Frankfurter Gemeine Zeitung

Bürgerlicher Alarmismus: Schirrmacher macht den Geißler

Dem “Kulturkritiker” und “bürgerlichen Vordenker” Frank Schirrmacher muß ob plötzlich erkanntem Ausdünnen “bürgerlicher Werte” der Schreck in die Glieder gefahren sein: unter der Überschrift „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“ möchte er in einem FAZ-Artikel eine Art Ent-Finanzialisierung der CDU antriggern. Ihn bewegt jetzt ein feuilleton-politisches Unbehagen der Art, wie es bereits vor Jahren den Alt-Konservativen Heiner Geißler zu ATTAC trieb.

Wie in der FAZ üblich, deren Mitherausgeber Schirrmacher ist, finden sich solche Pamphlete zu “Werten” auf den hinteren Kulturseiten, während vorne und im Wirtschaftsteil die harte Realpolitik durchgezogen wird.

Das Faß des bürgerlichen Schönschreibers zum Überlaufen brachte erstens eine Seniorenrede von Erwin Teufel (Ex-CDU-Ministerpräsident), der ganz überraschend alte Werte mit neuer Steuerreform (ala Lobbyist Merz und Kirchhoff) verknüpfte und den ganzen Miesen im jahrzehntelang aufgepeppelten Aktien-Depot so richtig aus der Seele sprach.

Werte-Kanon

Und dann kam zweitens noch ein Waschechter aus der harten Thatcher-Brigade im gegenwärtig unruhigen Großbritannien dazu: haben “die Linken” manchmal die besseren Ideen? fragte er, womit er explizit nicht die Labor-Party meinte.

Also folgt aus diesen Statements ein gewisses FAZ-Resümee: bevor die SPD zur Werte-Revolution der Mitte aufruft, schnell selbst ans Werte-Bastel-Werk. Oder vielleicht lässt sich ja auch eine große Werte-Koalition aus schwarz, grün, rot versammeln. Wäre auch gut für den Standort-Wettbewerb.

Wer aber wird darunter zu Lachen haben?

Vielleicht der ehrgeizige Jung-Rechte Paul Nolte (“Vordenker”), der in diesen Artikeln nur eine Anbiederung an alte Hüte und “Verschwörungstheorien” der Linken über den “Kapitalismus” sieht, und sich über das greisenhafte Klagen solcher Konservativer wundert. Nichts wirklich Neues im Lande also.

Darunter gibt´s aber für viele auch nicht viel zu Lachen.

Ok, zumindest über die Phraseologien aller Genannten kann man schmunzeln.


4 Kommentare zu “Bürgerlicher Alarmismus: Schirrmacher macht den Geißler”

  1. Bert Bresgen

    Ich stimme der Gesamteinschätzung zu, halte aber den Bezug zu Geißler für nicht ganz stimmig. Geissler wurde zum “Linken”, als seine politische Karriere lange zu Ende und er selbst isoliert war. Schirmmacher aber steht publizistisch als Bestsellerautor u. FAZ-Herausgeber nach wie vor an der Spitze des öffentlichen Diskurses. Er ist auch kein “Greis”, sondern Jahrgang 1959, also grade mal 4 Jahre älter als der von dir als “Jung-Rechter” apostrophierte Paul Nolte. Insofern besitzt Schirmmachers “Konversion”, die keine ist, viel mehr publizistisches Gewicht . Auch wenn das wenig am Gesamtzuschnitt der FAZ ändern wird, ist sie ein interessantes Zeugnis bürgerlicher Verunsicherung.

  2. gaukler

    Wie nicht zuletzt “Stuttgart21″ zeigte, ist Geißler medial und politisch recht aktiv, sozusagen als “Brückenbauer”, etwa in diversen großen deutschen Tarifkonflikten.
    Die Aussage “greisenhaft” stammt nicht von mir, sondern eben von besagtem, angesagten Konservativen Nolte, einem Mediendauergast, der in der Tat fast so alt ist wie Schirrmacher.
    So kämpfen eben deutsche Ehrenmänner um alt und jung, und alle 3 verstehen sich irgendwie als intellektuelle Konservative.

  3. Esthernabv

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  4. Esthernab

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