozialistische” und “kryptomarxistische” Spurenelemente (107) in den vielfältigen Anschauungen Steiners aufzuspüren.

    Die Subsumierung der Anthroposophie unter die völkischen Lehren der Kaiserzeit und Weimarer Republik wäre ohnehin nur dann sinnvoll, wenn sich der Nachweis erbringen ließe, dass sozialdarwinistische, eugenische, pangermanische und antisemitische Begründungsmuster einen zentralen Stellenwert innerhalb anthroposophischer Lehren einnähmen und deren kosmopolitischen und humanistischen Gehalt überlagerten bzw. marginalisierten. Programmatische Inhalte völkischer Agitation wie die Forderung nach Segregation der Juden, nach Bildung einer “artgerechten” Religion, nach Selektion und Ausmerze oder nach Errichtung eines imperialen Rassenstaates müssten demnach das ideologische Bindeglied für die unterschiedlichen anthroposophischen Ideen und Aktivitäten abgeben und das Selbstverständnis ihrer Protagonisten entscheidend prägen.(108) Aus der partikularen Konvergenz von rassistischen Argumentationssträngen und Ideologemen, wie sie im ersten Quartal des 20. Jahrhunderts den gesellschaftsübergreifenden Diskurs dominierten und somit kein Spezifikum völkischer Ideologiebildungen darstellten, eine strukturelle Koinzidenz von völkischer und anthroposophischer Lehre extrapolieren zu wollen, hieße jedoch die Begriff “völkisch” auf eine Weise zu inflationieren, die diesen als Instrument der geschichtswissenschaftlichen Analyse gänzlich untauglich machte.

    Historiker wie George L. Mosse (109), Jörn Rüsen (110), Uwe Puschner (111), Wolfgang Benz (112), Michael Rißmann (113) und jüngst – ungewöhnlich dezidiert – auch Helmut Zander (114) meldeten daher zu Recht Vorbehalte gegenüber dem Versuch an, Steiner unter die völkisch-antisemitischen “Systembauer” und Aktivisten einzureihen: “Von den völkischen Theorien über die Geschichte des Judentums unterscheidet sich dieser Entwurf [der Steinersche, R.S.] erheblich. Bereits die Annahme, die Existenz des Judentums habe überhaupt einen Sinn gehabt, hätten Vertreter des völkisch-nationalsozialistischen Spektrums widersprochen, die im Judentum eher einen ‹Menschheitsverderber› vom Beginn der Geschichte an sahen. Das von Steiner geforderte ‹Aufgehen› des Judentums in der Menschheit darf … keinesfalls mit jenem ‹Erlösungsantisemitismus› der Nationalsozialisten verwechselt werden, der im Genozid seine konsequente Vollendung fand.”(115) Und Wolfgang Benz, Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, resümiert, nachdem er Steiners “ausdrückliche Distanzierung vom rassistisch-völkischen Antisemitismus seiner Zeit” kenntlich gemacht hat: “Steiners Plädoyer für die Assimilation unterscheidet ihn vom Anhänger des Rasseantisemitismus, wenngleich der Esoteriker in anderen Zusammenhängen durchaus rassistisch argumentierte.”(116)

    Wirft schon die Konnotation des Adjektivs “völkisch” mit dem Substantiv “Religion” Probleme auf, da fragwürdig ist, ob im Hinblick auf den Eklektizismus völkischer Sinntstifungsversuche überhaupt von Religion im herkömmlichen Sinne gesprochen werden kann, so erweisen sich Formulierungen wie “‹arteigenes› Glaubenssystem” oder “arteigene Religiösität”, wie sie in den Titeln einschlägiger Sammelbände auftauchen (117), in Bezug auf eine Charakterisierung des anthroposophischen Selbstverständnisses gleich in zweifacher Hinsicht als irreführend: Steiner begriff die Anthroposophie nicht als Religion, sondern als “Weg meditativer Schulung”, welcher dem esoterischen Verständnis der Weltreligionen, vor allem aber des Christentums und (antiken) Judentums, diene. Die Schaffung einer “arteigenen Religion” lehnte er, der sich als Erneuerer einer christlichen Esoterik sah, ausdrücklich ab: “Der Christus ist kein Volksgott, ist kein Rassengott, der Christus ist überhaupt nicht der Gott irgendeiner Menschengruppe, sondern der Christus ist der Gott des einzelnen Menschen, insofern dieser einzelne Mensch nur ein Angehöriger der gesamten Menschheit ist”. (118)

    Anders als Theodor Fritsch, Alfred Rosenberg oder Max Bewer, die einen “arischen Christus” propagierten, sah Steiner in Jesus von Nazareth einen hochstehenden jüdischen “Eingeweihten”, der während der Jordan-Taufe den Christus-Geist in sich aufgenommen habe.(119) Im Unterschied zur Argumentationsweise der Rassenantisemiten, die einen “manichäischen” Antagonismus von “arischer” und “jüdischer” Rasse konstruierten, erblickte Steiner zudem gerade in den “Ursemiten” die Begründer der “arischen Wurzelrasse”, deren Angehörige vor allem die “Denkkraft” entwickelt hätten.(120) Steiner deutete die Weltgeschichte auch nicht wie Arthur Comte de Gobineau als Arena von “Rassenkämpfen” oder wie Alfred Ploetz als Laboratorium eugenischer Zuchtexperimente, sondern sah in ihr einen Prozess allmählicher Emanzipation von “Gattungsmerkmalen” wie Rasse, Vererbung oder Geschlecht. Dem Selbstverständnis ihres Urhebers nach bildete die Anthroposophie somit einen Gegenentwurf zur zeitgenössischen naturalistischen Anthropologie, welche die vermeintliche genetische Determination des Menschen zur Richtschnur ihres Denkens und Handelns bestimmte und in letzterem oft ein Zielobjekt rassenhygienischer Manipulation und Selektion erblickte.(121) Realpolitisch relevant wurde die Ablehnung eugenischer Optimierungs- und Ausmerzungsgedanken in der NS-Zeit, als es dem Einsatz anthroposophischer Heilpädagogen zu verdanken war, dass mehrere der von den Machthabern als “lebensunwert” eingestuften Heiminsassen – darunter auch jüdischstämmige – vor dem “Euthanasie”-Programm in Sicherheit gebracht werden konnten.(122)

