Frankfurter Gemeine Zeitung

Weltkongress Kritischer Geografen in Frankfurt

Nach Mexiko City und Mumbai ist die “Alpha City” am Main endlich dran: der 6. Weltkongress der Kritischen Geografen findet nächste Woche, vom 16. – 20. August an der Frankfurter Goethe Uni statt.
Der Titel passt gerade jetzt wie die Faust auf´s Auge: “Krisen – Ursachen, Dimensionen, Reaktionen“.

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Rund um 11 verschiedene Themen werden Fragen der gesellschaftlichen Emanzipation behandelt, ausgehend von Finanz-, Öko- und Stadtkrise reichen die ca. 100 Veranstaltungen bis zu oppositionellen Kämpfen. Das Programm kann man hier ansehen.


Leitfaden für Entmieter – kurzes Kompendium der Praxis

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Aus gegebenem Anlass wollen wir unterstützend in die Debatte um die Zukunftsfähigkeit dieser Stadt Stellung nehmen. Um nun den Erfolg etwaiger gerade stattfindender Auseinandersetzungen nicht zu gefährden, wird der anschliessende Leitfaden recht allgemein gehalten, Anpassungen an die konkrete Realität bleiben den Beteiligten überlassen.

Aus gutem Grund sind Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen unvermeidlich. Dies ist nicht böse Absicht, sondern liegt in der Natur der Sache, da es sich ja um einen Praxis-Ratgeber handelt. Reaktionen à la „genau wie…“ sind verständlich, aber finden nur im Kopf des Lesers statt.

Nach längeren Diskussion wurde die Veröffentlichung beschlossen, obgleich stets die Gefahr besteht, dass die falschen Leute sich diese Informationen zunutze machen könnten.

Exkurs: Planspiele

Sehen wir uns – rein hypothetisch zunächst – einmal an, wie ein wirkungsvolles Vorgehen aussehen könnte. Es sei hier nochmals betont: natürlich wird hier ganz allgemein diskutiert und lediglich Möglichkeiten erwähnt, ohne bereits einen direkten Bezug zu den Vorkommnissen in der Stadt Frankfurt damit nahe legen zu wollen. Wie gesagt: Planspiele eben, deren Koinzidenz mit realen Gegebenheiten rein zufällig, jedoch ebenso unvermeidlich sind.

Wir wollen im Folgenden einmal versuchen, so eine Art Leitfaden zusammenzustellen, der zukunftsoffene Planungen in der Praxis absichern könnte.

Erfolgsstrategien – eine unverbindliche Sammlung

Unerlässlich ist es, zunächst Gründe zu sammeln, damit man weiß, wonach dann zu suchen sein wird. Denn: was gefunden werden will, das wird auch gefunden!

Den Betroffenen teilt man mit, es würden Treffen hinsichtlich der anstehenden Massnahmen abgehalten und man hält tatsächlich erstmal eine ab. Das schafft Zuversicht.

Flankierend informiert man die wohlmeinende mediale Öffentlichkeit und bettet das Vorhaben in Themata ein, die alle ins Schwärmen geraten lassen. Gut eignet sich hier „Ästhetik des Stadtbildes“, „Standort“, „demografische Entwicklung“, aber auch: „Stabilisierung der Zusammensetzung“, „buntes Miteinander“, „fällige Modernisierung“, „Beachtung von Wirtschaftlichkeitserwägungen“, „Zukunftsfähigkeit“, mag man nach eigener Erfahrung fortsetzen, kommt in beliebiger Kombination stets vor.

Erwartungen sind schnell formuliert und gestreut und genauso schwer zu widerlegen, sind sie doch noch nicht eingetreten.

Sodann lege man einen bunten Entwurf – man sollte ihm die Vorläufigkeit ansehen – vor und vertraue auf die mediale Hilfe, die diesen in die breite Öffentlichkeit trägt und beeile sich die Interpretation gleich fertig mit zu liefern. Das bindet Energien und schafft Anreize zum Mitdiskutieren, ohne verbindliche Aussagen machen zu müssen. Da nun die Allgemeinheit in den Diskurs eintritt, schrumpft die Gruppe der direkt Betroffenen zu einer kleinen Minderheit, der man anlasten kann, dem Fortschritt im Wege zu stehen.

Bevor man Schritte unternimmt, die Zustimmung der Noch-Mieter zu suchen – und zu finden, armiere man sich.

Welche formalen Begebenheiten lassen sich ins Feld führen, die zu einem gesteigerten Unwohlsein beitragen könnten.

Hier ist eine gewisse Findigkeit gefragt und auch Erfahrung, z.B. gesundheitsschädliche Materialien an normalerweise unzugänglichen Orten, Erfolg versprechend sind auch sehr enge Auslegungen von Bauvorschriften, die man nun auf Geheiß der entsprechenden Behörden endlich umzusetzen habe. Auch angeblich angemahnte umfassende Nachbesserungswünsche seitens der Ämter, deren Kosten man erst  einmal – sicherheitshalber – mit astronomischem Zahlenwerk versieht, Gutachter sollte man im Hause haben.

