Frankfurter Gemeine Zeitung

Erkennen, verstehen und bekämpfen: Die Neuen Konservativen

Hierbei handelt es sich mehr um eine Aufzählung bestimmter Merkmale der Neuen Konservativen, als um einen Artikel im eigentlichen Sinne. Diese Merkmale entstammen nicht einer wissenschaftlichen Definition, sondern dem Empfinden und der Beobachtung des Autors, der die sich entwickelnde neukonservative Bewegung schon seit längerem misstrauisch beobachtet.
Ich halte es für notwendig, diese Konzepte zu beschreiben und zu charakterisieren um sie in der öffentlichen Diskussion erkennen und benennen zu können, sowie wirkungsvolle Gegenstrategien entwickeln zu können.

Folgende Merkmale zeichnen neukonservative Positionen insbesondere aus:

Anitegalitäre Weltsicht:

Die Neuen Konservativen wehren sich (in bester christlicher Tradition des „Gottesgnadentums“) gegen die Annahme, alle Menschen könnten gleich sein. Es findet eine Betonung von rassischen und geschlechtlichen Unterschieden statt.
Diese äußert sich unter anderem in einer Betonung familiärer Werte, die letztlich die Grundlage dafür bildet, dass insbesondere Frauen in ihrer klassischen Geschlechterrolle festgelegt werden.
Konzepte einer staatlichen Erziehung werden mit Verweis auf „angestammte Elternrechte“ oder „individuelle Freiheit“ abgelehnt.
Die individuellen Freiheiten, die Eltern durch eine staatliche Betreuung ihrer Kinder gewinnen könnten, werden nicht anerkannt.

Aufgrund der tatsächlich messbaren statistischen Unterschiede in Bezug auf Intelligenzquotient, Kriminalitätsrate und andere Faktoren zwischen bestimmten ethnischen Gemeinschaften wird pseudowissenschaftlich auf eine entsprechende genetische Disposition dieser Gemeinschaften gefolgert.
Wer hiergegen Kritik erhebt, wird als „weltfremd“ oder „Gutmensch“ gebrandmarkt.

Gleichbehandlungsgesetze, Quotenregelungen und Umweltvorschriften werden als unzulässige und ineffiziente Eingriffe des Staates in die persönliche Freiheit empfunden.

Misstrauen gegen den Staat als wirtschaftlichen Kontrollfaktor. Glauben an den Staat als sozialen Kontrollfaktor:

Die Neuen Konservativen sehen sich selbst als „freiheitlich eingestellt“ und bezeichnen sich teils auch als „liberal“ beziehungsweise „neoliberal“.
Diese Einstellung drückt sich in einem Eintreten für ein möglichst unbeschränktes Recht auf Privateigentum, Reduzierung der Bürokratie und allgemein einen schlanken Staat aus.
Den staatlichen Institutionen wird die Fähigkeit abgesprochen effiziente wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.

Aus diesem Grund herrscht bei den Neuen Konservativen ein starkes Misstrauen gegen staatliche Eingriffe, die sich beschränkend auf wirtschaftliches Handeln auswirken können.

Gleichzeitig genießt der Staat bei den Neuen Konservativen großes Vertrauen als soziales Kontrollorgan. Es wird von Seiten der Neuen Konservativen regelmäßig gefordert, soziale Verhaltensnormen durch gesetzliche Ge- und Verbote festzuschreiben. Als Beispiele seien zu nennen Verbot von Burka, Kopftuch oder Minaretten, Festschreibung von deutscher Sprache oder christlicher Religion im Grundgesetz, Alkoholverbotszonen in Innenstädten, Verbot sogenannter „Kampfhunde“ und „Killerspiele“.
Um soziale Verhaltensnormen durchzusetzen wird eine Verstärkung der staatlichen Kontrolle gefordert („mehr Polizisten auf den Straßen“, „härtere Strafen“, „Internetsperren“).

Die Neuen Konservativen sind also nur so lange liberal, wie es um wirtschaftliche Freiheiten geht. Sobald es allerdings um von der Norm abweichendes Sozialverhalten geht, fordern die Neuen Konservativen den starken, möglichst repressiven Obrigkeitsstaat und wollen diesem im Zweifelsfall auch das Recht zu foltern und Bürger zu bespitzeln einräumen.


