Frankfurter Gemeine Zeitung

Fixes Blind Date: Gated Communities

Die Globalisierung hat viele Gesichter, die strenge Privatisierung von Städten und Gemeinden ist ein durchgehendes Phänomen. “Private Öffentlichkeiten”, neue Wohngebiete setzen sich überall durch, strukturieren unsere Lebenswelt neu. Ein bemerkenswerter Dokumentarfilm zeigt das heute abend in ARTE (30.5. 22 Uhr) exemplarisch an 3 großen Gated Communities.

Durch die Nähe zu Bewohnern und Bediensteten inner- und außerhalb der privatisierten Areale bietet der Dokumentarfilm eine selten mögliche Innenansicht des Lebens “Auf der sicheren Seite”. Er zeigt anschaulich, dass der städtische Raum mehr und mehr privatisiert wird und dadurch ungelöste gesellschaftliche Konflikte wie Apartheid, Kastensystem und große Einkommensunterschiede deutlicher werden. Unterschiede in Herkunft und damit verbundene Zukunfts- und Überlebenschancen werden im wahrsten Sinne zementiert.

Filmemacherin Corinna Wichmann sagt über die Motivation, den Dokumentarfilm zu drehen: “Wir wollten einen Film machen, der nicht nur ein globales, städtebauliches Phänomen erzählt, sondern wollten erreichen, dass der Zuschauer eine Nähe zu Personen und Orten erleben kann. Wir wollten nicht aburteilen, sondern ausloten, beobachten, verstehen. Ich freue mich über den Film, über seine Offenheit und Ambivalenz. Doch trotz des Verständnisses bleiben “Gated Communities” für mich ein Zeichen dafür, dass die Freiheit in der globalisierten Welt schwindet. Man gibt sich mit Bequemlichkeit und einer gut kontrollierbaren Kapitalanlage zufrieden, statt sich für eine lebendige Gesellschaft einzusetzen.” (ARTE)


Bemerkenswert – Lachhaftes von der Führung

Die Aktiengesellschaft “Deutsche Bank” und die Holding “Sozialdemokratische Partei Deutschland” bewegen sich in unterschiedlichen aber überschneidenden Segmenten von Öffentlichkeitsarbeit. Und noch mehr kommt bei ihren gegenwärtigen Chefs zusammen: Josef Ackermann (oh, schon wieder der) wird gerne als “der gefährlichste Banker der Welt” bezeichnet, Gabriel wäre am liebsten der ideenreichste Politiker der Welt. Nun gut.

Beide verbindet die Nähe zum Spielbein der heutigen Welt, der Finanzbranche und die Liebe zu hanebüchendem Blödsinn. Bei Ackermann liegt das mit der Finanzbranche auf der Hand, Gabriel bemühte sich, als Partei-Trainee der SDJ unter Gönner Gerhard Schröder (oh, schon wieder der) die Nähe zum Geld zu kultivieren. Nun wissen wir bereits, dass der ehemalige “Auto-Kanzler” Schröder auch ein Finanz-Kanzler war, dessen reformbegeisterter “Sozial-Berater” Rürup mit einem zwielichtigen Finanz-Guru namens Maschmeyer dessen obskure Firma AWD weiter aufmöbelte. Nichts besonderes in der ehemaligen Rot-Grünen Regierung, deren Mitglieder sich ja gleich scharenweise gutdotiert in die deutsche Wirtschaft absetzten. Rot-grüner Pragmatismus eben.

Gabriel, von dem war ja die Rede, übte damals bei Schröder intensiv Bussi mit den Großen und lernte dabei eifrig das Plappern: Politainment mit dummen Sprüchen, eine schon länger beliebte Übung der SPD Führungsriege. Und nicht nur der.

Club der Vielsager

Foto: ddp images/dapd/Udo Weger/ddp images / dapd

SPD-Herrenrunde mit Erfolgsmenschen 2004 (v. l.): Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, AWD-Chef Carsten Maschmeyer, Rechtsanwalt Götz-Werner von Fromberg, TUI-Chef Michael Frenzel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und Ex-VW-Personalvorstand Peter Hartz (ja der, inzwischen verurteilt)

Naja, jedenfalls wollte Ackermann lieber mit Merkel zusammen gesehen werden, damit man die “ordentliche Finanzbranche” nicht mit einer schmierigen Figur wie Maschmeyer (auch Finanzbranche) und entsprechender Anlage-Firma zusammenbringt.  Ordentlich bleiben!

Besagter niedersächsischer Hof-Lakai Gabriel darf seit einiger Zeit selbst auch noch mehr sagen, und das tat er in einem Interview zur Rettung der SPD vor Tagen. Dabei verkündete er gönnerisch, dass man Linke doch nicht völlig verdammen sollte: “Ich wünsche mir, dass wir nicht jedem Straftäter mehr Resozialisierungschancen geben.” In der Panik um genügend Posten für Mitglieder der SPD-Führung lässt Gabriel sogar die SPD mal als “links” gelten, obwohl sie sich faktisch eher als Partei rechts von der CDU ansiedeln könnte. Und er lässt sich wie als Bewährungs-Richter dazu herab, Linke auf das Maß vom Mördern zuzuschneiden.

Ein anderes (Ex-)Frankfurter Blatt, die Frankfurter Rundschau huldigt ihrem Eigentümerkonzern mit sozialdemokratischem Duktus, und kommentiert die Vorgehensweise des Vereinschefs so, dass die LINKE selbst diese fragwürdige Ehrung nicht wert wäre. Na, könnte man resümieren, dann lieber mit Mördern zusammen als mit dieser SPD und ihren Förderern.

Vergleichbares lässt sich von der Deutschen Bank AG natürlich nicht sagen. Ackermann steht sogar auf neuer Ethik, betrieblicher Verantwortung bei der Finanzierung, hat von der politischen Stimmung was gelernt. Und das klingt sensibler als die alten Stammtisch-Sprüche der SPD. Letzte Woche war mal wieder großer Auftritt, die Hauptversammlung der Bank, die Zeit der “verantwortungsvollen Governance“: “Immer wieder kommt Ackermann in seiner Rede deshalb auf das Thema Verantwortung zu sprechen. Er wiederholt seine Aussage, kein Geschäft der Welt sei es wert, den guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen… Grundsätzlich sollten die Geschäfte der Bank nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch einwandfrei sein. Und an wenigen Stellen seiner Rede brandet so Applaus in der Festhalle auf” schildert´s verhalten die Hauspostille FAZ.

Wichtiger als solches Gutmenschen-Gelaber sind in der Branche – und für die Aktionäre – die Kursentwicklung, die Renditen und die Boni, und damit sind gewiß nicht die für die Armen gemeint. Deshalb kümmert man sich mehr um die zukünftige Führung der smarten Bank mit den Milliardengewinnen. Und das soll der “Herr der Finanzmärkte”, der künftige Chef nach den Wünschen der Shareholder sein: Anshu Jain, der Boß der Investmentbanker in London, fährt regelmäßig den Großteil der Gewinne für die Bank ein, und er soll es werden, nicht irgendein Weichei.

Nun: wer wirklich glaubt, dass Investmentbanker sich um die Ethik des Geschäfts kümmern, der mag in einer anderen Welt leben. Deshalb nichts Neues aus Frankfurt.


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