Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Debatte um Gentrifizierung ist verkürzt (1)

Der Wandel der Stadt ist ohne den Wandel der Arbeit nicht zu verstehen

Wenn man die Debatte über Gentrifizierung verfolgt, dann scheint sich die These vom Ende der Arbeitsgesellschaft zu bewahrheiten, zumindest in den innenstadtnahen Altbauquartierten. Die zentrale Forderung ist die nach bezahlbarem Wohnraum. Arbeit kommt, wenn überhaupt, nur am Rande vor. Doch ohne eine Betrachtung der Arbeit lassen sich die Umbrüche in den Zentren der Städte nicht verstehen.

In der Debatte über Gentrifizierung spielt Arbeit keine Rolle. Diese Einseitigkeit steht im offenen Kontrast zu dem Alltag in den Vierteln. Ob Freelancer in Ladenwohnungen, KellnerInnen in Cafés und Kneipen oder HandwerkerInnen in Hinterhofwerkstätten: Die von Gentrifizierung betroffenen Viertel sind von einer Vielzahl von Arbeitsorten durchzogen. Aber weil es in der Debatte um Grentrifizierung häufig nur ums Wohnen geht, gerät aus dem Blick, dass jenseits des Industriearbeiters und jenseits der Angestellten eine Vielzahl neuer Arbeitsformen entstanden ist. Ebenso wie der städtische Raum hat sich auch Arbeit in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Erst wenn man diese Veränderungen in den Blick nimmt, lässt sich fassen, wie eng Gentrifizierung und prekäre Arbeit zusammenhängen.

Nordweststadt_near_Praunheimer_Weg

Jede Arbeit ist an einen bestimmten Raum gebunden. In dem Maße, in dem sich die Arbeit ändert, ändert sich auch der Raum. In dem Maße, in dem sich der Raum ändert, ändert sich auch die Arbeit. Was dies für die Vorgeschichte der Gegenwart bedeutet, lässt sich mit der modellhaften Gegenüberstellung von fordistischem und postfordistischem Raum genauer fassen.

Vom fordistischen zum postfordistischen Raum

Bis 1970 kann man auch in Hamburg Industrialisierung und Urbanisierung nicht voneinander trennen (zur selektiveren Frankfurter Geschichte sei dieser Artikel empfohlen: die Industrialisierung war im Frankfurter Westen und Osten recht stark) . Hafen und Werften waren die Motoren der Hamburger Wirtschaft. Zugleich wuchs die Zahl der Beschäftigten in den Verwaltungen der großen Konzerne. IndustriearbeiterInnen und Angestellte prägten die Arbeitswelt. Dabei lassen sich vier wesentliche Überschneidungen zwischen der fordistischen Arbeitsorganisation und der modernen Stadtplanung ausmachen: Funktionstrennung, Statut der Lohnarbeit, Planung und Abkehr von der Stadt.

Sowohl in der Industrie als auch in den Verwaltungen war Lohnarbeit und damit die Trennung von Arbeit und Leben das allgemeine Modell. Es gab feste Arbeitszeiten und Stechuhren. Die Arbeit war an Fabrikhallen und Großraumbüros gebunden. Und sie wurde klar von den unbezahlten Tätigkeiten im Haushalt, die von Frauen verrichtet wurden, unterschieden. Diese Trennung zwischen Arbeit und Leben setzte sich auch in der modernen Stadtplanung fort. In der “Charta von Athen”, dem zentralen Dokument der modernen Stadtplanung, wurden mit dem Wohnen, der Arbeit, der Erholung und dem Verkehr vier Funktionen der Stadt ausgemacht. Diese sollten voneinander getrennt und verschiedenen Stadtteilen zugeordnet werden. Ausgehend von dieser Funktionstrennung war Lohnarbeit bis in die 1970er Jahre hinein vor allem in bestimmten Stadtvierteln konzentriert. In der City und der City Nord arbeiteten die Angestellten, im Hafen und in den Werften die IndustriearbeiterInnen. Zugleich wurden Trabantenstädte gebaut, die allein auf das Wohnen und damit auf die Hausarbeit ausgerichtet waren.

