Frankfurter Gemeine Zeitung

Mein Koran-Projekt (Florian K. liest den Koran)- Einleitung einer Serie

Vor einiger Zeit diskutierte ich mit einem Bekannten über Thilo Sarrazin und brachte dabei zum Ausdruck, dass ich Sarrazin nicht sonderlich schätze.
Mein Bekannter, der eine deutlich positivere Meinung über Sarrazin hatte, konterte mit der Frage, ob ich denn sein Buch gelesen habe. Dies musste ich verneinen. Ich entgegnete, dass ich meine Äußerung auf die Person Sarrazins und nicht auf dessen Buch bezogen habe und mir meine Meinung aufgrund seiner zahlreichen Fernsehauftritte und Zeitungsinterviews gebildet habe.

Diese Antwort befriedigte meinen Bekannten. Mich aber brachte die Sache zum Nachdenken:
Wie viele Deutsche haben „Deutschland schafft sich ab“ gelesen?
Und wie viele Deutsche haben eigentlich schon einmal den Koran gelesen?
Bestimmt weniger als den Sarrazin.

Doch würde es dem Verständnis der Deutschen für ihre muslimischen Mitbürger nicht unheimlich gut tun, zu wissen wovon sie sprechen, wenn es um den Islam geht?
Müssen wir uns unsere Meinung über den Islam von unserer Medienlandschaft und den allgegenwärtigen und unvermeidlichen „Islamexperten“ vorgeben lassen?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Islam bisher nur aus Medienberichten, Zeitungsartikeln, persönlichen Gesprächen mit Moslems und Reiseerlebnissen kenne. Was allerdings den Koran selbst betrifft, bin ich ein gänzlich unbeschriebenes Blatt.
Zeit wird es diese Wissenslücke zu schließen und den Koran endlich einmal mit den eigenen Augen und (noch wichtiger) dem eigenen Gehirn zu erfassen.
Doch ich bin nicht nur ein denkender und lesender, sondern auch ein schreibender Mensch. Und so kam ich zu dem Entschluss, den Koran nicht nur einfach still und für mich zu lesen, sondern öffentlich und kommentierend.
Meine Absicht ist daher, den Koran Stück für Stück, Sure für Sure zu lesen und meine subjektiven Empfindungen und Assoziationen möglichst zeitnah niederzuschreiben. Meine Reflektionen werde ich in mehreren Teilen auf der FGZ veröffentlichen.

Wohin mich diese Expedition in eine, mir noch völlig fremde, religiöse Schrift führen wird, weiß ich nicht.
Wird mich das Werk in seinen Bann ziehen? Oder wird mir der Zugang verwehrt bleiben und es mir nur als ein sperriges Exotikum erscheinen?
Wird mich der Inhalt überzeugen? Werde ich vielleicht sogar konvertieren? Oder wird er mich so schockieren, dass ich umgehend bei der FGZ aufhöre und bei PI-News anfange?

Werde ich mein Projekt zu Ende führen oder werde ich aufgeben? Aus wie vielen einzelnen Texten wird meine Serie bestehen?

Auch dies kann ich jetzt noch nicht sagen.
Ein großes Problem meines Projektes liegt darin, dass ich kein Wort Arabisch kann und mir viele Muslime versichert haben, man müsse den Koran im arabischen Original lesen, um ihn wirklich zu verstehen.
Da ich allerdings im Moment weder die Zeit, noch die Energie habe, eine komplett neue Sprache zu erlernen, werde ich wohl mit einer deutschen Übersetzung Vorlieb nehmen müssen. Auch wenn dies eventuell verfälschend auf meine Eindrücke wirkt, sehe ich doch keine andere Möglichkeit als diese Herangehensweise.
Einen Vorteil sehe ich darin allerdings auch:
Sollte jemand sich durch meine Kommentare und Gedanken in irgendeiner Form in seinem Glauben angegriffen fühlen (was nicht meine Absicht ist!), so kann man sich auf die für alle Seiten gesichtswahrende Erklärung einigen, dass sich meine Gedanken nicht auf den Originaltext, sondern nur auf die vorliegende deutsche Übersetzung bezogen.
Im Übrigen möchte ich hier noch eine Einladung aussprechen:
Wer immer sich von dieser Serie gestört fühlt oder denkt, dass ich den Koran falsch verstehe oder falsch darstelle, möge mich bitte umgehend korrigieren.
Genauso ist aber natürlich jede andere Anmerkung willkommen und wird unzensiert in der Kommentarspalte stehenbleiben, es sei denn natürlich, sie hätte strafbaren, hetzerischen oder beleidigenden Inhalt oder sie wäre komplett off-topic.
Ich werde im Übrigen keine Hardcopy-Version des Koran nutzen, sondern ein PDF welches ich frei aus dem Netz heruntergeladen habe. Dies hat den Grund, dass ich die Leser der FGZ einladen möchte, mit mir zu lesen und zu kommentieren und es deshalb notwendig ist, dass jeder Leser ohne großen Aufwand an die gleiche Übersetzung kommt, die ich auch verwende.