Selbststilisierung als Querdenker, Verfolgte und Opfer der Political Correctness:

Die Neuen Konservativen sind klare Verfechter der Meinungs- und Redefreiheit, so lange es um ihre eigenen Anliegen geht.
Sie verteidigen das Recht den Propheten Mohammed zu karikieren, genauso wie das Recht der NPD auf freie Meinungsäußerung. Auch Aussagen, die eindeutig volksverhetzend oder antisemitisch sind, werden von ihnen als legitime freie Meinungsäußerung akzeptiert. (s. Sarrazins Einlassungen zum „Judengen“)

Öffentliche Kritikäußerungen an ihren Positionen sind für die Neuen Konservativen hingegen keine freien Meinungsäußerungen, sondern werden von ihnen als „Hexenjagd“ oder „Diffamierungskampagnen“ bezeichnet.

Die Neuen Konservativen sehen sich selbst in der Rolle der Querdenker, die unangenehme Wahrheiten aussprechen und Denkverbote durchbrechen. Sie sehen sich als Gegenbewegung zu einem von ihnen imaginierten „linken Mainstream“ in den Massenmedien und verkennen dabei, wie sehr sie selbst den Mainstream der öffentlichen Diskussion prägen.

Kulturdarwinismus, Imperialismus:

Ein zentraler Dreh- und Angelpunkt der Ideologie der Neuen Konservativen ist der sogenannte „Kampf der Kulturen“. Nach dieser darwinistischen, auf das Recht des Stärkeren fokussierten Weltsicht, ist die Welt in unterschiedliche Kulturkreise geteilt, die zueinander in unversöhnlicher Konkurrenz stehen.

Es gelte daher, weil der Kampf der Kulturen angeblich unvermeidlich sei, den eigenen Kulturkreis im Kampf gegen konkurrierende Kulturkreise zu stärken.
Begründet wird diese Auffassung auch damit, dass der eigene Kulturkreis der moralisch überlegene Kulturkreis sei.

Der eigene Kulturkreis habe in Bezug auf Freiheit, Menschenwürde, technischen Fortschritt und Aufklärung den derzeit weltweit höchsten Stand erreicht.
Demnach sei eine Verteidigung des eigenen Kulturkreises nicht nur durch das darwinistische Gebot des Überlebenswillens bestimmt, sondern auch ein Kampf für Fortschritt, Aufklärung und Demokratie.

Aus diesen Überzeugungen der Neuen Konservativen ergibt sich als logische Konsequenz ein Schwarzweißdenken, das heißt „wir, die Kräfte der Aufklärung stehen gegen die rückwärtsgewandte Ideologie anderer Kulturkreise“.

Mit dieser einfachen Formel haben es die Neuen Konservativen geschafft, auch ehemals politisch Linke als Unterstützer und Sympathisanten zu gewinnen.
Diesen entgeht dabei oft, dass die repressiven und rückschrittlichen Konzepte der Neuen Konservativen eine weit größere Bedrohung für Freiheit und Menschenwürde darstellen, als äußere Bedrohungen.

Auch wird in den Denkmodellen der Neuen Konservativen meist vergessen, dass die sogenannten „Kulturkreise“ willkürlich anhand bestimmter Merkmale definiert sind und überhaupt nicht die behauptete homogene Einheit bilden.

Antiimperialistisches Denken, wird als Schwächung des eigenen Kulturkreises angesehen und folglich abgelehnt.


Gesteuerte Volksbewegung. Gefühlsbetontes Agieren vor intellektueller Reflexion:

Die Neuen Konservativen betrachten sich als volksnah. Feinsinnige intellektuelle Unterscheidungen werden von ihnen als „Fachchinesisch“ und „Politikerkauderwelsch“ abgetan.
Stattdessen wird angeblicher „Klartext“, mit anderen Worten Pauschalisierungen und Vereinfachungen, gefordert.