Lohnarbeit war in der Nachkriegszeit in der Regel mit einer grundlegenden sozialen Absicherung verbunden. Krankenversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung galten als Norm. Dieses Statut der Lohnarbeit war nicht auf den Arbeitsbereich beschränkt, sondern prägte auch den Wohnungsbau. Die “Wohnung für das Existenzminimum” war eines der zentralen Themen der modernen Stadtplanung und Architektur. Allein in den 1960er und 1970er Jahren entstanden in Hamburg in den Trabantenstädten Zehntausende von Wohnungen in modernen Plattenbauten. Wie die anderen sozialen Absicherungen auch, war der soziale Wohnungsbau vor allem eine Errungenschaft der Arbeiterbewegung.

Zentralisierung und Planung bestimmten bis in die 1970er hinein die Arbeitsorganisation. Großtechnologien wie das Fließband oder der Großcomputer waren prägend. Die Beschäftigten hatten sich den starren Hierarchien und dem Rhythmus der Maschinerie unterzuordnen. Soziale Kontakte, die über diese hierarchische Organisationsstruktur hinausgingen, galten als potenzielle Störfaktoren. Dieser Versuch des Managements, die Fabriken und Büros bis in die kleinsten Arbeitsabläufe zu planen, fand in der modernen Stadtplanung seine Entsprechung. Der chaotischen Stadt des 19. Jahrhunderts wurde der “Plan der Stadt” entgegengestellt. Ob der Weg von der Wohnung zur Arbeit oder vom Wohnzimmer zur Küche: Alles wurde geplant und geordnet. Alle überflüssigen Begegnungen sollten vermieden werden. Nicht zuletzt deshalb setzte sich die moderne Stadtplanung zum Ziel, die soziale Dichte der Stadt zu verringern.

Vor allem nach 1945 war die Stadtentwicklung durch einen Sog nach außen gekennzeichnet. Fabriken und Bürogebäude wurden an den Rand der Stadt verlagert. Neue Sozialwohnungen entstanden in den Trabantenstädten. Familien aus der Mittelschicht zogen in die Vororte; der Speckgürtel entstand. Während wirtschaftliche Entwicklung und Bautätigkeit auf die Ränder ausgerichtet waren, verfielen die innenstadtnahen Altbauquartiere. Sie standen für alles, was die moderne Stadtplanung verachtete: für die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Wohnen, für schlecht ausgestattete Wohnungen, für ein chaotisches Durcheinander. Sie galten als Überreste vergangener Zeiten, die bald abgerissen werden würden.

Dieser durch Funktionstrennung, Statut der Lohnarbeit, Planung und Abkehr von der Innenstadt geprägte fordistische Raum ist seit 1970 in die Krise geraten. Mit dem Werftensterben und der Einführung des Containers hat sich die Zahl der in den Werften und im Hafen Beschäftigten deutlich verringert. Zugleich haben neue Branchen an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Diskussion über die Kreativwirtschaft. Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten Jahren die Konturen eines postfordistischen Raumes herausgebildet. Dies lässt sich wiederum an vier Charakteristika herausarbeiten: Entgrenzung von Arbeit und Leben, Prekarität, Netzwerke und Rückkehr in die Stadt. Wie das funktioniert zeigt die Fortsetzung des Artikels in ein paar Tagen.

(aus ak – analyse & kritik Nr. 558)


7 Kommentare zu “Die Debatte um Gentrifizierung ist verkürzt (1)”

  1. Tob

    Anmerk: vorab: Den zweiten Teil gibts auf der ak WebSite.

    So richtig und notwendig diese Kritik der Gentrification ist. Von mir ein Zusatz zur allgemeinen Debatte. Gentrification avanciert in den letzten Jahren nicht nur zu einem”beliebten” Wort in vielfältigen Debatten: Zeitungen aller Stilrichtungen, Parteien- und Demobannern und Internetforen, sondern wird gleichzeitig in den universitären Diskussionen ständig erweitert und hintefragt. Der Beitrag in ak ist eine tolle neue Perspektive.
    Aufgepasst werden sollte jedoch, meiner Ansicht nach, dass hiebei nicht die konkreten räumlichen Analysen vergessen werden. Zu gerne nur wird über Hamburg und Berlin geschrieben. Jedoch ist die Debatte um Gentrification inzwischen derart weit fortgeschritten, dass doch weg vom Metropolenansatz, eine räumliche Breite in andere Städte erreicht werden kann, in Kleinstädte, Mittelstädte, größeren Städte (ohne Hafen, Regierung, Flughafen etc.). Dazu reicht dann keine Demo oder irgendwein Netzwerk vor Ort, sondern dieses muss durch Analysen der Stadtteile in gesamtstädtischer Sicht, und auch unter gesamtgesellschaftlicher Problematik (etwa Wandel der Arbeitswelt) erfolgen. Für mich sieht es daher im Moment so aus, als wenn es eine verkürzte Anwendung des bisherigen multidimensionalen Gentrificationansatzes gibt.