    Die im 1897er Programm der Theosophischen Gesellschaft proklamierte Vision einer völker- und rassenübergreifenden “Menschenverbrüderung” präzisierte Steiner 1923 dahingehend, “… dass die Menschen über die Erde hin eigentlich alle aufeinander angewiesen sind. Sie müssen einander helfen. Das ergibt sich schon aus der Naturanlage.”(123) Die Ausdifferenzierung der Menschheit in biologische Rassen, so seine Überzeugung, sei eine vorübergehende Erscheinung der Geschichte. Sie werde in Zukunft immer mehr an Bedeutung verlieren und eines Tages völlig überwunden sein. Dieser Prozess beginne bereits in der Gegenwart. Es werde dahin kommen, so prognostizierte Steiner bereits 1907, “dass alle Rassen- und Stammeszusammenhänge wirklich aufhören. Der Mensch wird vom Menschen immer verschiedener werden. Die Zusammengehörigkeit wird nicht mehr durch das gemeinsame Blut vorhanden sein, sondern durch das, was Seele an Seele bindet. Das ist der Gang der Menschheitsentwicklung”.(124)

    In dem völkischen Konstrukt einer “Volksgemeinschaft” erblickte Steiner einen Rückfall in reaktionäre Denkweisen, denen er seit 1917 seine politische Utopie einer “Dreigliederung des sozialen Organismus” entgegensetzte, die er als Beitrag zur Fortbildung des demokratischen Gemeinwesens verstand. Das so genannte Dreigliederungskonzept sah eine Entmachtung des ethnisch definierten Nationalstaates durch die Entflechtung der Bereiche Staat, Bildungswesen und Wirtschaft vor.(125) “Ein Mensch”, so urteilte Steiner 1917 im Hinblick auf die Ursachen des Ersten Weltkrieges, “der heute von dem Ideal der Rassen und Nationen und Stammeszugehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen so genannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit. Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen.”(126) Stattdessen sei es notwendig, dass die anthroposophische Bewegung “… gerade im Grundcharakter dieses Abstreifen des Rassencharakters aufnimmt, dass sie nämlich zu vereinigen sucht Menschen aus allen Rassen, aus allen Nationen, und auf diese Weise überbrückt diese Differenzierung, diese Unterschiede, diese Abgründe, die zwischen den einzelnen Menschengruppen vorhanden sind.” (127)

    Mit diesen Worten ist ein weiteres Unterscheidungskriterium von anthroposophischen und völkischen Lehren benannt, soweit diese sich in institutionalisierten Formen Ausdruck verschafften. Denn während in völkischen Vereinen oder Organisationen der so genannte Arier-Paragraph über die Homogenität der Gemeinschaft wachte, stand die Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft Juden offen. Zu den Mitarbeitern bzw. Anhängern Steiners jüdischer Abstammung zählten der Philologe Ernst Müller (1880-1954), der Philosoph und Zionist Hugo Bergmann (1883-1974) (128), der Fabrikant Carl Unger (1878-1929) (129), der in Auschwitz ermordete Komponist Viktor Ullmann (1898-1944) (130), aber auch Berta Fanta (1865-1918), die vor dem Ersten Weltkrieg in Prag einen einflussreichen philosophisch-literarischen Salon unterhielt.(131) Nicht zuletzt der Umstand, dass in der Anthroposophischen Gesellschaft Juden “überrepräsentiert” waren und darüber hinaus Schlüsselpositionen innehatten, brachte ihrem Begründer die Feindschaft völkischer Kreise bis hin zu einem Attentatsversuch ein.(132)

    Als Ausdruck der umfassenden Sinn- und Wertekrise in den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg partizipierten Steiners esoterische Lehren an dem rassentheoretischen Diskurs jener Zeit, indem er diesem einzelne Elemente entnahm, welche er den theosophischen Ideen der Genese von Rassen und Kulturen anverwandelte. Im Gegenzug adaptierten völkische Theoretiker wie etwa die “Ariosophen” Jörg Lanz von Liebenfels (1874-1954) und Guido von List (1848-1919) Versatzstücke theosophischer Rassentheorien, ohne jedoch deren Einbindung in den universalistischen und kosmopolitischen Horizont der Blavatskyschen Theosophie zu berücksichtigen.(133)

    Steiners peripheren Beschäftigungen mit dem zeitgenössischen Judentum bewegten sich im Spannungsfeld zwischen einem aufgeklärten, die Assimilation bedingungslos einfordernden Antijuduaismus und der christlichen Tradition soteriologisch untermauerter Judenfeindschaft, ohne dass dessen Anschauungen über jüdische Kultur und Religion bereits restlos in dieser ideengeschichtlichen Schnittmenge aufgingen.