Um diese Pauschalisierungen auf griffige Slogans zu bringen bedarf es allerdings einer aktiven journalistischen und politischen Elite. Diese Funktion übernehmen konservative Denkfabriken von denen es inzwischen eine große Anzahl gibt und die sich oft aus den Stiftungen erzkonservativer Mäzene finanzieren.

Auch wenn die Neuen Konservativen den Eindruck erwecken, es handele sich bei ihnen um eine Graswurzelbewegung und dies vom Einzelnen auch oft so empfunden wird, werden die Denkrichtungen doch von einer Elite vorgegeben.

Kurzfristige Stimmungsschwankungen in der Bevölkerung werden von den konservativen Meinungseliten bewusst forciert.
Hierbei werden (oft durch Schüren von moral panics) stampedeartige „Herdenreaktionen“ in Gang gesetzt, die politische Verhältnisse schnell ändern können.
Dieser Mechanismus wurde beispielsweise in der sogenannten „Tea-Party-Bewegung“, beim Schweizer Minarettverbot und auch in Bezug auf die Integrationsdebatte in Deutschland erfolgreich eingesetzt.
Konservative Politiker können bei entsprechend aufgeheizter Stimmung dadurch punkten, dass sie intellektuell unreflektierte aber populistische Entscheidungen durchsetzen.

Um solche Reaktionen noch besser ausnutzen zu können, wird von den konservativen Denkfabriken in der Bevölkerung der Wunsch nach mehr direkter Demokratie forciert, der sich beispielsweise in der Forderung nach Volksabstimmungen zeigt.
Auch die Erfolge der „Freien Wähler“ sind vor diesem Hintergrund zu betrachten.


Kritiklose Akzeptanz von Tradition

Neue Konservative lehnen das Hinterfragen von eigenen Traditionen weitestgehend ab (fremde Traditionen hingegen werden mit Vorliebe scharfer Kritik unterzogen).
Jede Abweichung von eigenen Traditionen wird von ihnen auf emotionaler Ebene missbilligt, auch wenn es keine logischen Argumente für die Beibehaltung einer Tradition gibt.

Individuelle Freiheit, die von den Neuen Konservativen sonst gerne öffentlich hochgehalten wird, findet nur innerhalb eines traditionellen Kontextes statt.
Wenn beispielsweise ein Bankangestellter beschließen würde, sich individuell zu kleiden, würde dies bei den Neuen Konservativen auf Missfallen stoßen, sofern er sich nicht so kleidet, „wie man sich als Bankangestellter zu kleiden hat“.
Die Tatsache, dass die Kleidung keinerlei Auswirkungen auf die Kompetenz eines Menschen hat würde aufgrund von emotionalisierenden und generalisierenden Argumenten zurückgewiesen („da könnte ja jeder…“).

So werden geradezu atavistische Konzepte wie Tischsitten und Kleiderordnungen von den Neuen Konservativen als wertvolles Kulturgut betrachtet.
Die Haltung der Neuen Konservativen erschöpft sich aber nicht darin, diese Kulturtraditionen selbst zu pflegen, sondern deren generelle gesamtgesellschaftliche Verbindlichkeit zu fordern und somit keinen Raum für individuelle Lebenskonzepte neben diesen Traditionen zu lassen.
An dieser Stelle entlarvt sich ihr angeblich „freiheitliches Denken“ selbst.


Opfergedenken- Aber wie?

Jedes Jahr kommen sie wieder, die Gedenkmärsche für die sogenannten „deutschen Opfer des alliierten Bombenkrieges“. Zu oft werden diese von revanchistischen, geschichtsrevisionistischen und offen rechtsradikalen Kräften veranstaltet und besucht.

Natürlich erregen diese Aufmärsche Widerspruch und es formieren sich Gegendemonstrationen insbesondere aus dem linken politischen Spektrum. Bei diesen Gegendemonstrationen sieht man oft Transparente mit der Aussage „Deutsche Täter sind keine Opfer“ oder gar dem zynischen Spruch „Bomber Harris- Do it again!“.

Nach meiner Auffassung vertreten sowohl die Teilnehmer der Gedenkmärsche, als auch die Gegendemonstranten ein fragwürdiges Geschichtsbild.

