Frankfurter Gemeine Zeitung

Der Schuhschrank am Ende des Universums -The Beginning

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(Ein Raumschiff; zwei Astronauten Hans und Zed)

Hans:Weißt Du was heute für ein Tag ist, Zed?

Zed (kaukummikauend): Hmm… Dienstag.

Hans: Dienstag? Nein, es ist Mittwoch. Aber: ein ganz besonderer Mittwoch!

Zed: Wenn schon, dann ist heute ein ganz besonderer Dienstag, Hans.

Hans: Du vergißt die Schalttage, Zed. Wir waren 250 Jahre im Gefrierschlaf. Ein Schaltjahr ist alle 4 Jahre, jedoch alle 100 Jahre nicht, dann aber alle 400 Jahre doch. Also ist heute ein ganz besonderer Mittwoch.

Zed: DU hast vielleicht 250 Jahre geschlafen. Ich war die Hälfte der Zeit wach.

Hans: Wieso?

Zed: Du hast geschnarcht.

Hans: Zed, wir wissen beide, dass das technisch unmöglich ist, oder? Dein Körper wurde wie meiner auf 220 Grad Minus runtergekühlt, damit wir diese lange Reise im Weltraum antreten können. Du hast 250 Jahre lang geschlafen, tief und fest. Außerdem schnarche ich nicht.

Zed: Ach ja? Computer, bitte Bandaufnahme, Sternzeit 47823. (Schnarchgeräusche).

Zed: Da, das warst Du nach 14 Jahren.

Hans: Das bin ich nicht. Das klingt wie der Ventilator.

Zed: Computer, Bandaufnahme, Sternzeit 64397 (sehr lautes, heftiges Schnarchgeräusch)

Zed: Das warst Du nach 87 Jahren. Und jetzt Sternzeit 89357, nach 150 Jahre

(ohrenbetäubendes, heftigeres Schnarchgeräusch)

Hans: Mach das Ding aus!

Zed: Möchtest Du nicht vielleicht noch die 200er-Aufnahme hören?

Hans: Computer, aus! Aus! (Ruhe) Zed, ich will mich nicht streiten, okay. Was ich sagen wollte, ist das wir heute den Sinn unserer Mission erfahren. Mccoy hat uns einen Brief hinterlassen, den wir heute um 13 Uhr Raumzeit öffnen sollen.

Zed: Einen Brief? Keine Videobotschaft? Oder ein wenigstens eine Mail? Nicht mal ne verfickte SMS?

Hans: Na, ja, Du kanntest Mcoy, oder? Hier, sogar mit Briefmarke, in Houston abgestempelt. Sind noch ein paar Raketenspuren drauf. Soll ichs aufmachen?

Zed: Mir egal.

Hans: Ich machs auf. (liest) ah…hmm….hmmm… mein Gott…das ist unglaublich!

Zed: Ja, worum geht’s?

Hans: Zed, wir stossen heute ans Ende des Universums. DAS ist unsere Mission
.
Zed: Echt?

Hans: Ja.

Zed: Shit. Ich habs befürchtet. Wann?

Hans: Hmm…jetzt, also eigentlich, moment, wie spät haben wir? Also eigentlich demnächst, um genau zu sein: genau jetzt!

Alarmgeräusch, Weibliche Stimme: Achtung, sie verlassen den gewöhnlichen Sektor.. Sie verlassen den gewöhnlichen Sektor. Sie befinden sich am Ende des Universums.(Stille, Warten)

Zed: Und?

Hans: Keine Ahnung. Ich warte darauf, dass sie noch was sagt.

(Stille)

Zed: Wie ich mir gedacht hab, nicht als beschissener,schwarzer, leerer Raum. Nicht mal ein Restaurant. Oder wenigstens ein schwarzes Loch. Die gleiche Scheiße wie überall. Das Weltall! Unendliche Weiten! Hier ist absolut nichts los! Dafür hat man nun 250 Jahre Gefrierschlaf auf sich genommen.

Hans: Ich dachte, Du hast eh nicht geschlafen.

Zed: Um so schlimmer. Lass uns zurückfliegen.

Hans: Warte noch.

(Stille)

Zed: Und wie lange? (höhnisch) Willst Du vielleicht noch ne Nacht drüber schlafen?

Hans: Na ja,also offenbar ist da wirklich nichts. Schade. Wenn Mccoy das hört, wird es ihm das Herz brechen.

Zed: Mccoy ist inzwischen seit mindestens 200 Jahren tot, Hans. Und wenn wir zurück sind, ist er noch mal um 250 Jahre toter. Leg den Rückwärtsgang ein.

