Frankfurter Gemeine Zeitung

Wider den “Zeitgeist”

Irgendwann habe ich einmal auf Youtube die Filme „Zeitgeist“ und „Zeitgeist: Addendum“ gesehen. Ich fand sie damals nicht besonders gut gemacht und steckte sie in eine geistige Schublade mit Chemtrail-Hypothesen oder der Idee, das britische Königshaus sei unterwandert von einer reptiloiden Alienspezies.

In den letzten Wochen wurde ich allerdings so oft in Gesprächen mit „Zeitgeist“ und dem sogenannten „Zeitgeist-Movement konfrontiert, dass ich beschlossen habe, mich eingehender mit der Thematik zu beschäftigen, zumal das Thema in den klassischen Leitmedien kaum präsent ist, ganz offensichtlich aber zumindest im Netz eine große Fangemeinde finden konnte.
Die neueste Produktion „Zeitgeist: Moving Forward“ brachte es zum heutigen Datum bereits auf 7.434.352 Klicks.
The Zeitgeist Movement“ gefällt auf Facebook immerhin 316.918 Personen.

Zeitgeist_Movement_globe

Ein paar betrunkene Jugendliche mit denen ich neulich auf einem Spielplatz unterhielt, waren sogar der Überzeugung „Zeitgeist“ zeige die Lösung für alle politischen und wirtschaftlichen Probleme auf und die Begriffe „links“ und „rechts“, sowie die Politik selbst, wären dank der Erkenntnisse von „Zeitgeist“ bald völlig obsolet.
Naja… sie waren jung und betrunken, trotzdem interessierte es mich und ich begann zu recherchieren.

Was also ist „Zeitgeist“?

Bei „Zeitgeist“ handelt es sich um eine Reihe von Filmen, die die Auffassung vertreten, die Menschheit würde von ihren religiösen und politischen Institutionen gezielt belogen. In diesem Sinne geht es also um Verschwörungstheorien, die sich einerseits um das Christentum und andererseits um das Wirtschafts- und insbesondere das Geldsystem ranken.

Im ersten Film der Reihe wird die Theorie aufgestellt, dass die christlichen Kirchen eine Fortsetzung heidnischer Kulte seien, und in erster Linie dem eigenen Machterhalt dienen. Hierzu werden Parallelen zwischen altertümlichen Kulten und christlicher Symbolik herangezogen und der Beweis versucht, dass Elemente christlichen Glaubens wie die Jungfrauengeburt und die Fischsymbolik diesen Kulten entstammen.

Kritiker werfen diesem Film allerdings ungenaue Recherche und sachliche Fehler vor. Um diese Vorwürfe zu entkräften veröffentlichten die Macher des Filmes eine umfangreiche Liste ihrer Quellen.

Letztlich ist der Teil von „Zeitgeist“, der sich mit dem Christentum beschäftigt aber der weniger interessante.
Wesentlich mehr darüber, welche Ideen und Absichten hinter „Zeitgeist“ und dem dazugehörigen „Zeitgeist-Movement“ stecken, sagen uns die Abschnitte in denen es um das Geldsystem geht.
Dieses wird insbesondere aufgrund seiner ökologisch negativen Aspekte stark kritisiert und es wird die Behauptung aufgestellt, dass das Geldsystem zu einer künstlichen Ressourcenverknappung führe, obwohl unser Planet genug Ressourcen biete, um alle Menschen auf einem hohen Lebensstandard zu versorgen.
Das Geldsystem sei schuld daran, dass Produktion auf einen zyklischen Konsum und nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt sei. Produkte würden mit Absicht so konstruiert, dass sie begrenzte Haltbarkeitszeiten haben, um sie immer wieder neu und unter (nur scheinbaren) Verbesserungen verkaufen zu können.
Ein besonders schädlicher Einfluss wird auch dem Zinssystem zugesprochen.

Dies veranlasste Kritiker, den Vorwurf des Antisemitismus beziehungsweise des strukturellen Antisemitismus gegen das „Zeitgeist-Movement“ zu erheben.
Meiner Auffassung nach, ist dieser Vorwurf substanzlos und Produkt einer Überreiztheit mancher Teile der politischen Linken, die gegen jede Verschwörungstheorie und gegen die meisten Formen der Kritik am Geld- oder Zinssystem reflexartig den Vorwurf des Antisemitismus erheben.

Tatsache ist, dass es eine Schnittmenge zwischen Verschwörungstheoretikern und Antisemiten gibt, aber dies bedeutet nicht, dass jeder Verschwörungstheoretiker deshalb auch gleich Antisemit ist.
Noch bedenklicher ist, wenn Teile der politischen Linken jede Kritik am Geld- oder Zinssystem zum strukturellen Antisemitismus abstempeln, denn damit schaffen diese Linken selbst eine strukturell antisemitische Assoziation im Sinne von „Geld und Zins ist gleich jüdisch“.
Außerdem führt der inflationäre Gebrauch des Antisemitismusvorwurfes auch zu dessen Entwertung, weshalb an diesem Punkt oft etwas mehr Zurückhaltung geboten wäre.

Doch auch ohne Antisemitismusvorwurf gibt es am „Zeitgeist-Movement“ genug zu kritisieren.

Das „Zeitgeist-Movement“ steht in engem Zusammenhang mit dem „Venus-Projekt“ des 94jährigen Jacque Fresco.
Dieses befürwortet eine technokratische Zukunftsvision, die auf einer ressourcenbasierten Ökonomie fußt.
Die Ressourcenverteilung soll nicht durch den Markt oder demokratische politische Entscheidungen geregelt, sondern durch eine effiziente zentrale Steuerungsinstanz, eine noch zu entwickelnde künstliche Intelligenz vorgenommen werden.
Politische Fragen werden als technische Probleme definiert, die sich mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden lösen ließen; Parlamente und die meisten politischen Institutionen werden als überflüssig erachtet.
Es sei sogar überhaupt nicht mehr nötig, politische Entscheidungen zu treffen, da die Entscheidungsergebnisse mit Hilfe der wissenschaftlichen Methodik klar und eindeutig zu finden seien, richtig oder falsch also keine Ansichtssache mehr sei, sondern nur eine Frage der korrekten Anwendung der Methode.
Als Handlungsmaxime vorgegeben wird hierbei die Ressourceneffizienz. (ethisch richtig ist nach dieser Art zu denken die Handlung, die vorhandene Ressourcen möglichst effizient nutzt)

Hier aber offenbart sich der Denkfehler dieser Bewegung. Denn Effizienz lässt sich immer nur in Bezug auf die Erreichung eines Zieles bestimmen.

Die Festlegung des jeweiligen Zieles aber ist eine ethische Frage im Sinne von „welcher Zustand ist wünschenswert?“.
Diese ethische Frage kann zumindest nach meiner Auffassung nicht mit Hilfe klassischer wissenschaftlicher Methoden beantwortet werden, sondern erfordert vielmehr die fortwährende (Weiter-)Entwicklung eines gesellschaftlichen Konsenses und damit eines lebendigen gesellschaftlichen Diskurses, statt eines technokratischen Zentralsteuerungsorgans.

Außerdem ist eine Zentralsteuerung der Verteilung der Ressourcen mit dem Ziel größtmöglicher Effizienz kaum denkbar, ohne dass auch die „Ressource Mensch“ dieser Zentralsteuerung unterworfen wird.
Durch die Zentralsteuerung aller Ressourcen wäre es dem Einzelnen nicht mehr möglich, selbst über die Verwendung seiner Arbeitskraft und seinen Güterkonsum zu bestimmen, sondern er müsste das nehmen, was die allwissende Maschine ihm zuteilt.

So zeigt sich hinter dem ganzen aufgesetzten Weltverbesserungsanspruch des „Zeitgeist-Movement“ eine technofaschistische Gesellschaftsvorstellung, die bei genauerem Nachdenken kaum wünschenswert erscheinen kann.

Hinzu kommen die kaum praktizierbaren und weltfremden Ideen zur Umgestaltung der Lebensverhältnisse, insbesondere die Idee alle Menschen in, nach den Designs von Jacque Fresco entworfene Ökostädte umzusiedeln.
Nach Ansicht des „Zeitgeist-Movement“ ist es ressourceneffizienter, Städte komplett neu zu errichten, statt bestehende Städte entsprechend umzugestalten.
Die Frage, ob Menschen dies auch wollen, scheint hierbei eher im Hintergrund zu stehen.

