Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Welt des schönen Scheins – bedächtiges

Varkala + 011

Warum machen die Amis nur so einen Eiertanz um die Geschichte mit Bin Laden. Da wird gelogen und beschönigt, dabei wartet man doch nur auf das klärende Wort: wir sind da rein, haben gesagt, das war’s und abgedrückt. Sauberer Kopfschuss, kurzer Prozess, einmal erkennen sie den Gerichtshof in Den Haag eh nicht an, zum anderen finden es die Leute gut. Gibt es denn einen besseren Beleg als unsere endlich wieder mal lächelnde Kanzlerin?

Die zweifellos interaktive Verbindung, die zwischen Washington und Pakistan bestand, nicht die amtliche, sondern zwischen den faszinierten Zuschauern und dem letztlichen Opfer wirft einige juristische Fragen auf. Obama wäre in diesem Fall ein direkter Mittäter, da es ihm möglich war, die Aktion jederzeit in andere Bahnen zu lenken, nun, er hat sich nach hinten verkrochen, während dieser verkleidete Fettsack wahrscheinlich den entscheidenden Mausklick tätigte. Dafür spricht seine Haltung: auf seinem Monitor war das Ziel fixiert. Und los!

In Polen nehmen sie die Hinrichtung Bin Ladens zum Anlass die Diskussion um die Todesstrafe – am besten gleich an Ort und Stelle – wieder anzufachen. Gott schütze uns vor diesen christlichen Fundamentalisten, denen ist nun wirklich nichts heilig.

Nun hat es Portugal erwischt. Damit es auch jeder dort kapiert, gibt es erst einmal eine kräftige Rezession, in der dann die öffentlichen Güter versilbert werden. Danach – also wenn die Löhne und Gehälter kräftig gesunken sind – dann wird das Land gesund. Als ob Gesunde nicht auch verhungern könnten.

Doch kann man an den Griechen sehen, wie wenig die Bevölkerung bereit ist, sich für ganz dumm verkaufen zu lassen und ja, gerade wir Deutschen profitieren am meisten von der Situation, weswegen die Regierung auch alles unternimmt, damit so schnell daran auch nichts geändert wird.

Von der Leyen lässt wieder mal grundsätzlich arbeiten, dieses Mal: Fachkräfte abgreifen. Die stehen nicht vor den Toren, so wie dies die kühle Blonde uns weis machen wollte. Es war auch schon ganz heimlich die Rede davon, die GSG 9 einzusetzen. Da man in Berlin ältere Menschen, Frauen und Arbeitslose als potentielles Reservoir entdeckt. Noch knappst man an der Frage, wie sie für den Verbrauch marktgängig gemacht werden können.

Josef Ackermann hat einen neuen Titel in seiner Sammlung, er darf sich nun – laut Staatsanwaltschaft Los Angeles Slumlord nennen.  Damit nicht genug, sieht sich das Institut nun auch noch im Visier der Staatsanwaltschaft New York. Auch hier geht es um stattliche Beträge und wie so oft in Zusammenhang mit der Deutschen Bank um Vorwürfe des Betrugs. Es ist bislang nicht auszumachen, ob dies alles eine Voraussetzung ist, dass Guttenberg demnächst in die Chefetage in Frankfurts Zwillingen einzieht. Er ist einfach nicht erreichbar. Und Ackermanns Kommentar? „Das ist einfach ungerecht.“ Oh je, ob Angie ihn weiterhin trösten wird?

Eine kurze Bemerkung zur anstehenden Volkszählung: die Verfügungsgewalt über die „eigenen Daten“ können wir getrost ad acta legen. Gerade die fanatische Apple-Community gehört hier zur Speerspitze der Bewegung: „ich schenke dir meine Daten, wenn ich nur dazu gehören darf“. Absonderlich erscheint nur, warum so viele Fragen über „Migrationshintergründe“ und finanzielle Situation (nicht: Steuerehrlichkeit)? Hier anzunehmen, dass es um die Planung weiterer Moscheen geht oder die Errichtung von Suppenküchen erscheint etwas weit hergeholt. Da kommen eher Gedanken über Aufstockung der Sicherheitskräfte und ähnlich „paranoide Vorstellungen“ zum Tragen. Aber was ist schon Huxleys 1984 gegen die Phantasiewelt eines Steve Jobs.

Es ist wieder Party-time am Friedberger Platz. Dies ist nicht zu übersehen, vor allem am nächsten Morgen, man geht durch Berge von Abfall, es stinkt nach Pisse, kurz es könnte auch ein Abfallhaufen in Kalkutta sein, einzig die Wertstoffsammler fehlen, na ja, kommt noch. Muss wieder eine tolle Stimmung gewesen sein, bei dieser Urmutter aller spontanen Feten in Frankfurt wie die FR so enthusiastische letztes Jahr titelte. Mittlerweile ist auch die FR nicht mehr so ganz von ihrer Begeisterung überzeugt.

Der Atom-Ausstieg ist ethisch nicht nur vertretbar, er ist auch machbar. Donnerwetter! Da wurde aber fleissig geTöpfert. Jetzt müssen wir nur noch die Gesellschaft finden, mit der dies alles möglich ist. Na wenigstens können wir uns dann auf dieses Thema konzentrieren.


3 Kommentare zu “Die Welt des schönen Scheins – bedächtiges”

  1. gaukler

    Beim ehemals gefeierten Solidarnosc-Polen passt zur Todesstrafe die Umwidmung des 1. Mai zum Papst-Jubeltag: alle Gewerkschaftsveranstaltungen wurden deswegen abgesagt. Kirchlich-neoliberal, das passt bestens.

  2. Florian K.

    Das mit der Party am Friedberger Platz finde ich etwas unfair.

    1. Macht öffentliches Saufen einen Riesenspaß.

    2. Sind nach Pisse stinkende Müllhaufen ein anerkanntes Mittel zur Ent-Gentrifizierung und zur Fernhaltung von Spießern.

    3. Verhindern solche Aktionen Stellenabbau bei der Straßenreinigung

  3. Trickster

    @Florian: du schaust nicht hin, oder? Hier säuft die Gentry und hinterlässt ihren Dreck mit eben genau deinen Bemerkungen, um danach in ihre sauberen Viertel zu verschwinden, die zumeist im Vordertaunus liegen, spielt aber keine Rolle. Ich denke, du hast hier wohl ganz kräftig daneben gehauen, na ja, kann mal passieren. Viel Spass auf der Müllhalde dann noch.

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