Frankfurter Gemeine Zeitung

Mit Gottes und meiner Hilfe

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Charles Portis Spätwestern True Grit

Bei Howard Hawks lernte John Wayne seine Westernrollen mit mehr Selbstironie zu spielen. Dies half dem alten Haudegen auch 1969, als er für die Rolle des Rooster Cogburn im Film Der Marshall von Henry Hathaway mit dem einzigen Oscar seiner Karriere ausgezeichnet wurde, zu einer Zeit, als das „New Hollywood“ das US-amerikanische Kino revolutionierte.

Der Marshall basiert auf dem Spätwestern von Charles Portis, True Grit, erschienen 1968 als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift. Das Buch war Portis’ größter Erfolg.

Die erneute Verfilmung Joel und Ethan Coen mit Jeff Bridges, Matt Damon und Hailee Steinfeld als Mattie Ross war nicht nur der bisher größte finanzielle Erfolg der beiden Regiegenies, sondern ging auch als einer der großen Favoriten in die Oscarnacht des Jahres 2011. Und wurde zum großen Verlierer; ein stotternder König, der seine Sprache im Kampf gegen die Nazis fand, räumte groß ab. Was aber True Grit nicht zu einem schlechteren Film macht. Grund genug, sich einmal die revidierte Neuübersetzung des schmalen Romans vorzunehmen und die Haltbarkeit zu überprüfen.

Der Vater der vierzehnjährigen Mattie Ross wird von dem „Feigling“ Tom Chaney erschossen. Der setzt sich ins Indianergebiet ab. Mattie will nicht abwarten, bis Chaney irgendwann einmal vielleicht gefasst wird, sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, rekrutiert den versoffenen Marshall Rooster Cogburn. Der Texas-Ranger LaBœuf schließt sich ihnen an. Die beiden Gesetzeshüter sind sich nicht sonderlich grün, in einem aber einig, sie wollen das Mädchen bei der Jagd nicht dabeihaben. Es dauert, bis man sich zusammenrauft.

Was Truman Capote an diesem Roman so begeisterte, das dürfte die Schilderung der Mattie Ross gewesen sein. Einerseits Kind ihrer Zeit, bibelfest und mit typischen Vorurteilen behaftet, anderseits ein Mädchen, das hartnäckig seine Sache verfolgt, sich von den wilden Männern, der Unbill der harten Natur und den Entbehrungen der Reise nicht einschüchtern lässt. Mit ihr ist Portis eine großartige Figur gelungen.

Der pointiert dialogreiche Roman, der es den Drehbuchautoren leicht macht, führt auf ein atemberaubendes Finale hin und endet mit einem wehmütigen, melancholischen Abgesang auf die Zeit des Westens und ihrer „Helden“. Mattie erzählt die Geschichte an ihrem Lebensabend. Sie ist körperlich nicht unversehrt aus dem Abenteuer herausbekommen, ist aber bis ins hohe Alter eine selbstständige und selbstbewusste Frau geblieben.

Immer noch lesenswert, das Buch True Gritt. Man lege zur Lektüre die 16 Horsepower auf, rolle sich eine Zigarette, schenke sich einen Whiskey ein und reite los.

Charles Portis, True Grit, Aus dem Englischen von Robert K. Flesch, überarbeitete Neuausgabe, Reinbek bei Hamburg 2011, rororo 25562
219 Seiten, brosch., 8,99 €,


Die armen Erfinder der Polis

Eine illustrierte Urlaubsgeschichte.

Die Griechen werden im Deutschland von heute gerne als abseitige Schlafmützen charakterisiert, die fleißigen Mitteleuropäern bloß das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Dabei haben sie vor über 2000 Jahren nicht nur Ideen vorgebracht, wie das Gemeinwesen unter Beteiligung vieler als „Polis“ gut zu regulieren sei, sondern auch einen Mythos beschrieben, dessen Mechanismus heute dieses Gemeinwesen zum Absturz bringt: gemeint ist der „Phönix aus der Asche“. Der Phönix war ein langlebiger Vogel, der sich zu seinem Lebensende ein Nest erbaut, in dem er selbst verbrennt und dann – oh Wunder – aus dieser Asche jung und frisch wieder aufersteht.
Dieser Vogel Phönix hat heute eine enorme Vielfalt, Verbreitung und Reichweite gewonnen. Die Geschichte gewinnt jetzt sogar erst richtig Fahrt, es geht nämlich um einen Haufen Geld. Phönix und das Geld verbrennt rund um die Welt immer mal wieder und taucht wieder auf, in klein und in groß. In Asien Ende der 90er legte er ein paar Länder mit in Asche, sein Esprit beflügelte trotzdem Clinton in den USA und Rot-Grün in Deutschland. Sie erlaubten ihm pausenloses Fliegen in allen Gegenden. Die meisten jubelten und bliesen ihm im Dotcom-Rausch eine Menge Geld in den Arsch. Er verbrannte dann 2001 mit dem vielen schönen Geld.

