Frankfurter Gemeine Zeitung

Medienkompass – Mitte April 2011

Vom Web und Internet gibt es diesmal viel zu berichten, erfreuliches und unerfreuliches. Beginnen wir mit dem etwas Witzigen: Facebook gilt seit den “arabischen Erhebungen” vielen fast als heiliger Gral demokratischer Bewegung. Eigenartigerweise spielt sich das demokratisierende Geschehen meist auf anderen geografischen und sozialen Kontinenten ab und kontrastiert manchen Einschätzungen über soziale Netzwerke bei uns.

Courbet

Gemeint sind damit z. B. die Zensur-Instanzen (Mitarbeiter-Teams) der Web-Firmen, die je nach Land regierungsseitig ungewünschte Einträge beseitigen. Nun könnte man einwenden, dass das anders als in China, Iran etc bei uns nur Kinderpornografie und ähnliches betreffe, aber das Abschaltbare können die Zensur-Trupps  weit auslegen: “Die Social-Media-Plattform Facebook hat seit 27. Februar das Konto eines französischen Internetnutzer gesperrt, nachdem dieser Gustave Courbets Gemälde “Der Ursprung der Welt” auf sein Profil hochgeladen hatte. Das Bild zeigt eine mit geöffneten Schenkeln liegende Frau in für das 19. Jahrhundert bisher ungeahntem Detailreichtum.” Nun sollte man nicht meinen, dass Seitensperrungen wegen Bildern aus dem 19. Jahrhundert eher pittoresk sind, auch ein chinesischer Künstler-Dissident und West-Star wie Ai Weiei wurde wegen Steuerhinterziehung verhaftet.

(wir haben das 150 Jahre alte Bild auch auf unsere Facebook-Seite positioniert…)

Um das Bild weiter abzurunden sei auch einen Artikel in Analyse & Kritik hingewiesen, der die systematische Zusammenarbeit von IT-Firmen mit Administrationen im Westen beschreibt, nicht nur im Interesse von Regierungen, sondern besonders auch derer von globalen Companies: “Im Februar 2011 sind HackerInnen der Bewegung Anonymous bei einer privaten US-amerikanischen Internet-Sicherheitsfirma mit dem nichts sagenden Namen HBGary Federal eingebrochen. Nach dem Einbruch veröffentlichten sie sämtliche firmeninterne Dokumente im Internet. Diese beleuchten das dreckige Geschäft mit dem sogenannten Cyberwar und die Zusammenarbeit von privaten Sicherheitsdiensten, US-Geheimdiensten, Industrie und US-Regierung in einem Ausmaß, wie wir es bislang nur aus düsteren verschwörungstheoretischen Actionthrillern kannten.” (Link zu Anonymus-Daten hier; Crowdleaks mit weiteren Informationen zu den Verstrickungen hier)

Die Re:publica ist vorbei und ihr mediales Hauptevent war die Gründung eines Vereins. Nicht irgendein Verein, sondern der des Mitinitiators und Web-Celebrity Markus Beckedahl von netzpolitik.org. Der Verein heißt “Digitale Gesellschaft“, und sein Ziel: “Kapazitäten & Infrastrukturen für netzpolitische Kampagnen zu  schaffen. Eigentlich hätten wir lieber eine Stiftung gegründet – aber  dafür fehlte uns das Kleingeld, und eine Stiftung ist weniger transparent. Unser Verein hat sich also andere Aufgaben gewählt als die politische Basisarbeit. Wir wollen Kampagnen machen, Öffentlichkeitsarbeit leisten.

Die Welt wird dabei allerdings etwas arg auf einen Modus unserer Existenz verengt: “Wir wollen eine offene und freie digitale Gesellschaft erhalten und mitgestalten.” Und die eigenen Ansprüche von Offenheit und Freiheit, auf die der kleine Club zielt sind nicht gering. Die eigene Vereins-Gründung war weniger offen und mit wenig tiefgehender, kontroverser Diskussion ausserhalb ihrer Web-Mauern.

Es scheint uns fragwürdig, Vernetzungen von Kongress, Blog und Verein mit der Selbstdeklarierung einer allgemeinen Lobby “aller Web-User” herzustellen. Es gebietet, die Tätigkeiten und Ansprüche der Gruppe in Zukunft zu verfolgen. Politik für “freie und offene Gesellschaft” ist eine verbreitetere Aufgabe, in der ein einzelner Verein eine Rolle spielen kann, eine, und eine “Interessenvertretung für digitale Bürger- und Verbraucherrechte” kommt nicht durch die Deklaration einiger Vereinsmitglieder in die Welt. Ein Webfehler gleich zu Beginn.

Newshype” versucht gleich zu Beginn Hype zu produzieren – um sich selbst. (und wir machen noch mit…?) Es ist ein neuer “Blogaggregator” nach dem (finanziellen) Versiegen von Rivva, dem bisher einzigen deutschen Blogaggregator. Solche Web-Einrichtungen dienen dazu, wichtige Stimmungen in der Blogosphäre zu sammeln und den Lesern zu dokumentieren. Selektiv und abhängig von der Lautstärke (Anzahl und Tabellenplatz). Man könnte sie deshalb auch als Hype-Aggregatoren bezeichnen.

Newshype fing gleich passend an: nur per Einladung/Passwort kann man die aggregierten Meldungen einsehen und ein Blogtheater wurde angestossen: “wo man die Einladungen erhalten?”. Das wiederum kann als Hype in Newshype aggregiert werden, weil ja ganz viele Blogs darüber berichten….

So gesehen ein Stück über Informationsrelevanzen und Dunst im Web. Ob man darauf verzichten kann, sollte sich an der Entwicklung verfolgen lassen. Viele zu dünne Stimmen singen zusammen doch meist nicht als guter Chor.


5 Kommentare zu “Medienkompass – Mitte April 2011”

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