Für meine Arbeit mit dem Text erlege ich mir hiermit folgende Spielregeln auf:

1. Ich will subjektiv und nicht wissenschaftlich an die Sache herangehen
2. Ich will während des Projektes weitestmöglich auf Sekundärliteratur verzichten, um meine subjektive Herangehensweise nicht zu verfälschen
3. Ich will den Text mit Respekt behandeln
4. Ich will gleichwohl kritisch sein
5. Ich will zeitnah kommentieren
6. Ich will nicht weiter lesen, als ich zeitnah kommentieren kann

Diese Herangehensweise bedingt natürlich auch, dass ich mich in Punkten verrennen werde, dass ich Dinge falsch interpretiere und meine anfänglichen Einschätzungen wahrscheinlich oft werde widerrufen müssen.
Dies alles ist so gewollt und Teil des Projektes.
Es ist mir klar, dass bei einer solchen Vorgehensweise eine gewisse Oberflächlichkeit im Umgang fast zwangsläufig entsteht. Eine tiefe Analyse jeder einzelnen Sure würde den Rahmen zeitlich und mengenmäßig sprengen und ist von einer unbedarften Person wie mir, die niemals islamische Religionswissenschaften studiert hat, auch nicht zu leisten.
Was ich allerdings erhoffe ist, neben dieser erzwungenen Oberflächlichkeit der Analyse eine andere Art von Tiefe zu erreichen, indem ich meine spontanen und subjektiven Eindrücke beinahe in Echtzeit protokolliere.

Dies also ist die Einleitung der Serie „Florian K. liest den Koran“, die in unregelmäßigen Abständen hier in der FGZ erscheinen wird.

Hier findet sich die Koranübersetzung, die ich für mein Projekt verwenden werde.


Campus Bockenheim: alles wie gehabt!

Bei der seit Monaten geforderten Bürgeranhörung im Senckenberg-Museum (28.9.) stellte F. Junker (ABG Holding) den Bebauungsplan für das Areal “Depot-Gelände” vor, der bereits im nächsten Jahr umgesetzt werden soll.
Kritische Anmerkungen und Fragen wurden ausnahmslos “gebügelt”, die Preislage der zukünftigen Miet-und Eigentumswohnungen (11.50 Euro kalt, 3500 Euro /qm) legitimierte der ABG-Vertreter mit dem Hinweis auf die Bodenpreise und die besonderen Kosten für behindertengerechte “Passiv-Häuser”.
Als zukünftiger Haupteigentümer vom Campus-Areal zwischen Bockenheimer Warte und Georg-Voigt-Straße sieht die ABG Holding die Grenzen einer Bürgerbeteiligung bei der “Refinanzierung” ihrer finanziellen Investitionen.

AFE-Turm

Die angekündigten Planungswerkstätten werden nach Aussage des Ortsvorstehers Kaufmann auf den Dezember verschoben. Der Haushaltsausschuss des Hessichen Landtages vertagte am 28.9. die Zustimmung zum Kaufvertrag, der zwischen ABG Holding und dem Hessischen Finanzminister geschlossen wurde. Der Vertrag wurde gegenüber den Landtagsabgeordneten ebensowenig offen gelegt wie gegenüber den Abgeordneten im Frankfurter Römer.

Angelika Wahl


Liebe Piratenbashende Mely Kiyak!