  2. gaukler

    Du hast natürlich recht, den Ansatz je nach Stadtgröße und anderen Bedingungen zu differenzieren; aber ab einer bestimmten Stadtgröße und -geschichte bringt der Begriff nicht mehr viel. Der Arbeitsgesichtspunkt dient genau dazu und ich würde auch nicht die Hamburger Bedingungen 1:1 nach Frankfurt übertragen. Das Beispiel Frankfurt Ost im Artikel ist ein Aspekt, die grössere Rolle spielt in Frankfurt die Finanzialisierung, die unzähligen Consultants, Trainees und ähnliches, die in diesem Umfeld die Stadtteile besetzen (auch durch Bau und Anmietung von Häusern duch Finanzfirmen). Im Nordend z. B. hat die “Gentifizierung” Anfang der 80er begonnen, ist inzwischen eher abgeschlossen. Interessanter ist heute eher Bornheim, auch wegen dem Kolorit.
    Bemerkenswert für Stadt-Differenzen sind im weiteren die unzähligen politischen Stadt-Initiativen in Hamburg oder Berlin, die hier fast völlig fehlen.
    Noch schöner ist die aktuelle Parteienwerbung, der der die grün-schwarzen tatsächlich – wie zum Hohn – für eine “gerechte Stadt” plakatieren. Auch zum Verständnis dieser Bewegungen und Gegenbewegungen stimme ich dir beim Plädoyer für Differenziertheit zu.
    Vielleicht hast du ja Beiträge ?

  3. Tob

    Es richtig was du sagst, dass Städte nicht 1:1 übertragen werden können. Ebenso, dass gewisse theoretische Muster des Gentrificationansatzes bei einer gewissen Stadtgröße aufhören. Es wird der Situation ja auch nicht gerecht würde versucht werden ein wissenschaftliches Theoriemuster erfüllen zu müssen. Vielmehr können jene Aspekte aus dem Ansatz genutzt werden, welche relevant sind für die jeweilige lokale Konstellation, etwa soziale Verdrängung durch gewollte politische Stadtentwicklungsplanungen.

    Unabhängig davon hier noch ein interessanter Link welcher sich auf den ak Artikel bezieht.

    Verkürzte Kritik an der Gentrificationdebatte

    Im neuen AK – der Zeitschrift für Analyse und Kritik – findet sich ein Beitrag zur Gentrificationdebatte. Diese nämlich sei vor allem eins: verkürzt…….
    (weiter auf)
    http://gentrificationblog.wordpress.com/2011/04/23/verkurzte-kritik-an-der-gentrificationdebatte/

  4. gaukler

    Danke für den Tip! Ich habe dort den folgenden Kommentar gepostet, er passt auch hier rein:
    Lieber AH. Wir haben den Artikel bei uns (http://kwassl.net/2011/03/08/die-debatte-um-gentrifizierung-ist-verkurzt-1/) auch gepostet, und möchten damit gewiß nicht die Konfrontation zwischen einer Art „Gentrifizierungs-Kulturalismus“ versus „Arbeits-Materialismus“ städtischer Umbrüche anfeuern. Zwei Bemerkungen dazu, die keineswegs die Diskussion um Gentrifizierung ausbremsen möchten.
    Der Gentrifizierungs-Begriff hat vermutlich einen wissenschaftlichen und einen öffentlich-narrativen Pol. Beide haben Schnittmengen, der öffentlich-narrative spitzt aber mehr zu, wohl eher auf die „Gentry“ und Enteignung, und das macht seinen Stellenwert für politische Initiativen aus.
    Bzw. er wird so leer, dass sogar die Frankfurter Grünen, in der Regierung mit der CDU ihn als facon de parler für die Stimmung in Nordend-Cafes verwenden. Der in der Urbanistik (etc.) verwendete Begriff geht darüber nach deinen Worten deutlich hinaus, und das ist gewiß kein Fehler. Falls er jedoch zu dehnbar wird, verlässt ihn vielleicht irgendwann die Trennschärfe (schließlich auch die politische) und er wird zum frei flottierenden Gummibegriff ala „aller städtischer Kapitalismus“. Das will ja niemand, aber manchmal schlagen öffentliche Verwendungen in die Wissenschaft zurück.
    Zum zweiten Punkt: die Gentrifizierungsdiagnose gründet sich ja – so weit meine beschränkte Kenntnis reicht – auf Kapitalbewegungen im Immobilienbereich, Landnahmen und rasante Extraprofite. Ein wichtiger Punkt des Stadtumbaus und Platz für Konfliktlinien. Kommen aber nicht gewisse weitere ökonomische Mechanismen quasi transversal dazu, die andere Konfliktlinien herstellen und die sich zuweilen mit denen der Gentrifizierung beißen? Man denke z. B. an die vielen Bewegungen rund um „wissensintensive Ökonomie“, die Hilfsdienstleister mit Wunsch nach billigen, kurzfristigen Projekt-Plätzen, und das noch im Wettbewerb zueinander. Da spielen Verwertung, Produktion und Konsum zusammen, oft an den selben Orten.
    Vielleicht enthält der Gentrifizierungsdiskurs all dies (da bin ich nicht gut genug informiert), das würde aber u. U. die Trennschärfe der verschiedenen Tendenzen und Akteure zueinander etwas verwischen. Für die Frage nach Koalitionsbildungen und politischen Strategien sind die Unterscheidungen auch nicht ohne. Der städtische Umbau und Konflikte werden sicher mit einigen Säulen gehalten, und es geht für zukünftige Diagnosen auch um die Kontexte und Interdependenzen zwischen Gentrifizierung und anderen Säulen.
    Grüße aus Frankfurt

