Frankfurter Gemeine Zeitung

Wie man Schwarzgurtträger bezwingt- Eine Allegorie

Vor dem, der einen schwarzen Gürtel vor sich her tragen kann, hat manch einer, der im Allgemeinen wenig und im Besonderen noch nie gegen einen Schwarzgurtträger gekämpft hat, gewaltigen Respekt.
Schließlich hat der Schwarzgutträger, so meint man, jahrelang die Kunst des Kämpfens studiert und müsse auf diesem Gebiet nun jedem Anfänger überlegen sein.
Und tatsächlich hat der Schwarzgurtträger hart trainiert und studiert, wobei er seine natürlichen Anlagen oft gezielt verlernen und verdrängen musste.
Er musste Körperhaltungen einnehmen, deren Sinn ihm zu Beginn nicht klar war. Er musste wochen-, ja monatelang das richtige Fallen erlernen. Er musste eventuell eine sinnlose Fegeblockbewegung vor jedem seiner Angriffe ausführen. Er musste vielleicht kraft- und zeitraubende Ausholbewegungen vor dem Schlag antrainieren oder seinen Gegner in einem breitbeinigen Stand erwarten, der nur danach schreit, ihm ganz kernig in die Weichteile zu treten.
Durch die ungewohnten Haltungen aber begann er Muskeln zu trainieren, die er vorher kaum benutzt hatte. Irgendwann gingen ihm auch alle Bewegungen, die ihm seltsam und unnütz vorkamen, in Fleisch und Blut über, so dass sie begannen, sich für ihn vollkommen natürlich anzufühlen, bis er die Bewegungen alle in- und auswendig kannte und befähigt war, sie neuen Schülern beizubringen.

Doch was würde unser Schwarzgurt tun, wenn er in eine körperliche Auseinandersetzung gerät?
Etwa das anwenden, was er gelernt hat? Das wäre fatal, aber nicht für seinen Kontrahenten, wie man vielleicht annehmen würde, sondern einzig und alleine für ihn. Kurzum: Unser Schwarzgurt bekäme von einem halbwegs geübten Gegner ganz ordentlich die Fresse poliert.
Warum?

Nun: Ein unpraktischer breitbeiniger Stand bietet Stabilität nur in eine Richtung und so gut wie keine Bewegungsfreiheit. Eine umständliche Ausholbewegung ist langsamer als ein ansatzloser Schlag. Ein Fegeblock geht aufgrund der natürlichen Reaktionsgeschwindigkeit des Menschen leicht daneben.
Die Philosophie, keine Waffen zu benutzen oder niemals den ersten Schlag zu tun, mag edel sein, ist aber in einer tatsächlichen Auseinandersetzung eher ein Handicap.

Doch ist ein schwarzer Gürtel dann tatsächlich wertlos? Die Antwort muss lauten: Ja!
Wertvoll ist nicht der Gürtel, sondern alleine das, was sein Träger zur Erlangung des Gürtels lernen musste, kann wertvoll sein.

Manch einer hat nur gelernt, seltsame Haltungen normal zu finden und kann perfekt gegen jemanden kämpfen, der dieselben seltsamen Verrenkungen macht, wie er selbst.
Ein anderer hingegen hat durch die scheinbar unsinnigen Körperübungen seine Muskeln und seinen Geist gekräftigt und dabei seine natürlichen Reflexe und Instinkte erhalten. Dieser ist zu respektieren und zu fürchten.
Aber sogar den Letzteren können Tiefschläge, Überraschungsangriffe, Hinterhalte oder einfach überlegene Waffen leicht zu Fall bringen.

Warum ich das nun hier erzähle?
Wann immer man mit Geisteswissenschaftlern diskutiert, sollte man dieses Wissen im Kopf behalten.


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