Die ressourcenbasierte Ökonomie ist ein Modell, welches ohnehin auf Augenwischerei basiert und schon im Kern zum Scheitern verurteilt ist.
Denn nehmen wir einmal an, wir haben eine Maschine, die eine ökonomische Entscheidung darüber treffen will, ob eine bestimmte Ressource abgebaut wird oder nicht.
Der Gewinnungsprozess einer Ressource erfordert selbst immer den Einsatz von Ressourcen. Effizient kann die Ressourcengewinnung aber nur dann sein, wenn der Wert der gewonnen Ressourcen über dem Wert der zur Gewinnung verbrauchten Ressourcen liegt.
Da die verbrauchten Ressourcen oft nicht gleichartig mit den gewonnen Ressourcen sind, muss man, um überhaupt eine Berechnung der Effizienz vornehmen zu können, beiden Ressourcen einen numerischen Wert zuteilen.
Dieser numerische Wert müsste die Knappheit der Ressource, die Dringlichkeit des Bedarfes und viele andere Faktoren abbilden können.
Selbst wenn man es nicht so nennen wollte: Unsere Maschine könnte gar nicht anders, als in einer Art Geld zu rechnen.

Auch ohne Politik käme die Wundermaschine nicht aus. Denn wer würde festlegen mit welcher Wertigkeit die Maschine die jeweilige Ressource veranlagt? Die Maschine selbst? Die grundlegenden Parameter auf deren Basis die Entscheidung getroffen wird, müssten vorher festgelegt werden und zudem müssten Regeln festgelegt werden, mit denen die Parameter bei auftretenden Fehlern oder Änderung der natürlichen Gegebenheiten abgeändert werden können.
Diese Entscheidungen sind nicht objektivierbar, sondern unterliegen den persönlichen Werteinschätzungen der Erbauer/ Programmierer, denen damit eine weder demokratisch, noch sonst wie legitimierte Rechtssetzungsfunktion zukäme.

Anstatt, wie so vollmundig versprochen, die innovative Lösung für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu liefern, bietet die ressourcenbasierte Ökonomie nur die Perspektive einer totalitären, computergestützten Planwirtschaft.

Naja… vielleicht war die geistige Schublade, in die ich „Zeitgeist“ zu Beginn instinktiv einordnete doch gar nicht so verkehrt.

Denn wenn ich mir die Kommentare aus Youtube und den Foren des „Zeitgeist-Movement“ so anschaue, komme ich zu einem Ergebnis, das ein Wenig an die Kaufempfehlung eines Online-Shops erinnert:

Nutzer, die „Zeitgeist“ mochten, mochten auch Infokrieg.tv, Chemtrail-Hypothesen und Reptilien-Aliens.


23 Kommentare zu “Wider den “Zeitgeist””

  1. Kasse

    Wow.

    “Das „Zeitgeist-Movement“ steht in engem Zusammenhang mit dem „Venus-Projekt“ des 94jährigen Jacque Fresco.”

    Das ist nicht mehr wirklich der Fall.

    “… sondern durch eine effiziente zentrale Steuerungsinstanz, eine noch zu entwickelnde künstliche Intelligenz vorgenommen werden.”

    Das ist so auch nicht ganz korrekt. Es geht dabei nicht um irgendeine utopische Software die die Welt verwaltet. Viel mehr um Dinge die wir aus dem heutigen Leben bereits kennen. Solche “künstlichen Intelligenzen” setzen wir auch heute schon überall ein. Im Prinzip würde sich daran nicht viel ändern, außer die Häufigkeit des auftretens.

    “Die Festlegung des jeweiligen Zieles aber ist eine ethische Frage im Sinne von „welcher Zustand ist wünschenswert?“.”

    Würde man heute eine Umfrage starten, in der genau diese Frage beantwortet werden soll, so bezweifle ich, dass die Antworten sehr weit von einander abweichen würden. Ein Zustand in dem jeder Mensch auf Erden die notwendigsten Dinge zum leben hat, ist ein “wünschenswerter” Zustand. Ich nehme an, dass es da nicht viel zu diskutieren gibt.

    “Durch die Zentralsteuerung aller Ressourcen wäre es dem Einzelnen nicht mehr möglich, selbst über die Verwendung seiner Arbeitskraft und seinen Güterkonsum zu bestimmen, sondern er müsste das nehmen, was die allwissende Maschine ihm zuteilt.”

    Eigentlich genau andersrum… in der heutigen Welt hat man von Geburt an _KEINE_ Wahl. Keine Möglichkeit irgendetwas selbst zu bestimmen. Dieses Recht muss man sich erst verdienen. Man wird gewzungen irgendeinen Job zu erledigen, ob einem das gefällt oder nicht. Die Alternative heißt verhungern, aber ich zweifle wahrlich ob es sich hierbei um eine Alternative handelt. Natürlich ist das in Ländern wie Deutschland etwas übertrieben dargestellt, aber in den meisten Teilen der Welt sieht es genau so aus. Und es wird nicht mehr lang dauern, bis das hier auch der Fall ist. Müsste man all diese Dinge nun aber nicht mehr, gewzungender maßen, tun, so könnte man sich auf den Gebieten entfallten, die man tatsächlich mag.

    “Hinzu kommen die kaum praktizierbaren und weltfremden Ideen zur Umgestaltung der Lebensverhältnisse, insbesondere die Idee alle Menschen in, nach den Designs von Jacque Fresco entworfene Ökostädte umzusiedeln.
    Nach Ansicht des „Zeitgeist-Movement“ ist es ressourceneffizienter, Städte komplett neu zu errichten, statt bestehende Städte entsprechend umzugestalten.”

    Legen wir den Leuten nun auch schon Worte in den Mund, ja ?
    Meines wissens nach wurde nie gesagt, dass wir alle Menschen in irgendeine Stadt zwingen wollen. Darum geht es nicht. Frescos’ Städte sind nur eine Idee, ein Konzept, eine Möglichkeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine solche Stadt nie gebaut wird. Fresco wird an der Welt von morgen nur wenig beteiligt sein. Das werden andere kluge Köpfe übernehmen. Es geht nicht um Designs oder Blaupausen, es geht um eine Idee.

    Abgesehen davon ist das Zeitgeistmovement keine Einheit. Keine eigenständige Entität. Ergo hat sie auch keine Ansichten. Eine Bewegung ist ein Zusammenschluß von vielen Menschen, von dennen jeder an etwas anderes glaubt. Sie glauben nur zufällig alle in etwa an ein gleiches Ziel. Demnach ist es nicht die Ansicht der Bewegung, dass es besser ist, alte Städte abzureißen. In diesem speziellen Fall ist es nur Frescos Meinung (die er allerdings ziemlich sicher mathematisch untermauern kann). Solange also nicht jedes einzelne Mitglied der Bewegung genau das selbe geäußert hat, ist dies nur eine Stellungnahme einzelner. Und der Planet Erde gehört schließlich auch nicht aus dem All gesprengt, nur weil hier mal ein Mann namens Adolf Hitler herumgewandelt ist. Richtig ?

    “Die Frage, ob Menschen dies auch wollen, scheint hierbei eher im Hintergrund zu stehen. ”

    Absolut richtig. Solange keine drastischen Änderungen vorgenommen werden, spielt die Meinung des einzelnen sowieso keine Rolle mehr, denn wenn die Menschheit soweiter macht wie bisher, gibt es schon sehr bald keine Menschheit mehr, und somit auch keine Meinung des einzelnen. Selbstverständlich gibt es mit Sicherheit auch andere Lösungen die zum Überleben der menschlichen Spezies führen können. Wenn jemand eine dieser Lösungen als besser empfindet, kann er gern darauf hin arbeiten. Es geht nicht darum Leute zu irgendetwas zu zwingen. Wir haben allerdings nicht besonders viel Auswahl. 1. Wir machen weiter wie bisher und dann… naja… dann war es das halt irgendwann. 2. Wir ändern uns. Und hier bietet die Bewegungen einen Ansatz, der keines Falls aufzwingend ist oder Anspruch auf Perfektion erhebt.

    “Selbst wenn man es nicht so nennen wollte: Unsere Maschine könnte gar nicht anders, als in einer Art Geld zu rechnen. ”

    Im Prinzip ist das korrekt. Eine Art Währung würde diese Maschine ebenfalls benötigen. Allerdings besteht zwischen unserer Währung und dieser imaginären Währung ein riesen Unterschied. Unsere Währung ist vollständig deformiert und hat keinerlei Aussagekraft mehr. Wenn ein Börsenheini Milliarden mit dem einfachen übertragen von Bits und Bytes verdienen kann, während ein Artz eher ein Durchschnittsverdiener ist, dann könnte man vielleicht darauf kommen, dass unser Geld recht… ich weiß nicht… blödsinnig ist. Die imaginäre Computerwährung hingegen wäre von derartige Spielerein nicht betroffen.