Um dies zu verdeutlichen, möchte ich einmal einen Vergleich zu unserem Rechtssystem und auch zu unserem Rechtsverständnis bemühen.
Nehmen wir einmal an, ich bedränge mit einem Auto einen anderen Verkehrsteilnehmer derart stark, dass er zu einem Ausweichmanöver gezwungen wird, bei dem er Unschuldige verletzt.
Trage dann nicht ich alleine die Schuld an den Verletzungen dieser Unschuldigen?

Oder nehmen wir einmal an, ich unternehme einen widerrechtlichen Angriff auf eine andere Person, wodurch diese zu einer Notwehrreaktion gezwungen wird, die auch Unschuldige Personen in Mitleidenschaft zieht.
Bin ich in diesem Fall nicht als eigentlicher Verursacher der Notwehrreaktion nicht auch an den durch die Notwehrreaktion entstandenen Schäden schuld?
Ich würde das so sehen.

Dass Deutschland die unbedingte Schuld am Zweiten Weltkrieg trägt, ist allgemeiner Konsens und wird nur von einigen rechtsradikalen Spinnern bestritten.
Wenn Deutschland aber die Schuld am Zweiten Weltkrieg trägt, so ist Deutschland eben auch an allen eigenen Verlusten schuld.
Demnach ist es nicht korrekt, überhaupt von „deutschen Opfern des alliierten Bombenkrieges“ zu reden, sondern eine treffendere Formulierung wäre „deutsche Opfer des von Deutschland verursachten Angriffskrieges“.

So könnte man dieser Opfer in einem antifaschistischen Sinne ohne Schuldrelativierung oder patriotischen Märtyrerkult gedenken.
Die Aussage „Deutsche Täter sind keine Opfer“ hingegen ist in diesem Zusammenhang unangebracht, da sie eine unzulässige Verallgemeinerung darstellt.
Wenn man sie nämlich bezogen auf alle deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges gebraucht, so unterstellt man jedem einzelnen dieser Opfer damit eine Täterschaft bloß aufgrund seiner Volkszugehörigkeit, eine Aussage die vereinfachend, unkritisch und nicht zuletzt rassistisch ist.
Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema sollte frei von Instrumentalisierungen oder hohlen Parolen jeder Art geführt werden.

Und ein entsprechendes Umdenken tut Not, denn keinesfalls sollte man die Deutungshoheit über das Gedenken an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges irgendwelchen Faschisten überlassen, die es missbrauchen um die deutsche Kriegsschuld zu relativieren oder den Befreiern eine Art Mitschuld anzudichten.


Blind Dates 24.3.- 27.3.

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Do,24.3.
Gallustheater:“ Gesichter der Armut”
Diskussionsrunde , 19 bis 21 Uhr: Es diskutieren der sozialpolitische Sprecher der LINKEN im Römer, Hans-Joachim Viehl, der ehrenamtliche Stadtrat Dr. Achim Kessler (LINKE), der ver.di-Vertrauensmann und ehemalige Vorsitzend des Jobcenter-Betriebsrats Bernd Guß und Ronald Blaschke vom Berliner Netzwerk Grundeinkommen. Viele Menschen auch in Frankfurt müssen mit einem geringen Einkommen auskommen. Hartz IV, prekäre Beschäftigung, Leih- und Zeitarbeit, Rentner in Grundsicherung – „Armut hat viele Gesichter“ heißt deshalb auch eine Diskussionsveranstaltung der Fraktion DIE LINKE. im Römer.Es werden unter anderem folgende Schwerpunkte diskutiert: Was können und müssen die Politiker in der Kommune und im Bund tun, um Armut zu bekämpfen? Können der Mindestlohn und ein Grundeinkommen für alle durchgesetzt werden? Welches sind dringliche Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe? Die BesucherInnen können mitdiskutieren und haben im Anschluss die Möglichkeit, bei Getränken und kleinen Snacks mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Telefon 069  959 29 09-13 Fax      069  959 29 09-17

Fr, 25.3.
Mampf: JOHANNES MÖSSINGER (p) – Jazz -
http://www.johannesmoessinger.de

Sa, 26.3.
Mampf: Blind Joki Jazz & Blues mit Joachim Kirscher (p,voc)

So.27.3.

