Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Agentur

Für unser täglich Brot haben wir eine ganze Menge Banken, private und öffentliche, lokale und globale, staatsgetragene und staatstragende. Manche stellen sogar Geld her, andere verbrennen es bloß. Alle haben irgendwie damit zu tun, Geld an Kunden zu vergeben, oder noch besser, etwas Cash von Kunden zu bekommen, um es anderen zu leihen, mit möglichst viel Ertrag. Oder so gesagt: “Banker” sind mit allem beschäftigt was irgendwie damit zu tun hat.

Die Kunden der Banken können Privatleute, Firmen oder Staaten sein und für ihre nutzenbringende Betreuung steht eine ganze Heerschar weiterer Dienstleister bereit: Fonds und Versicherungen, Anwälte und Berater, IT-Spezialisten und Dealer. Um diesen ganzen Zirkus dreht sich ein gehöriger Teil des öffentlichen und halböffentlichen Lebens in Frankfurt.

So viel Gold

Und alle diese Mitspieler beim Geldgeschäft wollen ein möglichst großes Stück vom Kuchen abhaben. Um für dieses Resultat sicher zu gehen, muß der professionelle Geldhändler möglichst gut Bescheid wissen über die Kunden und ihre Kinderstube, das kennen wir schon aus der Schule: bei gutem Leumund leiht man dem Nachbarn auch mal nen Euro. Deshalb gibt es eine Menge “Analysten” im Geldgeschäft, die sich um die Bewertung von Kinderstube und Auftreten (“Derivate”, “Private Equity“) kümmern, und alle am Geschäft Beteiligten sind in täglicher Erwartung über frische Nachrichten zur Marktgesundheit der Klientel von diesen neuen Weisen.

Der Markt regelt zwar viel ganz automatisch, aber zur Bewältigung der Unzahl mathematisch ausklamüserter “Produkte”, in denen Kunden heute auftreten, müssen mehr Informationen über ihre Grundlagen her. Nur dann können andere Marktteilnehmer sinnvoll kaufen, können gut mit dem “Risiko” umgehen. So zumindest sagt es das Lehrbuch. Und deshalb braucht man die wohlwissenden Analysten.

Nun gibt es nicht nur Abteilungen in Firmen, die sich mit dem Bewertungsmetier beschäftigen, sondern einige Informationsspezialisten sehen in der Bewertung und dem Drumherum ihr Kerngeschäft. Das sind die Agenturen. Sie verwenden lustige kurze Buchstabenfolgen, die für Händler und das Publikum rund um die Welt als verständliche Kauf- und Verkaufszeichen gelten. Etwa wenn aus einem A ein B wird. Das Bewerten klappt mal gut und mal weniger gut. Weniger gut funktionioerte es angeblich bei der großen Finanzkrise 2008 / 2009. Besser klappt das Hoch- und Runter-Stufen jetzt wieder, da geht es ja auch um Staaten, von denen hat schon jeder gehört.

Das alles kennen wir als Frankfurter natürlich bestens und alle andern hören Namen wie “Moody´s ” oder “S & P” auch fast täglich aus den Nachrichten, nicht nur denen in Frankfurt. Was wir nicht wirklich wissen ist, warum die Agentur aus einem A ein B macht oder umgekehrt. Gibt es da ein Geheimwissen, Extradeals oder folgen die Analysten bloß dem Common Sense der Ökonomie? Weil das Desaster mit den Finanzen in vielen Staaten gehörig Geld kostete, wird das zur drängenden Frage: die Staaten kommen nämlich selbst in Zahlungsschwierigkeiten, aus spendablen Spendern werden klamme Schuldner.

Was sagte der wirtschaftliche “Fachverstand” nun zu solchen Kandidaten wie Irland oder Spanien, zwei angeblich plötzlich wackeligen Marktakteuren und ihren Produkten, den staatlichen Anteilsscheinen? Vor kurzem wurden sie uns von den Experten noch als echte Vorbilder gepriesen, mit ihren schönen Steuerfreiheiten, Finanz- und Baubooms, nun gelten sie nur noch als Beispiele für staatliche Mißwirtschaft. Sie werden sogar eng gekoppelt mit Griechenland und Portugal, Ländern, die angeblich ihre geldgierigen Völker abwirtschafteten.

Was all die Auguren unterschlagen ist ein Wissen, das z. B. schon 2005 vorlag: es ist die ausgezeichnete Ungleichheit der Einkommen, die genau diese 4 Länder vor allen wirtschaftlich relevanten anderen in Europa auszeichnet. Die European Commision gab damals bekannt, dass Einkommmensspreizung und Armutsqoute in diesen Ländern an der Spitze lagen. Nur Italien und Großbritanien kamen diesem Club nahe, und deren Schwierigkeiten ähneln den genannten heute besonders. Daher ist auch die Rede von den “Völkern”, die nicht mit Geld umgehen können ungefähr so plausibel, wie es den allabendlichen Putzkolonnen in den Franfurter Banktowern zuzuschreiben, dass die dort hausenden Institute kürzlich so viele Milliarden versenkt haben.

Deshalb: um wichtige Krisenbedingungen zu kennen, benötigen wir und politische Kräfte keine klandestinen Analysen aus den verspiegelten Türmen, sondern wir müssen die Statistiken zur Kenntnis nehmen, die uns ökonomische Machtverhältnisse präsentieren. Sie geben über alle drohende Folgen besser Auskunft als das Starren auf Finanzmärkte es leistet und ersparen sogar noch die vielen Kosten des Expertengeschäfts. Entsprechend lassen sich Entscheidungen forcieren, die manch kommende ökonomische Tsunamis verhindern, auch wenn das nicht allen hier vor Ort in Frankfurt wirklich gefallen mag.
Das sollten wir uns merken, wenn sich das Karussell jetzt wieder schneller weiterdreht. Doch leider macht es sich meistens nicht so sexy wie die Agentur in den Kneipen rund um die Frankfurter Innenstadt: besser Triple A oder ungefähr so. Meint zumindest mancher altkluge Trader.


4 Kommentare zu “Die Agentur”

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