Frankfurter Gemeine Zeitung

Das Bahnhofsviertel – die echte Mitte Frankfurts?

Eigentlich existiert das “Viertel” gar nicht, kaum ein Durcheilender glaubt an eine echte Bewohnerschaft hinter den Fassaden, Läden, Restaurants, Etablisments in den paar Strassen vorm Frankfurter Hauptbahnhof. Es gibt im Bahnhofsviertel aber noch fast 2000 Ortsansässige, auch wenn die paar Wackeren sich mit dem flanierenden Stammpublikum zu einem schwer durchdringlichen Gemenge vermischen. Bewohnerschaften, Ökonomien und Publikumsgruppen passen entsprechend in “multikultureller” Vielfalt zum ersten Eindruck wie der längeren Geschichte des kleinen Quartiers, auch wenn der Druck durch die Umgebung von Jahr zu Jahr wächst.

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Während man zum Main hin mit dem etwas schwindüchtigen DGB immer leicht fertig wurde, dringen die Banktowers und ihre Besatzungen immer weiter vor, die Bautrupps setzen bereits zum Sprung über die Weserstrasse an. Die Finanzpfutzis sind des Abends oft froh über das vermeintlich ganz andere zu ihren Füßen. So wird dann “alles zu Geld”, eine alte Leier gerade im Bahnhofsviertel.

Im letzten Stück Richtung Bahnhof ist noch nicht alles weg, besonders nördlich der Kaiserstrasse, zur Mainzer Landstrasse hin. Südlich siedeln viele In-Kneipen, Ateliers, einiges an Zollfrei und Halbkultur, etwas edler gibt es sich auf der Rennstrecke zum Bahnhof, der Kaiserstrasse (sogar mit wöchentlichem “Erzeugermarkt”).

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Die Durchmischung von vergilbten Kneipen, rot angestrahlten Häusern, Wettbüros und Ramschläden, Spielclubs und Drückerräumen spielt sich um die Kreuzung Moselstrasse / Tausnusstrasse ab, etwa dort, wo vor Jahrhunderten der Galgen stand.

In der Elbestrasse, kurz vor der Ecke Taunus gibt es eine der alten Strip-Kneipen, gegenüber von der Drogenhilfe und seit einiger Zeit kulturell etwas aufgemöbelt. Darf man hin, dachte sich der kleine Lokalverlag B3, und lud letzte Woche interssiertes Publikum sowie seine Autoren und Anhang zu einer Präsentation ein.

Es ging um ein neues Buch, einen voluminöses Text-Bild Band über das Bahnhofsviertel: “Im Bahnhofsviertel Expeditionen in einen legendären Stadtteil“. Wenn vorstellen, dann dort, in der Pik-Dame. Mit Bar-Jazz unterlegt drängte ein buntes Literatur-Publikum um die kleinen runden Tischen zwischen Theke und Rotlicht. Dias und die Textschnipsel kamen gut an, das Buch macht einen schönen Eindruck.

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Die Gegend um die Kaiserstrasse selbst wird darin mit Bahnhof und Drogen flankiert, den Hauptteil bildet “Das Viertel”. Fast 40 Autoren marschieren dafür auf, prominente, lokal bekannte und solche die noch niemand kennt. Neue und ältere Texte wechseln sich ab. Vor Ort in der Pik Dame zeigen sich passende Protagonisten wie Peter Zingler und Eva Demski, dass Martin Mosebach nicht kam und Matthias beltz von natur aus fern blieb verwunderte niemanden.

Der Band bietet eine gelungene Mischung zwischen Berichten und Impressionen, Links in die Welten hinaus und abendlichen Begegnungen vor Ort, eher diagnostisches mischt sich mit eher poetischem. Die reiche Bebilderung liefert zusammen einen Eindruck über die Wechselfälle dieses Stadtteils nach dem Weltkrieg, und gelegentliche Übertreibung seiner Bedeutung passt zum Stil der Provinzmetropole am Main. Schon lange.

Im Bahnhofsviertel
Expeditionen in einen legendären Stadtteil
Herausgeber: Jürgen Lentes und Jürgen Roth, Autoren u.a. Matthias Altenburg, Matthias Beltz, Eva Demski, Bodo Kirchhoff, Jürgen Lentes, Jürgen Roth, Peter Zingler
ca. 240 Seiten, ca. 180 Abbildungen
ISBN: 978-3-938783-71-9
EUR 28,00


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