Frankfurter Gemeine Zeitung

Blind Dates 9.3.- 13.3.

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Mi 9.3.

Ponyhof Singer Songwriter: Spaceman Spiff. Einlass: 21 Uhr
Mampf JAZZLAG Martin Staub (sax), Matthias Zahn (p), Gerrit Hauptmann (b), Joachim Hain (dr) – Cool-Jazz, Hard Bop und folgende Jazz-Stile -
www.jazzlag.com

Do 10.3.

Institut für vergleichende Irrelevanz Vortrag „Heidegger und der Nationalsozialismus“ (Emanuel Kapfinger / Paul Stephan) // 20:00 // IVI Saal. Die historischen Fakten zeigen eindeutig, dass Heidegger ein Nazi war. Unter anderem war er als erster nationalsozialistischer Hochschulrektor maßgeblich daran beteiligt, Führerprinzip und nationalsozialistische Gesinnung in den deutschen Hochschulen zu verankern. Doch ist damit bereits das Urteil über seine Philosophie gesprochen? Ob diese selbst durch und durch faschistisch war oder es erst wurde, muss durch ihre immanente Analyse erwiesen werden. Aus der nach 1945 einsetzenden Debatte um seine Philosophie werden wir in erster Linie Adornos Jargon der Eigentlichkeit herausgreifen.

Raumstation Roedelheim – ein Event f. unseren Autor Florian K.: Vortrag über Psychologie für TierrechtsaktivistInnen Essen ab 18:30 Uhr Vortrag ab 19:30 Uhr – Die angehende Psychologin Tanja Dörfler, die selbst Tierrechtsaktivistin ist, erklärt psychologische Forschung zum Thema und gibt nützliche Tipps für den Alltag.weitere Infos unter www.tirm.de oder www.insel14.de

»Faites votre jeu!« Klapperfeld: 19.30 Uhr // »La casa del humo« ein Dokumentarfilm von Luz Adriana Duque, María Camila Villate und Myriam Ortega (Kolumbien, 2006, 52 Min.)Sieben Jahre lang begleitete das Team 35 Familien, die sich ihr Leben mit der traditionellen Herstellung von Holzkohle und dem Recyceln verdienen; der wiederholten Vertreibung von ihren Wohnorten ausgesetzt. Ein intimer Blick in eine Lebenswelt der Hauptstadt, mit welcher die Mehrheitsgesellschaft nichts zu tun haben möchte. (Duku-Filmreihe Kolumbien)

Fr. 11.3.

Hafen2 Film: Waltz with Bashir. Werkstatt, Einlass 19h30, Beginn 20 Uhr. Konzert: Jason Collett, Tu Fawning. Saal, Einlass 21 Uhr, Beginn 21h45. Nachtcafé: tba. Café, 22 Uhr
Mampf Abenteuer Wildnis David Joepgen – Torben Holzhausen – Philipp Grahm –schwebender Gitarrenpop -  Rock / Indie / Pop

http://www.abenteuerwildnis.de

Sa 12.3.

Mampf Sebastian Schönfels (g) & Boris Frenzl (g) Modern Jazz - Weitere Infos:http://www.myspace.com/schoenfelstrio#ixzz0vZ5UzS1K

Elfer Rock mit Mathew Albert Band Einlass: 21 Uhr
Ponyhof Two.Birds
NICK MINOR (heimspiel) + NULL.EINS (two.birds, highgrade) + STEFFEN NEHRIG (two.birds, dirt crew) + TOM SIMMERT Einlass: 22 Uhr

So 13.3.

