Frankfurter Gemeine Zeitung

Florian K. liest den Koran- Teil 1 des Projektes

Zunächst muss ich den Leser hiermit bitten, die Einleitung zu diesem Projekt zu lesen. Anderenfalls sind eine Einordnung und ein Verstehen der von mir verfassten Betrachtungen nur schwer möglich.
Als Nächstes möchte ich (ich weiß, das ist viel verlangt) den Leser auch noch bitten, die Suren 1 und 2 aus der vorliegenden Koranübersetzung zu lesen. Ein Link zur Übersetzung findet sich auch in der Einleitung.
Erledigt?
Na dann lasst uns einfach starten…

Das Lesen des Vorwortes habe ich mir getrost geschenkt. Was mich interessiert ist der Text des Koran und nicht die Meinung der Übersetzer.

Der Text beginnt mit einer siebenversigen Eröffnungssure (Sura 1 al-Fatiha).
In dieser Sure findet eine Lobpreisung Allahs statt. Ihm werden die Attribute der Barmherzigkeit (dies sogar in zweifacher Form als „Allerbarmer“ und „Barmherziger“) und der Herrschaft am Tag des Gerichtes zugeordnet. Er wird um Führung und Leitung ersucht, dem Gläubigen den richtigen Weg zu zeigen.
Ob allerdings die Attribute der Allbarmherzigkeit und der Herrschaft am Tag des Gerichtes sich nicht nach meinem logischen Verständnis ausschließen?
Darüber werde ich nachdenken müssen.
Für eine solche tiefere Betrachtung fehlt es mir allerdings noch an Kenntnis des Gesamttextes, so dass sie vielleicht später stattfinden muss.

So also gehe ich weiter zur zweiten Sure, die deutlich länger ist und auf den für mich etwas überraschenden Namen „Die Kuh“ (Sura 2 al-Baqara). Die Sure hat immerhin 274 Verse und scheint bei einem daumenkinoartigen Durchblättern (ja ich gebe es zu, an diesem Punkt habe ich geschummelt) eine der längsten Suren zu sein.
Sie beginnt mit den Worten Alif-Lam-Mim, für die es laut Fußnote keine Übersetzung gibt.
Im Gegensatz zur Bibel, die ihre religiöse Botschaft in Form von Geschichten präsentiert, kommt der Koran, schneller zur Sache.
Das Buch wird als eine „Rechtleitung für die Gottesfürchtigen“ bezeichnet, was ich so verstehe, dass es sich um ein religiöses Gesetz handelt, an dem es nach Aussage des Textes „keinen Zweifel“ gibt.
Auffällig ist, dass das Buch sich nur an die Gläubigen richtet. Ungläubige hingegen werden als unbelehrbar beschrieben, da Allah ihnen die Ohren versiegelt und die klare Sicht genommen habe.
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass nach Auffassung des Koran offensichtlich nicht der freie Wille des Menschen entscheidet, ob er glauben will oder nicht, sondern diese Entscheidung bereits von Allah getroffen ist.

Dies ist auch die erste Stelle, an der sich der Text mit meinem westlich beeinflussten Verständnis beißt, denn wie sollte Allah allbarmherzig sein, wenn er sich entschlossen hat, Menschen in ihr Verderben rennen zu lassen, ohne dass diese selbst etwas an ihrem Schicksal ändern könnten?
Könnte aber die Tatsache, dass ich dies als paradox empfinde nicht auch darin begründet sein, dass ich nun einmal taub und blind bin (gemacht wurde)? Welche Chance hätte ich, mich aus diesem Zustand zu befreien, wenn ich denn glauben wollte?
Hier scheint mir fast Arthur Schopenhauer Recht zu haben, als er feststellte, der Mensch könne zwar tun was er will, aber nicht wollen was er will?
Wie könnte ich durch meinen Willen erreichen, etwas zu glauben, an das ich nicht glaube? Nun… im Fahrwasser der Schriften Carlos Castanedas habe ich Techniken der Selbstbeeinflussung gelernt, die mir tatsächlich ermöglichen, kurzzeitig eine andere Sicht der Dinge anzunehmen (meinen Montagepunkt zu verschieben) und hierbei so etwas wie einen Glauben an diese Dinge zu entwickeln. Aber ist ein durch autosuggestive Techniken herbeigeführter Glaube mit Glauben aus sich selbst heraus identisch oder wenigstens gleichwertig?
Und will ich das? Will ich den Koran wirklich aus der Sicht eines Gläubigen betrachten oder nicht doch lieber bei der Position des religionskritischen Westlers bleiben?
Vorerst glaube ich, dass ich mich für Letzteres entscheide.

