Frankfurter Gemeine Zeitung

Seilschaften, Banden, Kartelle

Ein neuer Präsident (Dr. hc.)  wurde in Wiesbaden zum Hochschulleiter ernannt, es kehrt wieder Ruhe ein, die Untreue-Affäre ist beendet. Kein Makel bleibt an den vielen versprochenen Millionen in Wiesbaden hängen, die Manager- und Berater-Elite lässt sich wieder in Ruhe im Rheingau ausbilden. Keine Journalisten und Polizisten forschen mehr vor Ort nach. Endlich führt wieder die KAUFMANNS-EHRE. Danach funktioniert doch angeblich die Wirtschafts-Welt, zumindest an der schönen Aussenfassade internationalen Managements. Doch der Reihe nach: wovon ist hier die Rede?

Xetra-View

Bei Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet denkt das wirtschaftlich interessierte Publikum in Deutschland und anderswo an Eigenkapitalrenditen, Xetra und schnelle globale Links. Zusammen mit ein paar wichtigeren Finanzinstitutionen macht man daraus gerne eine “Finanzmetropole”. Damit dieses Bild einigermaßen ausgefüllt wird, benötigt man hochkarätige Ausbildungseinrichtungen um das Finanzmanagement.

Stücker drei davon gibt es in Frankfurt und drum herum. Das House of Finance liegt auf dem Campus Westend, direkt mit der Frankfurter Uni verbunden und es bietet eher eine Forschungseinrichtung für “Finanzprodukte” und Empfehlungen für den Umgang  mit deren oft eigenwilligen Verhaltensweisen. Die zweite Hochschule liegt nahe der künftigen EZB, heißt Frankfurt School of Finance & Management, bietet eher normale BWL und liefert mittlere Funktionsträger für das Finanzwesen.

Die dritte Institution liegt am Rande, in Wiesbaden respektive Rheingau, heißt EBS und kümmert sich ums Führungspersonal im Management, um die künftigen Strategie-Berater und die Leitung des Geschäfts. Und das Gravitationszentrum des Business liegt im Finanzmanagement, das sich ums  “Return on Investment” dreht und sowohl den Absolventen der drei Schulen, ihren Finanziers wie den künftigen Auftraggebern  doch so sehr am Herzen liegt.

Deshalb spricht man in der privaten Managementhochschule (1000 Euro Gebühr im Monat) gerne von einer “Elite”, die allein den Cash Flow im gehörigen Ausmaß am Laufen halten kann. Sie soll gleichwohl eine Finanzelite sein, der es um mehr geht, zumindest im Bilde ihres Marketings. “Elite zu sein bedeutet mehr. Wir wollen, dass sich Studenten persönlich fortbilden, Fertigkeiten, Verantwortungsbewußtsein und soziale Kompetenz entwickeln, so dass sie später in Wirtschaft und Gesellschaft Führungspositionen ausfüllen können, in denen sie andere leiten, führen und ihnen Vorbild sind… als Vorbildelite, wenn sie so wollen. Damit sind immer Leistungsbereitschaft und gesellschaftliches Engagement verbunden.” (aus Friedrichs, Gestatten: Elite)

European_Business_ideal

Das klingt wie aus einer Broschüre von McKinsey oder Roland Berger. Soll es auch, kommt aber aus dem Munde des Präsidenten der Hochschule, Prof. Dr. Christopher Jahn, 41, wohnhaft in Frankfurt. Inzwischen Ex-Präsident und Ex-Berater: auch die Polizei zweifelte an der Rechtmäßigkeit seiner Geschäfte neben dem Präsidenten-Job und mit der EBS. Der für seine vielen Betätigungen und Posten recht junge Überflieger erfuhr seine Ausbildung bei der Frankfurter Metallgesellschaft und schlüpfte dann schnell ins lukrative Geschäft der Management- oder Strategieberatung, dem primären Karriereziel aller BWL-Studenten. In Mitteleuropa gibt es Firmenadressen wie Berger oder Boston Consulting, von denen junge “Business-Professionals” träumen und es gibt einen kleinen Standort im Süden, in der Schweiz, das als Beratungsmekka gilt: St. Gallen. Dort ging auch Jahn nach seinem Abgang aus der Metallgesellschaft vor Anker und konnte in Vorständen verschiedener Beratungsfirmen rund um BrainNet anheuern.