Mampf DUO RATZ FATZ Michael Krsnik (Akkordeon) und Ralf Engel (Gitarre)
Michael Krsnik (Akkordeon) und Ralf Engel (Gitarre) schlossen sich nach langjähriger Zusammenarbeit in Jazz- und Weltmusikprojekten zum “Duo Ratz Fatz” zusammen, um sich ihrer heimlichen Leidenschaft zu widmen: Der Jazz- und Kaffee-Haus-Musik der 30er bis 50er Jahre. Sie präsentieren neben Klassikern auch interessante und unbekannte Stil-Kopien, dabei legen sie neben Stilsicherheit und Virtuosität besonderen Wert auf Spielfreude und erwecken so die alten Meisterwerke zu neuem Leben


Plak-Art

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Unser Dorf  soll schöner werden. Hieß es früher und war ein Appell an die Blumenfreunde, Farbtupfer ins graue Wohnen zu bringen. In Frankfurt sind aber weniger die Balkon-Geranien gefragt als Farbe, stattdessen gibt es ja  neuerdings die bunten Plakate all überall. Auf denen lächeln mich einige der Damen und Herren freundlich an – warum weiß ich allerdings nicht.  Andere dagegen tragen die Bürde ihrer Würde mit seriösem Blick vor sich her. Die Damen nach dem Besuch beim  Friseur.
Auf anderen Plakaten dominiert dagegen die Farbe. Nach Rot  und Gelb und wasweißich für die Union hat nun auch die Farbe Blau eine neue politische Heimat gefunden – und zwar gleich doppelt für die  Antiparteienpartei Freie Wähler und für die  Antipasti-Partei der “Piraten” (ist diese Berufsbezeichnung eigentlich noch zulässig?). 
Beim genaueren Hinsehen lassen sich sogar leichte  Unterschiede erkennen – auch wenn sich alles hauptsächlich um die neu entdeckte Zielgruppe „Bürger“ und in der Version für Migranten als „Mitbürger“dreht.
Ansonsten geht der  Trend zum Einwortplakattitel: „Wohnungen“, meint die  SPD – nur was meint sie damit eigentlich? Wie wär´s da mit einem Plakat „Essen und Trinken“ (gleich zwei Zielgruppen) oder ist das zu ausdrucksstark? Die FDP will nichts verkehrt machen und plakatiert an den belebtesten  Straßen „fließender Verkehr – kein Dauerstau“. Also wieder zurück zur guten alten Straßenbahn oder zu den Zeiten der ersten Ölkrise? Daneben finde ich ein Plakat außer Konkurrenz von HR 3, das mir mehr zusagt: „Herrlich, alle halbe Stunde  Verkehr.“ Besonders mutig gehen die Flughafen-Ausbaugegner vor. Sie schaffen, dass auf einem normal großen Plakat nicht nur sechs Kandidaten abgebildet werden, sondern auch noch ihre zehn Gründe gegen den Bau. Wer die richtige Lupe dabei hat, kann sich hier sogar ausnahmsweise mal informieren. Humor ist allerdings einheitlich verpönt. Die Grünen sorgen per Versalien , dass sich ihr jüngster  Spruch auf zweierlei Art interpretieren lässt : „Im Grünen Leben“ – gedachte Ergänzung: “geht manches daneben”. Oder aber „im Grünen Leben – Ergänzung: “ist besser als im roten Leben sterben”.
Bliebe noch  die Union: Der Stadtkämmerer zum Beispiel schreibt plakativ „Wirtschaft ohne Wachstum ?  Was soll man daraus schliessen: dass es zu wenig oder zu viel Wachstum gibt? Die Union zumindest verzeichnet ja seit einiger Zeit eher Minus-Wachstum. Vielleicht liegt es an der zu kleinen Plakatgesamtfläche  (unter zehn Hektar). Oder ist die Plak-Art noch  nicht bis  zu  den Konservativen durchgedrungen?


Bemerkenswertes – Anfang März 2011

Diesmal zu Stimmungen und Zeitläuften an der geldwerten Gastro- und Wohnkulturfront in Frankfurt.

Laumer - Bockenheimer

Das Cafe Laumer auf der Bockenheimer kennt nicht unbedingt jeder der unter 50 ist, keinen Job als Investmentpfutzi im Bankenviertel oder juristischer Consultant im Westend hat. Es vermittelte immer etwas den Esprit der 70er Jahre, vielleicht war das auch die Hoch-Zeit des Ladens. In den 60er und 70ern jedenfalls, als Frankfurts Strassen noch nicht von Derivaten, sondern von kritischer Unruhe durchweht wurden, war das Laumer ein Treffpunkt kritischer Intelligenz. Das nahe Institut für Sozialforschung beheimatete Gesellschaftskritiker und praktische Kritiker an den Theoriekritikern, und der Vordenker aller, Theodor W. Adorno liebte das Laumer.