    “Nutzer, die „Zeitgeist“ mochten, mochten auch Infokrieg.tv, Chemtrail-Hypothesen und Reptilien-Aliens. ”

    Jup, und “Nutzer die “World of Warcraft” mochten, mochten auch dickeomasinunterhosen.de und ichbinvolldoof.com.”

    Demnach sind nun alle Spieler von “World of Warcraft” perverse, dumme Idioten. Sehr gute Argumentation.

    Und noch ein Tipp:
    Wenn man eine Frage zu einen Thema hat, ist es immer hilfreich die Antwort zu suchen, statt sich selbst eine auszudenken und auf Basis dessen eine Entscheidung zu treffen ;)

  2. gaukler

    Naja, das ganze Zeitgeistmovement scheint mir doch eher auf dem Level von “Spielwelten-Denke” zu laufen.

  3. Dr. Schnäuzer

    Und wohin führt uns dein Text jetzt?

    Schön finde ich wenigstens, dass du mal diese reflexartigen Antisemitismusvorwürfe ansprichst, die von bestimmten Personengruppen gegen jeden gerichtet weren, der sich gegen das Geldsystem oder der ”Elite” (wer auch immer das sein soll) ausspricht.
    Wenn jemand ein Arschloch ist, will ich ihn auch so nennen dürfen, egal woher er kommt. Das ist Freiheit!

    Trotzdem führt der Text gegen Ende einfach wieder an den Anfang. Wer ”Zeigeist” guckt und gut findet hockt dick zu Hause, bestellt sich Pizza und beschwert sich im Internet über die Weltverschwörung. Logo.

    Es ist doch im Endeffekt völlig egal wieviel davon stimmt was in dem Film erzählt wird, was für eine Abstammung oder Religion die Schweine angehören, die die ganze Welt in den kulturellen (!) Ruin treiben. Scheißt auf Geld und das ganze System dass da aufgebaut wurde! Hauptsache es gibt Gegenwind!

    Das System stören, sich davon loseisen und sein eigenes Ding durchziehen. Nur das kann der Weg sein. Alle die nur labern, schreiben und nebenher brav zur Uni gehen oder brav ihre Arbeit für irgendwelche Wichser verrichten und Geld in Kassen einzahlen von denen sie nie mehr etwas sehen werden spielen dieses ekelhafte Spiel mit, dass uns Menschen die zeit rauben soll über unser Leben nachzudenken. Gebt eurem Leben endlich einen Sinn!

    FUCK THE SYSTEM!

  4. Florian K.

    @ Kasse:

    Zitat: “Die imaginäre Computerwährung hingegen wäre von derartige Spielerein nicht betroffen.”

    Die imaginäre Computerwährung wäre aber auch von “Spielereien” wie dem sozialen Gedanken nicht betroffen.

    Außerdem würde die umfassende Verwaltung der Ressourcen auch eine umfassende Überwachung der Ressourcen notwendig machen.
    Und eine solche kann nur mit der umfassenden Überwachung und Steuerung der Ressourcenverwender (also der Menschen!) einhergehen.

    Eine Idee des “Zeitgeist-Movement” ist doch, dass eine Ware z.B. ein Auto dem Verwender nur so lange zur Verfügung steht, wie er sie auch tatsächlich braucht.
    Dazu muss die Maschine genau wissen, wer, wie lange die jeweilige Ware braucht.
    Wie soll man sich das vorstellen, wenn nicht unter absoluter Totalüberwachung jeden Bürgers?

    Die Idee des Zeitgeist-Movement ist nicht so neu. Sie ist letztlich eine besonders rigide Form der Planwirtschaft, nur mit dem Unterschied, dass diese Planwirtschaft nicht durch irgendwelche Formen der politischen Willensbildung geplant wird, sondern von einer angeblich allwissenden Maschine.
    Doch was, wenn die Planer und Schöpfer dieser Maschine sich verkalkuliert haben und bei der Prioritätensetzung schwerwiegende Fehler enthalten sind?
    Die Katastrophe wäre vorprogrammiert. (im wahrsten Sinne des Wortes)

    Zudem müsste die Maschinerie ja überwacht und gewartet werden. Welche Macht hätte jemand, der in dieser Maschinerie die Adminrechte hätte und Benutzerrollen und Prioritäten verändern könnte?

    Bisher hat keine Volkswirtschaft auf rein marktwirtschaftlicher oder rein planwirtschaftlicher Basis funktioniert.
    Auch in den strengsten kommunistischen Ländern gibt es Märkte und auch in den freiesten Marktwirtschaften gibt es staatliche/politische Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen.

    Weder Planwirtschaft, noch Marktwirtschaft sind Konzepte, die als Absolutum funktionieren können.

    Die Frage muss sein, in welchen Bereichen des wirtschaftlichen Gesamtgeschehens mehr marktwirtschaftliche und in welchen Bereichen mehr planwirtschaftliche Elemente zur Anwendung kommen sollten.

    @ Dr. Schnäuzer:

    Mit einer reinen Boykotthaltung sind keine irgendwie gearteten sozialen Verbesserungen möglich.

    Wer sagt “fuck the system” muss auch in der Lage sein, tragfähige Alternativvorschläge zu liefern.

    Sich vom System loseisen und sein eigenes Ding durchziehen wäre übrigens unter einer zentral gesteuerten ressourcenbasierten Ökonomie, wie sie vom “Zeitgeist-Movement” vorgeschlagen wird, noch weitaus schwieriger als im jetzigen System.

    Übrigens ist es auch die Frage, ob es wünschenswert wäre, wenn sich jeder vom System loseisen würde und sein eigenes Ding durchzieht. Dies würde nämlich bedeuten, dass sich niemand mehr um sozial Schwächere kümmert.

  5. Dr. Schnäuzer

    Hallo, wach mal auf aus deiner Traumwelt wo die Gesellschaft im Plenum abstimmt was gemacht werden soll. Eine 100&% ”sozial gerechte” Revolution gab es noch nie und wird es nie geben. Liegt leider in der Natur der Sache.

    Keiner wird sich meine Alternativ-Vorschläge anhören. Die Zeit spar ich mir. Was die Genossen in Berlin vor ein paar Wochen geschafft haben ist 100x sinnvoller als jeder Text, ganz egal wie gut überlegt und umfangreich er ist. Taten statt Worte!

    Fakt ist: SO wie es grade läuft gehts nicht weiter.
    Fakt ist: Neuaufbau geht nur nach einem Zusammenbruch

    Bleibt einem nur das ganze zu boykottieren, sabotieren und sich abzuspalten vom gesellschaftlichen Leben was durch die Medien geprägt wird und seine hässlichste Fratze dann auf der Zeil, den In-Bars und bei Facebook zeigt.

  6. gaukler

    Nur um Mißverständnissen vorzubeugen: “freieste Marktwirtschaften” VERLANGEN massive “staatliche/politische Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen”.
    Das “frei” ist ein rhetorisches Spielchen, auf dessen Grundlage eine Gruppe von der Art der (staatlichen) Eingriffe besonders profitiert, und diejenige, die das nicht tut, von ihrem Freiheitszustand überzeugt werden soll.
    Bei der sogenannten “Planwirtschaft”, soll vermutlich den “Realsozialismus” meinen, ist das im Prinzip nicht völlig anders, nur die Eingriffsformen sehen anders aus und nützen anderen.

  7. gaukler

    @ Dr. Schnäuzer:
    Klingt ein bißchen nach einsamem Kämpfer, dem sich die am stillen Orte die Wahrheit offenbart hat, die andere einfach nicht sehen können.
    Zu versuchen, den Blinden das dann einzubläuen, klappt selbst mit vielen aufgeklärten Panzern im Rücken kaum und ruft oft heftigste Gegenwehr hervor.
    Wie die Historie zeigt, führt das meist auch zu besonderem Leid der Kämpfer, die sich dann an besonders ruhige Orte zurückziehen und auf Offenbarung aller Art warten.

  8. Florian K.

    @ Gaukler: Der Unterschied zwischen freier Marktwirtschaft und Planwirtschaft bezieht sich auf die Frage, in wieweit man die Ressourcenverteilung den Gesetzen des Marktes überlassen, bzw. politisch steuern will.

    Der Preis ist letztlich nur ein Mechanismus der Ressourcenverteilung.

    Wie ich bereits sagte, existiert keine der beiden Wirtschaftsformen in der Realität in Reinkultur.
    “Realsozialismus” war ein Versuch einer stärkeren Betonung planwirtschaftlicher Aspekte (also mehr politische Steuerung in der Ressourcenverteilung).

