Frankfurter Gemeine Zeitung

Weltverbesserung: Wie es NICHT geht

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Wie Ihr wisst ist Euer lieber Freund Florian K. ein Fan der politischen Streitkultur und diskutiert deshalb täglich an vorderster Front darüber, wie man diese Welt besser machen könnte.

Hierbei wurden mir allerlei Modelle zur sofortigen und nachhaltigen Verbesserung der Welt vorgeschlagen, deren Umsetzung ich allerdings für problematisch halte, auch wenn ihre Verfechter Stein und Bein auf diese schwören.

Ein paar der besonders untauglichen Weltverbesserungsmodelle möchte ich hier einmal vorstellen:

Das Wir-schlagen-alles-kaputt-Modell

Auch wenn wir ziemlich satt und gelangweilt sind, so packt uns doch der Weltschmerz. Wo ist denn noch das Wahre, Schöne und Gute in dieser verdorbenen Welt? Dass es Ungerechtigkeit gibt, sieht man ja überall. Die verdammten Bonzen haben so viel und wir haben weniger. Das ärgert uns. Und dann erst die armen afrikanischen Kinder! Zeit wird es, dass diese verdammte Welt endlich unseren Zorn zu schmecken bekommt! Wir machen nicht mehr mit bei diesem Scheißsystem! Staat, Kapital, Arbeit , Scheiße! Schaf doof! Blume doof! Geld doof! Kein Geld haben auch doof! Am besten einfach ein paar Autos anzünden oder so. Davon geht es zwar weder uns, noch den Kindern in Afrika besser, aber die doofen Bonzen fühlen sich endlich auch einmal Scheiße.

Das Guru-Modell

Das Guru-Modell fußt auf der Erkenntnis, dass der Guru XYZ unfehlbar ist. Unsere Suche ist zu Ende, da der Guru bereits die Lösungen für alle Probleme dieser Erde in seinen erleuchteten Werken niedergeschrieben hat.
Wenn die Menschheit endlich anfangen würde, die Ideen des Guru umzusetzen, würden wir im Schlaraffenland leben und uns würden tagaus tagein die gebratenen Tauben in die geöffneten Münder fliegen.
Wer Kritik am Werk des Guru äußert, hat es entweder nicht gründlich genug gelesen oder ist schlicht böswillig.
Heil Dir, oh allwissender XYZ! Dein Wille geschehe!

Das Professoren-Modell

Dass das Volk zu dumm ist, sich selbst zu befreien wusste schon der alte Schiller. „Wenn sich die Völker selbst befrei’n, Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.”
Zum Glück gibt es da ja noch die Damen und Herren Hochschulprofessoren. Die sind gescheit genug, schließlich haben sie das Gescheitsein studiert und können unheimlich komplexe Sätze bilden.
Nun wäre es ja blöd, wenn diese Professoren Lösungen anbieten würden. Das wäre ungeheuer trivial.
Außerdem wäre es dann ja nur eine Variante des Guru-Modells.
Der Trick des Professoren-Modells besteht darin, dass die Professoren eigentlich gar nichts Konkretes vorschlagen sollen, sondern sich vielmehr darauf beschränken sollen, das Bestehende umfassend und tiefgreifend zu kritisieren. Am besten geht dies durch Formulierung von beeindruckenden Nebensatzgebilden.
Dazu reiche man Wein und ein paar kleine Snacks. Wenn man die Professoren nur lange genug brüten lässt, schaffen sie es vielleicht, eine bessere Welt herbeizukritisieren.

Das Startrek-Replikatormodell

Unsere Welt mag zur Zeit vielleicht hoffnungslos sein, aber der technische Fortschritt wird es schon richten. Bei Startrek zum Beispiel haben sie diese tollen Replikatoren. Da muss man nur einen Knopf drücken und schon hat man einen schönen Kaffee.
Wenn wir erst einen Startrek-Replikator haben, replizieren wir Currywurst für die ganze Dritte Welt und keiner braucht mehr arbeiten außer Captain Picard.
Alles halb so wild!

Das Beseitigt-die-Verschwörer-Modell

Die Welt wäre so ein toller Platz, doch leider gibt es eine kleine geheimnisvolle Gruppe von Bilderbergern/Juden/Freimaurern/reptiloiden Aliens, die aus purer Lust am Bösesein für alles Leid dieser Welt verantwortlich sind.
Die Beweise dafür liegen doch klar auf der Hand! Die offiziellen Medien sind alle manipuliert und unglaubwürdig. Viel glaubwürdiger hingegen ist der esoterische Autor XYZ der sogar schon mal gesehen hat, wie sich ein Jude/Freimaurer/Bilderberger vor seinen Augen in ein reptiloides Alien verwandelt hat. Davon gibt es auch ein verschwommenes Foto, also muss es wahr sein.
Wenn wir die bösen Verschwörer im weltumspannenden Infokrieg besiegen können, dann sind wir endlich alle frei und uns scheint vor Freude so viel Sonne aus dem Arsch, dass wir gleichzeitig auch noch das Energieproblem gelöst haben.