Als ich im Text fortfahre, fällt mir etwas Weiteres auf:
Der Koran nimmt in der zweiten Sure Bezüge auf die biblische Überlieferung. Wer keinerlei Kenntnis vom biblischen Mythos hat, der käme auch im Koran nicht groß weiter, jedoch kann man in unserer Gesellschaft davon ausgehen, dass so gut wie jeder eine grobe Kenntnis davon hat, wer mit Adam oder Moses (im Text Musa) gemeint ist.
In Vers 54 der zweiten Sure findet sich eine Erwähnung des „Tanzes ums goldene Kalb“ welches sich in der biblischen Überlieferung bei Zweites Buch Mose/ Exodus 32 findet aber auch in unserer weltlichen (oder etwa doch „christlich geprägten“?) Gesellschaft noch sprichwörtlich ist.

Auch Exodus 15 und 16 finden Erwähnung, namentlich die Stellen, an der Gott sein auserwähltes Volk Israel mit Nahrung und Wasser versorgt, als deren Moral bei der Flucht durch die Wüste zu schwinden beginnt.
Der Name der zweiten Sure (die Kuh) bezieht sich, wie ich beim Lesen feststellte auf ein Gespräch, in dem Mose auf Gottes Geheiß sein Volk auffordert eine Kuh zu opfern.
Das Volk zweifelt zunächst und stellt Fragen über die genaue Beschaffenheit der Kuh.
Als Mose sein Anliegen mit den Worten „Er (Allah) sagt, es soll eine Kuh sein, nicht fügsam gemacht durch Pflügen der Erde noch durch Bewässern von Saatfeld, fehlerfrei und makellos!“ hinreichend präzisiert fügt sich das Volk.
Trotz Suche in der mir vorliegenden Bibel fand ich diese Stelle nicht (vielleicht habe ich sie in der Eile überblättert, aber sie war mir auch in dieser Form nicht erinnerlich), jedoch fand ich mehrere Stellen in denen darauf hingewiesen wird, dass die Opfertiere makellos zu sein haben.

Auch Jesus findet seine Erwähnung in der zweiten Sure des Korans in den Worten „Und Wir gaben ‘Isa, dem Sohn Maryams, die klaren Beweise und stärkten ihn mit dem Heiligen Geist.“ in Vers 87.
Weiter fiel mir beim Lesen die von Anfang an stark ausgeprägte Dichotomie „Gläubige“ vs. „Ungläubige“ auf.
In vielen Versen der zweiten Sure finden sich finden die Ungläubigen direkte und negative Erwähnung.
Diese Direktheit befremdete mich. Wer diesen Text aus seinem historischen Kontext gerissen betrachtet könnte anhand dieser Textstellen durchaus den Eindruck des Fanatismus gewinnen. Zu Gewalt wird allerdings in dieser Sure explizit nicht aufgerufen.
Vielmehr heißt es in Vers 109: „Viele von den Leuten der Schrift möchten euch, nachdem ihr den Glauben (angenommen) habt, wieder zu Ungläubigen machen, aus Mißgunst von sich selbst aus, nachdem ihnen die Wahrheit klargeworden ist. Doch verzeiht und seid nachsichtig, bis Allah mit Seiner Anordnung kommt! Allah hat zu allem die Macht.“
Dies würde ich als eine klare Aufforderung sehen, Angehörigen der anderen Buchreligionen (Juden, Christen) Versuche der Rekonvertierung von Muslimen zu verzeihen.
Auch wird darauf verwiesen, dass die Zwistigkeiten der Buchreligionen am Jüngsten Gericht von Allah entschieden werden. So steht in Vers 113:
„Die Juden sagen: „Auf nichts fußen die Christen”; und die Christen sagen: „Auf nichts fußen die Juden”, obwohl sie doch (beide) die Schrift lesen. Dergleichen Worte führten schon diejenigen, die nicht Bescheid wissen. Aber Allah wird zwischen ihnen am Tag der Auferstehung über das richten, worüber sie uneinig sind.“
Nach meiner Auffassung lässt dies wenig Raum für die kriegerische Interpretation, religiöse Konflikte bereits auf Erden mit Waffengewalt beilegen zu wollen.

Zumindest soweit wir nun gemeinsam gelesen haben, zeigt sich der tatsächlich Islam als Religion des Friedens dem man, wenn man ihm etwas vorwerfen wollte, höchstens seinen Dogmatismus vorwerfen könnte, denn er geht nach dem Motto vor, „wer´s glaubt wird selig, wer´s nicht glaubt schmort in der Hölle“. Aber würde Papst Benedikt in Bezug auf seine katholische Kirche das anders sehen?
Ist es nicht geradezu ein Charakteristikum aller religiösen Dogmen einen Alleingültigkeitsanspruch zu erheben?
Im Vergleich zur innerhalb der katholischen Kirche oft vertretenen Auffassung, die in etwas abgeschwächter Form weiterhin Gültigkeit besitzt, nach der es kein Heil außerhalb der Kirche geben kann (extra ecclesiam nulla salus) und jeder gläubige Protestant also im ewigen Höllenfeuer endet, erscheint Sure 2, die den Glauben der Juden und Christen weiterhin gelten lässt, doch regelrecht fortschrittlich!