Hans: He, ich kann verstehen, das Du enttäuscht bist, weil hier nichts ist. Das hab ich mir auch nicht so vorgestellt. Ich meine, dass gar nichts da ist. Aber heißt es nicht immer: Der Weg ist das Ziel? Und ich fand es auch schön, Dich in dieser kurzen Zeit, die wir zusammen wach waren, ein bisschen kennen zu lernen.

Zed: Okay. Ich gehe jetzt schon mal unter die Eisdusche und Du legst den Rückwärtsgang ein, ja, Hans?

Hans: Ich habs verstanden, Computer, neuer Kurs Terra x , Koordinaten 193894…

Computerstimme: Ich unterbreche Euch ungern, Jungs, aber da ist ein schwarzes Objekt in Sichtweite!

Hans: Was? Roter Alarm!
(Geheul)

Zed: Schwarzes Objekt? Was für ein schwarzes Objekt? Hier ist doch sowieso schon alles schwarz.

Hans: Keine Ahnung. Computer: Was für ein Schwarzes Objekt?

Computer: Material: Metalllegierung, Baujahr 2001, keine erkennbare biologische Funktion.

Zed: Sonstige Funktionen?

Computer: Unbekannt. Ich korregiere: Schuhschrank.

Zed: Ein Schuhschrank.Okay. Sollen wir draufhalten?

Hans: Nein. Warum? Wir holen es an Bord.

Zed: Hans. Lass uns das Ding fertigmachen, ok? Hast Du nie Alien I, II, III gesehen? Weißt Du nicht was passiert, wenn man Dinge an Bord holt? Dieses Ding ist schwarz. Und riesig.

Hans: Na ja, es ist 1 meter hoch, 8o cm breit.

Zed: Hans, das ist kein Spaß, es wird uns vernichten.

Hans: Ich beame es zu uns und wir schauen es uns an. Was immer es ist.

(sagt) Beams rüber.

(Ein Schuhschrank erscheint)

Zed: Okay. Wenn wir jetzt alle sterben,ist das ja auch okay.. Wir sollten das verdammte Ding mit Positronen beschießen.

Hans: Wir könnten es aufmachen.

Zed: Was?

Hans: Na, es hat offenbar Fächer. Fächer sind dazu da, dass man sie aufmacht.

Zed: Und wenn dann das Universum verschwindet? Wenn ein schwarzes Loch drin ist?

Hans Berufsrisiko. Wir sind Astronauten. Außerdem interessiert es mich, was für Schuhe drin sind.

Zed: Du hast recht. Mich auch. Dann machen wir jetzt so ein Fach auf und schauen nach, okay. Auf drei! Eins…

Hans: zwei

Zusammen: drei!
(sie öffnen und finden darin einen Frauenschuh voller Sand. Plötzlich erscheint Bata Illic und singt begleitet von zwei Schönen: “Ich hab noch Sand in den Schuhen von Hawai”, die Szene verschwindet)

Fortsetzung


Sur-Reale Dinge halt

Vor einigen Wochen, als draussen irreale karnevaleske Chaosi (pl. von Chaos) wüteten, fanden wir Refugium in Schirn. Ich muss sagen, Schirn, der jetzt 25jähriges Jubiläum feiert (i.e. 100 Jahre jünger als Hugo Ball) wird immer moderner, besonders in die heutzutage kontemporäre Zeiten.

Und die Ausstellung, die uns anlockte, ist höchst-beachtungs-wert.

Surreale Dinge , Sur-Klassiker und weniger bekannte Werke, Dada-Perlen und ewige Schocker, das alles war zum ersten mal gesammelt unter dem Blickwinkel der surrealen Plastiken. Bisher war man eher mit Texten und Bildern unterwegs, wenn man die Surrealisten beleuchtete, nicht aber mit ihren Drei(st)dimensionalit(ä/a)ten.

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Und interessant sind nicht nur die Gegenstände, sondern die Beobachter, die, schön kulturell und einem Museumsbesuch entsprechend gekleidet, brav die Werke der Art-Chaoten auf sich wirken lassen. Spannend ist es, ihnen zuzuhören:

“Na endlisch, des kenne isch, endlisch hab’s gesehe, könnma abhacken”

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Der Klassiker von einem Hummer. Dalí wirkt, natürlich, wie ein Eye-Catcher. Der Schnurrbartige wusste, wie man sich vermarktet – und er blieb als ein neuer Archetyp im Bewusstsein jedes Menschen stecken.

