Frankfurter Gemeine Zeitung

Vertragsunterzeichnung zum Campus Bockenheim

Kommt es wie geplant am 15. August zur Unterzeichnung des Vertrags zwischen Stadt Frankfurt, ABG Holding Frankfurt und Land Hessen ? Auf jeden Fall:

Presseerklärung
zur bevorstehenden Vertragsunterzeichnung zwischen der Stadt Frankfurt, ABG Holding Frankfurt und dem Land Hessen zum Campus Bockenheim

Der Kauf des Campus Bockenheim-Geländes durch die Stadt bietet große Chancen,  Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe endlich in Angriff nehmen.

Anlässlich der anstehenden Unterzeichnung des Vertrags, der die (Wieder)Inbesitznahme der meisten Grundstücke auf dem Areal Campus Bockenheim besiegeln soll, nehmen die Bürgerinitiativen Bockenheims, die zur Umnutzung des Campus Bockenheim aktiv sind Stellung.

Aus den Erfahrungen der bisherigen Grundstückstransaktionen auf dem Campus und der folgenden Bebauungsplanung müssen wir bedauerlicherweise kritische Schlussfolgerungen ziehen

Das Interesse seitens der Stadt und ABG Holding am Engagement der Bürger haben wir bei der ersten Transaktion des Grundstücks am Depot an der Bockenheimer Warte als Enttäuschung erleben müssen. Diese Prozessabläufe decken sich in keinster Weise mit den Beteuerungen nach gewollter Bürgerbeteiligung. Das Gelände neben dem Depot (Sophienstraße / Gräfstraße) wurde im letzten Jahr erworben. Lehrreich an dem folgenden Prozedere ist nur: So nicht!
Der Umgang mit der Planung für dieses Grundstück kann als Prototyp dafür gelten, wie die weiteren Planungsprozesse für das gesamte Areal auf keinen Fall laufen dürfen:

1. Im beschleunigten Bebauungsplanverfahren für das Areal – Parkplatz Depot – wurde die Bebauungsplanung innerhalb weniger Wochen unter Ausschluss der Bürger und ohne jede rechtliche Möglichkeit des Widerspruchs von Seiten der Bürger betrieben und abgeschlossen.
2. Vor dem Architektur-Wettbewerb gab es keinerlei Einbeziehung von Bürgern, um das Briefing für den Wettbewerb abzustimmen. Die Wettbewerbsergebnisse wurden den Bürgern nicht wirklich vorgestellt. Eine Präsentation von Modellen im Stadtplanungsamt während der Weihnachtsferien ohne Ankündigung (wie 2010 geschehen) kann unmöglich als Transparenz in der Planung bezeichnet werden.
3. Seit Beginn dieses Jahres verlangen Bürger und Bürgerinitiativen die Veröffentlichung und Zugänglichmachung der Pläne und Modelle ohne jeden Erfolg. Außer öffentlichen Versprechen dies jetzt bald zu tun, ist bisher nichts geschehen.
4. Verlautbarungen wie „Wir bauen hier Wohnungen für den Generaldirektor bis zum Sozialhilfeempfänger“ ersetzen keine Planungstransparenz. Es geht um über 200 Wohnungen in einem Quartier, das unter extremem Mietwohnungsmangel leidet. Der Anteil an hochwertigen Eigentumswohnungen in diesem Neubau-Areal soll (laut Presseaussagen) ein Drittel betragen. Dies verträgt sich nicht mit der öffentlichen Aufgabenstellung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft.
5. Die Positionierung des geplanten Einzelhandels sowie die Sortimentsgestaltung in diesem Baufeld wurde ebenfalls nicht öffentlich dargestellt und jeder Einflussnahme von Bürgern und dem ansässigen Einzelhandel entzogen.fdr
6. Die Politischen Zusagen, dass auf allen Flächen, die unter Einfluss der städtischen Hand mit Wohnungen bebaut werden, ein Anteil von 15% gemeinschaftliches Wohnen ermöglichen sollen, sind bisher nicht erfüllt worden.

Wir erwarten für das weitere Planungsverfahren Transparenz und eine wirkliche Beteiligungsmöglichkeit für die Bürger unseres Stadtteils und der Bürger dieser Stadt von Beginn an. Bürgerbeteiligung, die lediglich den Rahmenschmuck für bereits beschlossene Maßnahmen bietet, lehnen wir ab.
Für den jetzt abzuschließenden Kaufvertrag für das Grundstück Bockenheimer Warte bis Georg- Voigt Straße bedeutet das klare Aussagen zu der Frage:
Zu welchen Bedingungen und mit welchen Festlegung findet der Verkauf statt?

Die Übernahme des größten Teils des Campus Bockenheim Geländes durch die Stadt Frankfurt bietet große Chancen für den Stadtteil und die ganze Stadt.

1. Wir begrüßen die Option den Campus Bockenheim zu einem Ort zu machen, wo zahlreiche Institutionen der Kunst und Kultur Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten finden werden. Neben der institutionalisierten Kultur soll der freien Arbeit von Kulturschaffenden Raum gegeben werden. Große Priorität hat für uns gleichzeitig, offene Räume für die gelebte Demokratie zu erhalten und auszubauen. Das Studierendenhaus muss ein offenes Haus bleiben.
2. Der Campus Bockenheim bietet weitere Chancen, die wir in dem Planungsprozess verfolgen werden: In diesem innerstädtischen Areal kann und soll ein Wohnquartier entstehen, dass gerade Menschen mit niedrigem Einkommen weiter in der Stadt leben können. Durch das Schaffen von Wohnraum für Menschen mit niedrigen Einkommen muss dem Prozess der Verdrängung (Gentrifizierung) entgegengewirkt werden. Wenn die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt den Kräften des Marktes überlassen bleibt, wird die Verdrängung der „A‘s“ Armen, Alten, Ausländern, Alleinerziehenden, die in einigen anderen Stadtteilen bereits Realität ist, durch die geplante „Aufwertung“ des Stadtteils durch den Kultur-Campus forciert.
3. Gleichzeitig wenden wir uns dagegen, dass die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Campus Bockenheim (außer wenn sie einen Barockanteil haben) immer wieder zur Disposition gestellt und als Abrissobjekte gehandelt werden. Auch in dem „Letter of Intent“, der dem Verkaufsvertrag vorangestellt wurde, sind diese Bauten erneut nicht geschützt. Die denkmalgeschützten Gebäude der 50iger und 60iger Jahre auf dem Campus Bockenheim sind Zeugnisse des Neubeginns unserer Republik. Sie drücken den freiheitlichen Ansatz der Universität dieser Zeit aus, dessen sich unsere Stadt immer rühmt. Die aus dem Exil zurückgekehrten Professoren Adorno und Horkheimer haben mit der Berufung des in die Emigration gezwungenen Architekten Ferdinand Kramers 1953 als Baudirektor der Universität Frankfurt einen bewussten Schritt gemacht. Diese Denkmäler sind epochebildend. Wir brauchen sie genauso, wie wir diesen Geist der Aufklärung brauchen.

Wir erwarten von der Stadt Frankfurt jetzt die angekündigten Vorschläge zur Bürgerbeteiligung. Diese waren ebenso wie die Planungswerkstätten, deren Form und Inhalt wir mitgestalten wollen, für die Zeit nach den Sommerferien zugesagt.

Die Bürgerinitiativen
Initiative Zukunft Bockenheim, Anette Mönich
Offenes Haus der Kulturen, Tim Schuster
Ratschlag Campus Bockenheim, Bianca Riemann


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