    Das was die Zeitgeistler vorschlagen, wäre hingegen eine echte Planwirtschaft in Reinkultur.

    @ Dr. Schnäuzer:

    Zitat
    “Fakt ist: SO wie es grade läuft gehts nicht weiter.
    Fakt ist: Neuaufbau geht nur nach einem Zusammenbruch”

    Ist Dir eigentlich klar, dass der totale Zusammenbruch dieses Systems Millionen, wenn nicht Milliarden Menschenleben kosten würde?

    Ganz ehrlich: Leute, die den totalen Zusammenbruch in Kauf nehmen wollten, um danach aus den Trümmern das Paradies erstehen zu lassen, haben die Welt noch nie zum Besseren verändert.

    Und wer sagt Dir, dass das was nach einem totalen Zusammenbruch entstehen würde, besser ist als das jetzige?
    Und könnte sich die Menschheit die Ressourcenverschwendung einer totalen Vernichtung und eines Wiederaufbaus überhaupt noch leisten?

    Ich zweifele daran, genau wie ich an Deinen erstgenannten, angeblichen “Fakten” zweifele.

  9. Kasse

    Nunja, es wird einen Zusammenbruch brauchen, damit sich überhaupt irgend etwas ändert. Daran führt kein Weg vorbei. Der Grund dafür ist, dass wir nicht ewig Zeit haben, denn das System bröckelt nur so vor sich hin. Der totale Kollaps ist nicht mehr weit entfernt. Und dieser wird Menschenleben kosten. Aber der Punkt ist nicht, dass jemanden einen Zusammenbruch will. Der Punkt ist, das er kommen wird. Das einzige was wir noch tun können, ist zu versuchen, die Zahl der Toten soweit wie möglich runter zu schrauben.

    Die Frage ob es nach einem Zusammenbruch tatsächlich besser werden würde, kann derzeit wohl kaum beantwortet werden. Vermutlich nicht, wahrscheinlich machen wir den gleichen Mist noch einmal und starten das Spiel einfach neu (und schrauben an ein paar Regeln rum). Und dann, so fürchte ich, hat es sich für die Spezies Mensch ausgelebt.

  10. gaukler

    @Florian, nochmal: “Gesetze des Marktes”, das sind Bedingungen und Folgen der Regulationen, sonst nichts.
    Was anderes erzählt uns nur noch der Sinn aus München, aber dessen Blödsinn glauben nur noch ein paar ganz Fanatische. “Gesetze” erkunden bestimmte Wissenschaften und die werden dort nicht ernsthaft betrieben.

  11. Florian K.

    @ Kasse:

    Dass die Existenz der Menschheit, wie alles Materielle endlich ist und daher der große Zusammenbruch irgendwann unweigerlich kommt, steht außer Frage.

    Aber: Ich halte es für sinnvoller, jetzt an einer menschenwürdigeren Umgestaltung des Systems zu arbeiten, als gezielt auf den großen Knall hinzusteuern, von dem Du selbst sagst, dass er wahrscheinlich nicht zu irgendeiner Verbesserung führen würde.

    Warum dann also den großen Knall und nicht versuchen, die bestehenden zivilisatorischen Fortschritte zu verbessern?

    @ Gaukler:

    Ok… ersetze Begriff “Gesetze des Marktes” durch “Funktionsweisen des Marktes” dann wird es deutlicher.

    Ein Markt entsteht in einer arbeitsteiligen Gesellschaft mit knappen Gütern automatisch.

    Natürlich benötigt eine arbeitsteilige Gesellschaft auch gewisse Regulationen, damit die Arbeitsteilung funktioniert.

    Und natürlich ist die Tatsache, dass Menschen mit den produzierten Gütern Handel (-> Entstehung eines Marktes) treiben, anstatt dass sich der Stärkste die Güter einfach mit Gewalt aneignet Folge von Regulationsmechanismen… aber… so what???

  12. gaukler

    Ein “Markt” in unseren Gesellschaften ist nicht das, was wir in Zentralafrika auf dem Dorfplatz treffen. Und es hat auch kaum was damit zu tun. Was willst du denn mit dem Begriff “Funktionsweise” anderes als eine Schönfärberei für “Natürlichkeit” (“ein Rad dreht sich eben”) erreichen? Und die läuft halt dafür nicht.
    Und das “so what” wird dann klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass zur Absicherung (“Regulation”) solcher Märkte eine ganze Verfassung (“Eigentumsrechte”), ein BGB, Handelsgesetzbücher und vieles mehr nötig sind. Also das, wovon Anwaltskanzleien rund um die Welt am meisten leben. Und eine ganze Reihe andere leute, die sich darum kümmern, wie das eingehalten wird, einzuhalten ist, und was zu tun ist, wenn es schief geht.
    Man sollte vorsichtig sein, vermeintliche Gewißheitem, die heute gerade mal den Boulevard schmücken, als ewige Erkenntnisse zu interpretieren. Das haben inzwischen sogar eine Reihe Ökonomen begriffen. Gut, die in Deutschland sind da besonders langsam.

  13. Florian K.

    Ein Markt in unserer Gesellschaft ist das was sich aus den Märkten auf Dorfplätzen entwickelt hat.

    Auch dem Markt auf dem Dorfplatz liegt eine ganze “Verfassung” (Traditionen, gesellschaftliche Konventionen u.s.w.) zu Grunde und ohne Eigentumsrecht wäre auch der Markt auf dem zentralafrikanischen Dorfplatz nicht denkbar.

    Ein Streit auf so einem Markt würde dann natürlich nicht vor einem Gericht nach unserem Verständnis, sondern im besseren Fall durch Schlichtung eines Dorfvorstehers, im schlimmeren Fall mit Macheten ausgetragen.
    Letztlich ist das bei uns nicht mal so viel anders, nur dass in den Industrieländern der Betrachtungsrahmen größer ist.

    Größere Einheiten brauchen natürlich kompliziertere Regularien. Je größer ein Gemeinwesen ist, desto größer auch die Zahl der benötigten Spielregeln.

    Die Frage bei “Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft” ist letztlich, welche Aspekte der Spielregeln durch gezielten und planvollen Eingriff gesteuert werden sollten und welche man gewissermaßen sich selbst überlässt.

    Und diese Frage kann je nach dem jeweiligen Betrachtungsgegenstand anders beantwortet werden.
    Ich fände z.B. eine gezieltere politische Steuerung der Verteilung mancher Ressourcen notwendig aber eben nicht aller.

    Den Begriff “Natürlichkeit” des Marktes kann man meiner Ansicht nach durchaus benutzen, da die Entstehung eines Marktes bereits in der Arbeitsteilung begründet ist.

    Eine arbeitsteilige Gesellschaft bedeutet nämlich Spezialisierung. Eine Person, die auf die Produktion eines bestimmten Gutes spezialisiert ist ist darauf angewiesen, dieses Gut gegen andere Güter zu tauschen.
    Ein Schuhmacher mag tolle Schuhe machen, aber er kann sie eben nicht essen. Ein Gemüsebauer mag Salat haben, aber dieser schützt nicht seine Füße vor Kälte und Verletzungen.
    Also müssen beide tauschen- Schuhe gegen Salat.

    Wenn wir jetzt aber zu viele Schuhmacher und zu wenige Salatbauern haben, so werden die Schuhe im Vergleich zum Salat an Tauschwert verlieren.
    —> Schon haben wir Preisbildungen auf unserem Minimarkt

    Und damit die Schuhmacher nicht auf die Idee kommen, den Salatbauern zu überfallen, könnte der Salatbauer einem der Schuhmacher anbieten, dass dieser im Tausch gegen Salat dessen Salat bewacht.

    —> Jetzt haben wir schon eine primitve Form von Polizei

    Und siehe da, das Wunder des Kapitalismus nimmt seinen Lauf ;-)

    Doch wie könnte man die Härten eines solchen Systemes abfedern? Wie könnte man verhindern, dass irgendeiner der Schuhmacher überhaupt keinen Salat bekommt?

    Da kommt nun unsere liebe Politik ins Spiel. Unsere Schuhmacher und Salatbauern könnten sich nämlich auf Spielregeln einigen, die durch eine Umverteilung dafür sorgen, dass niemand ganz ohne Salat oder Schuhe dasteht.
    Dies genau wäre dann der planwirtschaftliche Aspekt, sprich: Beeinflussung des Marktes durch die politische Willensbildung.

    Und genau hier liegt auch der Hebel für die gesellschaftliche Veränderung.

    Die Aufgabe liegt darin, die Spielregeln so zu gestalten (bzw. umzugestalten), dass sie nachhaltig funktionieren, ohne einzelne Individuen ihrer Existenzgrundlage zu berauben aber gleichzeitig auch dafür zu sorgen, dass die Spielregeln flexibel bleiben, so dass sie modifiziert und Fehler korrigiert werden können.

