Frankfurter Gemeine Zeitung

Wider das „geistige Eigentum“- Für die Abschaffung des Urheberrechtes an künstlerischen Werken

Eigentum ist die Zuordnung einer Sache zu einer Person, die dieser Person einen sehr umfassenden Anspruch an dieser Sache einräumt.
Dieses Eigentumsrecht besitzt in unserer Gesellschaft eine wichtige Funktion, den sozialen Frieden in der Frage herzustellen, wer über eine Sache das Verfügungsrecht hat. Dies ist durchaus notwendig, da viele Dinge in ihrer Nutzung exklusiv sind und gleichzeitig nur von einer oder einer begrenzten Anzahl von Personen genutzt werden können.
Wenn ich einen Apfel gegessen habe, so kann ihn kein anderer mehr essen. Wenn ein Auto von Frankfurt nach München fährt, kann das selbe Auto nicht gleichzeitig nach Berlin fahren.
Es ist daher für eine Gesellschaft notwendig auszuhandeln, wer über das jeweilige Gut bestimmen darf und hierzu verbindliche Absprachen zu treffen.

Völlig anders verhält sich die Sache beim sogenannten “geistigen Eigentum”. Wenn ich ein Lied singe, so verliert dieses Lied nicht dadurch an Qualität für mich, dass es gleichzeitig ein Anderer singt.
Wenn ich eine gute Idee habe, so wird diese Idee nicht dadurch kleiner, dass ein Anderer diese Idee ebenfalls hat.
Man wird also eingestehen müssen, dass das Urheberrecht sich im Wesen sehr grundlegend von dem Eigentumsrecht an einer Sache unterscheidet. Eine Idee oder ein Lied kann niemand im eigentlichen Sinne besitzen, vielmehr geht es um das gesetzlich verbriefte Recht, als einziger Kapital aus einer Idee schlagen zu können.
Und es geht auch darum, alle Nutzungsmöglichkeiten zu unterbinden, an denen der Rechteinhaber keine Gewinne erwirtschaftet. Oft ist hierbei der Schöpfer des Werkes gar nicht selbst der Inhaber, da er sein Urheberrecht oft vertraglich bereits vor Schaffung des Werkes abtreten musste.
Das Urheberrecht stärkt die Rechtsposition seines Inhabers gegenüber einer undefinierten Zahl anderer potentieller Nutzer der Idee. Die Rechte der Letzteren hingegen, werden gegenüber dem Rechteinhaber eingeschränkt.
Um aber das Recht von Vielen im Sinne eines Einzelnen zu beschränken, braucht es schon gute Gründe.

Dies trifft zum Beispiel auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit eines Angeklagten gegenüber dem Recht der Gesellschaft auf Aufklärung einer Straftat zu. Nach meinem ethischen Empfinden dürfte eine Gesellschaft auch dann nicht foltern, wenn die Folter die einzige Möglichkeit wäre, eine schwere Straftat aufzuklären.
In meinen Augen handelt es sich beim Urheberrecht aber nicht um einen vergleichbaren Fall, da ich beim besten Willen kein elementares Menschenrecht in der finanziellen Verwertung einer Idee sehen kann.
Schließlich ist auch das Eigentumsrecht kein universelles Menschenrecht, sondern ein Recht, welches regelmäßig durch allgemeine Verpflichtungen eingeschränkt werden kann und muss. Wie viel fragiler wird dann also die Rechtskonstruktion eines Rechtes auf zukünftige Einnahmen eines Werkes sein?
Und wie ich bereits vorher dargestellt habe, ist die Gleichsetzung von Urheberrecht und Eigentumsrecht ohnehin ein Irrtum.

Wo könnten also die guten Gründe für ein Urheberrecht liegen?

Viele begründen die angebliche Notwendigkeit damit, dass sich eine gute Idee auch „lohnen müsse“. Diesen Menschen muss man allerdings schnöden Materialismus vorwerfen, denn der erste und wichtigste Lohn einer guten Idee ist die gute Idee selbst.
Manche werden diesen Gedanken nun als idealistisch und unrealistisch verwerfen. Sie werden nun vielleicht die Schreckensvision beschwören, Künstler und Erfinder könnten von ihren Ideen nicht mehr leben, wenn sie jeder ungestraft kopieren und weitergeben könnte.

