Frankfurter Gemeine Zeitung

Gedenken an Christy Schwundeck

Wir, die Initiative Christy Schwundek werden am Dienstag, 31. Mai 2011 um 15. Uhr einen Kranz im Gedanken an Frau Christy Schwundek vor dem Jobcenter Gallus, Mainzer Landstraße 315, 60326 Frankfurt am Main niederlegen.

Christy Schwundeck
Sie wurde am 19. Mai in einem Frankfurter Job Center (Gallus) von einer Polizistin erschossen. Die Umstände rufen Erinnerungen wach an das Schicksal Mariame N’Deye Sarr, die im Jahr 2000 ebenfalls unter nie endgültig geklärten Umständen von einem Polizeibeamten erschossen wurde. Christy Schwundeck war 39 Jahre alt und stammte aus Nigeria.
Tödliche Fälle von Polizeigewalt gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund sind leider keine Seltenheit in Deutschland.
Wir verurteilen auf Schärfste diesen erneuten brutalen Angriff und fordern eine rückhaltlose Aufklärung dieses Falles, der zum Tod Christy Schwundeck geführt hat.

Die Initiative Christy Schwendeck
Bernhard Walch (stellvert. Sprecher)
Herr Iyamu J. Imade (Sprecher)
Nigerian Association Rhein/Main e.V.


9 Kommentare zu “Gedenken an Christy Schwundeck”

  1. Florian K.

    Ich möchte zu der ganzen Aktion doch einmal die kritische Frage stellen, ob es Informationen gibt, die der offiziellen Version widersprechen?

    Nach meinen bisherigen Informationen hat Frau Schwundeck einen lebensgefährlichen Messerangriff auf den Kollegen der Polizistin ausgeführt und ihn dabei schwer verletzt.

    Eine lückenlose Aufklärung der Sache ist natürlich absolutes Gebot in einem Rechtsstaat und sollte auch vehement eingefordert werden.

    Ob allerdings zu diesem Zeitpunkt, wo der Sachverhalt eben noch nicht lückenlos aufgeklärt ist, eine derartige Solidarisierung mit Frau Schwundeck oder eine einseitige Darstellung ihrer Person als Opfer von Polizeigewalt stattfinden sollte, halte ich für fraglich.

  2. Hum

    Es geht hier doch wohl um den ganzen Kontext des Geschehens! Warum der Polizeieinsatz, der ja schon eine Eskalierung darstellt, und was geht ihm voraus.
    Schnelles Erschießen verlangt normalerweise einiges an Erklärung? Und da sind wir bei einer weiteren Eigenart der Falls: er ist aus der Presse verschwunden! Nichts von dem “schwer Verletzten” zu lesen, noch von einer Untersuchung etc.
    Such doch mal bei Google News: kurz nach dem Ereignis Funkstille!
    Da mag man den Rechtsstaat noch so hoch halten… bei Erschießungen ist dann zuerst Solidarität mit den Opfern nötig. Das versteht sich doch wohl von selbst!

  3. Florian K.

    Ein Grund für die mediale Funkstille könnte sein, dass die Aufklärung des Falles noch nicht abgeschlossen ist und zur Zeit alles nach einer Notwehrhandlung bzw. Nothilfe aussieht.

    Wer einer anderen Person mit einem Messer in den Bauch sticht ist in diesem Moment nicht Opfer, sondern Täter.

    Und selbst wenn die Angelegenheit eine Vorgeschichte hatte und beispielsweise eine rassistische Beleidigung vorausgegangen wäre, so rechtfertigt diese es noch nicht, ein Messer zu ziehen und gegen einen Polizisten zu benutzen.

    Aus diesem Grund halte ich es für legitim Erklärungen einzufordern, aber mich stört die einseitige Darstellung in Ihrem Aufruf, der letztlich auf eine Vorverurteilung der Polizistin hinausläuft und den Fall zum rassistischen Übergriff stilisiert, obwohl eben genau dies noch nicht geklärt ist.

  4. Hum

    In dem Aufruf geht es um Aufklärung (“fordern eine rückhaltlose Aufklärung dieses Falles”), und ich sage es noch einmal, lese man die öffentlichen Nachrichten seit 10 Tagen: nichts über den Fall.
    Nun, es ist in Deutschland ja wirklich üblich, dass über einen Fall mit “schwer verletztem” Polizisten (wo sind die Reporter am Bett des Überlebenden, wo ist das ?) und Erschossener völlige Ruhe eintritt…
    Und dann muß ich noch eines sagen: wer meint, da oben stünde eine “einseitige Darstellung” (wo denn), dann ist es mir unklar, woher sie denn die genauen Kenntnisse des Vorgangs in einem Amt nehmen, an dem unter schwierigsten Umständen Lebende bearbeitet werden, beui Vorfällen eine völlig überforderte und bestbewaffnete Polizei eingreift, und offentichtlich trotz Schutzwesetn nicht in der Lage ist, mit Problemen fertig zu werden.
    Ich wiederhole die Aufforderung, die nach 3 Wochen Schweigen immer noch gilt: was sagt die Untersuchung und wo ist die Presse, die sich des Falles annimmt?
    Warum sollte man schweigen und nicht auf vorhergehende ungeklärte Fälle hinweisen? Wo ist das Problem?

