Frankfurter Gemeine Zeitung

Der Web-Kongress Frühling

Viele Leute bebildern, betexten und belabern das WEB, manche schreiben über das Web im Web und eine Menge verlassen es, um an einem realen Ort über das Web zu sprechen und zu reflektieren. Meistens im Frühjahr und fast immer in Berlin. So auch dieses Jahr.

Der glückliche Ort, an dem das Web massenhaft in die Realität schwappt ist allerdings nicht die Stadt am Main, sondern die Stadt an der Spree, Berlin. In Konvergenz zum Zentralismus Frankreichs finden dort hintereinander nicht eine oder zwei, sondern gleich drei nationale, gar internationale Kongresse zu Web finden hintereinander in der Hauptstadt statt.

tazlabrund2011

Im Gegensatz zur im Web deklarierten Dezentralität und weiten Vernetzung konzentriert sich die Gemeinde jedes Jahr wieder auf den einzigen Ort Berlin, schade eigentlich.
Dieses Wochenende veranstalten zwei linksliberale (berliner….) Zeitungen den “Medien Kongress in Berlin“, als taz.lab Medien und Freitagfabrik, die wesentlich von Printmedien ausgehen – aber solchen Institutionen, die sich besonders auf ihre Web-Aktivitäten konzentrieren. Kooperationspartner der beiden sind der britische Guardian, der Kultur-Internetdienst Perlentaucher, die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen, Netzwerk Recherche, die taz Panter Stiftung sowie die deutschsprachige Ausgabe von Le Monde diplomatique.

Thematisch schließt man, wie es sich für solche Medien gehört ans Tagesgeschehen an: “Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt”, das Programm ist allerdings weit gefächer. Fokus auf Journalismus und Presse, auf Internet und städtische Umbrüche. Hinweisen möchte ich besonders auf die Veranstaltungen: “Neukölln, eine krasse Story -
Die mediale Konstruktion eines Stadtteils und seiner BewohnerInnen
“, “Ist der Lokaljournalismus noch zu retten? Heimvorteil“und “Die neuen 68er; Die digitale Generation – kreative RevolutionärInnen oder angepasste MitläuferInnen?

Als kleinen Text zum Motto der Veranstaltung zur Abwechslung vielleicht mal eine Geek-Ikone, die auf dem Podium zum Thema sitzt, und zwar Mercedes Bunz.

Den Anfang der Kongress-Serie machte im März eine enger politisch ausgerichtete Veranstaltung der Partei Die LINKE mit der “Lima 2011 GRENZENlos“. “Das Interesse übertraf die Erwartungen: Mehr als 1200 Teilnehmende zeigten mit ihrer Teilnahme am größten linksalternativen Medienkongress im Land, dass es sie immer noch gibt, die Menschen, die für die solidarische Seite der Gesellschaft stehen und dafür auch in ihrer Medienarbeit aktiv werden wollen. Die achte Auflage des Kongresses bewies, dass das Konzept „Weitbildung mit Eventcharakter“ Jahr für Jahr mehr Attraktivität entwickelt. Vier Tage stand die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) im Zeichen sich wandelnder Medienwelten.

re:publica 11

Die am meisten auf Technologie und Internet orientierte Veranstaltung ist inzwischen vermutlich die bekannteste, die re:publicaXI, “die Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft“, vom 13. – 15. April FriedrichstadtPalast. Karten zur Vorbestellung gibt es nicht mehr, Tageskarten am Schalter schon noch. 2010 besuchten die Konferenz über 2700 Gäste.

Die Veranstaltung wird von einem ganzen Bündel Techno-Firmen gesponsert: HP, Sony und Google seien genannt. Ensprechend herrscht auch ein gewisses Übergewicht von Techno-Utopismus. Das heißt aber nicht, dass kulturelle und politische Initiativen und Diagnosen unter den Tisch fallen.

Die oft hervorragend informierten Vortragenden kann man sich auch per Livestream während dem Event ansehen und anhören, dieses Jahr aber nur noch die wenigen Veranstaltungen im Frierichsstadtpalast selbst – schade. Vielleicht gibt´s die anderen ja danach zu sehen. Das Programm kann man hier nachlesen.

Die Filmserie über die re:publica 2010 bei Alexander Kluges Web-Fernsehen dctp.tv dokumentiert gut das bereite Spektrum der Veranstaltung. Ein interessantes Interview mit Geert Lovinck über Web und Aktivismus darin sollte man sich ansehen.


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