  5. tob

    Gaukler, dein Kommentar ist zwar adressiert, ich möchte trotzdem was dazu schreiben.
    Ich denke nicht, dass du die Diskussion um Gentifizierung ausbremst, ganz im Gegenteil.
    Ich sehe da auch keine Konfrontation. Neil Smith hat den Ansatz ausdifferenziert, was zum ak-Artikel einfach gesagt werden muss, insbesondere die neue Dimension politischer bewusster Einflussnahme auf Verdrängungsprozesse. Ja, der Gentrifizierungs-Begriff hat einen „wissenschaftlichen und einen öffentlich-narrativen Pol“, zum Glück, denke ich. Der öffentliche spitzt dann natürlich mehr zu, denn er politisiert und stellt dadurch immer wieder die Machtfrage, bestenfalls in jedem kleinen Vorhaben und dann irgendwann(!) mal auf die Frage hinaus „Wem gehört denn die Stadt?“. Das die Grünen den Begriff verwenden, ist irgendwie auch ein gewisser Tabubruch, heraus aus einer milieutypischen Verwendung und Zuschreibung. Jetzt kann kein Stadtplaner in Frankfurt mehr sagen „kenne ich nicht – gibt’s hier nicht“, so wie es vor Jahren noch war, und in vielen Städten noch ist. Das der Begriff rund um die Cafediskussion „leer“ benutzt wird ist dann ein qualitativer Bruch, der vielleicht viele Leser falsch informiert, aber meiner Ansicht nach ein Stück weit auch von den Medien gesucht wurde. Es gibt jedoch erstmal eine Diskussion um Stadtteilveränderungen und Bevölkerungszusammensetzung, eine Dynamik also – die es qualitativ zu nutzen gilt! Dann haben die Grünen sich selbst angepinkelt!
    Warum sollen öffentliche Verwendungen nicht in die Wissenschaft zurück schlagen? Stichwort Elfenbeinturm. Der Gentrificationbegriff in der Urbanistik ist, wie du sagst, bereits sehr gedehnt. Gleichzeitig befinden wir uns in einer gesellschaftlichen Phase: „Mittelschicht etc. zurück in die Innenstädte und Kreativwirtschaft“, da passiert nun halt auf vielen städtischen Ebenen ein Aufwertungstrend. Aus Gesamtgesellschaftlicher Perspektive bis zur Perspektive eines Vermieters (mal platt gesagt) lassen sich Dynamiken erkennen, welche kausal im Zusammenhang mit „Aufwertung und Verdrängung stehen“, wer dann gleich Harvey und die lokale Bürgerinitiative in einem Satz nennt, erreicht eine Abstraktionsniveau, dass sicherlich irreführend ist. Beide haben mit Gentrification zu tun. Das beschriebt nur eine kleine Fassette, es könnte auch Florida und das Atelier mit 1/2 (nur) Zwischennutzungsrecht sein.
    Zur zweiten Frage möchte ich sagen, dass ich denke die Gentrifizierungsproblematik ist eine Machtfrage um Raum, wobei das Maß in dem (städtischer) Raum aus der politischen Verantwortlichkeit dem privaten Akteur überlassen wird die Grundfragestellung ist. Deine drei Diagnosepunkte reihen sich da ein, die Frage ist, ob „deine Transversalen“ auf derselben Ebene eingeordnete werden können, ich denke nicht. Auch der Hilfsdienstleister möchte kurzfristige Projekt-Plätze um Profit zu machen, wobei in Frankfurt enorm viel Bürofläche leer steht, was mit den Kapitalbewegungen im Immobilienmarkt zu tun hat. Vielleicht habe ich das aber auch nicht richtig verstanden?