  5. Florian K.

    Gegen die Forderung nach Aufklärung des Falles richte ich mich in keinster Weise

    Im Gegenteil: Der Fall MUSS aufgeklärt werden.

    Ich halte es allerdings für durchaus verständlich wenn die Polizei WÄHREND der laufenden Ermittlungen etwas zurückhaltender mit Informationen für die Öffentlichkeit ist, sofern diese Informationen später vollumfänglich offengelegt werden.

    Dass man die Persönlichkeitsrechte des verletzten Polizisten schützt und eben dafür sorgt, dass nicht hundert Reporter sein Krankenbett umlagern, finde ich nachvollziehbar.

    Insgesamt finde ich den Aufruf Frau Schwundeck zu gedenken und die Öffentlichkeit damit wachzuhalten natürlich nicht schlecht.

    Mich stört allerdings die Kombination folgender Formulierungen in dem Aufruf:

    1. “[...] fordern eine rückhaltlose Aufklärung dieses Falles[...]”

    - Diese Formulierung impliziert doch, dass der Fall eben nicht abschließend geklärt ist

    2. “Wir verurteilen auf Schärfste diesen erneuten brutalen Angriff”

    - Damit wird ein Urteil gesprochen, BEVOR die Aufklärung stattgefunden hat. Und eben darin liegt die Vorverurteilung, die ich kritisiere.

    Die Einseitigkeit des Aufrufes liegt außerdem auch in der Tatsache, dass im Aufruf vollkommen unterschlagen wird, dass offenbar nicht nur die Polizei, sondern auch Frau Schwundeck Gewalt angewandt hat. (Dies wird mit keinem einzigen Wort erwähnt!)
    Formulierungen wie “brutaler Angriff” schließen die Möglichkeit einer Notwehrhandlung der Polizistin aus, obwohl dies doch zur Zeit die wahrscheinlichere Version der Geschichte ist.

    Btw.: Warum hatte Frau Schwundeck eigentlich eine tödliche Waffe mit ins Jobcenter gebracht?
    Auch diese Frage sollte Gegenstand einer rückhaltlosen Aufklärung sein.

  6. Hum

    Die letzte Bemerkung hat den Stil: “vermutlich wollte sie die armen Beamten dort umbringen”. Dass eine schwarze immigrantische Frau im Land der Gartenzwerge gelegentlich was auf der Strasse zu befürchten hat, kommt nicht in den Sinn. Aber da das nicht wirklich genau zu beweisen ist, haben wir die Schuldige doch schon. Nicht sie ist Opfer, sondern ganz schnell Täterin. Das ist nahe an der BILD. (“Kennt man ja bei den Afrikanern und AGE-Schmarotzern”)
    Ich finde es auch verwunderlich, dass in einem Blatt wie diesem ein derart heiliger Glaube an die Polizeibehörden herrscht! “Warten bis deren Ergebnis kommt” – vorher Ruhe in der Öffentlichkeit. Recht allein haben zunächst die Beteiligten, die für die Tötung verantwortlich sind. Ich muß wohl kaum wiederholen, dass der ganze KONTEXT (auch vor Ort) in dem sich die AGE-”Kunden” bewegen, gewaltformiert ist. Deswegen geht es auch nicht um einen einzelnen Polizeibeamten, sondern das gewalttätige Ensemble, denen die Leute ausgesetzt sind, und das halt mal so endet.
    In den letzten 20 Jahren war ausserdem auf der Seite staatlich Gewalttätiger meistens Ruhe im Karton und Untersuchungen brachten kein Ergebnis, wurden leise eingestellt. Ich muß nicht an die “Selbstverbrennung” von gefesselten Gefangenen in Gefängniszellen erinnern. Randständige dagegen wurden von Behörden und Medien gerne verfolgt – bis in die Wohnung hinein. Warum diese Asymetrie befördern?
    Gut, bei armen, wehrlosen Staats-Beamten und Sicherheitsdiensten muß man zunächst immer Nachsicht wahren – bis exakt das Gegenteil bewiesen wird, und zwar von Zeugen, die es nicht (mehr) gibt.