Ich aber (müsste ich jetzt schreiben und mich selbstdarstellerisch als ein Gegenspieler der Massen positionieren, was ich auch tue), ich aber ging sofort zu den Dada da, denn die dada dort waren die, die das mit dem Sur massivst mitgestalteten (wenn auch nur anfangs, Breton möge mir verzeihen).

Zunächst wird man begrüsst vom Wildgewordenen Spießer Heartfield. In Originalgrösse, ja was sage ich, als Original.
Hier, zusammen mit Grosz und Heartfield:

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Schön: gerade noch darüber gelesen, und schon kann man das fast berühren. Naja, nur fast. Darf man eigentlich nicht. Doch gehen wir weiter.

Und schon sehe ich den mysteriösen “Limbswish” von der Baronessa Elsa von Freytag-Loringhoven.

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Limbswish
(© Mark Kelman, New York)

So nah, dass man darauf pusten kann! Und ich habe gepustet. Meine Damen und Herren, ich habe in das Limbswish gepustet! Und die von mir bepustete Limbswish bewegte sich in Wellen. Ein Feier für die eigne Selbstachtung.

“Aha… und was macht man damit?..”

Und dann: Duchamp, jeden Menge von Duchamp, und alles so nah, als wär man dort. Und ich frage mich, ob Duchamp an Dalí dachte, als er Gioconda ihren Schnurrbart verbesserte. Und dann: Man Ray.

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Man Ray: Emak Bakia (rechts vom seinem Metronom als “Indestructible object”).
Ein Geigen-Griff mit einem Schopf von Saiten. Nicht sechs, nicht sechzehn, sondern hunderte von Saiten. Ein Weltall-String-Orchestra. So vielsaitig, wie sein gleichnahmiger Film Emak Bakia.

Emak Bakia . Man Ray . 1926 from rbtal on Vimeo.

Emak Bakia . Man Ray . 1926 from rbtal on Vimeo.

Weiter: jede Menge psychoanalitisches Zeug mit Genderthemen.

- Ich sehe ein Auge.
- Und ich sehe Flugzeug.
- Und ich sehe noch was, aber… naja.
- Was siehst du denn?
- Naja, es ist… hehe, so… ach, sage ich nicht.
- Na was denn, was denn?
- Naja, so etwas halt, behaartes…
- Ahja…

So viel Mühe, auszudrucken, das man symbolische Darstellung von Vagina vor sich hat?.. Ja, modern und schockierend sind die Künstler auch bis heute geblieben. Oder sind wir nur…

Wir sind nur das, was Man Ray mit seinem Objekt “Ce qui manque à nous tous” oder “Was uns allen fehlt” andeutete:

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Kunststeckbrief

Was: Surreale Dinge
Wo: Schirn Kunsthalle Frankfurt
Wann: 11.02.-29.05.2011
Medien: Schirn

(Diesen Beitrag des Merzmenschen zur FGZ könnt ihr auch auf seinem eigen Eigen-Blog merzmensch-blog.de goutieren!)


Our Song for Ryan Air

Es ist Frühling, die Feriensaison beginnt wieder…. ein kleines Lied zur Warnung.


Catch the Volk

Ab- und Hintergründe der Integrationsdebatte

Volkspartei heißt in den USA Catch-all-party. Mit dieser Bezeichnung wird unmittelbar deutlich, dass solche Parteien nicht an Inhalten orientiert sind. Der politische Machtgewinn oder -erhalt wird ihnen zum eigentlichen Inhalt. Alle weiteren Inhalte sind prinzipiell austauschbar. Solche Institutionen richten sich an den Meinungen aus, die politische Mehrheiten möglich machen sollen. Ihr Ort ist die ›Mitte‹, die der deutsche Kanzler Brandt als jenen Bereich definierte, in dem Wahlen gewonnen würden. Einer Volkspartei ist es geraten, auch den geläufigen Nationalismus, das Konkurrenzdenken und die Ressentiments der ›Mitte‹, des ›Volks‹ zu berücksichtigen. Insofern rücken MigrantInnen und Sozialhilfe-EmpfängerInnen in den Focus der Verlautbarungen.

