Frankfurter Gemeine Zeitung

Zoophilenhatz im Internet

Zoophiliepic

Das erste Mal in meinem Leben sah ich einen Zoophilieporno bei einem Kumpel, der dem Archteyp des bong-kettenrauchenden Otaku-Slackers entsprach und dessen höhlenartige Junggesellenbude zwischen Klamotten und Manga-Heften nur einen schmalen Korridor zum extrabreiten Fernsehbildschirm und zur Couch ließ. Er hatte den Film damals irgendwo auf einer alten VHS-Kassette gefunden.

Wir schauten ihn uns mit mehreren Freunden an, wobei die Reaktionen sehr verschieden waren. Während einigen davon schlecht wurde und sie es überhaupt nicht ertragen konnten, reagierte ich mehr mit Belustigung auf die unbeholfenen Bemühungen der Darsteller, die offensichtlich inkompatiblen anatomischen Gegebenheiten im wahrsten Sinne des Wortes zur „Deckung“ zu bringen.
Der erfolglose Versuch einer der Darstellerinnen es der russischen Zarin Katharina der Großen gleichzutun (also Geschlechtsverkehr mit einem Hengst zu haben) endete darin, dass sie ihn mit Hilfe einer Plastiktüte befriedigte. Hätte sie sich das Ergebnis ihres Bemühens nicht danach über den Kopf gekippt, hätte man das Ganze in diesem Moment leicht für ein veterinärmedizinisches Lehrvideo über die Samengewinnung bei Zuchthengsten halten können.
Naja… erregt hatte der Film allerhöchstens meine Lachmuskeln und ich glaube ganz ehrlich, dass Tiere zum Essen und nicht zum Vögeln da sind.
Aber es gibt wohl auch Menschen die darauf stehen… was soll´s?

Im Internet und insbesondere auf Facebook hat nun allerdings eine unheilige Allianz aus radikalen Tierrechtlern, Neonazis und empörten „Normalbürgern“ der Zoophilie den Kampf angesagt und sich dabei als Primärziel den Verein ZETA e.V. (Zoophiles Engagement für Toleranz und Aufklärung) herausgepickt.
Real-Life-Daten des Vorsitzenden wurden veröffentlicht und natürlich prasselte ein Schwall an Unflat und handfesten Drohungen auf den Selbigen nieder.
Besonders rechtsdrehende geistige Joghurtkulturen sprachen sogar von „Untermenschen“ und „vergasen“.
Naja… und nur nebenbei… auf der Facebook-Page der Gruppe „Stoppt-Tierversuche nehmt Kinderschänder“ tummelt sich die gleiche obengenannte unheilige Allianz und feiert ihr „Gutsein“ mit Musik der Rechtsrock-Band „Sleipnir“ .

Dabei ist, im Gegensatz zu Tierversuchen, Zoophilie nicht einmal zwangsläufig Tierquälerei. Man stelle sich beispielsweise einmal einen männlichen Elch vor, der Geschlechtsverkehr mit einer weiblichen Homo sapiens hat. Die Qualen des Elches dürften sich in Grenzen halten.
Wenn ich hingegen versuchen wollte, eine Pferde- oder Giraffenstute zu beglücken, würde dies wohl auf das sprichwörtliche „Fleischwürstchen ins Scheunentor“ hinauslaufen.

Und ZETA e.V. hat sich ja obendrein noch dem Tierschutz verschrieben, was in der praktischen Anwendung vielleicht auf „lasst die Chihuahuas, nehmt Deutsche Schäferhunde“ (an diesem Punkt ist eventuell auch klar, warum die Nazis darüber verstimmt sind) hinauslaufen könnte und so wohl eine echte Verbesserung für die Tiere und entsprechend interessierte Menschen wäre.

Ich hingegen kann die Aufregung der Nazis nicht teilen und bin froh, dass uns ZETA e.V. auch weiterhin über einen Teil der Wunderwelt der Spielarten menschlicher Sexualität aufklärt.
Bleibt nur noch die Jungs von ZETA e.V. eindringlichst zu warnen: „Don´t try this at HONEYBADGER!“.


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