Frankfurter Gemeine Zeitung

Erdogans atomare Nebenwirkungen

erdogan

Während die ganze Welt gegenwärtig die Sicherheit von Kernkraftwerken heiß diskutiert, Deutschland ältere Anlagen -zumindest kurzfristig- abschaltet, äußerte der türkische Premierminister Erdogan kürzlich seinen Stolz über die erfolgreichen Verhandlungen mit Russland im Hinblick auf den ersten türkischen Reaktor in Akkuyu am Mittelmeer. ENDLICH soll auch die Türkei eigene Atomkraftwerke bekommen! Auf die Frage eines Journalisten, ob denn die Türkei in Anbetracht der Katastrophe in Japan ihre Kernkraftprojekte nicht lieber stilllegen wolle, antwortete Erdogan mit dem interessanten Vergleich: Die Anschaffung eines Gasherdes sei doch auch risikoreich, aber kaufen würden ihn die Menschen ja trotzdem. Nun, in der Tat: wie groß mag im Endeffekt der Unterschied zwischen der Explosion eines Reaktors und der eines Gasherdes sein? Auch der Hinweis des Journalisten, dass die Türkei ein Erdbebengefährdetes Land ist und in Folge eines Erdbebens eine Kernschmelze auch dort möglich wäre-Akkuyu liegt nahe einer Bruchzone in der Erdkruste- ließ everbodys darling Erdogan kalt. Der technologische Fortschritt wäre für jedes moderne Industrieland unabdingbar und sei deshalb ein zweischneidiges Schwert: Es berge nun mal Gutes und Schlechtes in sich-keine Investitionen ohne Risiken! Na dann, mal los! Ich will dem lieben Premierminister zu seinen Gunsten lediglich mangelnde Weitsicht unterstellen, was mögliche Katastrophen angeht -und die ist nichts wirklich Neues in der türkischen AKW-Politik. 25 Jahre sind nach der Katastrophe von Tschernobyl vergangen. Die Türkei, insbesondere die Schwarzmeerregion wurde und ist immer noch von den Folgen betroffen. Auch die damaligen Regierungsführer der Türkei ergriffen keine geeigneten Maßnahmen. Stattdessen machte Ministerpräsident Turgut Özal in den Medien Werbung für verstrahlten Tee und Nüsse unter dem verblüffenden Slogan „Radioaktiv verstrahlter Tee schmeckt besser“. 2007 wurde ausgerechnet der Schwarzmeerort Sinop als Standort für den Bau eines zweiten Atomkraftwerkes ausgesucht, obwohl diese Stadt bereits Opfer der Tschernobyl-Katastrophe geworden war und ihre Kliniken immer noch mit Krebspatienten überfüllt sind. Bauen sollen das zweite türkische Atomkraftwerk dort die Japaner, genauer: Toshiba und Tepco, die Erbauer und Betreiber von Fukushima. So verkündete denn der türkische Energieminister Taner Yildiz am Tag des Tsunamis triumphierend, Japans AKW´s hätten “den Test bestanden”- bis ihn die Ereignisse eines besseren belehrten. Die Ingenieurskammer der Türkei (TMMOB) hat angesichts der  Lage im Atomkraftwerk Fukushima in Japan, am 17.3. eine Kundgebung gegen den Bau der ersten AKW im Land veranstaltet. Mit der Demonstration hat die TMMOB gleichzeitig Energieminister Taner Yildiz aufgefordert, von seinem Amt als Minister zurückzutreten.

Geändert hat das allerdings an der Grundposition der türkischen Regierung nichts. Ehedem war es der verstrahlte, aber köstliche Tee, heute ist der jedem Türken vertraute Gasherd zu Hause, mittels derer die Auswirkungen einer verheerende Katastrophe banalisiert werden.
Leider hat technologischer Größenwahn eine lange Halbwertszeit- auch in der Türkei.


Die Revolution leben! Studieren bei LIDL

Lidl
Der Konzern LIDL ist für sein erfrischend unideologisches Management und seine kreativen Ansätze in der Mitarbeiterführung allgemein bekannt. Außerdem erfüllt er eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe: Er versorgt die armen Massen mit günstigen Schweine-Minutensteaks, erschwinglichem PET-Bier und allerlei anderen nützlichen Produkten.

Als antielitäres Bollwerk verteidigt LIDL die Versorgung der unteren Gesellschaftsschichten gegen die Diktatur der Qualität, die Machtübernahme der LOHAS und die Seuche der sogenannten „corporate responsibility“.

Nun leistet LIDL einen weiteren, unschätzbaren Beitrag im Kampf für die allgemeine Proletarisierung gegen Standesdünkel und Elitendenken.

Denn man kann nun bei LIDL nicht nur einkaufen, arbeiten und Pfand wegbringen, sondern endlich auch studieren. Ein wahrhaft bedeutender Schlag gegen die Glaspaläste althergebrachter Fakultäten, gegen den Mief jahrhundertealter  akademischer Pfründe und studentische Burschentraditionen. Diese werden von den Massen der erfolgreichen LIDL –Absolventen buchstäblich hinweggefegt werden.

Denn das LIDL-Studium ist nicht weniger, als ein Angriff auf eine vom realen Leben losgelöste Wissenschaft, die sich zunehmend nur noch um sich selbst dreht und sich von den Lebenswirklichkeiten der Menschen entfernt.

Doch die Konkurrenz von ALDI zieht nach und auch REWE wartet nun mit einem eigenen dualen Studium auf.

Böse Zungen mögen zwar behaupten, man bekäme künftig Credit-Points für seinen Bachelor an den Kassen der entsprechenden Märkte als Treueprämie, aber an diesen Gerüchten ist nichts dran.

Dumm, wer sich da noch sein Studium mit Arbeit an der Kasse eines Supermarktes (zur Spätschicht, dank ausgedehnter Ladenöffnungszeiten)  finanziert! Der Student von heute arbeitet nicht im Supermarkt; er studiert den Supermarkt und leistet so einen greifbaren Beitrag zu einer tiefgehenden und praktischen Analyse seiner eigenen Lebensumstände und unternimmt dabei erste Schritte, diese Lebensumstände als Führungskraft (z.B. bei LIDL) selbst zu ändern!

Also:

Studieren bei LIDL heißt, die Revolution leben!


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