Das große Beratungsgeschäft mischt gleichsam den Zement im ganzen Management-Business. Es vernetzt die Vorstände nicht nur im Finanzwesen quer durch die Republik, arbeitet mit trendigem Jargon und liefert die klingenden Parolen nach aussen. Es bietet auch den flüchtigen Sündenbock bei Restrukturierungen und Massenentlassungen, ist universell einsetzbar und kann schnell umdisponieren. All das funktioniert bei guter Vernetzung, mit Kenntnissen, über das was die anderen machen. Man ist immer auf dem neusten Stand über aktuelle Wirtschafts-Moden, -Methoden und -Phrasen, das kommt an und wird erwartet. Die Studien und Vorbereitungen dafür sind eher kurz.

Das Management-Geschäft baut sich mit stilvollem Habit in Gruppen von Kunden und eigener Akquise auf, es legt Wert auf “Diskretion” und arbeitet mit viel, mit sehr viel Geld – besonders auch für sich selbst. Man redet zwischen CEO und Senior-Berater auf Augenhöhe und das schafft man erst bei siebenstelligem Jahreseinkommen. Die verdient sich ein Lenker, ein Mitglied des Elite-Korps nun wirklich. Diese Selbstgewissenheit eines Naturrechts auf Erfolg führt Siegerkartelle von Investmentbankern bis Strategieberater zueinander, etwa über Netze der Alumni von der EBS – was viel wichtiger als deren mögliche Kompetenzen zählt. Man kennt sich aber nicht nur, sondern in den Kern-Geschäftsbreichen arbeitet man zusammen. In den Vernetzungen und dauerprojekten bilden sich buchstäblich Banden oder Rackets zur eigenen Absicherung und Ertragsverbesserung, über Seilschaften hinaus und quer durch die verschiedenen Korporationen hindurch.

EBS-feudal

Der Anspruch eines besonderen “Return on Investment” für die eigene Gruppierung, einer Anwartschaft auf Extra-Belohungen durchzieht nicht nur italienische Polit-Mafia-Banden oder indische Business-Regierungs-Kartelle, sondern auch unsere Finanzinstitutionen und das Management in all ihrer Vielfalt. Der entsprechende Habit wird in Einrichtungen wie der EBS eigens kultiviert, von einem dazu passenden Strategie-Berater, eben jenem Christopher Jahn. Als EBS-Präsident kann man die neuen Wellen der Junior-Consultants oder der künftigen Akquise-Objekte heranziehen, quasi im Alleingang, so wie man es in diesen Sparten liebt.

Er hat im Rheingau bloß die Gepflogenheiten seiner Branche, letztlich den Kern seines Geschäfts etwas übertrieben, nicht als edelster Vertreter unserer Wirtschaftsgesetze, sondern etwas darüber – er ist eben ein Überflieger: vielleicht zuviel Geheimnisse, zuviel Eigen-Akquise, zuviel Selbstgefälligkeit, oder zur falschen Zeit am falschen Ort. Auch die Konkurrenz braucht Substanz, immer droht Gefahr.

Zuletzt konnte ihn weder seine Verbandelung mit der Politik in und um Wiesbaden schützen, noch seine kleine Bande im Aufsichtsrat der EBS oder seine gute Vernetzung in der Management-Welt. Er wurde verhaftet, abgesetzt und ersetzt. Will klagen.

Was soll´s: Peanuts im Köpfe-Karussell, genügend stehen an im Erfolgsgeschäft der Finance und zuviel Geld wartet. Deshalb geht es weiter wie vorher: das kennen wir von den viel größeren Beschädigungen der letzten Jahre bestens. Das wirtschafts-feudale System wurde nicht angekratzt und das geldwerte Rheinmain-Gebiet kann aufatmen. Von Wiesbaden bis Eschborn. Business as usual, Gas geben.


2 Kommentare zu “Seilschaften, Banden, Kartelle”

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