Frankfurter Gemeine Zeitung

USA: schon im Keller?

Ob das gelobte Land von McDonalds bei uns noch Vorbild sein kann? Ich fürchte ja!

Von der Spaltung arm/reich über den Absturz staatlicher Administrationen (ausser den Gewalteinheiten, natürlich) bis zu den Rechtsradikalen: in Europa zeichnen sich ähnliche Formen am Horizont ab.

Der alte amerikanische Kritiker Noam Chomsky sieht die USA im freien Fall: “Die komische Oper, die in diesem Sommer in Washington aufgeführt wurde, hat die US-Amerikaner angewidert und die Welt aufgeschreckt, und dürfte keine Entsprechung in den Annalen der parlamentarischen Demokratie haben. Über diese Inszenierung sind sogar die Sponsoren dieses Theaters erschrocken. Die mächtigen Konzernherren müssen befürchten, dass die Extremisten, die sie selbst in den Kongress gehievt haben, das Konstrukt zum Einsturz bringen könnten, dem sie ihren eigenen Reichtum und ihre Privilegien verdanken – ihren zuverlässigen Zuchtmeister-Staat, der ihnen bisher so nützlich war.”

Diese Schläge, die sich die US-Wirtschaft selbst zufügt, werden zwar immer heftiger, sind aber keine neue Erscheinung. Sie begannen bereits in den 1970er Jahren, als die Wirtschaftspolitik der USA gewaltige Veränderungen erlebte, die heute als “das Goldene Zeitalter” des Staatskapitalismus glorifiziert werden.

Zwei Hauptelemente dieser Veränderung waren die Erfindung der “Finanzindustrie” [der Wechsel der Investoren von der industriellen Produktion in den so genannten FIRE-Sektor – Finance, Insurance and Real Estate (Finanzmarkt, Versicherungen und Immobilien)] – und das Offshoring der Produktion (die Verlagerung industrieller Arbeitsplätze ins Ausland). Der ideologische Triumph der “Doktrin des freien Marktes,” die wie immer sehr selektiv gehandhabt wurde, verursachte weitere Schläge, wie die Deregulierung, die neuen Formen des Konzernmanagements mit überhöhten Bonuszahlungen für kurzfristig erzielte Erfolge und andere politischen (Fehl-)Entscheidungen.

Die daraus resultierende Konzentration des Reichtums verschaffte den Konzernen noch größere politische Macht und ließ schnell einen Teufelskreis entstehen, der einem Bruchteil der US-Amerikaner – etwa einem Prozent – zu außergewöhnlichem Reichtum verhalf; bereichern konnten sich hauptsächlich CEOs von Großkonzernen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Chief_Executive_Officer ), Hedgefonds-Manager und ähnlich Privilegierte, während die Einkommen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung bestenfalls stagnierten.

Durch die Zerstörung der Reste der politischen Demokratie beschleunigt die Finanzindustrie das Sterben (der USA) – so lange ihre Opfer still vor sich hin leiden und das einfach hinnehmen.


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