Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Welt des schönen Scheins – beständig

Die OECD hat nun bescheinigt, dass in Deutschland viel Geld für Kinder ausgegeben wird, gleichwohl nimmt die Ungleichheit zu und die Zahl der Kinder ab. Eigentlich besagt die Studie ja, dass Frauen in Deutschland bescheuert sein müssen, sich dieser Tortur zu unterziehen. Und das sind sie offensichtlich nicht. Gratulation, meine Damen!

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Geht man zu der frühen Zeit, zu der allgemein die Bürozeiten beginnen, durch die Stadt, vor allem durch das Nordend, findet man sich unvermittelt inmitten einer Armada von Fahrrädern, die kreuz und quer den kürzesten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anpeilen. Das ist nett anzusehen, und manchmal unfallträchtig. Bei einiger Überlegung erschliesst sich dem Beobachter dieses ökologisch bewussten Treibens, dass hier eine Quelle der Energiegewinnung – erneuerbar – völlig ungenutzt bleibt.

Das führt uns direkt zum Revival des guten alten Dynamos. Und zu einer Überarbeitung der Konzepte des e-Bikes. Nicht Elektrizität zum Antreiben des Rades, sondern Erzeugung von dieser durch den Fahrer. So könnte ein Akku aufgeladen werden, mit dem dann im Büro der Computer versorgt wird. Das reduziert die Kosten des „Faktors Arbeit“ weiter. Der individuelle Beitrag könnte bei der Einkommenssteuer-Erklärung geltend gemacht werden. Kretzschmann in B-W will auch weg vom Auto; als eine Nation von notorischen Fahrradfahrern ist der so erzielbare Wettbewerbsvorteil schon bald statistisch evident.

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Mit Blick auf den Nahen Osten gibt es nur die offiziöse Seite israelischer Politik. Vollkommen untergegangen zu sein scheint, dass es dort seit Gründung dieses Staates auch eine radikale linke Opposition gibt. Man hört nichts über die Situation der Linken in Israel. Jetzt, wo die alten neuen Feudalsysteme erheblich wackeln, sind die heimlichen und offenen Absprachen israelischer und arabischer Eliten eine Bedrohung. Der Hinweis auf Israel diente noch immer zur Rechtfertigung jeden Ausnahmezustandes und dieser noch zu jeder reaktionären israelischen Politik. In den vielgestaltigen Widersprüchen liess es sich bestens einrichten – und jetzt sieht man sich in ihnen hilflos verheddert. Erst hat man die wenigen laizistischen Ansätze in Grund und Boden gebombt und jetzt ist niemand mehr da, mit dem man reden könnte. Unsere Solidarität gilt nicht nur den arabischen Massen, sondern auch der israelischen Linken. Wir sollten dies nicht über die ganze aktuelle Hektik vergessen.

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Götz Aly, Superstar der deutschen Historiker hat seine eigenwillige Meinung erneut kund getan.  Und er hat die Bösewichter in seiner gewohnten Art beim Namen genannt: die Wähler der GRÜNEN insbesondere, sonst aber alle, die zwar für die Abschaltung der Atomkraftwerke eintreten, tatsächlich jedoch zu den wahren Umweltverschmutzer gehören. endlich, sage ich, wusste ich doch schon immer. Doch jetzt hat der Fachmann für originelle Erklärungsansätze Klarheit geschaffen. Die Nazis waren stramme Antikapitalisten und Atomkraftgegner sind entweder paranoid oder bloß Verschmutzer mit schlechtem Gewissen, dessen sie sich auf Kosten der Allgemeinheit zu entledigen suchen. Mein Herren und der Kerl war tatsächlich bei der Roten Hilfe, ob er sich noch ab und an mit Horst Mahler trifft?

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ZDF, Heute um 19:00 am 28.04.

(1) Ich traue meinen Ohren nicht, da steht die Doris Day der deutschen Politik vorm Mikro und säuselt strahlend, dass jetzt unsere geliebten osteuropäischen Nachbarn ihren Fachverstand dem deutschen Wohlstand angedeihen lassen dürfen. Herzlichst willkommen seien diese Fachkräfte, die unserem Wachstum einen deutlichen Schub geben könnten. Nix Sarazin, nix Friedrich, nur eitel Sonnenschein. Schröder hat das mit Indern versucht, die sind sofort wieder auf und davon –die Fachkräfte – und haben es zu Hause den anderen gleich gesagt: rentiert nicht!

(2) China und Russland in bewährten Schulterschluss verweigern selbst eine Erklärung des Sicherheitsrates zur Lage in Syrien. Die Begründung ist einleuchtend, in jeder Hinsicht: Syrien stelle keine Bedrohung für den Weltfrieden und auch nicht für den der Region dar. Donnerwetter! Wie die wohl auf diese Erkenntnis gekommen sind? Stimmt allerdings: das syrische Volk ist nicht bewaffnet, na dann. Und Russland ist eine Demokratie. Und China beschützt die nationale Souveränität. Und Assad wohnt nicht im Zelt.

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Die Musik war gut, das Durchschnittsalter so um die 50 (Kinder nicht eingerechnet) und genügend Platz war auch auf dem Römerberg, diesen ersten Mai. Ein paar SPD-Fähnchen, die Linke und halt die anderen üblichen Verdächtigen, viele Kurden, Iraner, bunte Mischung. Der etwas andere Familienausflug. Ein paar bekannte Gesichter, die Mehrzahl glänzte durch Abwesenheit, na ja, gibt verlockendere Ziele an einem schönen Frühlingstag. Der Rest war wohl bei „Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn“, das macht kein Unterschied zu den anderen 34 Tagen.

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Drei Dinge braucht es um den durchschnittlichen Mitteleuropäer/in um seinen/ihren – als ohnehin knappe Ressource vorhandenen – Verstand zu bringen: „the royal wedding“, die Meisterschaft von Borussia Dortmund und die Seligsprechung Johannes Paul II. trunkene Massen allenthalben, felix Europa, jetzt nur noch die Grenzen sichern, für die anderen gibt es doch Stallitenfernsehen.

Nun haben sie ihn erwischt. Wie sieht das jetzt in Libyen aus – oder in den anderen arabischen Staaten. Die Stimmung in New York soll bombastisch sein. Die Dummheit nicht nur dort drüben ist grenzenlos. So hat offenbar jede Region ihr eigenes Ereignis, das zur Euphorie Anlass gibt. Schöne neue Welt!


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