Frankfurter Gemeine Zeitung

Ostend in bester Ordnung

Zur Veranstaltung “Das Ostend im Wandel” im Institut für Neue Medien

Das Ostend zählt momentan zu den spannendsten Stadtteilen Frankfurts. Der aktuelle Abriss der Großmarkthalle und der Bau der Europäischen Zentralbank markieren den Wandel genauso wie die Ansiedlung von Galerien und Werbeagenturen in den späten 1980er Jahren, als das Ostend zum Anziehungspunkt nicht-etablierter Kunst- und Kulturschaffender wurde. Dabei geht mit der Aufwertung des Stadtteils eine Steigerung der Wohnraum- und Gewerbemieten einher. Nicht jeder bisherige Bewohner kann sich diese leisten, so dass innerstädtische Migrationsprozesse in Gang gesetzt werden, die zu einer sozialen Umwälzung führen.

Derartige Veranstaltungen beschreibt man am besten mit dem Fazit, das durch sie weiter verbreitet werden soll. Für das hier im Zentrum stehende Ostend lautet dies folgendermassen: “hier ist die Welt in Ordnung und es wird noch schöner werden. Dabei hatten nur die Vertreterin der Frankfurter Soziologen und der Mann vom Jugendladen Bornheim ihre leichten Zweifel, ob das denn so stimme. Die Vertreterin der „Bevölkerung“ – mir erschien sie ein bisschen wie Mutter Theresia mit Perlenkette – kümmerte sich denn auch um die Situation der Fußgänger auf der Hanauer Landstrasse (innenstadtnaher Abschnitt).

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Insbesondere die EZB verändert überhaupt nichts, weder die Läden, noch die Wohnsituation.

Als wir dann auf dem Rückweg waren, hatten wir die bereits eingetretenen Veränderungen sehr deutlich vor Augen. Und die werden sich Richtung Innenstadt rapide vermehren, sobald die Bauarbeiten in ihr Endstadium treten.

Eine Würdigung für Ardi Goldmann

Man muss ihn und seine Projekte einfach gern haben, denn er liebt, was er tut. Dass seine Selbstdarstellung und Weltsicht gegen ihren Träger wenden, ehrlich dafür kann er nix. Er ist halt so. so wurde seine Einlassung, er habe eine neue Liebe: Offenbach, denn als das aufgefasst, was es sein wird, eine Drohung. Die Studierenden der HfG können sich jetzt schon nach neuen Wohnungen umsehen. Goldmann ist von unerschütterlichem Optimismus, was denn folgerichtig in folgender Aussage unübertrefflich kulminierte:

„Ich habe keine Angst vor Gentrifizierung!“

Bravo Ardi, gut gemacht. Nimmt man dann noch: „Jeder will doch ins Nordend, nach Bornheim, Sachsenhausen und ins Westend.“ , so ist die Weitsicht des Ardi Goldmann umfassend beschrieben. Gewitzt ist er auch, denn: so ein, zwei Schmuddelecken mit den entsprechenden Schmuddelkindern ist nicht schlecht, sie gelten ihm als weiche Standortfaktoren. Ausserdem: Gentrifizierung gibt es tatsächlich (ja klar, wäre auch schwer zu widerlegen), nur halt nicht in Frankfurt am Main.

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Um wen geht es?

Der Chef des Stadtplanungsamtes von Lüpke lieferte eine Darstellung städtischer Politik und Fürsorge, die dem unbedarften Zuhörer die Tränen der Rührung in die Augen schiessen liess. Dabei unterliess er sehr sorgfältig, Instrumente und Wege zu benennen, die eine Stadtregierung als Ausdruck, der durch sie vertretenen Gemeinschaft beschreiten könnte. Er zelebrierte das weithin beliebte Spiel mit Zahlen, die bei genauer Betrachtung nur wenig aussagekräftig sind, wenn er z. B. den Mietspiegel der ABG Holding mit dem offiziellen neuen Mietspiegel verglich. Seiner Aussage nach ist das Eintreten des Magistrats für die Bedürfnisse gerade der ökonomisch schwächeren Bevölkerungsteile beispielhaft, fertig. „Wir können gar nicht so viel umsetzen, wie wir uns vorgenommen haben.“ In der Tat, da bleibt einem der Mund offen stehen.

Der Hinweis, dass es in Frankfurt eine Schere gibt, die weiter aufgeht, nämlich zwischen denen, die hier arbeiten und denen, die hier leben, führten zu der Frage, für welche Mittelklasse hier eigentlich geplant und gebaut würde: eine globale Mittelklasse, die sich hier kurzfristig aufhält oder die lokale, die hier in der Stadt auf Dauer lebt. Immerhin konnte ein Vertreter des Ortsbeirates hier Erhellendes beitragen, da bei der letzten Bundestagswahl die FDP zur stärksten „Kraft“ im südlichen Ostend wurde!!

Zusammengefasst:

Es geht darum, den fortschrittlichen Betrieben eine Infrastruktur zu schaffen, dass sich ihre Leute hier wohlfühlen.

Dazu braucht es auch Einkaufszentren, grosse Wohnungen, Gastronomie der gehobenen Ansprüche, Parks für die Mittagspause, Strassen und Brücken, damit sie ohne Zeitverlust ihre Wirkungsstätten erreichen. Wie auch gesagt wurde: ein Gegenstück zur wundervollen City West.

So konnte man denn wieder auseinander gehen, bestens informiert und vor allem beruhigt, dass alles zum Besten stünde – und genauso unzufrieden. Wir werden noch einige dieser Desinformationsveranstaltungen erleben, daran besteht mal kein Zweifel.


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