12 Uhr:Filmbrunch im Kellertheater, Mainstr.2:”GroßeVögel,Kleine Vöge” von Pasolini (inclusive Einführung u. Brunch)

“Datenschutz – den gläsernen Menschen verhindern” Matinee” im Cafe Wiesengrund, Finkenhofstraße 17, , 11 – 13 Uhr: mit Prof. Spiros Simitis: 1970 verabschiedete das Land Hessen das erste Datenschutzgesetz in der Bundesrepublik. Der Jurist Prof. Spiros Simitis war einer der frühen und bundesweit bekannten Datenschutzbeauftragten in Wiesbaden. Welche Bedeutung hat der Datenschutz heute, mehr als 40 Jahre später? Wie kann sich der Bürger gegen die Gier nach personenbezogenen Daten sowohl staatlicher Stellen als auch privater Unternehmen schützen? Elektronische Ausweise (Personal,- Beschäftigten- und Gesundheitsausweise) werden von öffentlichen Stellen ebenso systematisch ausgebaut wie die Telekommunikationsunternehmen von den Sicherheitsbehörden konsequent genutzt werden, um ausgewählte Daten ihrer Kunden auf Vorrat zu speichern. In Unternehmen werden Mitarbeiter überwacht, mit Kundenprofilen verbessert man das Marketing und Auskunfteien sollen die Zahlungsfähigkeit der Kunden sicherstellen.
Wohin führt die Gleichgültigkeit vieler bei der sorglosen Weitergabe von Daten im Netz? Diese Fragen und Probleme diskutiert Prof. Spiros Simitis im Gespräch. Eine Veranstaltung von Business Crime Control e.V. und der Kunstgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Café Wiesengrund und dem NachDenkSeiten-Gesprächskreis Frankfurt

Mehr Info:    •    http://www.wirtschaftsverbrechen.de •    http://www.kunstgesellschaft.de
http://www.wiesengrund-ffm.de •    http://www.nachdenkseiten.de/?p=8736#h20

ab 17.30 Uhr: Wahlabend im Club Voltaire Traditionell wird im Club die Wahlberichtserstattung übertragen und es kann in netter Atmosphäre darüber diskutiert, getrunken und sich hoffentlich gefreut werden. Eintritt frei


Kackbraune Heimaterde- Ein Streifzug bei PI-News und “Die Freiheit”

Ein Abend surfen auf den Seiten der Neuen Konservativen, der angeblich Freiheitlichen, schließlich muss man ja wissen, was der politische Gegner so denkt.

Ja… Ich gebe es zu… vorurteilsfrei ging ich an die Sache nicht heran… aber das was ich sah, war dann sogar noch um Klassen dümmer und gefährlicher als alles was ich erwartet hätte.

Aus diesem Grund werde ich hier die von mir gemachten Sprünge beim Surfen noch einmal nachvollziehen, Zitate und Personalien in Zusammenhang stellen und, wenn nötig kommentieren.

Ich begann standesgemäß auf der Seite von PI-News, einem Netzwerk mit starken Sympathien für Thilo Sarrazin und Geert Wilders, welches schon öfter für seinen Antiislamismus und latenten Rassismus in der Kritik stand.

Als erstes fiel mir da ein Bild auf, welches ich schon von NPD-Wahlwerbeplakaten kannte. Eine Gruppe weiße Schafe, die ein schwarzes Schaf gewissermaßen aus dem Land kicken.
Da war ich nun doch verwundert, wie ein Netzwerk, welches sich selbst auch als proamerikanisch und proisraelisch bezeichnet dieses Bild für sich übernehmen konnte, nachdem es für eine Werbekampagne der NPD verwendet wurde.
Naja… ursprünglich stammte das Plakat ja von der ebenfalls rechtsradikalen SVP aus der Schweiz, aber ob das die Sache besser macht?

Hier findet man den Link, vor dem mir schon ein wenig graute.

