Frankfurter Gemeine Zeitung

Campus Bockenheim – der Leuchtturm zieht die Motten an

So, Kaufvertrag besiegelt, Bebauungsplan heimlich bereits abgenickt. Strahlend wird er da stehen der „Kulturcampus“, und in seinem Licht beginnen die Motten zu kreisen. Kultur für alle – die dazu gehören. Selbstverwaltung, natürlich unter der Kontrolle der etablierten Einrichtungen, Kreti und Pleti brauchen Führung und Letztere ein Haus, um sie auch auszuüben. Neben den Institutionen von Weltrang kann eben nicht einfach jeder und dann noch unprofessionell, das geht schon gar nicht. Da sitzt dann auch ein grüner Herr Baier und nickt staatstragend, schon schwer, so ganz ohne Rückgrat nicht umzufallen.

Es melden sich die ¾ Arrivierten, denen nicht nur eine adäquate Spielstätte an prominenter Stelle zusteht, sondern die sich als die natürliche Führungsgruppe empfehlen. Das wird Roth und Junker gut gefallen. Die Vorstellungen dieser Leute sind elitär und zielen auf Eliten, also genau das, was zu diesem Kulturcampus passt. Sie reihen sich in die Phalanx der globalen Player.

Die GRÜNEN preschen vor, hier die AG Kultur, die sich die Vorstellungen ihrer Klientel präsentieren liessen. Bunte Vielfalt, die ich meine!

(s. auch Kurzmeldung GRÜNE zum Kulturcampus)

Das Erscheinen dieser Gruppen kann als sicheres Indiz dafür gewertet werden, dass im Rahmen des Leuchtturmplanes noch etwas zu verteilen ist. Als angeblich freie Gruppen von Weltrang meldet man da schon mal seine Forderungen an. Die Referenzen stimmen, der politische Hintergrund auch. Sie drängen sich förmlich auf, da sie als „Freie“ für die geforderte Offenheit stehen (ähnlich wie ‚die Stadt gehört Dir’). Sie empfehlen sich als weiche Standortfaktoren und fordern Teilhabe. Und sie passen ja auch wirklich in das ABG-Konzept. Vor allem kann man mit ihnen die Schmuddelkinder aus dem Rennen werfen und dabei auf die Vielfalt hinweisen, für die solche Gruppierungen angeblich stehen.

Man kommt nicht umhin: sie sind Teil der Gentry – über ihre Qualitäten ist hier nicht zu diskutieren, über ihre Politik wohl. Letztere unterläuft alle Bemühungen seitens der Initiativen und stellt bestenfalls eine Karikatur der originären Absichten dar, fehlt noch, dass sie die geförderten Wohnungen für sich und ihre Gäste beanspruchen.

Sie wissen sich einig mit diesen Politikern, immerhin sitzen diese GRÜNE im Planungsausschuss und sind als Akademiker firm in Sachen Kultur. Life-Style-Glanz in Bockenheim. Wie manches wechselt man mit der (feststehenden) Bebauung auch die Seiten.

Was nun?

Es stellt eine grosse Versuchung dar, ein wenig (opportunistisch) mit diesen Leuten zu verhandeln, so in Richtung eines Misch-Konzeptes – das ist dann allerdings auch das Ende eines selbstverwalteten Hauses, etwas, das diese Gruppen sowieso nicht in ihrer Agenda haben.

Die GRÜNEN haben den Verdrängungswettbewerb geschickt eröffnet und im Planungsausschuss auch dafür gesorgt, dass selbst zarteste Ansätze einer Abweichung wieder zum Reich des Phantastischen gehören.

Es verdichtet sich: wer ein offenes Haus will, muss dafür sorgen, dass es offen bleibt. Die Perspektiven dürften jetzt endlich geklärt sein.

Roth will den Glanz, Junker sorgt für das richtige Publikum, die GRÜNEN nicken und etablieren ihre Spezies von der Kulturschiene.

Der sorgsam umgarnte Baier hat sich in die Fraktionsdisziplin zurückgezogen, so dass die Planungswerkstätten mit vollem Erfolg durchgezogen werden können, bleibt noch die Begrünung, ein weites Feld für Beteiligung.

Und Roth legt noch zu, sie stellt den BürgerInnen die Bebauung des Depotgeländes vor, prima. Hier wird deutlich, welche Rolle sie diesen zugedacht hat, Applaus. Und wir sollten ihr diesen Applaus auch zukommen lassen. Das machen wir doch gerne, gell!?

Glaubt eigentlich wirklich noch jemand, dass in den Konzepten, die die Stadtoberen auserkoren haben, eine einzige geförderte Wohnung Platz findet? Oder können wir davon ausgehen, diese in Schwanheim, Bonames oder wo sonst noch ausgewiesen zu bekommen, wie dies Junker so grandios immer wieder vorexerziert. Das Schaulaufen dieser Herrschaften geht weiter und die Foren im Web schäumen über vor Begeisterung, wie toll das alles wird. Wir werden in der Hofberichterstattung bald die Vorzüge eines Konzeptes erklärt bekommen, das eine solche Öffnung bietet, bunt global, einfach Frankfurt.

Selbst Norman Forster hat einen Entwurf eingereicht, das ist international. Und bei so viel Prominenz dann noch selbstverwaltete Häuser und Sozialmieter, liebe Leut’ jetzt macht aber mal einen Punkt.


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