Das Zurück-zur-Natur-Modell

Mutter Erde bietet uns Menschen so viel, dass wir diesen ganzen Technik-Firlefanz eigentlich gar nicht brauchen. Zähne kann man auch ohne Narkose ziehen und in kleinen umhernomadierenden Familiengruppen lebt es sich sowieso viel abenteuerlicher.
Hunger zu leiden braucht niemand, denn schon Rüdiger Nehberg hat bewiesen, dass man nur einen Stein umzudrehen braucht, um eine reichhaltige Auswahl wertvoller Proteine zu gewinnen.
Dann gibt es auch keine Atomwaffen mehr und wenn uns unser Nachbar nervt, braten wir ihm eine mit der Keule über.

Aber wie könnte wirkliche Weltverbesserung denn aussehen? Vielleicht so, dass die Menscheit sich auf für alle tragbare Spielregeln einigt, in einem Gesellschaftsvertrag der ständig und jeden Tag aufs Neue von uns allen verhandelt wird? Vielleicht…

Ich jedenfalls mache jetzt mal Schluss mit diesem Artikel, stelle mich unter die Dusche und trällere ein fröhliches Liedchen— „Ob wir rote, gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen…“


“Wem gehört die Stadt?”- Ein Aktionstag in Aktion

Die FGZ hat sich als Teil des Netzwerkes “Wem gehört die Stadt” am Pfingstsamtäglichen Aktionstag beteiligt und wir können sagen: Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut! Demnächst sehen sie hier Fotos und Videos von MERZMENSCH und Karacan Aylin, die die Aktionen dokumentiert haben. Hier schon mal die Presseerklärung des Netzwerkes:

Am 11. Juni 2011 hat das “Wem gehört die Stadt?”-Netzwerk in Frankfurt am Main mit einem stadtweiten Aktionstag gegen Verdrängung und Gentrifizierung protestiert. Mit vielfältigen Aktionen wie ‘Guerilla Gardening‘ auf der Bergerstraße, öffentlichen Frühstücken und Stadtteilspaziergängen in Bockenheim und Rödelheim, der Besetzung des ehemaligen Technischen Rathauses, einer öffentlichen Kantine und großen Performance auf dem Bockenheimer Campus, der Wiederbelebung eines Wasserhäuschens im Gallusviertel sowie einem abschließenden Rave durch die Stadt wurde die Frage “Wem gehört die Stadt?” eindrucksvoll in den öffentlichen Raum getragen.

Über den Tag beteiligten sich knapp 2000 Menschen am Aktionstag. “Der gemeinsame Aktionstag war ein voller Erfolg. Offentsichtlich gibt es in Frankfurt ein breites Spektrum, das die gegenwärtige Stadtplanung und Stadtentwicklung ablehnt”, erklärte Mathias Friedel, ein Beteiligter des Aktionstags.

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Um gegen den geschichtsrevisionistischen Wiederaufbau der Altstadt und die dort geplanten Luxuswohnung im “mittelalterlichen Flair” zu protestieren, besetzt knapp 30 Aktivist_innen unter lautem Beifall der 200 Teilnehmer_innen des ‘Aktionistischen Sightseeings’ die Abrissbaustelle des ehemaligen Technischen Rathauses und forderten “Baulücken statt Gedächtnislücken“.

Gegen 18h kamen auf dem Campus Bockenheim 500 Leute zusammen, um im Rahmen einer Performance mit Unterstützung des Kollektives “Schwabinggradbalett“, das im “Recht auf Stadt”-Netzwerk in Hamburg aktiv ist, symbolisch das Leuchtturmprojekt “Kultur Campus Bockenheim” in die Luft zu jagen. Standortdenken, scheinheiliger Bürgerbeteilgung und dem vorherrschenden Nützlichkeitsdenken wurde damit eine klare Absage erteilt.

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Abschließend zogen ca. 1000 Menschen in einem Rave durch die Stadt und beendeten den Tag mit einer Party im Schatten des Opern-Towers.

“Der Aktionstag hat gezeigt, dass es in Frankfurt auch in Zukunft Widerstand gegen Gentrifizierung und Verdrängung geben wird. Das ist unser Häuserkampf!” sagte Martina Neumann, die die Besetzung der Baustelle des Technischen Rathauses mit organisiert hatte.

Das Netzwerk ruft alle auf, sich an den kommenden Aktionen zu beteiligen und lädt alle Interessierten zum nächsten Treffen am Sonntag, den 26. Juni um 14.30 Uhr ins Klapperfeld ein.

http://www.wemgehoertdiestadt.net/


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