Frankfurter Gemeine Zeitung

Die armen Erfinder der Polis

Eine illustrierte Urlaubsgeschichte.

Die Griechen werden im Deutschland von heute gerne als abseitige Schlafmützen charakterisiert, die fleißigen Mitteleuropäern bloß das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Dabei haben sie vor über 2000 Jahren nicht nur Ideen vorgebracht, wie das Gemeinwesen unter Beteiligung vieler als „Polis“ gut zu regulieren sei, sondern auch einen Mythos beschrieben, dessen Mechanismus heute dieses Gemeinwesen zum Absturz bringt: gemeint ist der „Phönix aus der Asche“. Der Phönix war ein langlebiger Vogel, der sich zu seinem Lebensende ein Nest erbaut, in dem er selbst verbrennt und dann – oh Wunder – aus dieser Asche jung und frisch wieder aufersteht.
Dieser Vogel Phönix hat heute eine enorme Vielfalt, Verbreitung und Reichweite gewonnen. Die Geschichte gewinnt jetzt sogar erst richtig Fahrt, es geht nämlich um einen Haufen Geld. Phönix und das Geld verbrennt rund um die Welt immer mal wieder und taucht wieder auf, in klein und in groß. In Asien Ende der 90er legte er ein paar Länder mit in Asche, sein Esprit beflügelte trotzdem Clinton in den USA und Rot-Grün in Deutschland. Sie erlaubten ihm pausenloses Fliegen in allen Gegenden. Die meisten jubelten und bliesen ihm im Dotcom-Rausch eine Menge Geld in den Arsch. Er verbrannte dann 2001 mit dem vielen schönen Geld.

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Kaum raus aus der Asche musste Bush in den USA und bei uns immer noch Rot-Grün dafür sorgen, dass das Vöglein groß wird und schnell wieder gut und weit fliegen kann – fix um die ganze Welt. Also: noch mehr Geld frei machen, Steuern runter und neue Anreize zum Reinblasen.
Und da ging es dann zum ersten mal an die Polis, meist in Gestalt der Städte: wie kann man bei denen so schön landen, auf engem Raum viel zusammenklamüsern und neue „Effizienz“ einbringen. Mehr für den Phönix, weniger für die Polis.
Deregulierung“ heißt das Gebot der Jahre, und die Finanzmaschinerie machte auch aus Frankfurt eine Anlage zum Geldverdienen: zum Beispiel mit „Public Private Partnership“ oder anderen pfiffigen Verträgen. Und mit Anlagen, Derivaten von den Geldinstituten vor Ort, mit denen Kommunen wieder zu dem Geld kommen sollten, das man ihnen vorher über „Steuerreformen“ wegnahm. Und Krediten, mit denen die ohne Geld, auch noch ein bißchen zu den Gewinnen, zum Flug des Phönix beitragen können. Es war ja so viel Geld da, überall flatterte der Vogel, schiß aber bloß auf die, die es wirklich brauchten.
Na gut, das platzte auch 2007, 2008, der Phönix ging mal wieder ins Nest, geholfen von einer ganzen Schar Spezialisten, deren Anlage-Erfindungen auch gleich dort landeten. Und es loderte diesmal wirklich hoch auf. Damit das mit der Asche und der Auferstehung dann nochmal klappte, erfanden die Wachleute der großen Polis die „Systemrelevanz“ und pumpten noch mehr Geld ins Nest, das zwar gleich mitverbrannte, aber dem Phönix wieder aufhalf.
Der wartete nicht lang und flatterte gleich los, zusammen mit seinen Erfindern und ihren Hilfskräften. Die mitfliegenden Agenturen „rateten“, seine Fonds investierten schon wieder, und mindestens so gut wie vorher. Die Polis schaute zu, leistete Flughilfe und freute sich, echt.

Plötzlich aber verbreitete sich Angst und Schrecken in mancher peripheren Polis, denn der Vogel Phönix hatte das Wunder seiner Wiedererweckung vergessen und ging dieser selbst an die Wäsche – und bei ihr gibt es eine Menge Bares rauszuholen. Gleiches Spiel wie vorher: Geld abgreifen um Geld zu vermehren, es ist ja noch so davom viel „im Markt“, und das will schließlich viele Kinder.
SPAREN sollen deshalb jetzt „Die Griechen“ und „Die Iren“, zumindest diejenigen von ihnen, die nix haben. Wer sonst? Oh Wunder sagt der Vogel Phönix dann einer Weile, „jetzt geht es der Polis ja noch schlechter als vorher“. Wer hätte das gedacht, wundern sich auch dessen wohlbestallte Markt-Spezialisten in den Talk-Shows. Also was bleibt: die Polis selbst zu Geld machen, das Tafelsilber versilbern, “Privatisieren” ruft´s überall. Und das funktioniert dann wie der Goldesel, zumindest für manche, ist ja auch so gedacht. Endlich ist dann die Polis noch weiter weg von denen, die eh nix haben und den Phönix nicht verstehen.
Nur gut, dass „Die Deutschen“ die vielen Leben des Vogels so gut kapieren. Schauen wir mal, wie das aussieht, wenn der Phönix das nächste Mal ins Nest geht.


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