Frankfurter Gemeine Zeitung

Frankfurter Auto-Freude

Endlich ist sie wieder da die IAA: Taxifahrer freuen sich, viele große Autos mit Fremd-Kennzeichen biegen falsch ab, Männergruppen des Aussehens “Shop Floor Untertürkheim” tragen gleichfarbige Plastiktüten durch die Stadt. Alles ist gut in Auto-Deutschland.
Wenn ich im Cafe auf der Berger sitze, und aus der Schlange von Roadstern und SUV´s ein Wagen ausschert, die Fahrerin aussteigt, sich zwei Tische von mir entfernt niederlässt und sich schon nach 5 Minuten über den Qualm eines Rauchers beschwert, der am gleichen, eng geführten Motorstrom sitzt, dann wird mir wieder klar, dass hier IAA-Land ist.

Genauso wie fürs abwesende politische Aufmupfen sind das Relevanzverdrehungen der alltäglichen Wahrnehmung in Städten, die oft nur ein gewisses Staunen beim Beobachter hinterlassen. Um das Kraftfahrzeug herum schalten die Deutschen den Kopf immer noch auf Blech, da mögen ein paar grüne Lehrer, Innenstadtbepfanzer, Zone 30 Fans und ähnliche Freizeit-Lebewesen noch so vor sich her jammern.
Nun lässt sich dafür einige Plausibiltät aus der Tatsache gewinnen, dass immer noch fürchterlich viele Arbeitende in Deutschland mit der Konstruktion und der Herstellung, dem Verkauf und der Reparatur von Autos beschäftigt sind. Fast bei uns vor der Tür: Opel am Main wurde ja per millionenfachen Abwracken und Umtausch in neue Karossen gerade so gerettet. Man hat es ja. Obwohl man andernorts darüber munkelte, ob es dort mit der selbstzugeschriebenen “technologischen Kompetenz” wirklich so weit her sei: vielleicht waren nicht nur die amerikanischen Chefs von Opel bei GM Fossile, sondern die ganze deutsche Öl-Verbrennung auch, buchstäblich.
Kein Einzelfall: zwar tönt der deutsche Blätterwald inklusive zugehöriger Sprecher in der Politik einträchtig immer wieder vom technologischen Spitzenplatz Deutschlands – besonders bei den Autos. Aber wenn es auf dem Hintergrund von Ressourcenzerstörung um andere Formen geht, dann wird´s ganz leise.

Hansa-Lloyd_CL5

Elektro-Auto: 1923

Das Elektroauto ist zwar alles andere als eine echte Alternative, denn der Strom muß auch irgendwo herkommen, aber wegen dessen verschiedenen Herstellungsmöglichkeiten und dem nachhaltigen Öl-Absturz stellt es sozusagen die Mindestanforderung dar. Vom grundsätzlich notwendigen Gesellschaftsumbau mitt Blick auf Mobilität und Erreichbarkeit soll noch gar nicht die Rede sein.

Aber: “Elektro” sind bei uns nur Sprechblasen, benzingetriebenes High-Tech-Speed ist immer noch unsere Hauptsache. Ein Blick auf die Liste der Elektroautos weltweit ernüchtert: von den deutschen Herstellern ist hier nahezu nichts zu sehen, und wenn manche der deutschen Großkopferten namens BMW, Daimler oder VW von Elektro sprechen, dann meinen sie mit viel Glück ein paar hundert Autos im Jahr.

Blicken wir auf japanische Hersteller: dort sind bereits jetzt jährlich 100.000 Elektroautos in Großserienproduktion erreicht.
Die deutschen Firmen starren nach Fernost, als Markt und ähnlich wie viele ihrer Kunden hierzulande auf dicke Karren, für die man dort auf wohlbetuchte Abnehmer hofft. Selbst wenn man im System unserer gegenwärtigen Produktionsweise bleibt, kann sich die Blickverengung in absehbarer Zeit bitter rächen: in einer aktuellen Umfrage sind gut 90 Prozent der Chinesen und Inder am Kauf von Elektroautos interessiert, weit mehr als hier. Die Kundeneinstellung gilt nicht allein, in China sind industrielle Hersteller mit Batterien als wichtigstem Element der E-Wagen weit vorne.

Der starre Blick auf die nächste Bilanz-Pressekonferenz, auf den DAX und ähnliche Profit-Indikatoren vernebelt ganz und gar die Birne. Deshalb ist bei den mitteleuropäischen Autoherstellern echtes Engagement für neues Transportwesen kaum zu finden.

Vermutlich sind dafür jedoch erheblich mehr Bewußtseinswandlungen nötig als im Vorstand, den Ingenieursabteilungen und in Berlin. Zum Beispiel hier.

Ok, und wenn sich auf der Berger nur Elektro-Schlitten bewegen würden, könnte ich das mit dem Qualm vielleicht eher akzeptieren, manchmal.


3 Kommentare zu “Frankfurter Auto-Freude”

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