Frankfurter Gemeine Zeitung

Medienkompass – Kriegserklärungen

Nein, es geht jetzt nicht darum, dass das friedliebende Deutschland, das genötigt  von Marktgesetzen gern Rüstungs-Exportweltmeister werden möchte, einem Verteidiger unserer Freiheit gerade einen Haufen Anti-Terror-Panzer vertickert. Auch nicht darum, dass diese Fahne der Freiheit im feudalistischen Saudi-Arabien weht.

fadenkreuzNein, es geht um das Gegenüber dieser nahöstlichen Freiheits-Zitadelle und ein Fadenkreuz das von Ferne auf das Land Iran zielt. Die Geschichte ist nicht neu, denn europäische und  amerikanische Intellektuelle verkünden im Einklang mit kampfwütigen Falken in Regierungsvierteln rund um den Atlantik seit mehreren Jahrzehnten gerne mal: “vorwärts Marsch”.

Bemerkenswert daran ist, dass viele der vehementen “Bellizisten” hier und anderswo zu früheren Zeiten eher linksgewirkt oder friedensfreundlich waren. Die ausgewählten Ziele hießen zum Beispiel Irak, Serbien und Afghanistan, der Gegner war immer der Teufel und bedrohte die Zivilisation. Ein paar Hunderttausend Tote später herrschten vor Ort mörderische Mafiacliquen.

Auch während Lybien herrscht keine Ruhe, und nun ist es ein ehemaliger Vietnamgegner und politischer Philosoph, der zum Angriff bläst. In der FAZ empfiehlt Amitai Etzioni, nicht mehr lange zu warten, bevor man alle Nuklearanlagen im Iran bombardieren müsste.  Der “Kommunitarist“, der das Heil in engen sozialen Gemeinschaften sucht, scheint mit seinen Mitteln bei Sanktionen von Abweichung nicht wählerisch zu sein. Hoffen wir, dass sein Sendungsbewußtsein nicht weit trägt. (Der englische Original-Artikel wurde in einer Militär-Zeitung veröffentlicht: hier)

Der Titel des letzten Buchs des tapferen Denkers lautet übrigens: “Security First: For A Muscular, Moral Foreign Policy”. Muskeln und Moral, so kamen schon viele Kriege in Gang.

Vielleicht kommt die Forderung nach Angriff gegen Unbotmäßige, Unmoralische bald noch wegen ganz anderen Gründen in die Welt. Nachdem die Forderung nach Freiheit des Webs von der US-Aussenministerin Clinton letztes Jahr zeitgleich mit Mordaufrufen gegen den Wikileaks Chef Assange durch Mitglieder des US-Kongreß herausposaunt wurde, gibt es nun eine neue Variante der Weltbeglückung für das Internet.

Das Web kann dabei schnell mal Kriegsgrund werden, sieht so die Zukunft aus? Besonders wenn es um die Eigentumsrechte amerikanischer Firmen geht, scheint  inzwischen kein Halten mehr: US-Behörden wollen Urheberrechtsverstöße jetzt weltweit verfolgen. Sie verlangen die Auslieferung eines britischen Studenten, der eine Website mit Links zu Raubkopien betrieben hat, als Begründung macht sie die Registrierung einer in den USA verwalteten Domain geltend.

So wird der Geist (hier der Software) zum direkten Anlaß für weltweite Interventionen.


4 Kommentare zu “Medienkompass – Kriegserklärungen”

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