ich schreibe normalerweise keine Artikel in Form von öffentlichen Briefen an fremde Leute, weil das doch irgendwie eine merkwürdig übergriffige Art ist: so zu tun, als würde man den anderen adressieren, während man doch in Wirklichkeit immer an die eigenen Leser denkt, die sich befriedigt denken sollen: na, die oder der hats DENEN aber mal wieder gegeben! Aber der Franz Josef Wagner macht das für die BILD schon seit 10 Jahren und Sie machen ihm das seit geraumer Zeit nach für die Frankfurter Rundschau , nur das die anders als beim Wagner für die sich denkend dünkenden Menschen ist, also für die im Nordend, und das gibt dann immer so eine schöne, persönlich klingende Kolumne und schreibt sich schnell weg und deshalb mache ich das jetzt Ihnen nach. Denn neulich, in der FR. vom 1-3. Oktober, las ich so einen Brief von Ihnen, überschrieben mit “Liebe Politpioniere“. Das klang ein bisschen nach alter DDR, meinte aber die siegreiche Berliner Piratenpartei. Ihr Brief hat mich richtig bewegt, obwohl ich kein Mitglied dieser Partei bin und sie noch nicht mal gewählt habe. Bei der Lektüre aber ging es mir wie Ihnen bei der Lektüre der, wie Sie sagen, “zehn Thesen zur Netzpolitik der ungelüftet Internetsüchtigen“, nämlich so: “Wenn ich sage, es hat mir die Nackenhaare aufgerichtet, dann wäre das zu wenig, sie standen wie Betonpfeiler ab.”
Sie, liebe Mely Kiyak, begannen schön bei sich: “Ich sah ein Gruppenfoto, das die Piratenfraktion aus Berlin zeigte. Undiplomatisch und sexistisch wie ich bin, spreche ich es aus: Das war eine Ansammlung von zotteligen Typen. Schwammige Figuren, ungesunder Teint, hässlich, mein Gott, da ist ja nichts dabei. Man roch die vermieften T-shirts regelrecht.” Das folgte dem inzwischen sehr beliebten Gestus : “Das muss man doch sagen dürfen”, von dem ja auch der Sarrazin zehrt. Aber mal ganz undiplomatisch gesagt, liebe Mely Kiyak: Mir stieg bei Ihrem altmodischen Wort “zottelig” ein anderer Geruch in die Nase. Der abstoßende Mief des Journalismus von vorvorgestern. Hatte die Presse nicht exakt so einst über die frühen Grünen geschrieben, damals in den 80ern? Oder noch früher in den 60ern über die “zotteligen, ungewaschenen” Studenten?
Aber, mein Gott, heute im Jahr von 2011 funktioniert dieses Ekelbashing eben immer noch.
Sie retten sich nach den vermuteten vermieften T-shirts mit dem scharmanten Augenzwinkern einer Pseudosechzehnjährigen, in das auch die Sechzigjährige Oma von nebenan einstimmen kann: “Kein Wunder, dass keine Mädchen bei denen mitmachen.” Ja, kein Wunder, denn Mädchen machen ja keine Politik, sie machen bei Politik allenfalls mit, und auch dann nur, um geile Typen kennen zu lernen, oder?
Weiter geht´s mit dem Thema Aussehen: “Ich verstehe jetzt auch, warum die Piraten keinen Wahlkampf mit Fotos veranstalten-das Auge wählt schließlich mit.” Okay, die Mädchen machen mit und das Auge wählt mit, klar. Leider haben Sie das von ihnen erwähnte Gruppenfoto, nicht dem Artikel angefügt, sondern nur ihr eigenes apartes Kolumnistinnenkonterfei. Nehmen wir also einfach mal das Gruppenfoto aus der Berliner Morgenpost.

Piraten Berliner Morgenpost

Foto: Berliner Morgenpost

Na ja, einen Johnny Depp haben die Piraten nicht unter sich, aber so schwammig, zottelig und hässlich wie sie behaupten, will mir der Haufen nicht vorkommen. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Schauen wir uns doch mal zum Vergleich ein Foto eines anderen Mandatsträgers an, nämlich of our very own Volker Bouffier.

bouffier

Foto: AP

Nun ja.
Außer über den schlechten Teint regen Sie, Mely Kiyak, sich vor allem über die schlechten Thesen der Piraten auf, or allem über einen Satz: “Die Politik muss die Kostenloskultur im Netz fördern und darf sie nicht bekämpfen.”Sie kommentieren : “Wer so was schreibt, hat in seinem ganzen Leben noch nicht auf eigenen Beinen gestanden” Hier ist ihnen das schelmische Augenzwinkern offenbar plötzlich gründlich vergangen, das klingt echt sozimäßig, wenn auch nach der FR von ganz früher, so a la: “Die Kerle habe ja alle noch nie richtig gearbeitet”
Aber dabei bleibts nicht, denn jetzt passiert mit Ihrem betonisierten Kopf, den Sie selbst liebevoll “Köpfchen” nennen, etwas schreckliches: “Mir schoss eine Gedankenlawine durchs Köpfchen”
Diese “Gedankenlawine“, die doch eigentlich rollen sollte, ballert los: “Kriegt ihr Stütze oder werdet ihr von Euren Eltern gesponsort? Ich rackere mich mit meinen Texten ab, aber ihr wollt nicht dafür bezahlen? Spinnt ihr? Das Recht auf Eigentum ist ein Menschenrecht!Wer soll denn für die Verbreitung meiner Texte bezahlen? Das machen die Zeitungskäufer, ihr Mathekünstler. Und überhaupt, nicht der Staat regelt die Wirtschaft. Die Zeitungen gehören den Verlegern und die Öffentlich Rechtlichen den GEZzahlern. Und überhaupt, wer soll denn für die Server bezahlen?Der Staat? Wer ist denn der Staat?” Das war schon ne ganze Menge Gedanken am Stück, später kommen dann noch die Standards, dass das Netz vor allem Kinderfickern dient und die Piraten den Gang durch die die Sprechblasen nehmen werden, den die Grünen so erfolgreich vollzogen haben usw. usw.usw.

