Frankfurter Gemeine Zeitung

EZB gerettet: Kommune bezahlt Privatschule

Die mächtigen Akteure der Finanzmetropole Frankfurt brachten nicht nur Anleger und Betriebe in den letzten Jahren in erhebliche Schwierigkeiten, sondern auch den Staat Bundesrepublik Deutschland (mit Krediten und Sicherheiten) und die Kommunen im Lande. Die Bankinstitute drehten den oft hillosen, meist gläubigen Stadtregierungen und ihren Kämmerern toxische Papiere, “innovative Finanzprodukte”  an oder verscherbelten mit hohen Tantiemen kommunales Eigentum. Das resultierte oft, zu oft in Heulen und Zähneklappern, Millionen, Milliarden mussten die finanztechnologisch unbedarften Kommunalpolitiker drauflegen, so mancher Stadt drohte die Totalpleite.
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Die Europäische Zentralbank (“EZB”) thront über diesem ganzen Bankgeschehen, preist es und gibt eine Menge Geld ins Anlage-Geschehen, damit die Gewinne wieder optimiert werden können. Um das angemessener bewältigen zu können, hat Frankfurt dem Bank-Institut ein städtisches Filetstück übergeben, das Geländen der ehemaligen Großmarkthalle am Main im Ostend. Bald wird es fertig sein.

In der EZB allerdings arbeiten echte Menschen, genannt “Bänker”. Und die haben, man wundert sich vielleicht, Familie und Kinder. Damit die Kleinen als wirklich Große auch mal zu ordentlichen Bonus-Zahlungen kommen, müssen sie auf eine ordentliche Schule gehen – und die kann nur privat sein. Das erkannte auch die Meinungsführerschaft in Bad Vilbel, einem Städtchen im Frankfurter Nordosten, dessen Gebiet wie keine andere Nachbarkommune der Frankfurter Kernstadt nahe kommt. Damit auch der künftigen EZB, und eine in Vilbel beabsichtigte “Europäische Schule” wäre nicht weit ab vom Schuß.

Die  pechschwarzen und wirtschaftsgläubigen Verantwortlichen Bad Vilbels üben sich in strittigen, nach Amigo riechenden Bauprojekten seit Jahren, und ziehen sie gerne gegen Teile ihrer Bevölkerung durch. Zuletzt war es eine mehrstöckige Überbauung der Nidda (!) im Stadtkern und die Planierung der letzten freien Fläche (“Ami-Wiese”) im Stadtteil auf dem Lohrberg, dem Heilsberg.

Jetzt soll eine Kommune den Bänkern wieder mal helfen, und zwar standesgemäß mit Geld. Keine Finanzierung der Schule durch die Eltern der künftigen Schüler oder eine Absicherung durch die EZB selbst kommt in Frage, sondern – man höre und staune – die Bad Vilbeler Stadtwerke sollen den Bau der “Europäischen Schule” finanzieren. Das beschloß das Vilbeler Parlament letzte Woche.

Sie soll das Privat-Institut unter Bedingungen finanzieren, die man aus der Privatisierung von Stadtwerken im letzten Jahrzehnt zur Genüge kennt: die Bedingungen und Kostenrechnungen sind GEHEIM (“Konkurrenzschutz”). Schön für die künftigen Kunden von der EZB: die verlangte Miete soll unter 10 Euro/qm betragen, ein Betrag, von dem jeder Wohnungssuchende in der Frankfurter Region träumt. Das wundersame Geschäft steht unter der Fuchtel von Klaus Minkel (CDU): Er ist Chef der Immobilien-Tochter der Stadtwerke,  Geschäftsführer der Schul-GmbH und Bad Vilbeler Stadtrat – wen wundert´s.

Es wundert auch nicht wirklich, dass der wirtschaftsradikale hessische FDP-Chef  Jörg-Uwe Hahn die kommunale Finanzspritze für eine Privatschule unterstützt. Öffentliche Unternehmensförderung steht letztlich immer hinter den hohen Zielen der Wirtschaftliberalen.

Und wieso sollten die Bewohner der Frankfurter Region, die sich der Bedeutung des Finanzstandorts bewußt sind, sich auch wundern, wenn ihre kommunalen Stadtwerke in Geheimverträgen die Privatausbildung für die Bänker-Jugend finanzieren ? Die nachen noch viel mehr!


2 Kommentare zu “EZB gerettet: Kommune bezahlt Privatschule”

  1. Bad Vilbel, die FDP und die Schulfreiheit « UmamiBücher

    [...] Blog “Die Frankfurter gemeine Zeitung” schreibt im Artikel “Kommune bezahlt Privatschule” [...]

  2. Immobilien

    ja das schreiben sie aber machen es nicht. Es wird Verzögerungen geben und in der nächsten Legislaturperiode ist das kein Thema mehr
    Immobilien sind immer politisch

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