Frankfurter Gemeine Zeitung

Die staatliche Erschießung Hilfsbedürftiger

Nachdem in Frankfurt die allgemeine und mediale Öffentlichkeit die Erschießung von Christy Schwundeck in einem Jobcenter hier vor Ort ohne weitere echte Prüfung ad acta gelegt hat, setzt sich die bundesweite Serie des polizeilichen Vorgehens mit tödlichen Folgen für die Betroffenen fort. Das Erstaunliche bei diesen Aktionen ist: oft sind es Hilfsbedürftige, die Polizei tritt im Rahmen der Hilfe für staatliche Administrationen Erscheinung und  ist hinsichtlich der Gewaltmöglichkeiten haushoch überlegen, die Betroffenen sind allein und es wird von Beamten sofort mit tödlicher Wirkung geschossen.

SEK - Voll in Schuss

In Berlin ähnelte der Fall der Tötung der 53jährigen Andrea A. durch einen Polizei-Trupp demjenigen von Christy Schwundeck, nur die Umstände waren noch haarsträubender: es ging um gerichtliche Vorführung der “psychisch gestörten” Person. Sie sollte aus der Wohngemeinschaft, in der sie lebte vor ein Gericht und dann in eine Psychatrie geschafft werden, also eine Gefangennahme, die niemandem wirklich Spaß macht: “Die Frau sollte zum Amtsgericht Wedding gebracht werden, um sie in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, sagte eine Justizsprecherin“.

Laut der deutschen Massenpresse war es ein “Unglück” gegenüber einer “bewaffneten Frau”, über die Sache wächst schon wieder Gras. Die bloß ein Meter sechzig große Frau wehrte sich gegen die staatliche Verbringung aus ihrer Wohnung, einer Gemeinschaft für “betreutes Wohnen” und zog ein Messer, ähnlich wie im Fall Schwundeck. Nicht nur die 2 Beamten wie im Frankfurter Fall waren hier im Einsatz, sondern der erste Trupp holte eine erhebliche Verstärkung herbei. Ob SEK dabei war, darüber schweigt die Berliner Polizei, aber 10 bis 20 Beamte waren im Einsatz. Über Verfassung und Kompetenz dieser ganzen Staffel Schwerbewaffneter kann man spekulieren: die nahkampferprobten Meister aus den TV-Serien sind es jedenfalls nicht.

Während die Berliner Staatanwaltschaft wegen Mordverdacht ermittelt, toppt die “Deutsche Polizeigewerkschaft” die Inkompetenz ihrer Mitglieder noch ganz erheblich.  Ihr Landesvorsittzender verkündet stolz: “Wer mit einem Messer Polizisten angreift, muss damit rechnen, erschossen zu werden. Allein die Tatsache, dass es eine geistig verwirrte Person war, rechtfertigt nicht, dass sich der Polizist hätte erstechen lassen müssen.” Diese “Gewerkschaft” ordnet sich in knallharte Stimmungsmache und passende Interessenvertretung ein, die bundesweites Klagen über den blauen Fleck am Arm eines Mitglieds im Einsatz noch anfeuert.

Bemerkenswerte Lehre dieser Vorgänge: der Druck auf Marginalisierte unserer Gesellschaft wächst, aus den Stimmungen um zunehmende Kontrolle heraus wird das staatliche Personal nervöser und wendet schnell Gewalt an. Wer weiß, was in den Städten noch kommen kann.


9 Kommentare zu “Die staatliche Erschießung Hilfsbedürftiger”

  1. Anonymous

    [...] [...]

  2. Merzmensch

    Nach dem Motto, “Angriff ist die beste Verteidigung”… Ein Symptom einer totalitären Gesellschaft.

  3. anony

    Es ist einfach unglaublich, was sich Kritiker hier herausnehmen. Alles nach dem Motto “es ist ja NUR ein Messer” , kaum einer hier scheint zu wissen, dass man selbst mit einer Schusswaffe im Holster keine Chance gegen einen Messerangriff hat, wenn der Messerträger auch nur 9 Meter von einem entfernt ist. Die 9 Meter beruhen auf einer Studie, und wurden schon persönlich von mir nachgeprüft.

  4. Florian K.

    In gewisser Weise hast Du durchaus Recht anony. Tatsächlich ist ein Messer eine extrem gefährliche Waffe.

    Die ganzen Entwaffnungstricks, die man in TV-Serien sieht funktionieren in der Realität oft selbst dann nicht, wenn man kampfsporterprobter Meister ist.

    In diesem Sinne kann ich es verstehen, dass Polizisten bei einem Messerangriff schießen.

    ABER:

    Was mich stört ist, dass Fälle von Schusswaffeneinsatz seitens der Polizei oft nicht hinreichend geprüft wurden und die Verfahren gerne mit Hinweis auf Notwehr eingestellt werden.

    Dabei wird oft die Frage vernachlässigt, in wie weit das Verhalten der Polizei zu einem Eskalieren der Situation beigetragen hat und in wie weit man durch Deeskalation hätte verhindern können, dass Messer und Schusswaffen eingesetzt werden.

    Was mich außerdem stört ist, dass arabisch oder schwarzafrikanisch aussehende Menschen oftmals von der Polizei schlechter behandelt werden, als ihre hellhäutigen Mitbürger.

    Und wenn in Dessau ein Schwarzer in einer Zelle verbrennt, der ausgelöste Feueralarm vom Dienstgruppenleiter abgeschaltet wird und Polizisten im Gerichtsverfahren durch ausgeprägte “Vergesslichkeit” glänzen, dann gibt es wohl einen schweren gesellschaftlichen Missstand in diesem Land.

    Als in der Nähe von Ulm ein behinderter vietnamesischstämmiger Junger Mann, der ein Spielzeuggewehr bei sich trug, von der Polizei erschossen wurde, gaben die Beamten insgesamt 21 Schüsse ab.

    Ja: Es ist richtig, dass auch Spielzeug- und Softair-Waffen täuschend echt aussehen können.
    Aber: Warum wurde 21 Mal geschossen? Wollte man da jemanden mit Sicherheit tot sehen?

    Das größte Problem ist doch, dass in Deutschland Polizisten gegen Polizisten ermitteln. Auch Amnesty-International beklagt, dass es in Deutschland noch immer keine unabhängige Beschwerdestelle für Fehlverhalten der Polizei gibt.

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