Frankfurter Gemeine Zeitung

ABG: JUHU, mehr Miete zahlen !

Der Mietspiegel Frankfurt am Main 2011 ist raus, und es gibt Grund zur Freude. Allerdings nicht für Mieter unter der Fuchtel der ABG FRANKFURT HOLDING, einem der größten kommunalen Wohnungseigentümer Deutschlands, ca. 50.000 Wohnungen werden bei ihm verbucht. Und die müssen arbeiten für den Laden, damit man auch ordentlich Überschüsse erwirtschaftet, wie sich das für ein “modernes” kommunales Wohnungsunternehmen gehört. Und das ist nicht unbedingt gut für die Leute in den Wohnungen.

mieterhoehung_mietspiegel(Foto: mietspiegelportal.de)

Die Frankfurter Rundschau freute sich wie andere Blätter auf der Bilanzpressekonferenz mit dem Wohnungskonzern: “Es ist eine wichtige Nachricht für viele Mieter. Die städtische Wohnungs-Holding wird die Erhöhungen, die der neue Mietspiegel erlaubt, in ihren Wohnungen in Teilen Frankfurts nicht im vollen Umfang mitmachen.” Netter als die Rundschau unter dem Titel “Neue Bescheidenheit” hätte es auch ein Immobilien-Händler kaum ausdrücken können, dass für viele Mieter eine erhebliche Mieterhöhung ins Hause steht. Das sieht dann so aus: “Bei der Bilanz-Pressekonferenz der Holding nennt ihr Chef Frank Junker am Dienstag Einzelheiten. Danach wären zum Beispiel in großen Teilen Sachsenhausens Mietsteigerungen von 1,87 Euro pro Quadratmeter und Monat möglich. Im gesamten Bereich zwischen südlichem Mainufer und Hedderichstraße will die Holding statt dessen in Zukunft nur 1,50 Euro mehr verlangen.”

Welch eine Freude für die Mieter bringt Junker ans Licht der Öffenlichkeit: Für eine Riesenwohnung von gut 60 Quadratmetern müssen die Mieter nur 100 Euro im Monat mehr bezahlen. Welch eine Großzügigkeit der Firma, die doch nach Marktbedingungen agieren muß, und nicht für das Wohl der Mieter der Stadt, die genau ihr Eigentümer ist. Und was sind schon 100 Euro im Monat? Da kann Herr Junker doch nur lachen!

Verschiedene Effekte resultieren aus der preistreibenden Politik der Gesellschaft in kommunalem Besitz. Für die genannte Mietergruppe in Sachsenhausen schlagen Meiterhöhungen bis fast 15% zu Buche, für Mieter in anderen Stadtteilen erreichen sie 10%. Das betrifft allerdings nicht nur sie: so können Immobilienmakler für andere Eigentümer mit den erhöhten Preisen der ABG bei gleichem Abstand zu Kommunalwohnungen noch mehr verlangen. Das verfestigt sich in der nächsten Mietspiegel-Berechnung in wenigen Jahren. Die ABG selbst treibt den Durchschnittsmietpreis in Frankfurt mit nach oben, weil ihre erhöhten Preise in die Neuberechnung einfließen. Eine Art Perpetuum mobile: an den dann weiter erhöhten Durchschnittspreis kann sie ihre eigenen Mietpreise wieder nach oben anpassen.

Und noch mehr Kapitalproduktivität für die Eigentümer wird es bringen: der ABG-Jahresgewinn 2010 belief sich auf 50 Millionen  Euro, umgerechnet 1.000 Euro im Jahr auf jede Wohnung der Firma. Dieser Betrag ist nicht weit von 100 Euro Gewinn je Wohnung  pro Monat im Durchschnitt. Na, da ist man noch nicht ganz bei den Ertragserwartungen der Deutschen Bank AG, aber die wird sich mal freuen, falls hier vor Ort ähnlich wie in Griechenland oder in anderen deutschen Städten  das “Tafelsilber” verscheuert wird: es winkt gute Rendite. Für wen ? Na für die Shareholder!


3 Kommentare zu “ABG: JUHU, mehr Miete zahlen !”

  1. Trickster

    So viel zu dem Geschwätz von Petra Roth, die ja als Aufsichtsrätin “dem Unternehmen” verpflichtet ist und ihrem Statthalter Junker. Man kann halt nichts machen, das ist der Markt. Höchste Zeit, dieses Konstrukt ABG wieder in den öffentlichen Dienst einzugliedern, der öffentlichen KOntrolle zu unterstellen. Übrigens: grosse Immobilienfirmen ziehen sich aus Österreich und Tschechien z. B. zurück, weil dort die Renditen zu niedrig sind, sie drängen auf die so zugerichteten deutschen Märkte, auf denen Frankfurt/Wiesbaden als Sahnestückchen winkt.

  2. Dominikus

    Als Landlord kann man sich da doch die Hände reiben. Bin ich leider nicht, also reibe ich m8ir die Augen, weil mir die Kosten die Tränenn in die augen treiben. Zwar entstehen überall neue Immobilien , meist sind das aber Büro- und Gewerbeflächen. Mietraum wird knapp und Angebot und Nachfrage bestimmen bekanntlich den Preis. Der kleine Mann bleibt auf der Strecke :-(

  3. Wohnungen

    Wenn es Mietraum gibt, dann stürzen sich Makler auf die Wohnungen und verlangen wieder horrende Kosten für fast null Leistung. Wenn es schon so wenig Wohnraum geben wird, dann sollte dieser auch geschützt werden vor sinnlosen Kosten.

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