  6. gaukler

    Tob, ich denke, Neil Smith muß mich nochmal über die Gentrifizierung informieren, da kenne ich zu wenig. Werde ich angehen.
    Ich habe mich vermutlich irreführend ausgedrückt: mit den Nordend-Cafes meinte ich nicht das Baby-Drama, sondern das andere Wabern der oft grünen Stimmungen dort. Und das betrifft z. B. verschiedene Aspekte von “Dir (!) gehört die Stadt”: etwa die grünen Vorständen, die sich als Besitzer großer Eigentumswohnungen vor Ort mit gutem Service-Angebot sehr wohl fühlen und die Wein-Belebung des Friedberger Platzes als Lokal-Kolorit begrüßen.
    Das meint – und damit kommt das “transversale” ins Spiel -, es gibt interessante, oft verdeckte Konfliktlinien zwischen Bewohnergruppen, die neben der Gentrifizierung herlaufen, oder mit ihr zusammenkommen. Das betrifft z. B. die heterogenen Gruppen in “kognitiver Arbeit” (von IT, Beratung, Schreiberei bis Design), bei der viele nur mit mühevollen Projektaufträgen über die Runde kommen und andere von einer Erfolgssträne verwöhnt die Hinterhofwerkstätten ehemaliger Gewerbebetriebe vom alten Chef abkaufen, dem sowohl Vorder- wie Hinterhaus gehört. Und der erfolgreiche Laden und neue Hausbesitzer engagiert dann noch für nen Appel und nen Ei die Projektjobber rund ums Viertel. Das ist ein Aspekt räumlicher Umstrukturierung, die neben/mit Gentrifizierung einhergeht. Andere kommen dazu. Eine ganze Reihe solcher Arbeitsumbrüche tragen zum mentalen/öffentlichen („neoliberalen“) Klima vor Ort so bei, um das Feld für andere Umbrüche zu pflügen.
    Genau treffend ist deine Feststellung, mit der Gentrifizierung Streit- und Diskurslinien eröffnen zu können, die bisher („gibts hier nicht“) höchstens latent waren. Das ist gut so, und da können nachdenkliche Gruppen auch der Grünen angeregt werden, deren Vertreter genau das äussern. Vielleichtb können in Zukunft verschiedene Aspekte zusammenkommen.
    Mit Harvey und der BI: das war eine Verständnisklärung bzgl. des diagnostischen Hintergrunds und nicht der argumentative Startpunkt für eine Initiative.
    Da du das Feld gut zu kennen scheinst: kannst du einen Tip geben, wo es Untersuchungen bzgl. des RheinMaingebiets gibt ?

  7. Tob

    Zu deiner Fragen nach einem Tip zu Untersuchungen bzgl. des RheinMainGebietes. Habe leider keinen. Finde es auch spannend zu wissen, ob das überhaupt auf einer regionalen Ebene untersucht wird ? Bei mir stellt sich da die Frage, in welcher Form “Aufwertung und Verdrängung” überhaupt regional festgemacht werden können? Gibt es eine regionale Aufwertung – spontan würde ich sagen, ja! (Kurs des Planungsverbandes RheinMain). Gibt es daraus direkt ableitbare lokale Effekte der Verdrängung in einer Stadt – ? Kenne mich auf diesem Feld nicht aus.

    Was in diese Richtung ging. (Irgendwie lustig, denn das fand gleichzeitig zu deiner Frage statt):

    2. Mai 2011
    Immobilienmärkte und soziale Polarisierung in der Metropolregion Rhein-Main (Schader-Stiftung und der TU Darmstadt, “Eigenlogik der Städte”)
    Vortrag: Prof. Dr. Susanne Heeg, Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt a.M., und Dr. Andrej Holm, Institut für Sozialwissenschaften, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

    Habe bisher aber keinen Mitschnitt etc. gefunden.

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