Frankfurter Gemeine Zeitung

In der Bibliothek, neben der Kaffee-Theke

Eine Szene mit Brille, Glatze und viel Zucker (basierend auf wahren Begebenheiten).

Dramatis personae:
Glatze = Ein melancholischer langwüchsiger ewiger Student mit Glatze und einem eher abwesenden Gesichtsausdruck.
Brille = Ein lebensfreudiger, Optimismus ausstrahlender asiatischer Streber-Student.

GLATZE (kommt mit einer Tasse Kaffee und einer silbernen Zuckerbüchse, von der Kaffee-Theke geborgen)

BRILLE: Ach! Du – hier? Lange nicht gesehen! Und, wie?

GLATZE: Ach, alles depri, alles Scheisse… (streut sich Zucker Löffel für Löffel in die Tasse)

BRILLE: Was ist? Die Arbeit?

GLATZE: Was, welche Arbeit? Nein, ich habe Schluss gemacht… (streut sich Zucker Löffel für Löffel in die Tasse)

BRILLE: Mit der Arbeit?

GLATZE: Quatsch. Mit meiner Freundin. (streut sich Zucker Löffel für Löffel in die Tasse)

BRILLE: Stop stop! Was machst du? Soviel Zucker in den Kaffee!?

GLATZE: Naja, ich möchte auch was von Zucker in meinem Kaffee haben.

BRILLE: Aber soviel! Du hast jetzt drin so circa 10 Löffel in Deinem Kaffee.

GLATZE: Da hast du wiederum recht. (Schaut verdutzt in die Tasse hinein). Was mache ich jetzt? (Löffelt löffelnd mit dem Löffel in der Tasse, dann legt den mit Kaffee tröpfelnden Löffel zurück in die Zuckerdose und beobachtet, wie das Weisse des Zuckers um den Löffel herum langsam braun wird)

BRILLE: Was machst du da? Warte mal (schnappt den koffeinisierten Löffel aus der Zuckerdose weg, nimmt die Zuckerdose, stellt sie zurück auf den Tresen und bringt einen neuen Löffel). Da: nimm den da.

GLATZE: Oh, danke danke. (Löffelt im überzuckerten Kaffee mit dem sauberen Löffel weiter). Echt Scheisse so was…

BRILLE: Na, erzähle, was is’n los?

GLATZE: Naja, ich habe ein Mädchen kennengelernt.

BRILLE: Echt jetzt? DU? Das ist ja super!

GLATZE: Nana, nichts ist super, alles ist Scheisse. Ich versteh’s nicht…

BRILLE: Und was ist passiert?

GLATZE: Naja, sie hat Schluss mit mir gemacht.

BRILLE: Oh… Das tut mir leid.

GLATZE: Mir auch ja… Vor allem, ich habe erst heute erfahren, dass sie am 17. August Schluss mit mir gemacht hat… Also vor einem ganzen Monat!

BRILLE: Ach, lass es. Passiert’s eben. Konzentriere dich besser auf dein Studium.

GLATZE: Da hast du wiederum recht… (trinkt Kaffee) Mann, so viel Zucker drin… Aber trotzdem, einen Monat lang nichts darüber zu wissen… zu denken, dass alles OK ist…

BRILLE: Und wie hast du sie kennengelernt?

GLATZE: Naja, im Netz.

BRILLE: Ach! Im Netz! Das kannst Du gleich vergessen. Diese Bekanntschaften enden immer so.

GLATZE: Aber sie war so nett. Sie hat mich auch gemocht.

BRILLE: Und wie lang seit Ihr zusammen gewesen?

GLATZE: Naja, so… drei Monate ungefähr.

BRILLE: Wohnt sie hier?

GLATZE: Nein, in Hannover.

BRILLE: In HANNOVER? Seid ihr eigentlich zusammen gewesen?

GLATZE: Ja natürlich. Ich meine… Nein, eher nicht.

BRILLE: Habt Ihr euch jemals gesehen?

GLATZE: Naja, sie hat mir mal eine MMS mit ihrem Foto geschickt. Wart mal (sucht überall nach seinem Handy)

BRILLE: Nein, danke, ich möchte nicht deine privaten Mails…

GLATZE: Ach komm, sie ist wunderhübsch…

BRILLE: Lass es. Du findest hier auch ein anderes nettes Mädchen.

GLATZE: Da hast du wiederum recht… (trinkt Kaffee) Aber die anderen sind nicht so nett wie sie. Wart mal (sucht überall nach seinem Handy).

BRILLE: Hör mal, wozu brauchst du überhaupt Frauen jetzt? Du muss dich auf das Studium konzentrieren. Das ist jetzt das wichtigste. Du muss mit der Uni fertig werden. Und erst danach mit Frauen.

GLATZE: Da hast du wiederum recht… (trinkt Kaffee) Aber sie hat wirklich erst jetzt… (korrigiert sich) Ich habe erst jetzt die SMS entdeckt, dass es aus ist. Vom 17. August, da hat sie es geschickt – vor einem Monat! Ich hab’s erst vorhin gelesen. Warte mal (sucht nach dem Handy)

BRILLE: Du, ich muss langsam weiterziehen. Machs gut, ne! (ab)

GLATZE: OK, man sieht sich. (Gibt seine Suche nach dem Handy auf und trinkt den überzuckerten Kaffee).

Irgendwo klingelt’s. Eine SMS?

Vorhang.

Beobachtet am 2007.09.21. um 17:58:01 in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main


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