  14. Hum

    Noch ein bißchen Märchenstunde… Klingt nach: “jetzt sag ich euch mal schnell wie die Welt der Wirtschaft geht”
    Was soll man zu diesen schönen Geschichtchen denn sagen, wo immer sie auch herkommen?

  15. Florian K.

    Was Du dazu sagen SOLLST, weiß ich nicht. Aber wenn Du dazu nichts sagen KANNST liegt die Schuld daran wohl kaum bei mir.

    Natürlich bist Du herzlich eingeladen meine naiven Ansichten zu widerlegen.

  16. gaukler

    Wir betreiben in der FGZ ja kein Proseminar „Wirtschaftskunde“, aber eine abschließende Bemerkung zur Klärung sei erlaubt.
    Die Gegenüberstellung von „freier Marktwirtschaft“ und „regulierter Planwirtschaft“ folgt einem rhetorischen Schema, das eine bestimmte Handhabung mit dem Begriff des „Marktes“ markiert: der „Markt“ als überhistorischer, effizienter gesellschaftlicher Mechanismus ökonomischer Versorgung, mit dem nicht nur weitgehend gegenwärtige Gesellschaften funktionieren, sondern der letztlich in allen Ökonomien der Geschichte versteckt ist, und schrittweise immer mehr zur Geltung kommt. Diese Rhetorik nimmt die ganzen marktafinen Begleitmechanismen des Kapitalismus (z. B. zu herrschenden Regulationsweisen von Privateigentum, Arbeit und Versorgung) gleich mit ins Boot und versieht sie alle mit dem Zeichen „frei“. Teil dieser Deutungs-Strategie ist die Postulierung eines „unfreien“, „regulierten“ Wirtschaftsgeschehens, das gerne mit dem Zeichen „sozialistisch“ versehen wird.
    Eine zweite verbreitete Handhabung des „Markt“-Begriffs ist die Aufstellung eines Modells „Markt“, das mit bestimmten Prinzipien ausgestattet ist (Rationalität, Effizienz, Transparenz, Nutzenabgleich, Information etc). „Wirtschaftswissenschaften“ betreiben das öfters, es spielt in der „neoklassischen Lehre“ eine entscheidende Rolle. Es soll dazu dienen, möglichst viele ökonomische Effekte oder „Mechanismen“ zu beschreiben und damit die Möglichkeit wissenschaftlicher Erklärung und Vorhersage zu schaffen. Die Prinzipien des Modells werden gerne für die erste, rhetorisch-politische Form verwendet und als faktischer, überhistorischer Pfad der Menschheitsentwicklung deklariert. Allerdings zeigte sich in den letzten Jahrzehnten eindringlich, dass dieses Modell selbst schon für relativ einfache Kontexte heute scheitert, und zwar betreffend fast alle seine analytischen Elemente. Darüber hinaus zeigte sich (Wirtschaftsanthropologie), dass historisch derart formierte „Märkte“ ökonomische Sonderfälle sind, die nur gelegentlich und kurzzeitig für „Arbeitsteilung“ oder Transfers erklärend sind. Natürlich sind sie deswegen auch kaum an der historischen Genese staatlicher Institutionen („Polizei“) beteiligt, ein Urteil, das für aktive „Markt-Ensembles“ mit eigener Statur heute nicht so einfach gilt. Das machen ja auch schon die „Normen“ u. ä. deutlich, die sich bei „zentralafrikanischen Dorfmärkten“ als entscheidend herausstellen.
    Eine dritte Gruppe von Verwendungen des „Markt“-Begriffs ist wissenschaftlich sehr heterogen, und reicht vom generalisierten Schema reziproken Tausches über sehr unterschiedlicher Markt-Typen (entbettete und eingebettete Marktwelten etwa) bis zu besonderen historischen Verwertungsensembles, die sich über Ordnungen von Marktssystemen reproduzieren („Kapitalismus“). All die dabei einbezogenen Phänomentypen laufen – auch heute noch – mit einer Menge anderer ökonomischer Ensembles zusammen, die eher marktfern situiert werden: öffentlich/staatlich reguliert, Gemeingüter, Kooperationen und Genossenschaften, Firmenklomerate und Monopole etc (d. h. auch: Formen von “Eigentum”, besonderen Nutzungsrechten und -pflichten). Den gegenwärtig herrschenden Marktregimens sind meistens bestimmte Regulationen zu Firmen, Eigentumsrechten, Arbeitsrechten u. ä. unterlegt, unter denen ihre Praktiken Herrschaft ausüben. Die Regimes versuchen auch damit, marktfernere Reproduktionszusammenhänge in diese Ensembles einzubinden, was momentan weltweit von größter gesellschaftlicher Bedeutung ist (Siehe Streit um Kommunen, Wasser etc).
    „Gesetze“ (im wissenschaftlichen Sinne) oder „Funktionsweisen“ von „Markt überhaupt“ gibt’s nicht, das kann das neoklassische Modell nicht liefern und marxistische Interpretationen meinen konzeptuionell was anderes. Und reziproke Transfer- und Zirkulationsweisen gibt’s viele.
    Resümee: Vorsicht bei Vereinfachungen, die können schnell zu ideologischer Munition werden.

  17. Florian K.

    Hey Gaukler! Danke für diese Ausführungen.

    Richtig: Wir betreiben hier kein Proseminar „Wirtschaftskunde“, aber ich denke, diese Diskussion ist für die Leser durchaus interessant, weshalb ich sie gerne mit Dir weiterführen würde.

    Einen Grundfehler Deiner Ansicht sehe ich darin, dass Du die Handhabung des Begriffes Markt als Teil einer manipulativen Strategie empfindest.
    Ich denke es wurde vielmehr einem Phänomen, welches in der Realität beobachtet wurde, ein Begriff zugewiesen, der, wie so oft in der Sprache, nicht hundertprozentig klar definiert ist und kontextabhängig verschiedenartig gebraucht wird.
    Die teilweise Unbestimmtheit der Sprache ist aus meiner Sicht aber mehr ihre Stärke, denn ihre Schwäche als Kommunikationsmittel.

    Dass es Kontexte gibt, in denen der „Markt“ zum Kampfbegriff mutiert, bedeutet nicht zwangsläufig, dass dieser Begriff allgemein untauglich ist, auch wenn Dein Hinweis auf den Gebrauch als Kampfbegriff natürlich berechtigt und wertvoll ist.

    Ich gehe davon aus, dass der Begriff „Markt“ in seinen verschiedenen Definitionen sowohl Anteile enthält, die Naturgesetzmäßigkeiten (wie der Schwerkraft) gleichen, als auch Anteile die nur den State of Mind, der mit dem derzeitigen Zustand der Gesellschaft einhergeht, beschreiben.

    Deinem Postulat Gesetze oder Funktionsweisen gäbe es für den Markt nicht, kann ich mich nicht anschließen.

    Beispiel für die Naturgestzmäßigkeit:

    Ich habe einen Apfel. Ich esse ihn. Spätestens mit dem Akt des Essens habe ich mir den Apfel so angeeignet, dass ich ihn nicht mehr der Nutzung durch andere zugänglich machen kann.
    Bereits hierin liegt ein natürliches Vorhandensein des Eigentums begründet und es ist klar, dass für diesen Aspekt der Realität auch ein Begriff gefunden wurde.
    In diesem Sinne ist zumindest ein Teilprinzip des Eigentumsprinzips tatsächlich überhistorisch.
    Es findet sich übrigens nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Tier.
    Man denke an den Hund der jeden anknurrt, der seinen (!) Knochen nehmen will. Der Hund übt damit auch eine primitive Vorform von Herrschaft aus, da er Dich mit Gewaltdrohung daran hindern will, Dir sein Eigentum anzueignen.

    Auf meiner Isomatte kann auch in der herrschafts- und eigentumsfreiesten Hippiekommune niemand liegen so lange ich darauf schlafe, es sei denn wir liegen aufeinander.
    Zumindest ein temporäres natürliches Vorhandensein von Eigentum/Besitz wird sich also kaum bestreiten lassen.

    Hiermit aber ist eben die Grundlage für die Entstehung des Marktes gelegt.
    Denn ich könnte zum Beispiel den Apfel gegen den Platz auf der Isomatte tauschen, womit wir schnell wieder bei einer Variation der Salatbauern und Schuhmacher wären.

    Ein tatsächlich vorhandenes natürliches Phänomen bewusst nicht zu benennen oder zu leugnen hat etwas von orwellschem Doublethink und kann wohl keine Lösung für irgendwelche aktuellen Probleme liefern.

