Frankfurter Gemeine Zeitung

Helden: Offroad im Großstadtdschungel

Zur Zeit scheint grüne Tarnfarbe fast Lieferprobleme zu haben. Die neue Bürgerlichkeit, der „bewußte Mittelstand“ drängelt sich an den Ständen des Ökokonsums, wählt die Grünen, fährt Fahrrad, zögert manchmal beim Wachstum. Zittern im klassischen bürgerlichen Lager, wenn da nicht ein kleines gallisches Dorf sich gegen die neu-moderne Übermacht tapfer schlagen würde – und immer mehr Zulauf erhält: die Gemeinde der Offroader. Das sind die unförmigen KFZ-Maschinen, mit denen ihre braven Käufer eines als letztes machen: die asphaltierte Strasse verlassen.

Dieser wachstumsbewußte SUV-Troß scheint das letzte deutsche Fähnlein zu sein, das dem chinesischen Aufbruch ins „schneller, besser, mehr“ noch Paroli bieten kann: die Mittelstands-Panzer verkaufen sich hierzulande wie blöde.

Zumindest zwei große Käufergruppen lassen sich aus der Perspektive des Großstadbewohners unterscheiden. Das Spätdreissiger-Pärchen, beide die Kragen der Polohemden forsch im Guttenberg-Stil hochgeschlagen: das dokumentiert den Mut zum Selbstfahren im schwierigen Gelände. Entweder sie mit unvermeidlichem Pferdeschwanz beim Schülerabholen, oder er als Consultant-Typ am Lenkrad beim energischen Queren großer Stadtkreuzungen. Die zweite Gruppe sammelt sich um den mitsechziger Ruheständler, der sich als Alt-Erfolgreicher endlich gönnt, wirklich sicher durch die immer neuen Gefahren im öffentlichen Raum zu kutschieren, „man hat es ja verdient“.

Status wie Angst sind das motivierende Tandem zum Kauf der Blödmaschinen für Erfolgreiche, für diejenigen, die sich ihrer Bewegung versichern müssen um den erwarteten Bedrohungen widerstehen zu können: man kann von oben etwas besser sehen („Überblick“) und hat ein gutes Puffer an Metall und Stangen vor sich („Sicherheit“). So lässt sich den Globalisierungsbewegungen, den vielen kleinen und großen Bedrohungen von fern und vor Ort einfach besser trotzen. Und es sieht noch doll aus.

Ein paar Zweifel am Trotz lassen sich aber anmelden: die Verwundbarkeit gegenüber Rohstoffengpässen ist besonders prägnant und die Gefährdung anderer Bewohner durch die gemeingefährlichen Vehikel nimmt bemerkenswerte Ausmaße an: der Endsechziger muß sich besonders anstrengen, dass er die Kinder und seine Enkel aus seiner Festung heraus noch sieht, bevor er sie mit den Gestängen um sie herum plattmacht. Und genau das – Überfahren von Fußgängern – geschieht mit den bewehrten Offroadern häufig, und mit heiklen Folgen für Leib und Leben. Im engen Stadtverkehr sind solche Vehikel also nicht sicherer, sondern unsicherer: auf immer mehr Kalamitäten gibt’s für ihre Insassen aufzupassen. Und für die Bewohner um sie herum sowieso.

Die vermeintliche Sicherheit wird besonders dann zum Witz, wenn der verehrte Fahrzeugbauer des Klein-Tanks genau der Dax-Konzern ist, der outsourct und den glücklichen Besitzer des Maschinchen ohne Job im Regen stehen lässt. Das soll uns aber nicht so sehr berühren.

Die gnadenlose Invasion solcher platzfressender, menschenjagender Apparate aus MTK, HG oder OF, die den Erfolgskampf des „jetzt komm ich“ vom Speckgürtel her einführen und in Frankfurts Strassen kultivieren, brauchen wir hier aber wirklich nicht. Solcher Art  motorisiert macht das „Zurück in die Stadt“ wirklich keinen Spaß. Noch mehr, wenn man bedenkt, dass das Blödmaschinen-Milieu eine wichtige Gentrifizierung-Säule bildet: wenn die sich nämlich gruppenweise in den Stadtteilen sehen lassen, wird’s dort ernst. Dann geht es massenweise um die besseren ETW´s im Viertel, denn die Offroader-Helden wollen gerne bei ihresgleichen sein. Zumindest auf Sichtweite, ohne viel unordnung dazwischen.

Nun sind ja gerade hier am Main, in Bornheim, Nordend, Bockenheim die „Grünen“ mit „Die Stadt gehört dir“ ganz vorne im Kampf gegen verschiedene Blödmaschinen, hoffen wir. Also: die SUV´s raus aus der Stadt ! Einen Verbotsgürtel wie bei der Schadstoffplakette, und ohne die kommt man nicht rein in die Stadt. Beim SUV funktioniert das Verfahren sogar noch einfacher: keine Plakette nötig, sie kommen eh gar nicht rein.

Der gute Nebeneffekt: auch die Gentrifizierung kommt ins Stottern, denn was will der Investor an solch einem Ort.

Nun können die Grünen mal zeigen,

was ihnen die Stadt und ihre Bewohner wert sind!


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