Jedenfalls sind diese Zeiten vorbei, und der alte Besitzer des Laumers starb vor ein paar Monaten. Da wurde das Drama offenbar, der Laden war nämlich pleite. Wie also weiter mit der Tradition ?

Nun gibt es endlich neue Pächter und die schwarz-grüne Stadt versichert uns: ein “Schicki-Micki”-Cafe soll es  garantiert nicht werden, jeder kann mal in den schönen Garten dahinter – versprochen.

Dann hoffen wir mit dieser Ankündingung im Ohr, dass nicht der nahe vom Laumer residierende, reinbürgerliche Gastronom “Johnny Klinke” den Zuschlag bekommen hat. Der Grün-schwarze Klinke rührte in besagten 60ern und 70ern mit flotten Sprüchen in der unruhigen Frankfurter Szene rum, kam aber wie so mancher andere aus diesem Gewusel auf die Idee, dass man ohne weitere Ausbildung am schnellsten in der Gastro-Welt zu richtig Schotter kommen kann. Also kam ein einfaches Erfolgsschema auf, das bis heute zieht: schlichte Dinge anbieten, hohe Preise machen und am besten mit einem bißchen angesagten Lokalkolorit drapieren – dann klappt das schon. Mal mehr, mal weniger gestylt wurde aus dem ehemals unruhigen Umfeld echte neue Bürgerlichkeit: zum Glück haben wir das ganze zahlungskräftige Bankenumfeld hier, die Aageplaggde machen alles mit und kümmern sich sonst um nicht viel.

Jedenfalls: der etwas schmierige Palmenraffke Klinke bekommts hoffentlich nicht, damit wir auch mal ein Kaffeechen für unter 4 Euro kriegen, die Pfutzis können schließlich zu ihm in den Palmengarten gehen.

Vermutlich kriegt das Laumer auch ein anderer Schmierseifen-Star nicht, der “kreativste Investor Frankfurts”, Ardi Goldman. Der betreibt zwar schon eine Menge typischer Frankfurter In-Locations rund um die künftige EZB (!), ist aber vermutlich mit seinem neuen Projekt zu sehr beschäftigt, um sich mit solchem Kleinkram abzugeben.

Der Visionär der Hochpreis-ETW hat sich jedenfalls mit seinem “Ma” etwas vertan: Millionenschwere Wohnungen an der Zeil will scheinbar nicht jeder von ihm, auch wenn die andere Strassenseite mit schönem Blick reizt: das sitzt die Deutschlandzentrale der UBS, der “größten Vermögensverwalter der Welt”. Genau, das sind die, bei denen Ex-Ministerpräsident Koch wegen “großer Verdienste um den Bankenplatz Frankfurt” jetzt im Aufsichtsrat sitzt, wegen Steuern und so. Vielleicht wollen die solventen Wohnungseigentümer schlicht nicht so nahe an den Ort des Geschehens…..

Goldmann kämpft in Frankfurt für das „Recht auf Feste“, so wie das auch Klinke betreibt und was die Grün-Schwarzen dann als “Recht auf Stadt” begreifen: eine etwas unsägliche Förderung betuchter Gewerbe-Klientel, das bürgerliche Werte-Publikum eben. Es bleibt spannend in den wirklich bemerkenswerten Dingen Frankfurter Küchen-Kultur.


Zwei Diktaturen?

Am letzten Samstag feierten in Berlin etwa 100 ehemalige Offiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) im Tierpark Friedrichsfelde den 55. Jahrestag der NVA-Gründung, ganz stilecht mit ihren alten Uniformen und Orden.