    Natürlich gibt es auch die Aspekte, die nur dem State of Mind der jetzigen Gesellschaft entsprechen. Diese sind immer dann vorhanden, wenn dem eigentlich neutralen, beobachteten Naturphänomen Markt wertende Attribute wie „Effizienz“ zugeordnet werden.

    Effizienz lässt sich ohnehin nur in Bezug auf die Erreichung festgesetzter Ziele bestimmen und die Festsetzung dieser Ziele obliegt dem ethischen Urteil des Menschen (welcher Zustand ist wünschenswert?).
    Die Festlegung dieser Ziele und Schaffung von Mechanismen zu deren Durchsetzung ist letztlich die Aufgabe aller politischen Aktivität.
    Und dann stellt sich die Frage, ob die festgelegten Ziele durch die bereits vorhandene Ressourcenverteilung verwirklicht sind oder ob es umverteilender Eingriffe bedarf.

  18. Florian K.

    Nachtrag:

    Was ich hiermit keinesfalls zum Ausdruck bringen möchte ist die Behauptung, unser politisches und wirtschaftliches System sei in seiner Gesamtheit Folge eines Naturgesetzes und unabänderlich.

    Nur kann eine Diskussion, die unter der Prämisse der bewussten Negierung naturgesetzlicher Fakten stattfindet, keine Lösungen für reale Probleme liefern.

    Naturgesetzliche Fakten sind z.B. (nicht abschließend aufgezählt)

    - Die quantitative Begrenztheit von Ressourcen
    - Die Exklusivität des Ressourcenverbrauches (die Ressource die ich verbraucht habe kann kein anderer mehr verbrauchen)
    - Der unter den jeweiligen Gegebenheiten notwendige Arbeitsaufwand zur Gewinnung und Veredelung einer Ressource

    Streiten könnte man sich z.B. durchaus über die Naturgesetzlichkeit einer zumindest virtuellen Preisbildung im Gütertausch. (wobei diese meines Erachtens den Mechanismen des Denkens selbst entspringt)

    Tatsächlich sind die genannten Fakten sogar in Teilen quantifizierbar, berechenbar und der wissenschaftlichen Methode zugänglich.
    Sie also künstlich aus der Diskussion auszuschließen mit der ideologischen Begründung, die zugrundeliegende Methode der Erforschung selbst sei repressiv, ist unvernünftig und in jeder Hinsicht destruktiv.

    Sicher ist aber auch: Nicht alles was rechnerisch verführerisch erscheint, ist auch ethisch vertretbar. Und hier braucht es den regulierenden Eingriff der Politik, selbst wenn dieser regulierende Eingriff im Hinblick auf die bloße Zahlenlage “ineffizient” erscheint.
    (Wenn man die Zahlen denn als Selbstzweck betrachtete, was leider zu oft geschieht)

  19. gaukler

    Tja Florian, ich weiß nicht, irgendwann wird es für Leser vermutlich auch nicht mehr interessant, weil man nur noch auf genaue Lektüre verweisen kann, intern oder extern.
    Eine genaue Lektüre fehlt bei dir, wenn du beginnst mit “Einen Grundfehler Deiner Ansicht sehe ich darin, dass Du die Handhabung des Begriffes Markt als Teil einer manipulativen Strategie empfindest.”
    Genau deswegen habe ich 3 und mehr Verwendungsweisen des Begriffs “Markt” unterschieden: eine “politische” (von Westerwelle bis Sinn), eine klassisch-modellierende wissenschaftliche und diejenige aus verschiedenen Wissenschaften heterogener Art. Diese Differenzierung ist bloß eine Beschreibung unserer gegenwärtigen Sprechgewohnheiten. Lese die Zusammenhänge doch einfach nochmal, deine folgenden Ausführungen werden dort erklärt. (Modell, Einzelphänomene, Systeme, Erklärungen…)
    “Eigentum” in deiner etwas eigenwilligen Beschreibung als “naturgesetzlich” einzuführen finde ich amüsant, ist aber seit dem späten 17. Jahrhundert von den besonders begeisterten Kapitalismus-Fans immer wieder betont. Neu und besonders “fanatisch” ist es, Eigentum gar als Beispiel für Naturgesetzlichkeit zu verwenden. Dazu passt auch die Behauptung, dass “Eigentum” bei Hunden (Ameisen, Amöben, Bakterien, Sandkörnern) existiert. Man kann sich das auch so richtig gut vorstellen, wie Josef Ackermann in Guandong an der Eingangstür des Verwaltungsgebäudes mit gefletschten Zähnen seine Anteile an der “Central China Bank” verteidigt. Denke da geht einiges durcheinander.
    Zu deinem zweiten Beitrag: Sätze wie “Streiten könnte man sich z.B. durchaus über die Naturgesetzlichkeit einer zumindest virtuellen Preisbildung im Gütertausch. (wobei diese meines Erachtens den Mechanismen des Denkens selbst entspringt)” verstehe ich nicht, auch mit den Bemerkungen davor, und ich sehe es auch als müßig an, die Diskussion darüber weiterzuführen. Man müsste sich zuerst darauf einigen unter welchen Wissens-Prämissen das stattfinden kann. Und der Ort ist nicht die FGZ, glaube ich.
    Das sind sonst so Diskussionen wie in Spiegel-Online Foren, wo man in ein paar Satzsprüngen von der Rentenanpassung beim Urknall landet.

  20. Florian K.

    Sorry Gaukler aber Dein Hinweis auf die mir fehlende Lektüre ist ein Argumentum ad hominem, welches man auch übersetzen kann mit “Ich bin belesener also habe ich Recht.”.

    Oder es ist (noch schlimmer) eine Berufung auf moralische Autoritäten, die Du für unbezweifelbar hältst im Sinne von “Weil der große Autor XYZ es in einem seiner Bücher geschrieben hat, muss es richtig sein.”

    Verzeih mir, dass mich das nicht überzeugt.

    Eine Diskussion mit derartigen Scheinargumenten beiseite zu wischen, liegt eigentlich unter dem Niveau eines Menschen Deines intellektuellen Ranges.
    Damit machst Du es Dir, so denke ich, ein wenig einfach.

    Denn Du hättest ja auch die Möglichkeit, Deine aus der Lektüre gewonnen Erkenntnisse hier in eigenen Worten wiederzugeben, zu erklären und sowohl die Leser als auch mich dadurch zu überzeugen.

    Die aus meiner Naturbeobachtung resultierende Erkenntnis, dass Strukturen von Eigentumsverhalten bei Hunden und Affen beobachtbar sind und meine daraus entwickelte Folgerung, dass sie deshalb einen überhistorischen Kern haben müssen, hast Du jedenfalls mit diesem Beitrag nicht schlüssig widerlegen können.

    Genauso hast Du bisher nicht widerlegt, dass nicht die Ökonomie selbst aber ein guter Teil ihrer Voraussetzungen in natürlichen Gegebenheiten angelegt sind.

  21. gaukler

    –> Kommentar 16.

  22. Florian K.

    Hmmm also ob Kommentar 16 auf die angegebenen Fragen wirklich eine Antwort gibt, soll der geneigte Leser entscheiden.

    Aber ich frage mich denn doch, warum sich in so vielen unterschiedlichen Teilen der Welt unabhängig voneinander Währungssysteme entwickelt haben.

    Und wer ein Beispiel für eine Gesetzmäßigkeit sucht, hier ist eine:

    Wenn man die Menge der kursierenden Währung erhöht, ohne dass gleichzeitig die Menge der vorhandenen Güter und Waren erhöht wird, so verliert die Währungs an Tauschwert. (Inflation)
    Dieser Prozess würde sich in jedem System beobachten lassen, egal welche Währung verwendet wird und egal wie gerecht oder ungerecht die Güter verteilt sind.

    Auch wenn man die Währung nicht “Währung”, sondern “Bezugsmarken” nennt, würde der Mechanismus greifen.

  23. adaptare

    Dieser Artikel über das Zeitgeist Movement ist an einigen Stellen fehlerbehaftet und noch dazu in einem derart negativen subjektiven Stil geschrieben. Leser ohne jeglichem Wissen über das Zeitgeist Movement, werden sich leider eine falsche Vorstellung über des Movement ausmalen wegen eines, wie erwähnt, subjektiven Schreibstils des Authors.

    Ich bin mir bewusst, dass dieser Aritkel zum Teil subjektiv gehalten werden muss, aber von einer alternativen journalistischen politisch-kulturellen “Zeitung” erwarte ich mir wenigstens richtige Fakten und keine dazugedichteten Unwahrheiten wie es so oft die Mainstreammedien tun.