In der Vergangenheit hat sich erwiesen, dass verschleppte Kleinreparaturen äusserst enervierend in ihrer Summe sind, Treppenhausbeleuchtung, nicht schliessende Eingangstüren.

Es ist darauf zu achten, dass all dies nicht zu substanziellen Störungen führt, die einforderbar wären, sondern diese Massnahmen müssen eher das Gefühl ansprechen, einen Verlust an alltäglicher Lebensqualität erzeugen. Und vor allem: sie lassen eine Unterstellung einer bösen Absicht nicht zu, jedenfalls nicht mittels juristischen Vorgehens.

Demokratische Formalien

Die zweite Schiene ist das Erreichen der Zustimmung der Betroffenen, nicht dass dies eine conditio sine qua non darstellte, aber es sieht Klasse aus.

Im Vorfeld taktischer Praxis stehen folgende Überlegungen:

1. wie sieht die Lage im Einzelnen, gemeint ist für den Einzelnen, aus und

2. gibt es Personen, die über genügend Charisma verfügen, die vielen und unterschiedlichen Ansprüche und Lebensentwürfe unter einem Dach zu versammeln.

Psychogramme sind hilfreich, die mentale Ausstattung zeigt sich allerdings in frühen Stadien der Kommunikation ausreichend deutlich. Nicht zu vergessen: die Zeit arbeitet gegen die Betroffenen!

Im Übrigen verlasse man sich ruhig auf die finanzielle Ausstattung der eigenen Organisation und deren Möglichkeiten öffentliche Figuren jederzeit einschalten zu können. Deren Auftreten kann je nach Einschätzung ruhig in rüder Form gestaltet werden (so in Richtung: ab in de Wald mit dene), was der nächste Repräsentant dann zur Untermauerung seiner Konzilianz dann wiederum scharf verurteilen kann (good guy, bad guy).

Strategisch unerlässlich ist hier diejenigen herauszupicken, von denen angenommen werden kann, sie zeichnen sich durch grosse Renitenz aus (Punkt 2.), da hilft unbeschadet der konkreten Einlassung schon mal mit einer Klage zu drohen, die so formuliert werden sollte, dass der Gegenbeweis mit erheblichem Aufwand verbunden ist und auch das Ansetzen von Streitwerten in Höhen, die an der Grenze der Belastbarkeit des Widerparts liegen, erweist sich als hilfreich. Weiter gilt es ein Klima zu schaffen, das eine schnelle Einigung fördert. In diesen Bereich gehören legal völlig korrekte Massnahmen, selbst wenn der inhaltliche Grund bereits entfallen ist, das beweist Geradlinigkeit und Stärke.

Über allem sollte das Ziel nie in Vergessenheit geraten:

Die demokratisch erreichte Mehrheit zur Zustimmung im übergeordneten Interesse.

Dazu benötigt man legitimierte und formal einwandfreie Gremien und Vertretungen.

Nahziel muss sein, ihre Zusammensetzung so gestalten zu können, dass sie dem ursprünglichen Vorhaben dienlich sind.

Anfangs ist dies nicht zu erwarten, doch man bedenke dabei stets, dass der Elan im Regelfall schnell erlahmen dürfte. So schicke man auf die ersten Veranstaltungen hochkarätige Vertreter, damit klar wird, wo der Sachverstand sich bündelt. Sodann kündige man weitere Termine an, ohne dabei zu vergessen, keine konkrete Zusage zu machen (kann immer mit extremer Belastung begründet werden, wie man an den Einlassungen zu Beginn deutlich erkennt). Zwischendurch schicke man Vertreter ohne jede Prokura zu Treffen, die ausloten, wer im Sinne der Organisation angesprochen werden könnte.

Diese können nun angeschrieben und eingeladen werden, den grossen Rest der Einladungen halte man kurzfristig, so dass die Wahrscheinlichkeit gross wird, dass der Termin den meisten nicht in ihre Planungen passt. Dort lasse man dann wählen und fertig ist die demokratische Vertretung, die zwar keiner so recht einordnen kann aber der mündige Bürger hat sich zu informieren, das ist Teil seiner verbrieften Rechte.

Voilà.

Man bedenke nun noch diese gewählte Vertretung mit großzügigen Abfindungen. Das schafft äusserst wirksame Vorbilder von höchster Attraktivität.

Im Falle hoher sozialer Kompetenz richte man eine Beratung ein, die bei den Gängen durch die dann notwendigen Ämter behilflich ist.

Wir werden uns bemühen, diese Leitfaden ständig zu bearbeiten und ihn zu aktualisieren. Hinweise und Ratschläge sind sehr willkommen und werden mit Sicherheit berücksichtigt.


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