    Oder aber der unwahrscheinliche Fall von Menschen in Behörden eintritt, die sich durch etwas Öffentlichkeit des Falls (wie hier) anregen lassen, aus der oft fragwürdigen Simmung ihrer Behördengemeinschaft auszubrechen und doch noch was anderes bei Untersuchungen zu äussern. Wenn nur die Ruhe des langsam arbeitenden Untersuchungsapparats die Öffentlichkeit beherrscht, werden sie auch ruhig bleiben. Das entsprricht dann ja auch der ganzen Stimmung.
    Nicht zu verstehen ? Dann lassen wir es.

  7. Florian K.

    Ich streite nicht ab, dass es rassistische Übergriffe der Polizei gab und gibt und dass man diese Übergriffe anprangern muss ist auch klar.
    So weit gehe ich mit Ihnen vollkommen konform.

    Womit ich allerdings nicht konform gehe ist, dass Sie diesen konkreten Fall zu einem rassistischen Übergriff stilisieren, ohne dass die Umstände entsprechend klar sind oder es auch nur einen konkreten Hinweis darauf gäbe.

    Nachtrag:

    Die berechtigte Kritik am Gesamtsystem wird unglaubwürdig, wenn man einen Einzelfall exemplarisch aufbauscht und sich nachher doch herausstellen sollte, dass man sich in diesem Einzelfall geirrt hat.

    Dann heißt es am Ende: “Ja, Ja… der typische linke Reflex… der Migrant ist immer gut und der Bulle ist immer böse.”
    Womit man dann dem rechten Reflex “guter Bulle, böser Migrant” Tür und Tor öffnet.

    In diesem Sinne ging es mir mit meiner Kritik weniger um das eigentliche Anliegen, als um die Formulierung des Aufrufes.

  8. Bert Bresgen

    Ich halte es für polemisch überzogen, Florian K. aufgrund seiner Kommentare eine Nähe zur BILDzeitung oder einen “heiligen Glauben an die Polizeikräfte” zu unterstellen. Tatsächlich stört mich an dem “Gedenken an Christy Schwundeck”- Text ebenfalls, das die offizielle -und bislang einzige- Version des Tathergangs, nämlich dass Christy Schwundek vorab mit einem Messer erhebliche Stichverletzungen zugefügt haben soll, mit keinem Wort erwähnt wird. Das ist nicht nur taktisch unklug, da man davon ausgehen kann, dass alle Mediennutzer diese Version kennen, sondern auch tendenziös. Erfreulicherweise wurde das in dem neuen Demoaufruf korrigiert. Andererseits halte ich den Wirbel, den die Initiative verursacht für notwendig, weil nur so gewährleistet ist, dass der Fall nicht wie üblich schnell ad acta gelegt wird (die prompte Einschätzung der Staatsanwaltschaft-Notwehr-deutete schon in diese Richtung), sondern die Fakten auf den Tisch kommen. Dass keine Journalisten das Bett des Polizisten umstehen, mag ja gut sein, aber welcher Art sind enn nun seine Verletzungen?Auch die Politik des Jobcenters wäre hier zu thematisieren-offenbar ging es um sage und schreibe 10 Euro, die die Frau in Bar haben wollte,während die Sachbearbeiterin sagte, sie seien ihr bereits überwiesen worden.Wegen 10 Euro gibt es jetzt eine Tote… C.S. war zu dem Zeitpunkt ohne jedes Geld u. weigerte sich, das Amt zu verlassen. Daraufhin wurde zunächst der Sichheitsdienst gerufen, dann die Bullerei. Als einer der beiden Polizisten ihre Daten aufnehmen wollen, zog sie ein Messer mit einer 11cm langen Klinge und stach in ihn den Bauch u. bei Abwehrversuchen in den Arm. Dessen Kollegin schoss sie daraufhin in den Bauch. Die Ermittlungen führt das LKA Wiesbaden. Das sind die bisher bekannten Fakten. Auf Primavera haben sich der Ehemann u. Bruder der Getöten zu dem Fall geäußert u. geben dem Jobcenter die Schuld an der Eskalation: http://www.primavera24.de/lokalnachrichten/aschaffenburg/10844-das-jobcenter-ist-schuld-an-ihrem-tod.html. Auf IndyMedia gab es übrigens eine ähnliche “innerlinke”Diskussion des Gedenkaufrufes wie bei uns. http://de.indymedia.org/2011/06/308942.shtml

  9. gaukler

    Glaube, jetzt wiederholen sich die Argumente, da ist nicht mehr viel zu machen.

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