Doch wie oft profitieren Künstler und Erfinder denn selbst der Vermarktung ihrer Ideen? Zumeist gebührt dem Künstler der Ruhm, seinen Managern und Produzenten aber der finanzielle Gewinn.
Und so ist es letztlich vor allem die Musikindustrie, die behauptet, Raubkopien würden den Künstlern schaden.

Wenn allerdings ein Künstler durch sein Künstlersein verdient, so verdient er weniger durch die Vermarktung eines bestimmten Produktes, sondern vielmehr durch geschickte Selbstvermarktung.
Denn bei einem Künstler steht nicht nur das Werk im Vordergrund, sondern auch die Person des Künstlers selbst.
Mit Fett herumschmieren oder eine Babybadewanne mit Müll füllen kann wahrscheinlich jeder von uns. Erst in Verknüpfung mit der Person des Joseph Beuys wurde daraus beachtenswerte Kunst.
Der Künstler selbst ist in seiner Individualität nicht ersetzbar und dies ist es, was Kunst nach meinem persönlichen Kunstbegriff zu Kunst macht; worin ich auch einen der Hauptbeweggründe künstlerisch schaffend tätig zu sein sehe, nämlich, ein Stück seiner eigenen Individualität zu kommunizieren und in einem oder mehreren Medien zu konservieren.
In diesem Sinne dient die Vermehrung der geteilten individuellen Information letztlich der Kunst selbst, auch wenn sie von einem scheinbar Unberechtigten durchgeführt wird.

Anders als das Raubkopieren betrachte ich übrigens das plagiieren, welches versucht, das Werk des Künstlers als das eigene auszugeben.
Doch genau Letzteres tut ein klassischer Raubkopierer nicht.
Alle möglichen Leute kopieren Songs von Brittney Spears, aber wohl niemand bei Verstand wird versuchen, diese Songs nun als seine eigenen Werke auszugeben.

Da am Urheberrecht aber in erster Linie die vermarktende Industrie verdient und in wesentlich geringerem Maße die Künstler selbst, sollte sich uns die Frage stellen, ob diese Industrialisierung von Kunst gesellschaftlich eher positiv oder negativ zu betrachten ist.
In Bezug auf bestimmte Güter ist Massenproduktion bzw. Zentralisierung der Produktionsprozesse in großen Organisationseinheiten etwas durchaus Sinnvolles, da sie den Bedarf an dem jeweiligen Gut auf vergleichbar effizientere Weise decken kann.

Dort wo allerdings die ästhetischen Qualitäten eines Gutes im Vordergrund stehen, wird meist ein individuell angefertigtes Gut dem Massenprodukt vorgezogen.
Dass die Beurteilung von Kunst zumeist von der Betrachtung ihrer (individuell) empfundenen ästhetischen Qualitäten abhängt, deutet stark auf die gesamtgesellschaftliche Unvorteilhaftigkeit einer entindividualisierten Produktionsweise hin.

Mir fällt also tatsächlich kein überzeugendes Argument für die Beibehaltung des Urheberrechtes an Kunstwerken aller Art ein. Und sollte mein Empfinden in dieser Sache richtig sein, so sehe ich als notwendige Folge die umgehende Abschaffung des Urheberrechtes, zumindest an Kunstwerken.
In Bezug auf wissenschaftliche Publikationen und Patente mögen vielleicht noch andere Dinge eine Rolle spielen, deren genauere Untersuchung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.


5 Kommentare zu “Wider das „geistige Eigentum“- Für die Abschaffung des Urheberrechtes an künstlerischen Werken”

  1. Again

    Microsoft + Monsanto ?

  2. Florian K.

    Danke für den Kommentar. Leider habe ich nicht so ganz verstanden, worauf er genau abzielt.

    Nachtrag:

    Ist er darauf bezogen, dass sich Microsoft und Monsanto durch ihre rechtlich gesicherten Patente eine Monopolstellung in bestimmten Bereichen erworben haben und diese teils zum Nachteil ihrer Kunden und der restlichen Welt nutzen?

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