    Es ist jedoch gewiss kein Zufall, dass Steiner wesentliche Anstöße bezüglich der Genese seines philosophisch-anthroposophischen Werkes den Schriften Kants, Fichtes, Hegels und Herders verdankte, die stellvertretend für die Mehrheit der christlichen Aufklärer an der Überzeugung von der Obsoletheit des Judentums festhielten und ein evolutionshistorisches Stufenmodell favorisierten.(134) Noch in seinem autobiografischen Fragment “Mein Lebensgang”, erschienen 1925, rechtfertigte er sein frühes Verdikt über das zeitgenössische Judentum als “Fehler der Weltgeschichte” mit dem Hinweis, dass Ladislaus Specht geirrt habe, als er dem “Homunkulus”-Rezensenten Antisemitismus vorwarf, “denn ich hatte ganz aus der geistig-historischen Überschau heraus geurteilt; nichts Persönliches war in mein Urteil eingeflossen.” (135)

    Ein Jahr zuvor hatte Steiner, wohl bezugnehmend auf ein Gespräch mit dem Zionisten Hugo Bergmann, seine assimilationistische Einstellung noch einmal bekräftigt: “Die Juden”, so der Referent, könnten “nichts Besseres vollbringen als auf[zu]gehen in der übrigen Menschheit, sich [zu] vermischen mit der übrigen Menschheit, so dass das Judentum als Volk einfach aufhören würde. Das ist dasjenige, was ein Ideal wäre. Dem widerstreben heute noch viele jüdische Gewohnheiten – und vor allen Dingen der Hass der anderen Menschen. Und das ist gerade dasjenige, was überwunden werden müsste.” (136)

    Auffällig ist auch hier Steiners fehlende Unterscheidung von Juden als Angehörigen eines “Religionsvolks” (vergleichbar dem christlichen “Kirchenvolk”), den Kulturzionisten etwa um Achad Haam (1856-1927) und solchen Juden, die sich einem nationalistisch-separatistischen Selbstverständnis verschrieben hatten, wie es sich in Gestalt des politischen Zionismus artikulierte. Dass sich jüdisch-religiöse Identitätsbildung und der Verzicht auf nationaljüdische Ambitionen überdies nicht ausschließen mussten, ja dass sich hierin sogar seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert das Zukunftsmodell deutsch-jüdischen Lebens in der modernen Gesellschaft abzuzeichnen begann, zeigte nicht zuletzt die Erfolgsgeschichte des 1893 in Berlin gegründeten “Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens” (CV), dem Mitte der zwanziger Jahre bereits die Mehrheit der assimilierten bürgerlich-liberalen Juden in Deutschland zugehörte. (137)

    Im Subkontext transportierten Rudolf Steiners Forderungen nach völliger Assimilation der jüdischen Minderheit sowie seine bisweilen stereotypen Miniaturen jüdischen Daseins Elemente eines “antisemitischen Codes” rechtsbürgerlicher sowie linksliberaler Kreise in den Jahrzehnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg, den sich zum Teil auch jüdische Assimilanten zu Eigen machten. Als manifesten (Rassen-) Antisemiten könnte man ihn freilich nur dann apostrophieren, wenn sich herausstellte, dass seine wiederholten Distanzierungen vom judenfeindlichen, nationalistischen und rassistischen Diskurs damaliger Zeit nicht ernst gemeint waren und somit lediglich als Vorwand dienten, um unter der Hand eine politische Agitation zu betreiben, die auf eine gesellschaftliche Ausgrenzung bzw. Benachteiligung von Juden abzielte. Eine solche Deutung erscheint jedoch angesichts der Fülle an gegenteiligen Belegen und Zeugnissen als wenig überzeugend.

    Die zuerst von Julia Iwersen (138) verbreitete, dann von Helmut Zander (139) und Micha Brumlik (140) reproduzierte Kolportage, Steiner habe “die Juden” für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verantwortlich gemacht und sei somit als Multiplikator antisemitischer Verschwörungsmythen in Erscheinung getreten, zeigt jedoch, wie ausgeprägt selbst unter renommierten Wissenschaftlern die Bereitschaft ist, sich im Umgang mit devianten Strängen der jüngeren Religions- und Ideengeschichte eher auf Vorurteile zu verlassen denn auf ein sorgfältiges Studium einschlägiger Quellen: Den Kontext der betreffenden Aussage bildete eben nicht die von Iwersen postulierte Schuldzuweisung an Juden, sondern eine Kritik an dem europäischen Nationalismus, der zum Ersten Weltkrieg geführt habe. Den Zionismus nahm Steiner von dieser Kritik nicht aus, sofern dessen politische Programme mit dem europäischen Nationalismus konvergierten.(141)

    Die “Protokolle der Weisen von Zion”, in denen sich der judeophobe Verschwörungsmythos idealtypisch verdichtete, wies Steiner ausdrücklich als “Fälschung” politisch reaktionärer Kreise zurück.(142) In der Verbreitung der so genannten Dolchstoß-Legende erblickte er den Versuch deutscher Militärs, die Verantwortung für die Niederlage im Ersten Weltkrieg auf politisch missliebige Gruppen abzuwälzen, zu denen vor allem Juden und Kommunisten gehörten.(143) Eine unfreiwillige Pointe liegt freilich darin, dass Steiner den antisemitischen Verschwörungsmythos seiner Zeit zu entkräften suchte, indem er bei einem anderen – damals nicht minder populären – Konspirationsglauben Zuflucht nahm: Die “Protokolle” werden nicht den Juden, sondern den Machinationen fortschritts- und demokratiefeindlicher Jesuiten angelastet.(144)