Auch in jenen Umfragen, mit denen Internetseiten ihren WerbekundInnen darlegen können, wie naiv und damit kauflustig ihre LeserInnen sind, sind die Themen ›Integration‹ und ›Sozialhilfe‹ präsent. Auf der Internetseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird abgestimmt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört – Abstimmungen über andere Religionen sollte sie besser lassen. Auf der Internetseite der Frankfurter Rundschau findet sich eine Mehrheit, die meint, fünf Euro Erhöhung des ALG II-Regelsatzes sei zu wenig. Bei der Financial Times Deutschland oder in der repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag von Bild sieht dies etwas anders aus. Doch die Höhe der Transferbezüge wäre sicher nicht der eigentliche Stein des Anstoßes, wenn nach der grundsätzlichen Berechtigung des Bezugs gefragt würde. Das fürsorgende Gewissen der situierten BürgerInnen kann zwar für eine Hilfe im Falle grober ›Schicksalsschläge des Lebens‹, von denen nach deren Selbstverständnis ohnehin eher die Unterschicht betroffen sind, Verständnis aufbringen.
Doch hinter der öffentlichen Debatte steht der umfängliche Verdacht, dass die Sozialtransfers einer Schar von EmpfängerInnen zugute kommen, die sich zumindest aus trägen und unmotivierten Leistungsverweigerern, gar aus notorischen FaulenzerInnen und ›SchmarotzerInnen‹ zusammensetzt. Ganz vorne bei diesen sogenannten Sozialhilfekarrieren werden MigrantInnen vermutet. Ihre leistungs- und integrationsferne Verweigerungshaltung scheint schon im Schulsystem zu beginnen und in der Folge das deutsche Gesellschaftssystem insgesamt anzugreifen, so der Bestseller-Rassist Sarrazin u.a.

Die Nonnen bei der Arbeit

Wer zu ›uns‹ kommt, so heißt es in vielen politischen Verlautbarungen, der muss sich integrieren! Dieses ›uns‹ deutet darauf, dass die deutsche Republik, eine immerhin verfassungsgeleitete Institution, als eine Art Privathaushalt angesehen wird. Der Staat wird so, gerade auch im Denken jener Mitte, die meinungs-be-stimmend, damit partei-bestimmend und damit politik-bestimmend ist, zum exklusiven Privateigentum erkoren. Eine deutsche Volkspartei hat in diesem Zusammenhang soeben den Neuköllner Bezirksbürgermeister und rechten Flügelmann Buschkowsky – ein Integrationskritiker, wie es heißt – »in die Mitte der Partei aufgenommen [...] – gewissermaßen als ein ›Sarrazin light‹« (Peter Nonnenmacher: »Auf Stimmenfang«, FAZ, 27. September 2010).

Wer denkt, der Aufenthaltsstatus von Menschen in einer verfassungsrechtlich bestimmten, rechtsstaatlichen Republik leite sich aus Gesetzen ab und nicht aus völkischem Wohlverhalten, wird durch die Debatten der letzten Zeit irritiert. Nicht bürgerliche Freiheits- und Menschenrechte bilden den politischen Maßstab, sondern eine nirgends definierte und insofern frei interpretierbare ›kulturelle Integration‹. Damit wird ein Instrument der Willkürherrschaft etabliert. Dass es bereits Gesetze und Verordnungen gibt, die regeln, was geschieht, wenn beispielsweise Kinder nicht in die Schule gehen etc., wird verdrängt. Inzwischen hat sich zum Thema ›kulturelle Integration‹ ein Diskurs wechselseitiger Rassismusvorwürfe und Rassismen etabliert, in denen immer wieder Menschen zu ›genetischen‹ Trägern schönfärberisch sogenannter ›kultureller Identitäten‹ gemacht werden.
Zu der Einsicht, dass sich der bürgerliche Staat, so er seinem Begriff entsprechen will, aus der Religion herauszuhalten habe und es in diesem Sinne hierzulande auch keine Staatsreligion geben dürfte, reichte der aufklärerische Prozess in unserem ›Zeitalter der Aufklärung‹ (Kant) offensichtlich noch nicht hin. Gerade in Deutschland konnte das Gebot der Neutralität des bürgerlichen Staates gegenüber den vielen Religionen vergessen werden, da sich dort – nachdem eine Konkurrenz bis hin zur physischen Vernichtung ihrer Mitglieder ausgeschaltet wurde – quasi ein Monopol im Bereich der Religion etabliert hatte. Diskriminierung anderer Religionen nun in die Form bürgerlicher Gesetze zu bringen, bleibt schwierig. Dazu müssen religiöse Symbole als politische definiert werden. Die Verschleierung der katholischen Ordensfrau muss von der der Muslimin unterschieden werden. Das Kreuz an staatlichen Schulwänden muss als Ausdruck des Wertesystems gelten; die Moschee am Stadtrand gilt dagegen als Zeichen des nationalen Werteverfalls.

Ein entscheidender Aspekt wird jedoch meist übersehen; ›Leitintegration‹ ist die in den Arbeitsmarkt. Ein zweites Posting richtet den Fokus dann darauf.

Thomas Gehrig (aus Express)


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