    Fangen wir an.

    “Ein paar _betrunkene_Jugendliche_ mit denen ich neulich _auf_einem_Spielplatz_ unterhielt, waren _sogar_ der Überzeugung “Zeitgeist” zeige die Lösung für alle politischen und wirtschaftlichen Probleme auf und die Begriffe “links” und “rechts”, sowie die Politik selbst, wären dank der Erkenntnisse von “Zeitgeist” bald völlig obsolet.
    Naja… sie waren jung und betrunken, trotzdem interessierte es mich und ich begann zu recherchieren.”

    1.0) Man sieht hier sehr schön, dass der Author schon anfangs das Zeitgeist Movement in den Dreck zieht und dem Leser Voruteile serviert. Besonders ist auf die unterstrichenen Stellen zu achten. Hiermit suggeriert er dem unwissendem Leser ein negatives Bild des Zeitgeist Movements, obwohl noch überhauptkeine Fakten gefallen sind. Wahrscheinlich ist diese “Einleitung” auch erfunden, aber das wird der Author wohl nie zugeben, denn was macht ein (ich nehme an der Author ist mindestens volljährig) Erwachsener mit betrunkenen Jugendlichen auf einem Spielplatz?

    Bei “Zeitgeist” handelt es sich um eine Reihe von Filmen, die die Auffassung vertreten, die Menschheit würde von ihren religiösen und politischen Institutionen _gezielt_ belogen. _In_diesem_Sinne_geht_es_also_um_Verschwörungstheorien, die sich einerseits um das _Christentum_ und andererseits um das Wirtschafts- und insbesondere das Geldsystem ranken.

    2.0) Zunächst ist Zeitgeist nicht das richtige Wort. Wikipedia hat das richtig und kurz erläutert.

    “Der Zeitgeist ist die Denk- und Fühlweise eines Zeitalters. Der Begriff bezeichnet die Eigenart einer bestimmten Epoche beziehungsweise den Versuch, uns diese zu vergegenwärtigen.” – de.wikipedia.org/wiki/Zeitgeist

    Die Filme bzw. das Movement haben diesen Begriff in deren Namen enthalten, weil er dadurch einprägsamer wirkt.

    2.1) Die Filme sollen die Zuschauer kritischer gegenüber ihrer Umgebung machen. Der soll sich fragen was er überhaupt hier auf der Welt macht. Wieso es heute so ist wie es eben ist. Logische Denkmuster aufzeigen und daraus eine Lösung zu finden mit der jeder Mensch auf Erden zufrieden ist. Da spielt unsere Wirtschaft eine sehr große Rolle, denn sie ist die Basis unseres täglichen Lebens. Zusätzlich zu der Analyse der heutigen Probleme und deren Ursachen, bestrebt das ZM eine evaluierung einer RBE, welche auf höchst mögliche Effizienz hinausläuft das impliziert die Abschaffung des Geldes. Wer keine Ahnung hat wovon ich rede, kann sich “Zeitgeist Addendum”, “Zeitgeist Moving Forward” und “Paradise or Oblivion” anschauen. Weitere Informationen sind auf den Zeitgeist Homepages einzusehen.

    2.2) Der Film versucht die Funktionweise der Insitutionen zu erklären und die Auswirkungen eines solchen auf uns und unsere Umwelt in Verbindung zu bringen. Hinter den Instituionen verstecken sich auch nur Ideologien welche wiederrum durch das montetäre System entstehen. Die CEOs folgen seit jeher das eine Ziel “möglichst viel Profit” zu erwirtschaften. Das sagt ja schon das Wort “Kapitalismus”, denn Ziel ist es möglichst viel Kapital zu besitzen. Nun, das ist nichts neues. Um diese Ziele zu erreichen sind Lügen seitens der Institutionen eine Notwendigkeit. Den sonst würden die Menschen diese Fassade asbald durchschauen.

    2.3) Diese “Theorien” wurden schon von namenhaften Menschen die selbst in der Wirtschaft tätig sind bzw. waren bestätigt. Eines der bekanntesten Zitate zu diesem Thema:

    “It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning.” – Henry Ford

    Hier wäre noch genügend Platz für weitere Zitate gewesen, aber übersichtshalber verzichte ich auf weitere Zitate. Sie können ja selber googlen. ;)

    “Im ersten Film der Reihe wird die Theorie aufgestellt, dass die christlichen Kirchen eine Fortsetzung heidnischer Kulte seien, und in erster Linie dem eigenen Machterhalt dienen. Hierzu werden Parallelen zwischen altertümlichen Kulten und christlicher Symbolik herangezogen und der Beweis versucht, dass Elemente christlichen Glaubens wie die Jungfrauengeburt und die Fischsymbolik diesen Kulten entstammen.”

    3.1) Wurde schon oben erklärt. Der erste Film wurde aus unerklärlichen Gründen schlecht recherchiert. Kritiker des Zeitgeist Movments greifen oft auf den ersten Film zurück, jedoch kann man sich ergänzend z.B. die deutsche oder englische ZM Homepage durchlesen und erstaunlicher Weise findet man dort nichts zu “Im ersten Film der Reihe wird die Theorie aufgestellt, dass die christlichen Kirchen eine Fortsetzung heidnischer Kulte seien, und in erster Linie dem eigenen Machterhalt dienen.”. Das ist vom Author einfach schlecht betriebene Recherche.

    3.2) Zudem steht nirgendwo geschrieben, dass das Zeitgeist Movment (ZM) nur auf die Filme aufbaut. Zwar kreuzt sich ungemein viel mit den Filmen, aber nur weil “Zeitgeist” im Titel vorkommt heißt es noch lange nicht, dass es das gleiche ist wie Movement. Dazu dienen die jeweiligen Homepages im Internet um das zu klären.

    4.0) “Dies veranlasste Kritiker, den Vorwurf des Antisemitismus beziehungsweise des strukturellen Antisemitismus gegen das “Zeitgeist-Movement” zu erheben.
    Meiner Auffassung nach, ist dieser Vorwurf substanzlos und Produkt einer Überreiztheit mancher Teile der politischen Linken, die gegen jede Verschwörungstheorie und gegen die meisten Formen der Kritik am Geld- oder Zinssystem reflexartig den Vorwurf des Antisemitismus erheben.

    Tatsache ist, dass es eine Schnittmenge zwischen Verschwörungstheoretikern und Antisemiten gibt, aber dies bedeutet nicht, dass jeder Verschwörungstheoretiker deshalb auch gleich Antisemit ist.
    Noch bedenklicher ist, wenn Teile der politischen Linken jede Kritik am Geld- oder Zinssystem zum strukturellen Antisemitismus abstempeln, denn damit schaffen diese Linken selbst eine strukturell antisemitische Assoziation im Sinne von “Geld und Zins ist gleich jüdisch”.”

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    5.0) “Das „Zeitgeist-Movement“ steht in engem Zusammenhang mit dem „Venus-Projekt“ des 94jährigen Jacque Fresco.”

    Das hat sich mittlerweile aufgespalten, weil TVP (The Venus Project) auf darstellende Art (eine Versuchsstadt um Kritiker endgültig der Funktionalität einer RBE zu überzeugen) versucht Leute von einer RBE zu überzeugen, das ZM jedoch für einen Wertewandel in der Gesellschaft als Aufgabe ansieht, sodass jeder von sich aus am Strang mitzieht diese Welt besser zu machen.
    Wir alle können uns doch aussuchen wie wir auf der Welt leben wollen. Oder stehen anderen Menschen mehr Rechte zu als dir?

    6.0) “Hier aber offenbart sich der Denkfehler dieser Bewegung. Denn Effizienz lässt sich immer nur in Bezug auf die Erreichung eines Zieles bestimmen.

    Die Festlegung des jeweiligen Zieles aber ist eine ethische Frage im Sinne von “welcher Zustand ist wünschenswert?”.

    Diese ethische Frage kann zumindest nach meiner Auffassung nicht mit Hilfe klassischer wissenschaftlicher Methoden beantwortet werden, sondern erfordert vielmehr die fortwährende (Weiter-)Entwicklung eines gesellschaftlichen Konsenses und damit eines lebendigen gesellschaftlichen Diskurses, statt eines technokratischen Zentralsteuerungsorgans.

    Außerdem ist eine Zentralsteuerung der Verteilung der Ressourcen mit dem Ziel größtmöglicher Effizienz kaum denkbar, ohne dass auch die “Ressource Mensch” dieser Zentralsteuerung unterworfen wird.
    Durch die Zentralsteuerung aller Ressourcen wäre es dem Einzelnen nicht mehr möglich, selbst über die Verwendung seiner Arbeitskraft und seinen Güterkonsum zu bestimmen, sondern er müsste das nehmen, was die allwissende Maschine ihm zuteilt.”