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    Anmerkungen:
    (89) Die Arbeiten solcher Autoren bieten in der Regel interessantes Quellenmaterial, das jedoch häufig mit stark polemischer Einfärbung präsentiert wird. Die einseitige Auswahl der historischen Quellen, deren teils geflissentliche Verstümmelung und Missdeutung spiegelt zudem die oft beträchtlichen Aversionen und Vorurteile der Interpreten wider. Bezeichnend hierfür sind die Erträge folgender Publikationen: Oliver Geden: Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus, 2. Aufl., Berlin 1999; Guido und Michael Grandt: Schwarzbuch Anthroposophie. Rudolf Steiners okkult-rassistische Weltanschauung, Wien 1997; Christian Schüller/ Petrus van der Lett: Rasse Mensch. Jeder Mensch ein Mischling, Aschaffenburg 1999, S. 112-160; Volkmar Wölk: Natur und Mythos, Duisburg 1992 sowie vor allem Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik, Hamburg 2005 (2. Aufl.).
    Um eine sachliche Darstellung und Interpretation bemühen sich Georg Otto Schmid: Die Anthroposophie und die Rassenlehre Rudolf Steiners zwischen Universalismus, Eurozentrik und Germanophilie, in: Joachim Müller (Hg.): Anthroposophie und Christentum. Eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung, Freiburg 1995, S. 138-194; Helmut Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien aus dem okkulten Untergrund des Kaiserreiches, in: Uwe Puschner/ Walter Schmitz/ Justus H. Ulbricht (Hg.): Handbuch zur “Völkischen Bewegung” 1871-1918, München 1999, S. 224-251; ders.: Anthroposophische Rassentheorie; ders.: Anthroposophie in Deutschland, Band 1, S. 624-637, Michael Rißmann: Nationalsozialismus, völkische Bewegung und Esoterik, in: “Zeitschrift für Genozidforschung” 2 (2003), S. 58-91, S. 61 ff sowie Jana Husmann-Kastein: Schwarz-Weiß-Konstruktionen im Rassebild Rudolf Steiners, in: “Berliner Dialog. Zeitschrift für Informationen und Standpunkte zur religiösen Begegnung”, hg. v. Dialog Zentrum Berlin e.V., Bd. 29, Juli 2006, S.22-29.
    Eine kritische Auseinandersetzung mit anthroposophischen Rassenlehren verspricht der Bericht einer von niederländischen Anthroposophen eingesetzten Untersuchungskommission: Anthroposophie und die Frage der Rassen. Zwischenbericht der niederländischen Untersuchungskommission “Anthroposophie und die Frage der Rassen”, Frankfurt a.M. 2000 (3. Aufl.). Eine Studie der Autoren Jürgen Bader und Lorenzo Ravagli arbeitet entsprechendes Quellenmaterial fundiert, aber in deutlich apologetischer Absicht auf: Jürgen Bader/ Lorenzo Ravagli: Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und der Rassismus-Vorwurf, Stuttgart 2002. Mit der wechselvollen Geschichte anthroposophischer Einrichtungen während des “Dritten Reichs” und der NS-Verfolgung einzelner Mitglieder der 1935 verbotenen Anthroposophischen Gesellschaft beschäftigt sich eine materialreiche Studie, deren Autor jedoch die Frage, inwieweit antisemitische Überzeugungen unter damaligen Anthroposophen verbreitet waren, vollkommen ausspart. Siehe Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945), München 1999.
    Die Verstrickungen von Anthroposophen ins völkisch-antisemitische bzw. nationalsozialistische Milieu und die Affinität einzelner italienischer Anthroposophen zum Faschismus thematisiert Peter Staudenmaier in einer materialgesättigten Studie, in der jedoch bedauerlicherweise die Konturen zwischen Anthroposophie, allgemeinem Okkultismus, Theosophie und völkisch-nationalsozialistischen Ideologemen bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen: Siehe Peter Staudenmaier: Between Occultism and Fascism: Anthroposophy and the politics of Race and Nation in Germany and Italy, 1900-1945, Diss., Cornell University 2010. Die Notwendigkeit des sorgfältigen begrifflichen Unterscheidens stellt sich aber bei einem so weitläufig angelegten Forschungsgegenstand mit ebensolcher Vehemenz wie die des Vergleichens bzw. des Hinterfragens von Konvergenzen. Das Fokussieren von gelegentlichen ideellen Schnittmengen oder auch personellen Verflechtungen zwischen völkisch-antisemitischem und anthroposophischen Lager verstellt indes den Blick auf die politische und weltanschauliche Heterogenität des anthroposophischen Binnenspektrums dieser Jahrzehnte, in dem neben Sympathisanten bzw. Akteuren des völkisch-rassistischen Milieus wie Karl Heise, Richard Karutz oder Friedrich Lienhard auch sehr viele politisch Unverdächtige unterwegs waren – so zum Beispiel frühe Repräsentanten des “Kulturzionismus” Martin Bubers wie Hugo Bergmann, Ernst Müller oder Berta Fanta, die den kosmopolitisch-emanzipatorischen Geist der Anthroposophie, Steiners Kritik des ethnischen Nationalstaates und seine Ablehnung eines genetischen Determinismus im unterschiedlichen Maße wertschätzten. In hermeneutisch-methodischer Hinsicht stellt die Dissertation Staudenmaiers gegenüber bereits erreichten Standards der geschichtswissenschaftlichen Erforschung der Anthroposophie einen Rückschritt dar, was nicht ausschließt, dass der Autor neues, zum Teil brisantes Quellenmaterial etwa zu antisemitischen Umtrieben italienischer Anthroposophen wie dem Journalisten, Philosophen und Mussolini-Bewunderer Massimo Scaligero präsentiert.