Doch ich ließ mich nicht entmutigen und forschte weiter, was es mit diesen angeblich „Freiheitlichen“, die Sicherheit dadurch schaffen wollen, dass sie schwarze Schafe aus dem Lande kicken, auf sich hat.

Und dann fand ich sie, die perfekte Erklärung, was „Freiheitlichkeit“ für einen „freieheitlichen“ Konservativen so bedeutet.
Dieses Dokument erklärt es zwar nicht kurz und bündig, aber durchaus verständlich, was man unter einer „freiheitlichen“ Anschauung zu verstehen habe.

Beispielsweise eintreten für die freie Meinungsäußerung der NPD. (s. S. 11) Aha… die NPD also wieder…

In dem Dokument findet man auch die recht erstaunliche argumentative Gleichsetzung der NPD mit den verfolgten Juden im Dritten Reich.

Zitat:

„So dürfen NPD- Mitglieder als„braune Soße“ bezeichnet werden, ein entmenschlichender
Ausdruck, der jeglichen Respekt vor dem anderen Menschen vermissen lässt. Zuletzt kannte man eine derartige Sprachregelung für unerwünschte Menschen bei den Nationalsozialisten, wenn diese über Juden sprachen.“

Auf Seite 13 folgte dann eine krude Rassentheorie:

„Wenn ein Deutscher feststellt, dass Schwarzafrikaner oder Afroamerikaner bei Sportarten wie Boxen, Leichtathletik, Football usw. häufig besser sind als Europäer, vielleicht, weil sie körperlich besser dazu geeignet sind, dann ist er ein toleranter Mitteleuropäer.

Wenn er darauf hinweist, dass es keine afrikanischen Schachweltmeister gibt, dann ist er ein Rassist.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Menschen nicht nur in Hautfarbe und Körperbau, sondern auch im Verhalten und in ihren Werten an unterschiedliche klimatische Bedingungen angepasst haben, wenn sie diese über viele Generationen erlebt haben. Von Eskimos ist bekannt, dass sie acht verschiedene Ausdrücke haben, dem anderen mitzuteilen, dass sie jetzt nicht mehr neben ihm sitzen wollen und diese feinen Abstufungen auch deutlich zu unterscheiden wissen39. Die Ursache dieser für uns scheinbar übertrieben fein nuancierten Kommunikation ist leicht verständlich, wenn man sich vorstellt, wie Eskimos gemeinsam im engen Iglu einen dunklen Winter überstehen müssen.Der mitteleuropäische Mensch hat sich ebenfalls in Jahrtausenden mit kalten Wintern angepasst. Er ist eher bereit, sich mit einer größeren Gruppe von Nachbarn zu identifizieren,um gemeinsam mit ihnen zu überleben.
Deshalb kann er sein Leben auch dann als erfüllt anzusehen, wenn sein Volk sich gut entwickelt, selbst wenn er/sie keine persönlichen Nachkommen hat.

Im südlichen Ländern konnte sich aufgrund der Abwesenheit des Winters hingegen ein deutlich schärferer Wettbewerb zwischen den Genen von menschlichen Nachbarn entwickeln. Nur hiermit kann erklärt werden,
warum Sklavenjäger im 18. Jahrhundert in Afrika häufig von Einheimischen unterstützt wurden, wenn sie beim Nachbarstamm auf Menschenjagd gingen. Dies dürfte auch der Grund sein, warum sich die Menschen des Südens kaum für den verbindenden Gedanken einer Nation erwärmen können, geschweige denn hierfür zu zahlen oder gar das
Risiko eingehen möchten, als Soldat für die Nation ihr Leben zu riskieren. Viel eher ist man aber bereit für den eigenen Stamm,bzw. Familien-Clan zu kämpfen und sich der Ordnung im Stamm zu unterwerden [sic!].

Gesellschaftsmodelle des Nordens mit Nationen dürften vermutlich für Afrika, vielleicht auch für die südlichen Mittelmeerländer kaum in der in Europa entwickelten Weise anwendbar sein. Die Menschen dort müssen ihre eigenen Lösungen für ein Miteinander finden,welche ihren persönlichen Werten und Lebenszielen dienen.”

