Frankfurter Gemeine Zeitung

Aufzüge in meinem Leben. Teil 2: Hoch- und Unter-Weisung.

Über die gesamtgesellschaftliche Metaphorik des Aufzuges wurde bereits Vieles und Gutes geschrieben. Oh ja, es gibt jede Menge Aufzugsarten, jede Art einzigartig in ihrer Einzigartigkeit (s. die Quelle des UnEndlichen Wissens):

  • Einkabinenaufzüge
  • Doppelstockaufzüge
  • Mehrkabinenaufzüge (Twin-System)
  • Paternosteraufzüge
  • Senkrechtaufzüge
  • Schrägaufzüge
  • Sonderform Schmid-Peoplemover

Der normale Aufzug impliziert eine schreiende Subversivität und Spontaneität (daher wurden bereits so viele Horrorfilme über ihn gedreht). Gedenken Sie der reinen Willkür der Etagenknöpfe, gedenken Sie des Godot’sche Wartens, gedenken Sie des Unsicherseins, ob die geheimnisvolle Tür sich je öffnet. Und wenn man denn drin ist, werden in die Verzweiflung treibende Entdeckungen gemacht:

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Gegenüber diesen chaotischen Beförderungsmitteln ist ein Paternoster die Kulmination der Planmässigkeit. Diese nach der elften Kugel im Rosenkranz benannte Aufzugsart ist durchaus meditativ. Die Kabinen bewegen sich kreisformig, gleichmässig und unaufhörlich, und gleichen somit einem Perpetuum Mobile.

In der Animation von RockerHRO (s. rechts) wird man dieser hyptnotischen Aeternität bewusst.

Nun gibt es von dieser Art wenige bundesweit. Und auch wenn sie per Gesetz seit 1974 eigentlich alle ausser Betrieb genommen werden sollten, wurde dieses Verbrechen gegen das Ewige verhindert, dank des unermüdlichen Widerstandes des Münchner eigens dazu gegründeten “Vereins zur Rettung der letzten Personenumlaufaufzüge e.V.“. Es werden nun sogar neue Paternoster gebaut, doch – mit einer juristischen Absicherung: sie heissen nicht mehr Paternoster, sondern Rundlaufaufzug. (S. FAZ-Artikel als PDF)

Auf dem “schönsten Uni-Campus Deutschlands” (Steinberg), im Westend, werden immernoch furchtlos Paternoster betrieben. Und zwar im IG-Farben-Haus. Oder im Poelzig-Ensemble. (Je nach dem). Viele Legenden umgeben diese Aufzüge, wie beispielweise die Erzählung über einen US-Offizier, der, seinerzeit in IG-Base untergebracht, gefordert hatte, dass morgens beide Hälften des Aufzuges nach oben fahren. Zu seiner kasernenmässig wütenden Verzweiflung, ohne Erfolg.

Es gab jedoch neulich einen Zwischenfall des unsachgemässen Nutzens dieser Denkmalgeschütze (Presse berichtete): eine hausfremde Person wagte sich in die friedlich vor sich her drehenden Kabinen mit einer Leiter einzusteigen. Da die Leiter unberechenbar lang war, ist es zu einer Schädigung gekommen (die Geschichte verschweigt, ob dabei der Paternoster, die Leiter oder die hausfremde Person geschädigt worden war).

Nun, um solche Vandalismusakte zu verhindern, hat die Uni-Leitung eine brilliante Idee gehabt: Unterweisung für die Nutzung der Paternoster im IG-Farbenhaus. Jetzt ist die Nutzung nur den eingeschriebenen Studierenden, Doktoranden und Beschäftigten der Hochschule gewährt. Dazu müssen sie diese Unterweisung lesen, mit der Nutzung des Paternosters vertraut werden, und das Formular beim Pförtner abgeben (oder auch als Kopie bei sich tragen). Doch diese Unterweisungen – wie auch unendlich weise und berechtigt sie sind – haben Konsequenzen und gesellschaftlichen Entfremdungsfolgen. Vergleichen Sie nur einen kleinen Auszug aus der Unterweisung (die kategorischen Ausrufezeichen sind dem Original entnommen).

  • “Die Benutzung ist nur für 1 Person pro Kabine gestattet!”
    (=> keinen celsius-erhöhten haptischen Sympathie-Austausch mehr, vergessen Sie Valentine-Day-Fahrten und Bauch-Schmetterlinge zwischen zwei Stockwerken; eher Romeo-Julia-Balkon-Beziehung, mit der bis zur Absurdität gleichen, immerwährenden Entfernung von/zueinander, aus vertikal benachbarten Kabinen. Le Corbusier meets Matrix)
  • “Nach dem Betreten der Kabine ruhig stehen bleiben und an dem Haltegriff in der Kabine festhalten! Beim Aussteigen: Handgriff an der Ausstiegstelle ergreifen und zügig aussteigen!”
    Die Verhaltensverwaisten müssen nun apathisch und phantasielos durch die vertikale Ebene befördert werden – und das bei den Geisteswissenschaftlern, die das IG-Farbenhaus bewohnen…
  • “Die Über- bzw. Unterfahrt ist nicht gestattet!”
    Sind sie, werte Leser, schon einmal Paternoster gefahren? Haben Sie sich gefragt, ob die Kabinen oben und unten mit (oder auch ohne) ihre humanen Inhalte umkippen? Dieses Mysterium wird Euch ab nun verwehrt. Und niemand mehr wird jene archetypischen, (a)gnostischen 40-Watt-Glühbirnen im Dantschen Inferno und Paradiso erblicken…

Doch anderseits werden auf diese Art und Weise nicht nur die Denkmalgeschützten Inhalte bewahrt, und nicht nur die Sicherheit der Hochschulangehörigen garantiert, sondern auch die neuen Arbeitsplätze gesichert. Denn extra dafür eingestellte neue Sicherheitskräfte bewachen ab nun mit Argus-Auge alle in den Paternoster hinein- und hinausgehenden Personen. Was wiederum die dramatische Arbeitslosigkeit in Deutschland entscheidend reduzieren wird.

Pax vobiscum, werte Leser, pax vobiscum.


7 Kommentare zu “Aufzüge in meinem Leben. Teil 2: Hoch- und Unter-Weisung.”

  1. Bert Bresgen

    Was die Gefährlichkeit von Aufzügen und ihren Knöpfen angeht, fiel mir heute eine Meldung ins Auge aus dem Jahr 2008 ins Auge: “20 Menschen von radioaktiven Aufzugknöpfen verstrahlt”.
    http://www.oe24.at/welt/weltchronik/Radioaktive-Aufzugknoepfe-verstrahlen-20-Menschen/403573

  2. Merzmensch

    Das ist ja beachtenswert – per Aufzugsknopf kann man nicht nur zwischen Stockwerken befördert werden, sondern auch Alarmstufe 2 auslösen. Jetzt betrete ich die Aufzüge nur mit einem Geigerzähler.

  3. zyrrdi

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