    Zum Antisemitismus-Verdacht selbst erschienen desweiteren folgende Arbeiten: Julia Iwersen: Rudolf Steiner: Anthroposophie und Antisemitismus. Zu einer wenig bekannten Spielart des christlichen Antisemitismus, in: “Babylon – Beiträge zur jüdischen Gegenwart”, Nr. 16-17, Oktober 1996, S. 153-163; Ekkehard W. Stegemann: Antijüdische Stereotypen in der anthroposophischen Tradition? Siehe http://www.akdh.ch/ps/ps_60Ref-Stegemann.html ; Bader / Leist/ Ravagli: Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und der Antisemitismusvorwurf; Ralf Sonnenberg: “Keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens”. Judentum, Zionismus und Antisemitismus aus der Sicht Rudolf Steiners, in: Wolfgang Benz (Hg.): “Jahrbuch für Antisemitismusforschung” 12 (2003), S. 185-210; Peter Staudenmaier: Rudolf Steiner and the Jewish Question, in: “Year Book 2005″, Leo Baeck Institute, Oxford 2005, S. 127-147 sowie Ralf Sonnenberg (Hg.): Anthroposophie und Judentum. Perspektiven einer Beziehung, Frankfurt a.M. 2009.
    (90) Die Kulturwissenschaftlerin und Gender-Forscherin Jana Husmann-Kastein, 2003 bis 2006 Promotionsstipendiatin der PDS-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, überspannte den Bogen ihrer berechtigten Kritik an den Rassentheorien Steiners auf medienwirksame Weise, indem sie für das Verfahren ein “Gutachten” beisteuerte, das die Rechtmäßigkeit einer Indizierung nachweisen sollte. Die “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien” ließ sich allerdings nicht als Zugpferd einer politisch intendierten Kampagne zweier Steiner-Gegner missbrauchen und reagierte mit Besonnenheit: Dem vom Familienministerium auf Anregung der Initiatoren hin gestellten Antrag wurde nicht entsprochen, den Verantwortlichen des Rudolf Steiner Verlags allerdings geraten, künftige Ausgaben der beanstandeten Bände kritisch zu kommentieren. – Hätten sich die Initiatoren dieses Indizierungsantrags weniger von der Suche nach Schlagzeilen, die einem im Fall der “Anthroposophie-Kritik” immer sicher sind, als vielmehr von aufrichtiger pädagogischer Sorge leiten lassen, dann müssten sie nolens volens auch Schriften Luthers, Herders, Kants, Fichtes, Hegels, Marxens, Max Webers oder Heinrich Manns, die antisemitische bzw. rassistische Passagen enthalten und keinesfalls durchweg den Ansprüchen historisch-kritischer Werkeditionen genügen, von heutigen Teenagern fernzuhalten suchen. Eine partielle Zensur, selbst wenn sie nur Jugendliche beträfe, verhinderte jedoch gerade die kritische Auseinandersetzung mit den in Rede stehenden Altlasten und nähme somit eine “Wiederkehr des Verdrängten” billigend in Kauf. Nicht zuletzt der Umstand des “zweierlei Maßes” zeigt die Unaufrichtigkeit des Ansinnens, sich des unbequemen historischen Erbes rassistischer Vorurteile mit den Mitteln der “Political Correctness” zu erwehren. Ein Indizierungsgesuch, dessen Objektwahl Parteilichkeit verrät bzw. dessen Auswahlkriterien unklar bleiben, weil er aussschließlich Vorträgen des Esoterikers Steiner gilt, statt sich in gleicher Manier auch gegen renommierte Autoren der deutschsprachigen Literatur zu wenden, zeigt, dass die ihm zugrunde liegenden Motive keine wissenschaftlich-objektiven, sondern ideologische sind. Die Annahme überdies, theosophische Insider-Literatur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gehöre zu den bevorzugten Freizeitlektüren heutiger Teenager, zielt, sofern sie überhaupt ernst gemeint ist, an der Lebensrealität von Jugendlichen vorbei.
    (91) Ideengeber Steiners in puncto Rassenlehren waren neben H.P. Blavatsky und Ernst Haeckel (1834-1919) vermutlich auch Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), Carl Gustav Carus (1789-1869) und Hegel. Vgl. Zander: Anthroposophische Rassentheorie, S. 302 f.
    (92) Die Begriffe “Arier” und “arische Wurzelrasse” gebrauchte Steiner ohnedies selten. Auf den über 89000 Seiten in ungefähr 340 Bänden der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe kommt der Terminus “arische Wurzelrasse” auf genau zehn Seiten vor. Zur semantischen Aufschlüsselung der in der Anthroposophie gebräuchlichen Periodisierungen “Wurzelrasse”, “Unterrasse” oder “Kulturepoche” siehe Bader / Ravagli: Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit. Anthroposophie und der Rassismus-Vorwurf. Zur Einordnung des Komplexes “biologische Rassen” im Steinerschen Oeuvre vgl. Anthroposophie und die Frage der Rassen, S. 15-32.
    (93) Vgl. auch eine Äußerung Steiners vom 4. Dezember 1909, derzufolge “der Rassebegriff aufhört, eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit” und das Denken in Rassenklassifikationen eine “Kinderkrankheit der theosophischen Bewegung” gewesen sei. Siehe Rudolf Steiner: Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien (GA 117), Dornach 1986, S. 151 f.
    (94) Etwa Steiner: Die Mission, S. 79 und S. 118.
    (95) Rudolf Steiner.: Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums (GA 349), Vortrag vom 3. März 1923, Dornach 1980, S. 53.
    (96) Rudolf Steiner: Über Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre (GA 348), Vortrag vom 16. Dezember 1922, Dornach 1959, S. 105 f.
    (97) Zu Steiners Deutung der “Bewusstseinsseele” vgl. Jörg Ewertowski: Die Entdeckung der Bewusstseinsseele. Wegmarken des Geistes, Stuttgart 2007.
    (98) Steiner: Die Mission, S. 67.