Wow… da blieb mir erstmal die Spucke weg und ich musste das ein Wenig sacken lassen.

Aber dann fragte ich mich: Wer hat diesen himmelschreienden Mist überhaupt geschrieben?
Antwort: Karl Schmitt.

Kannte ich nicht… Aber wozu gibt es Google? Also googelte ich und stieß auf einen Dr. Karl Schmitt, welcher Bundesvorstand der neuen Rechtspartei namens „Die Freiheit“ ist.
Daher also wehte der Wind.

Aber wo ich schon mal auf der Seite war, konnte ich sie mir ja noch ein Bisschen anschauen.
Mit Erstaunen, stellte ich dann fest, dass die Partei „Die Freiheit“ unter Freiheit wohl offensichtlich die Freiheit des Staates versteht, seine Bürger möglichst schnell ins Gefängnis zu befördern.

Im Grundsatzprogramm hieß es zum Thema Sicherheit: „Wir setzen uns für ein Null-Toleranz-Prinzip nach New Yorker Vorbild ein, um der Kriminalität klar entgegenzutreten und fordern frühzeitige Verhängung von „Warnschuss-Arresten“ und die konsequente Abschiebung krimineller Ausländer bei schweren Straftaten.”

Die schnellere Verhängung von Arresten und Abschiebung soll also ein Gewinn an Freiheit sein? Mich überzeugte das nicht.

Genausowenig, wie ich verstehen konnte, welchen Mehrwert an Freiheit die bessere Ausstattung von Geheimdiensten bringen soll.

Im Grundsatzprogramm hieß es jedenfalls weiter:
„Die Ausstattung von Verfassungsschutzbehörden und Nachrichtendiensten zur Aufklärung der permanenten terroristischen Bedrohung muss angemessen sein.”

Aber genug über die angebliche Freiheit gegruselt und zurück zu PI-News und einmal geschaut, wer da alles Werbung geschaltet hat.
Zum Beispiel eine Organisation aus Bremen mit dem tollen Namen „Bürger in Wut“. Da hört man das dumpfe Rülpsen des Volkszorns doch schon finster grollen.
Leider entpuppte die Seite sich aber als Reinfall und mehr als die klassischen Bild-kompatiblen Stammtischparolen (Stichwort: Burkaverbot) fand sich nicht.

Also weitersuchen: Und da stieß ich auf etwas, das versprach lustig zu sein. Ein Button auf dem der Slogan stand „Europa- dein Glaube, deine Zukunft“. Natürlich klickte ich drauf und wurde nicht enttäuscht.
Ich landete auf der Seite einer Organisation namens „Per Ipsum- Blick zum Kreuz“. Und was hatte diese Organisation zu bieten?
Natürlich einiges für Kinder! Z.B. „Für Kinder: Schutzpatrone“ oder auch „Für Kinder: Heilige Messe und Fegefeuer“. Am besten gefiel mir aber „Für Kinder: Der Ablass“.

Ich musste lachen, aber fragte mich nun doch, ob da nicht vielleicht System dahinter steckte? Waren all diese Organisationen von katholistischen Verschwörern gelenkt?

Fast schien es mir so! Schließlich fand ich auf PI-News auch einen weiteren Link zu einem Anti-Abtreibungsfilm , von dem aus ich wieder einen Link zur Drei Linden Filmproduktion fand, die außer antiislamischen auch viele kreationistische und fundamentalistisch-christliche Werke vertreibt.

Doch dann legte ich meinen Verdacht der katholistischen Verschwörung beiseite und kam zu einer naheliegenderen Theorie:

Die Theorie einer konservativen Revolution, die sich quer durch unsere Gesellschaft erstreckt und die eine Melange aus Nationalisten, Exlinken, fundamentalistischen Christen, Moralisten, Islamophoben, Verfechtern von Volksabstimmungen und angeblich unideologischen Wählerbündnissen bildet.
Konservatismus als Graswurzelbewegung.
Und gedeihen tut dies alles auf kackbrauner Heimaterde…


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