Verständlich, dass dies für einige Missstimmungen sorgte. Der „Tagesspiegel“ beschrieb das Ereignis als „Aufmarsch einer Geistertruppe“.
Die Leitungen von Zoo und Tierpark, die angaben, von der Veranstaltung, die dort in einer privat betriebenen Cafeteria stattfand, nichts gewusst zu haben waren empört und kündigten Abmahnungen an.
Quer durch die Reihen der politischen Parteien, kritisierte man die Veranstaltung und auch die Linke, der manche unkritisches Umgehen mit der DDR vorwerfen, distanzierte sich entschieden.

So weit, so verständlich. Eine Feier dieser ewiggestrigen Betonköpfe von NVA-Offizieren wollte ich auch nicht in meinem Garten haben.

Ein wenig stutzig wurde ich aber dann, als ich las, dass der Vize-Bundesvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Stalinismus (VOS), Ronald Lässig, ein dem Verbot von Nazi-Insignien vergleichbares, generelles Verbot von Uniformen und Symbolen der DDR forderte.
„Es geht doch darum, ein Bewusstsein für die Gefahren von Diktaturen zu schaffen“, sagte er laut dem „Tagesspiegel“.
Mit dieser Sichtweise ist er keineswegs alleine. Auch die Junge Union stellte schon die Forderung nach einer rechtlichen Gleichsetzung von DDR-Symbolen mit Nazi-Symbolen.

Ich muss gestehen, dass es mir kalt den Rücken hinunterläuft, wenn ein Deutscher von „den beiden deutschen Diktaturen“ oder Ähnlichem spricht. Doch warum?

Sachlich ist es absolut richtig, die DDR als Diktatur zu bezeichnen. Es gab keine freien Wahlen, politische Gegner wurden bespitzelt, schikaniert, gesellschaftlich isoliert und gefoltert, Menschen die nichts anderes wollten, als nur dieses Land verlassen, wurde in den Rücken geschossen.
Dies sind Verbrechen, die weder vergessen, noch kleingeredet werden sollen.

Was also stört mich so, an der sachlich richtigen Aussage von den „zwei deutschen Diktaturen“, übrigens eine Aussage, die man meist eher aus dem Mund konservativer Politiker hört?

Die Antwort dürfte mit ein Bisschen Nachdenken schnell klar werden: Die Unterschiedslosigkeit!

Es werden hier zwei Dinge auf eine Stufe gestellt, die man nicht auf eine Stufe stellen kann, namentlich das Dritte Reich und die DDR. Auch wenn beides Diktaturen waren, so hat die DDR eben doch keinen Holocaust verbrochen und keinen Weltkrieg entfesselt.

Wer diesen immensen qualitativen Unterschied nicht sieht, der will ihn offenkundig nicht sehen und dem muss man wohl eine Relativierung der Verbrechen des Dritten Reiches unterstellen.
Besonders sei hier an einen parlamentarischen Antrag der CDU/CSU-Fraktion erinnert, der 2004 exemplarisch die fatale Gleichsetzung vor Augen führt und der damals unter anderem von unserer allseits beliebten Erika Steinbach, Michael Glos und (man lese und staune) der regelmäßigen „Achse des Guten“-Schreiberin Vera Lengsfeld unterzeichnet wurde.

Warum gerade Politiker der Union daran ein Interesse haben und besonders gerne von den „zwei Diktaturen“ reden, wird bei Betrachtung der Geschichte der CDU schnell klar.
Nach dem Ende einer Diktatur finden immer Mitläufer, Mittäter und Kollaborateure den Weg zurück in gesellschaftliche Ämter. Nach dem Ende des Dritten Reiches fanden sich zahlreiche dieser Personen in der CDU wieder und es ist kein Geheimnis, dass so manches Mitglied der Linken früher ein SED-Parteibuch in der Tasche hatte.

Eine Gleichsetzung von DDR und Drittem Reich muss daher notwendigerweise im Interesse der CDU und unionsnaher Kräfte liegen, denn sie dient gleichermaßen der eigenen historischen Entlastung, wie dem Angriff auf den politischen Gegner.
So durchschaubar! So opportunistisch!


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