    (99) Vgl. Jens Heisterkamp: Weltgeschichte als Menschenkunde. Untersuchungen zur Geschichtsauffassung Rudolf Steiners, Diss., Dornach 1989. S. 129 ff. Der Begriff der “Wurzelrasse” markiert aus Steiners Sicht vor allem einen Epochenabschnitt, dessen Repräsentanten in diesem Fall vor allem die Europäer seien.
    (100) Steiner: Die Mission, S. 78.
    (101) Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien, S. 246.
    (102) Ebenda, S. 248.
    (103) Zander: Anthroposophische Rassentheorie, S. 325.
    (104) Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien und ders.: Anthroposophische Rassentheorie.
    (105) “Der Warnung von Sonnenberg: »Keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens«, 204 f., Steiner allzuschnell unter das völkische Milieu zu subsumieren, die er auch an meinen älteren Publikationen kritisiert, stimme ich zu. Elemente rassischen Denken implizieren nicht automatisch eine Zugehörigkeit zur völkischen Bewegung.” Aus: Zander: Anthroposophie in Deutschland, Band 1, S. 632 f.
    (106) Ebenda.
    (107) “Sozialistische” oder sogar “marxistische” Anklänge treten etwa in den Schriften und Vorträgen Steiners zur sozialen Dreigliederung in großer Fülle in Erscheinung, wenn der Interpret versuchsweise mal die “linke Brille” aufsetzt. Siehe etwa Joseph Huber: Über Anthroposophie, einen gewissen Marxismus und andere Alternatiefen, in: Hans Magnus Enzensberger (Hg.): “Kursbuch” 55, 1979, S. 139-162 oder Christoph Strawe: Anthroposophie und Marxismus, Stuttgart 1986. Freilich ist mit dem Auffinden solcher “Konvergenzen”, das sich beliebig nach allen Richtungen hin ausdehnen ließe, für ein Verständnis der sozialreformerischen, politischen und ökonomischen Gedankengänge Steiners wenig gewonnen.
    (108) Zur Definition völkischer Ideologien und Organisationen vgl. Uwe Puschner/ Walter Schmitz/ Justus H. Ulbricht: Vorwort, in: Handbuch zur “Völkischen Bewegung”, S. IX-XXVII. Siehe auch Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich, Darmstadt 2001, S. 10-25.
    (109) George L. Mosse: Die Geschichte des Rassismus in Europa, Frankfurt a.M. 1990, S. 119 f.
    (110) Jörn Rüsen: Rassismus, Modernität und Anthroposophie, in: “Info3″, Nr. 12, Dezember 1998, S. 11-15.
    (111) Brief Uwe Puschners vom 11.11. 2002 an den Autor.
    (112) Wolfgang Benz: Vorwort, in: Ders. (Hg.): “Jahrbuch für Antisemitismusforschung” 12 (2003), S. 10.
    (113) Rißmann: Nationalsozialismus, völkische Bewegung und Esoterik, S. 61 ff.
    (114) Zander: Anthroposophie in Deutschland, Band 1, S. 632 f. und ders.: Rudolf Steiners Rassenlehre. Plädoyer, über die Regeln der Deutung von Steiners Werk zu reden, in: Uwe Puschner/ G. Ulrich Großmann (Hg.): Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 20. Jahrhundert, Darmstadt 2009, S. 145-155, hier S. 150: “Steiner wollte kein Rassist sein – dies unterschied ihn von den Völkischen des Kaiserreichs, die nicht genug von »blutsmäßiger» Abstammung haben konnten. Kritiker, die Steiners Rassismen isolieren oder zum Zentrum seiner Weltanschauung stilisieren, werden seiner Konzeption nicht gerecht.” Der letzte Satz überrascht, da Zander in früheren Publikationen selbst noch zu jenen Kritikern zählte, welche die Rassentheorien Steiners als »konstitutiv« für dessen Weltanschauung ansahen. Zu begrüßen ist die an ihre Anhänger gerichtete Einladung des Autors, die heutige Anthroposophie für historisch-kritische Kontextualisierungen zu öffnen, die weithin verbreitete selbstreferentielle Wagenburg-Mentalität zu Gunsten eines auf Augenhöhe stattfindenden intellektuellen Diskurses zu verlassen: “Zu dieser Akzeptanz von Kontextualität gibt es meines Erachtens keine Alternative, wenn man in der europäischen Reflexionskultur Gesprächspartner finden will. Die Anthroposophie muss zwar diese Kontextualisierung nicht wollen, darf aber bei einer Verweigerung nicht klagen, wenn man sich im intellektuellen Getto wiederfindet.” (ebenda, S. 152).
    (115) Rißmann: Nationalsozialismus, völkische Bewegung und Esoterik, S. 63 f.
    (116) Wolfgang Benz: Vorwort. Nach Jahren einer oft pseudowissenschaftlichen Rezeptionsgeschichte voll “pauschaler Verurteilungen” (Benz, ebenda), wie sie mit Jutta Ditfurths Buch “Feuer in die Herzen. Plädoyer für eine ökologische linke Opposition” 1992 einsetzte und in der Veröffentlichung dubioser Anthroposophie- und Waldorf-”Schwarzbücher” ihre Fortsetzung fand, versachlicht sich die Kontroverse um rassistische und antijudaistische Äußerungen Rudolf Steiners zusehends. Ein Grund mag darin liegen, dass die Anthroposophie von immer mehr Religionswissenschaftlern und Kulturhistorikern als genuiner Forschungsgegenstand entdeckt wird und ihre Rezeption somit nicht mehr nur Hasardeuren überlassen bleibt. Steiners Gegnerschaft zum rassenantisemitisch-völkischen Milieu und Diskurs seiner Zeit wird von den meisten Historikern inzwischen nicht mehr bestritten. Vgl. auch Wolfgang Benz (Hg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band 2: Personen, Berlin 2009, S. 795.
    (117) Schnurbein/ Ulbricht: Völkische Religion sowie Sandra Franz: Die Religion des Grals. Entwürfe arteigener Religiosität im Spektrum von völkischer Bewegung, Lebensreform, Okkultismus, Neuheidentum und Jugendbewegung (1871-1945), Schwalbach/Ts. 2009.
    (118) Rudolf Steiner: Alte und neue Einweihungsmethoden (GA 210), Vortrag vom 7.1.1922, Dornach 2001, S. 25.
