Frankfurter Gemeine Zeitung

Ackermanns Traum (3)

7 In “Dannys Dutyfreeshop”:Veit, Berger, Roth

 

Veit: Ich bringe gute Nachrichten, Genossen! Die Isolationsfolter für Ackermann ist aufgehoben! Die äh, “Bullen” haben Frau Schneider zu Ackermann gelassen.

 

Berger: Frau Schneider, seine Persönliche Assistentin? Das ist ja grossartig!

 

Roth: Endlich!

 

Veit: Ich habe zuverlässige Informationen, dass sie zusammen in der Zelle einen Terminplan gemacht haben, ganz wie früher (Jubel, Victoryzeichen, Freiheit für Ackermann-Rufe)

 

Berger: Gut, ausgezeichnet, damit ist unsere erste Forderung erfüllt. Das können wir also schon mal von unserer „Terror To do today“-Liste streichen.

 

Roth: Aber wir haben doch noch gar keine Forderungen gestellt!

 

Berger: Wir arbeiten ergebnisorientiert, Frau Roth. Entscheidend ist nicht, ob wir eine Forderung stellen, sondern ob sie erfüllt wird. .

 

Roth: Aber ich finde trotzdem, wir müssten was machen. Wir treffen uns seit Monaten und niemand weiß, dass es uns gibt.

Veit: Also ich würde nicht sagen, dass niemand weiß, dass es uns gibt, sondern eher dass keiner weiß, dass es uns gibt.

 

Roth: Ja, aber …was sind denn nun unsere Forderungen?

 

Berger und Veit: Freiheit für Josef Ackermann! Zusammenlegung der Gefangenen Ackermann, Maschmeier, Rürup!  Nieder mit den Lohnnebenkosten!

 

Roth: Das ist doch noch keine Vision für die Gesellschaft, mit der wie die Massen hinter uns bringen!

 

Berger: Na, ich dachte im Sinne von Gleichheit und Brüderlichkeit noch an einen einheitlichen Steuersatz von 15% . Oder Frau Roth, Ihre Meinung ?

 

Roth: Wissen sie: Ich…ich habe einen Traum: Lasst uns etwas schaffen, was es noch nie zuvor in der Geschichte gegeben hat: Eine leistungsgerechte Gesellschaft! Eine Gesellschaft, in der alle flexibel sind und für immer weniger Geld immer länger arbeiten und dabei sich selbst verwirklichen und tolle Ideen haben und so richtig aus sich raus gehen. Das allgemeine Lohnniveau sollte dem einer Wanderheuschrecke angepasst werden, dafür bekommen alle kostenlose Zweithandys. Die Berufsausbildung wird abgeschafft, denn es gibt keine Berufe mehr. Mit dem 18. Lebensjahr kann sich jeder frei entscheiden, ob er in seiner Regelstudienzeit VWL oder BWL studieren oder bei einer Zeitarbeitsfirma anfangen möchte. Jeder soll jeden Tag an einem anderen Ort etwas völlig anderes machen können und dabei ganz er selbst sein für weniger Geld. Es wäre eine Gesellschaft der allumfassenden Freundlichkeit und Kommunikation. Jeder meldet sich mit seinem Namen und Firmennamen und fragt, was er für einen tun kann. Und wenn man abends nach Hause kommt, ist der Anrufbeantworter voll von Stimmen, die einem günstige Angebote unterbreiten. Es wäre eine Gesellschaft der gegenseitigen Achtung. Anders als jetzt achtet jeder auf seinen Körper und auf den des anderen. Der eine achtet auf seinen Körper in Aachen, der andere achtet auf seinen Körper in Köln. Die Männer tragen nicht mehr schlabberigen Trainingshosen, sondern enganliegende himmelblaue oder nachtschwarze Geschäftsanzüge. Die Frauen tragen kurze Kostüme in Apricot. Außer am casual Friday. Noch ist dies alles ein Traum, aber wir alle zusammen können es wahr machen, wenn wir wirklich wollen. Das müssen wir den Menschen da draußen sagen!

(Berger und Veit sind während des Zuhörens in Extase geraten wie bei einem GospelGottesdienst, sie wiederholen einzelne Sätze rhytmisch etc.)

 

Berger: Frau Roth, das…das ist beeindruckend! Damit haben wir erst mal unsere Vision, mindestens für das 21. Jahrhundert, wenn nicht für das dritte Jahrtausend! Ich fax das gleich an die Presse.

 

Veit: Mir hat auch der Passus mit dem Körper und den kurzen Kostümen gut gefallen. Ich fand ja auch schon unseren alten Slogan: „Keine Höschen“ sehr überlegenswert!

 

Roth: Danke, meine Herren! Aber jetzt sollten wir überlegen, wie wir diesen Forderungen Nachdruck verleihen können. Für uns als verantwortungsbewusste terroristische Vereinigung fallen natürlich direkte Gewaltmittel weg.

 

Veit: Ich schlage vor, wir machen erst mal ein brainstorming. (sie schlafen ein)

 

8. In Ackermanns Zelle.Ackermann schläft. Auf einmal ertönt eine unheimliche Stimme

Tod: Jedermann …..!

Ackermann erwacht.

 

Tod: Jedermann….. !

 

Ackermann: Maschmeyer, sind sie das?

 

Tod: Jedermann…… !

 

Ackermann: Maschmeyer, lasse sie den Unsinn. Ich will schlafen.

 

Tod: Ich bins, Dein Tod!

 

Ackermann: Ach so, ich dachte schon, es wäre der Maschmeyer…Gut was wollen sie?

 

Tod: Ich komme um Dich zu holen, Jedermann. Du hast den Gott Mammon angebetet, und jetzt wirst du im Augenblick Deines Todes feststellen, dass Du ganz allein bist.

 

Ackermann: Ich möchte jetzt mal folgendes klarstellen. Erstens haben wir im Rahmen der Kulturförderung als Sponsor der Salzburger Festspiele dafür Sorge getragen, dass die überhaupt weiter stattfinden können. Zweitens habe ich ein sehr befriedigendes Sozialleben, wie ihnen sicher alle bestätigen können, die mit mir näher zu tun haben. Drittens ist mein Name nicht Jedermann, sondern Ackermann. Also sind sie auch nicht mein Tod!

 

Tod : Nicht Jedermann?

 

Ackermann: Nein, Ackermann!

 

Tod (nach Pause): Ja, da muss ich mich wohl jetzt bei ihnen entschuldigen, Herr Ackermann. Aber ich hab der Frau Bergsträsser ausdrücklich gesagt, sie soll mir die Adresse von dem Jedermann…

 

Ackermann: Schon gut, schon gut, ich würde jetzt gerne weiterschlafen!

 

Tod: Da wünsch ich gute Nacht, Herr Doktor Ackermann und nix für ungut. Meine Empfehlung an ihre Buhlschaft, ich mein die Frau Gemahlin.

 

Ackermann: Danke (schläft ein)

 

Tod (verschwindend). Jedermann….wo sans?

 


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