Wie schön, dass es 2011 noch das Wort “Stütze” in einem Text gib…. bei der FAZ wäre das Wort nicht durchgegangen. Ihre Mutmaßung, dass die Piraten faule Schmarotzer sind, die UNS oder ihren Eltern auf der Tasche liegen hingegen auf jeden Fall. Dass die Zeitungen als Menschenrecht den Verlegern gehören, wird auch ihr Verleger Dumont an der Stelle gerne von Ihnen gelesen haben. Dass die Piraten beispielsweise für ein kostenloses Grundeinkommen sind und für eine kostenlose Infrastruktur, wie es in ihrem Parteiprogramm steht, das liest man bei Ihnen hingegen nicht. Ich fürchte, dass liegt daran, dass sie es nicht gelesen haben, obwohl sie das suggerieren: “Sie (die Piraten ) werden lernen, dass sich Menschen ihre Parteiprogramme durchlesen und sich ernsthaft damit beschäftigen. “ Mag sein, ich glaube nicht, dass Sie zu diesen Menschen gehören, denn ohne das gehts schneller, wenn der Text fertig werden muss und so wälzen sie persönlich das tausendfach täglich umgewälzte Gedankengeröll der Leitmedien noch einmal um: Recht auf Eigentum, die Zeitungen gehören den Verlegern, nicht der Staat regelt die Wirtschaft…ach.
Komisch, Sie müssten es eigentlich besser wissen, oder? Dass z.B. nicht die Zeitungskäufer allein die Zeitungen finanzierten, sondern die Anzeigenkunden. Dieses Geschäft ist zusammengebrochen aufgrund des Netzes, wofür aber die Piratenpartei wenig kann, im Gegensatz zu dem, was sie “Wirtschaft” nennen und was neoliberaler Kapitalismus ist. Und weil die Zeitungen, wie Sie schreiben, naturgemäß den Verlegern gehören, haben diese, wovon Sie naturgemäß nichts schreiben, die Frankfurter Rundschau dicht gemacht, bzw. mit der Berliner Zeitung fusioniert unter Entlassung fast aller FR-MitarbeiterInnen und Beibehaltung einiger “Edelfedern”, so wie Sie eine sind. Denn: nicht die Zeitungskäufer zahlen für Ihre Texte, wie Sie behaupten, sondern die Verleger.
So ist das. Jetzt noch. Vielleicht finden die aber bald jemand, der es billiger macht, aber angeblich “genau so gut ist”. Zum Beispiel bezweifle ich, liebe Mely Kiyak, dass Sie sich mit diesem Text nur halb so viel “abgerackert” haben, wie Sie das in dem Text behaupten. Und überhaupt: So ein hingerotztes Ding wie Ihren Brief schreibe ich in einer halben Stunde, und zwar ohne unbeabsichtigte Bildbrüche, verpasse mir einen gut aussehenden Multi-Kulti-Frauen-Nordend-Avatar mit makellosem Teint und biete es Ihren Verlegern für die Hälfte Ihres Honorars an. So what?
Gut, heute werden die vielleicht noch nicht darauf eingehen, aber in ein zwei oder vier Jahren, wenn denen schon wieder das Wasser bis zum Hals steht? Wer kann heute noch sicher sein, dass er oder sie für die “Verbreitung seiner Texte” von irgend jemand bezahlt wird, wenn selbst die “New York Times” kurz vor dem Bankrott steht. In New York gibt es keine Piratenpartei. Und schreiben Sie, liebe Mely Kiyak, wirklich besser als die New York Times?

Wenn dem aber so ist oder auch nicht so ist, sollte man die Regeln, nach denen heute Geld verdient wird, neu bestimmen. Man sollte sich ein paar andere, neue Gedanken machen.
Man sollte das Eigentum neu bestimmen. Den Staat. Den übrigen Kokolores und die Art und Weise, in der wir leben wollen.
Dafür lohnt es sich zu rackern.
Für alles andere: eher nicht.
Dies meint zumindest
Ihr Bert Bresgen


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