    (119) Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium (GA 148), Vortrag vom 6.1.1914, Dornach 1996, S. 155-160.
    (120) Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Chronik (GA 11), Dornach 1979, S. 30-33.
    (121) Rudolf Steiner: Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis (GA 177), Vortrag vom 7. Oktober 1917, Dornach 1999, S. 84-86.
    (122) Einige Kinder, die aufgrund ihrer Behinderung und ihrer jüdischen Herkunft gleich doppelt gefährdet waren, wurden erfolgreich in die Schweiz evakuiert, wo sie in dem von Anthroposophen geführten Kinderheim Sonnenhof (Arlesheim) eine neue Bleibe fanden. Werner: Anthroposophen, S. 354.
    (123) Steiner: Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums (GA 349), S. 59.
    (124) Steiner: Theosophie des Rosenkreuzers, Vortrag vom 4. Juni1907, S. 129.
    (125) Vgl. Ted van Baarda: Das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Steiners Kritik einer folgenreichen Lehre, in: Jens Heisterkamp (Hg.): Die Jahrhundertillusion. Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker, Steiners Kritik und die Frage der nationalen Minderheiten heute, Frankfurt a.M. 2002, S. 11-52 sowie Albert Schmelzer: Die Dreigliederungsbewegung 1919. Rudolf Steiners Einsatz für den Selbstverwaltungsimpuls, Diss., Stuttgart 1991.
    (126) Steiner: Die spirituellen Hintergründe, S. 205.
    (127) Steiner: Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens, S. 152.
    (128) Siehe Sonnenberg: Zionismus und Waage: Eine herausfordernde Begegnung.
    (129) Ronald Templeton: Carl Unger. Der Weg eines Geistesschülers, Dornach 1990.
    (130) Ingo Schultz: Viktor Ullmann: Leben und Werk, Stuttgart 2008.
    (131) Georg Gimpl: Weil der Boden selbst hier brennt. Aus dem Prager Salon der Berta Fanta (1865-1918), Furth im Wald 2002.
    (132) Werner: Anthroposophen, S. 8. Ravagli: Anthroposophie und völkisches Denken. Zur rechtsradikalen Gegnerschaft der Anthroposophen in der Weimarer Zeit vgl. Lorenzo Ravagli: Unter Hammer und Hakenkreuz. Der völkisch-nationalsozialistische Kampf gegen die Anthroposophie, Stuttgart 2004.
    (133) Siehe Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Stuttgart 1997, S. 36-109; ferner Ulrich Nanko: Das Spektrum völkisch-religiöser Organisationen von der Jahrhundertwende bis ins “Dritte Reich”, in: Schnurbein/ Ulbricht: Völkische Religion, S. 208-226, hier 213-217 und Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien, S. 233 ff.
    (134) Vgl. Fußnote 29.
    (135) Rudolf Steiner: Mein Lebensgang (GA 28), Dornach 1986, S. 145.
    (136) Steiner: Wesen des Judentums, S. 2002.
    (137) Siehe hierzu Avraham Barkai: “Wehr dich!” Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.) 1893–1938, München 2002.
    (138) Iwersen: Rudolf Steiner, S. 155.
    (139) Zander: Sozialdarwinistische Rassentheorien, S. 244.
    (140) Micha Brumlik: Die Gnostiker. Der Traum von der Selbsterlösung des Menschen, Berlin 2000, Vorwort.
    (141) Steiner: Wesen des Judentums, S. 189. Als eine kryptische Schuldzuweisung an Juden könnte hingegen – sofern man Steiners Sicht der “Jahwe-Wesenheit” als Glied und zugleich Spiegel der Trinität außer Acht lässt und zudem die Passage interpretatorisch überstrapaziert – die an gleicher Stelle auffindbare Aussage gelesen werden, derzufolge die Wirksamkeit Jahwes den Inspirationshintergrund für den Nationalismus als gesamteuropäisches Phänomen abgebe. Hierzu siehe Staudenmaier: Rudolf Steiner and the Jewish Question, S. 143.
    (142) Rudolf Steiner: Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen (GA 190), Vortrag vom 5. April 1919, Dornach 1971, S. 114 f. Einen Überblick über die Entstehungs- und frühe Rezeptionsgeschichte des antisemitisch-antifreimaurerischen Verschwörungsmythos‘ verschaffen folgende Studien: Norman Cohn: “Die Protokolle der Weisen von Zion”. Der Mythos der jüdischen Weltverschwörung, Zürich 1997; Jeffrey L. Sammons: Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Grundlage des modernen Antisemitismus – eine Fälschung. Text und Kommentar, Göttingen 1998 sowie Armin Pfahl-Traughber: Der antisemitisch-antifreimaurerische Verschwörungsmythos in der Weimarer Republik und im NS-Staat, Wien 1993.
    (143) Siehe zum Beispiel Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen (GA 192), Dornach 1991, Vortrag vom 18. Mai 1919, S. 118. Eine Orientierung über die umfangreiche Fachliteratur zur “Dolchstoßlegende” gibt Gerd Krumeich: Die Dolchstoß-Legende, in: Deutsche Erinnerungsorte, Bd. 1, hg. von Etienne Francois und Hagen Schulze, München 2001, S. 585-599.
    (144) Obwohl die neuere Forschung auch auf das ultra-katholizistische Frankreich als Entstehungshintergrund der “Protokolle” verweist und damit Steiners Behauptung einer “jesuitischen Fälschung” nicht mehr ganz so abwegig erscheinen lässt, verlaufen die Wege der Genesis und Tradierung dieses politisch folgenschweren Elaborats vielfach im Dunkeln. Vgl. auch Norman Cohn: Die Protokolle der Weisen von Zion. Eine umfangreiche, Archive in Frankreich, Russland, der Schweiz und Israel auswertende Arbeit über die “Protokolle” und ihren Herausgeber, den russischen religiösen Schriftsteller und Apokalyptiker Sergej Nilus, sowie eine kommentierte Edition der Materialien des Berner Prozesses bereitet seit Jahren der Historiker Michael Hagemeister vor.