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Kaum raus aus der Asche musste Bush in den USA und bei uns immer noch Rot-Grün dafür sorgen, dass das Vöglein groß wird und schnell wieder gut und weit fliegen kann – fix um die ganze Welt. Also: noch mehr Geld frei machen, Steuern runter und neue Anreize zum Reinblasen.
Und da ging es dann zum ersten mal an die Polis, meist in Gestalt der Städte: wie kann man bei denen so schön landen, auf engem Raum viel zusammenklamüsern und neue „Effizienz“ einbringen. Mehr für den Phönix, weniger für die Polis.
Deregulierung“ heißt das Gebot der Jahre, und die Finanzmaschinerie machte auch aus Frankfurt eine Anlage zum Geldverdienen: zum Beispiel mit „Public Private Partnership“ oder anderen pfiffigen Verträgen. Und mit Anlagen, Derivaten von den Geldinstituten vor Ort, mit denen Kommunen wieder zu dem Geld kommen sollten, das man ihnen vorher über „Steuerreformen“ wegnahm. Und Krediten, mit denen die ohne Geld, auch noch ein bißchen zu den Gewinnen, zum Flug des Phönix beitragen können. Es war ja so viel Geld da, überall flatterte der Vogel, schiß aber bloß auf die, die es wirklich brauchten.
Na gut, das platzte auch 2007, 2008, der Phönix ging mal wieder ins Nest, geholfen von einer ganzen Schar Spezialisten, deren Anlage-Erfindungen auch gleich dort landeten. Und es loderte diesmal wirklich hoch auf. Damit das mit der Asche und der Auferstehung dann nochmal klappte, erfanden die Wachleute der großen Polis die „Systemrelevanz“ und pumpten noch mehr Geld ins Nest, das zwar gleich mitverbrannte, aber dem Phönix wieder aufhalf.
Der wartete nicht lang und flatterte gleich los, zusammen mit seinen Erfindern und ihren Hilfskräften. Die mitfliegenden Agenturen „rateten“, seine Fonds investierten schon wieder, und mindestens so gut wie vorher. Die Polis schaute zu, leistete Flughilfe und freute sich, echt.

Plötzlich aber verbreitete sich Angst und Schrecken in mancher peripheren Polis, denn der Vogel Phönix hatte das Wunder seiner Wiedererweckung vergessen und ging dieser selbst an die Wäsche – und bei ihr gibt es eine Menge Bares rauszuholen. Gleiches Spiel wie vorher: Geld abgreifen um Geld zu vermehren, es ist ja noch so davom viel „im Markt“, und das will schließlich viele Kinder.
SPAREN sollen deshalb jetzt „Die Griechen“ und „Die Iren“, zumindest diejenigen von ihnen, die nix haben. Wer sonst? Oh Wunder sagt der Vogel Phönix dann einer Weile, „jetzt geht es der Polis ja noch schlechter als vorher“. Wer hätte das gedacht, wundern sich auch dessen wohlbestallte Markt-Spezialisten in den Talk-Shows. Also was bleibt: die Polis selbst zu Geld machen, das Tafelsilber versilbern, “Privatisieren” ruft´s überall. Und das funktioniert dann wie der Goldesel, zumindest für manche, ist ja auch so gedacht. Endlich ist dann die Polis noch weiter weg von denen, die eh nix haben und den Phönix nicht verstehen.
Nur gut, dass „Die Deutschen“ die vielen Leben des Vogels so gut kapieren. Schauen wir mal, wie das aussieht, wenn der Phönix das nächste Mal ins Nest geht.


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