    Die resourcen basierte Wirtschaft (kurz RBE) ist ein Modell der am effizientest möglichen Plannung von Verbrauch/Arbeit/Energie. Den wer möchte unnötige Arbeit leistn? Ich glaube jeder versucht seine Energien möglichst effizent zu nutzen und das gleiche gilt für unsere Wirtschaft. Da wir heute schon so eine fortschrittliche Zivilisation sind, die Maschinen dazu nutzen kann um uns monotone, langweilige, schwere und schädliche Arbeit abnehmen kann, wirkt es dumm wenn wir das nicht nutzen.

    Der Author versucht aus diesem Vorteil ein Feindbild zu kreiren. Sowas wie “Willst du, dass dir eine Maschine sagt, was du darfst uns was nicht?”. Nun die Maschinen bzw. die künstliche Intelligenz zeigt uns nur die am effizient möglichste Variante. Das Entscheidungsrecht bleibt noch immer bei uns.

    Bei den Zielen ist das eine schnell geklärte Antwort. Die RBE sucht den kleinsten Gemeinsamen Teiler. D.h. das die Grundsätze die jedem Menschen zustehen unter einen Hut zu bringen (z.B Essen, Anspruch auf sauberes Wasser, Energie, Dach über den Kopf, Freiheit, Selbstverwirklchng, Frieden usw.) und die individuellen Bedürfnisse den jeweiligen Personen überlässt.

    7.0) “So zeigt sich hinter dem ganzen aufgesetzten Weltverbesserungsanspruch des “Zeitgeist-Movement” eine technofaschistische Gesellschaftsvorstellung, die bei genauerem Nachdenken kaum wünschenswert erscheinen kann.”

    Vorher meinte der Author: “Doch auch ohne Antisemitismusvorwurf gibt es am Zeitgeist-Movement genug zu kritisieren.”.

    Wo bitte zieht der Author die Überzeugung, dass das Zeitgeist Movement bzw. treffender die RBE eine rechtsradikale, authoritäre oder gar totalitäre Gesellschaftsvorstellung wäre? Diese Behauptungen sind einfach aus der Luft gegriffen. Ich befasse mich nun schon seit fast 3 Jahren mit dem Zeitgeist Movement. Ich hatte auch Zeiten an den ich an der Funktionalität einer RBE gezweifelt habe, doch zum Glück bin ich immer auf eine Antwort gestoßen. Wäre dem nicht so, dann wäre ich höchstwahrscheinlich depressiv, weil ich keine Möglichkeit finden würde mich für einen Frieden ohne Ängste zu engagieren.

    Warum lebt man auf der Welt? Für die Liebe? Für den Genuss? Für die Freude?
    Spielen wir hier nur ein blödes Spiel oder wollen wir versuchen jeden Augenblick so kostbar wie möglich zu machen?

    Aber wie wollen wir das erreichen, wenn noch so viele Probleme vor unsere Haustür klopfen und es täglich mehr und mehr wird?

    “If you do nothing, I assure you, nothing will happen” – Jacque Fresco

    8.0) “Hinzu kommen die kaum praktizierbaren und weltfremden Ideen zur Umgestaltung der Lebensverhältnisse, insbesondere die Idee alle Menschen in, nach den Designs von Jacque Fresco entworfene Ökostädte umzusiedeln.
    Nach Ansicht des “Zeitgeist-Movement” ist es ressourceneffizienter, Städte komplett neu zu errichten, statt bestehende Städte entsprechend umzugestalten.
    Die Frage, ob Menschen dies auch wollen, scheint hierbei eher im Hintergrund zu stehen.”

    Erstens ist das ein Modell von Jacque Fesco. Das ist seine Ansichtsweise der Zukunft, obwohl er auch nicht das Abreisen der alten Städte befürwortet. Das tolle an der RBE ist, dass jeder mitreden kann. Somit kann man über alles reden und gemeinsam mit der Unterstützung der Computer auf die optimalste Lösung kommen. Niemand sagt, dass es eine leichte Aufgabe ist, aber von alleine wird sie sich nicht erfüllen. Unsere Welt würde schon um ein vielfaches effizienter werden, wenn wir alle in einer RBE leben würden. Keine Resourcenverschwendung (durch gutes Design und Materialwahl, da wir nicht mehr auf die Preise schauen müssen und die best möglichen Materialien nutzen könnnen, sondern auf die Verfügbarkeit der Resource und Durchführbarkeit achten, wird alles recyclefähig gemacht). Keine Kriege welche unmengen an Material, Zeit, Energie und Leid in Kauf nehmen. Keine geplante Obszelezenz. Keine Einstampunf bei Überproduktion, da die die computergestützte Produktion immer “on demand” sprich bei Bedarf produziert. Ich verweise wieder auf die Filme, sonst würde ich den Rahmen dieses Kommentares sprengen.

    8.0) “Der Gewinnungsprozess einer Ressource erfordert selbst immer den Einsatz von Ressourcen. Effizient kann die Ressourcengewinnung aber nur dann sein, wenn der Wert der gewonnen Ressourcen über dem Wert der zur Gewinnung verbrauchten Ressourcen liegt.
    Da die verbrauchten Ressourcen oft nicht gleichartig mit den gewonnen Ressourcen sind, muss man, um überhaupt eine Berechnung der Effizienz vornehmen zu können, beiden Ressourcen einen numerischen Wert zuteilen.
    Dieser numerische Wert müsste die Knappheit der Ressource, die Dringlichkeit des Bedarfes und viele andere Faktoren abbilden können.
    Selbst wenn man es nicht so nennen wollte: Unsere Maschine könnte gar nicht anders, als in einer Art Geld zu rechnen.”

    Sowas wäre schon eine praxisnahe Lösung. Diese Werte errechnet der Computer durch die Umgebung und verschiedene Faktoren unter Berücksichtigung verschiedener Regeln. Jedoch kann man nicht einfach sagen, dass es eine “Art von Geld” ist. Es ist eine Messeinheit des Aufwandes, jedoch ist Geld eine Messeinheit für den monetären Wert.

    Aber warum sollte ich Ressourcen verschwenden die mir eine negative Energiebilanz verursachen? Eine 100% Effizenz wird man wohl in allen Berreichen nicht erreichen können, aber zum Glück haben wir die Sonne die uns kostenlos pro Tag dutzend von Yottawatt schickt. Da ist es egal ob die Solaranlagen nur 70% in Strom umwandeln können. Aber jeder wird wohl zustimmen, wenn ich sage, dass man diesen Prozess so efizent wie möglich machen muss.

    9.0) “Auch ohne Politik käme die Wundermaschine nicht aus. Denn wer würde festlegen mit welcher Wertigkeit die Maschine die jeweilige Ressource veranlagt? Die Maschine selbst? Die grundlegenden Parameter auf deren Basis die Entscheidung getroffen wird, müssten vorher festgelegt werden und zudem müssten Regeln festgelegt werden, mit denen die Parameter bei auftretenden Fehlern oder Änderung der natürlichen Gegebenheiten abgeändert werden können.”

    Die Wertigkeit könnte durch z.B. die Nachfrage, den benötigten Energieaufwand und die Seltenheit der Ressource bestimmt werden.

    Zusätzlich scheint der Author nicht genügend Wissen im Bereich der Implementierung solcher Methoden zu besitzen. Sowas ist durchaus möglich durch z.B. Fuzzy Logic.

    10.0) “Naja… vielleicht war die geistige Schublade, in die ich “Zeitgeist” zu Beginn instinktiv einordnete doch gar nicht so verkehrt.
    Denn wenn ich mir die Kommentare aus Youtube und den Foren des “Zeitgeist-Movement” so anschaue, komme ich zu einem Ergebnis, das ein Wenig an die Kaufempfehlung eines Online-Shops erinnert:
    Nutzer, die “Zeitgeist” mochten, mochten auch Infokrieg.tv, Chemtrail-Hypothesen und Reptilien-Aliens.”

    Als Abschluss wirft der Author noch ein negatives Fazit in die Runde. Jetzt ist der unwissende Leser vollkommen negativ eingestimmt.
    Wie gesagt, die offiziellen Papers zum ZM oder RBE steht auf der englishen Zeitgeist Movment Homepage. Da steht nichts von “Chemtrails” oder “Reptilien-Aliens”.

    Ich hoffe ich konnte die falschen Aussagen in diesen Artikel hervorheben und ausreichend erläutern und wiederlegen.

    adaptare

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