  19. trickster

    Erklärt mir jemand kurz und leicht verständlich, was hier abgeht? Ich habe nämlich das Gefühl, zwischen die Fronten von Fussballclubs geraten zu sein, ist mir vor Urzeiten mal in Glasgow passiert, da war ich froh, dass ein Bobby um die Ecke kam.

  20. heinz krächan

    hier ist der vater von thorsten krächan
    erst einmal vielen dank für ihren suchaufruf.
    thorsten wurde am 20.01.2011 um 20:41 an der bahnstrecke mörfelden waldorf ,quer über dem gleis liegend, von der regionalbahn zerteilt und getötet.
    in trauer
    heinz

  21. Bert Bresgen

    Sehr geehrter Heinz Krächan,
    Das ist erschütternd. Im Namen der Redaktion schicke ich ihnen unser Mitgefühl.
    Bert Bresgen
    Frankfurter Gemeine Zeitung

  22. erik

    Sehr geehrte Lesergemeinde,
    geht es etwas kleiner und leiser, hat Herr Steiner immerzu gebrüllt und auf den Tisch gehauen?
    Na eben, da braucht es keinen Vorwurf faschistoider Tendenzen!
    Kritik sollte erlaubt sein, eben und gerade im Sinn einer geistigen Freiheit.
    Danke, desweiteren habe ich überhaupt nichts zu kritisieren.
    erik

  23. E. Neumann

    Thorsten Krächan hatte einen feinen Humor und war im Denken gewissenhaft.

    Ich vermisse und trauere um ihn.

    E. Neumann

    edgar.neumannATweb.de

    .

  24. JohnPhen

    Jürgen Lentes, ich bin Dir so dankbar für den super Artikel und die Formulierung Psycho-Betz. You made my day :) Tatsächlich ist die Bewunderung die dieser Quacksalber erfährt beängstigend, obwohl er im Bereich der Psycho-Gurus wahrscheinlich nicht einmal der schlimmste ist.

    Ich will als Psychologe noch ergänzen, dass der psychologische Anteil in Betz Vorträgen in keiner Form gegenwärtigen psychologischen Erkenntnissen entspricht. Zum Beispiel, seine Annahme, dass wir Erinnerungen unserer Kindheit selten abrufen können durch die Unterdrückung der an die Erinnerungen verbundenen Gefühle erweisbar ist, erweist allein sein nicht-vorhandenes psychologisches Wissen. Viele seiner Betz sind noch tief in Freud’s Psychodynamik verankert, eine veraltert, widerlegte und in häufigen Fällen gefährliche Methode der Psychotherapie.

    So gab es einige Beispiele, in denen der Psychoanalytiker die psychischen Probleme seiner Patienten in einer kranken Vater-Tochter-Beziehung begründet sah. Diese Suggestion führte soweit, dass die Patientin irgendwann überzeugt war vom Vater missbraucht worden zu sein, diese Erinnerung aber unterdrückt hat und daher ein so gepeinigtes Leben führen musste. Haltlos wie sich vor Gericht rausstellen musste. Betz prischt mit seinem Gelaber in die gleiche Gefahr. Mit fundierter Psychologie hat das nichts zu tun.

    Betz plumpes Geschwätz über Männer und Frauen empfinde ich als einen Angriff auf einen gesunden Intellekt. Es mag sein, dass ein altmodisches Konzept des Mannes in der Krise ist, sicher aber nicht der Mann selbst. Seit den fünfziger Jahren wurde das Patriarchat zum Glück begrenzt, die Aufgaben und Rechte von Mann und Frau überlappten sich stets mehr. Soll das jetzt heißen, dass ich nicht mehr richtig Mann sein kann? Betz suggeriert dumm-dreist, dass es eine Natur der Geschlechter gibt, eine Art Ur-mann und Ur-Frau. Und wenn man Betz beim Wort nimmt, schienen die 50er wohl besser zu dieser Urform zu passen als die Gegenwart. Schließlich können wir heutzutage unser Geschlecht nicht mehr ausleben. Wessen Hirn fühlt sich dabei nicht angegriffen?

    Tatsächlich ist es so, dass die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau verschwindend gering sind. Strukturelle Unterschiede im Gehirn konnten nie nachgewiesen werden. Die wichtige Konsequenz ist, dass keinen Naturzustand der Geschlechter gibt. Unser Verständnis der Geschlechter ist sozialisiert. Mit anderen Worten, wenn der Mann nicht mehr als “grundgeiler Versorger” sozialisiert wird, gibt es auch keine Krise des Mannes.

    Die meisten jungen Männer, die ich kenne sind übrigens sehr erfüllt mit ihrer Rolle in einer gleichberechtigten Partnerschaft von Mann und Frau, in denen es keine strukturell unterschiedliche Auffassung der Geschlechter gibt. Ich bin einer von ihnen!

    Wer was tolles Lesen will, etwas, das lehrhaft ist und einen zum Nachdenken und Reflektieren bringt, sollte sich mal ein Buch Richard David Precht besorgen.

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