Wenn wir nun in der Sure fortfahren entdecken wir auch die Quelle für einen Fakt, der uns wahrscheinlich alle über die Muslime bekannt ist, nämlich dass grundsätzlich in Richtung Mekkas gebetet wird. Dies ergibt sich aus Vers 144 in dem es heißt: „Wir sehen ja dein Gesicht sich (suchend) zum Himmel wenden. Nun wollen Wir dir ganz gewiß eine Gebetsrichtung zuweisen, mit der du zufrieden bist. So wende dein Gesicht in Richtung der geschützten Gebetsstätte! Und wo immer ihr seid, wendet eure Gesichter in ihrer Richtung! Diejenigen, denen die Schrift gegeben wurde, wissen sehr wohl, daß dies die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Und Allah ist nicht unachtsam dessen, was sie tun.“

Wer übrigens selbst einmal schauen will, wo Mekka von seiner Position aus liegt, dem steht auf der Seite gebetsrichtung.de ein praktischer Mekka-Finder zur Verfügung und ich hoffe, niemand nimmt mir die Feststellung, dass Muslime in Frankfurt-Bornheim ihr Haupt zum Gebet Richtung Offenbach neigen, allzu übel.

Auch das bekannte Alkoholverbot im Islam wird in der Sure 2 bereits angedeutet und zwar in Vers 219 in dem es heißt „Sie fragen dich nach berauschendem Trunk und Glücksspiel. Sag: In ihnen (beiden) liegt große Sünde und Nutzen für die Menschen. Aber die Sünde in ihnen (beiden) ist größer als ihr Nutzen.“
Dies fand ich sehr interessant, da ich schon so einige Moslems erlebt habe, die zwar den Alkohol strikt ablehnten, aber dem Glücksspiel nicht abgeneigt waren. (Wer nur einmal in eine Frankfurter Spielothek geht, weiß was ich meine)

Über die Stellung der Frau im Islam, die ja auch in unseren Medien kontrovers diskutiert wird, entdeckt man ebenfalls einige Verse in der Sure 2, so zum Beispiel in den Versen 222, 223, 226, 228 und noch weiteren.
Hierbei fiel mir dreierlei auf:
1. Von der aus dem Text erkenntlichen Absicht handelt es sich meist um Schutzrechte für die Frauen, die die Stellung der Frau in der damaligen Gesellschaft wohl eher verbessern als verschlechtern sollten.
2. Der Text richtet sich aber offenkundig nur an die Männer, da es in den religiösen Anweisungen dieser Sure immer darum geht, wie man(n) die Frau behandeln soll, aber nicht wie die Frau handeln soll. (die Frau ist in dieser Sure also mehr Objekt, als handelndes Subjekt)
3. Wie im Alten Testament (3. Mose/ Levitikus 15, 19) und in manchen amerikanischen indigenen Bräuchen gilt eine menstruierende Frau als unrein und muss gemieden werden.

Letzteres könnte seine Erklärung darin haben, dass Menstruationsblut eine Anziehung auf Raubtiere ausübt, doch dies ist nur meine persönliche Interpretation des Sinns dieser religiösen Vorschrift.
Jedenfalls rät Rüdiger Nehberg in seinem Buch „Überleben ums Verrecken“ Frauen, die in der Wildnis unterwegs sind, ihre gebrauchten Binden oder Tampons zu verbrennen und keinesfalls in der Nähe des Lagers zu entsorgen.
Wer den Koran böswillig interpretieren wollte, könnte ihn aufgrund des Obengenannten wohl tatsächlich als sexistisches Buch ansehen, doch muss man gerade als jemand, der sich kritisch mit dem Inhalt beschäftigen will, das Buch auch in den Kontext seiner Zeit einordnen, wodurch der Vorwurf des Sexismus relativiert oder aufgehoben werden kann.

Nun bin ich am Ende meiner Betrachtungen zu den ersten beiden Suren des Korans angelangt, obwohl ich doch noch so vieles dazu sagen könnte und müsste. Doch ich will dem Leser (der nun hoffentlich auch die beiden Suren selbst gelesen hat) genügend Raum für eigene Betrachtungen und eine hoffentlich rege Diskussion in der Kommentarspalte lassen und außerdem den Rahmen des mir zur Verfügung stehenden Mediums nicht sprengen.

Weitere Texte von mir zum Koran werden, so Gott (wenn es ihn gibt) will und wir leben, in unregelmäßigen Abständen folgen.


Ein Kommentar zu “Florian K. liest den Koran- Teil 1 des Projektes”

  1. Wallacerhymn

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