Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Börse: Kaufen und Verkaufen

Zum heutigen Tag der “Bankenumzingelung” in Frankfurt möchten wir ein Video zum Funktionsverständnis der Börse beitragen.

Streng genommen kommt der Beitrag nicht von der FGZ, sondern von Alexander Kluges (ein alter Frankfurter Aktivist) Web-Fernsehen dctp.tv. Das Interview fügt sich in die Serie “Kapitalismus ist keine Einbahnstrasse” des Senders ein.

Wir denken, es gibt noch eine Menge von der umfassenden Finanzialisierung all unserer Lebensweisen zu verstehen.


Draußen campieren gut. Drinnen protestieren besser.

Bei aller gesellschaftlichen und politischen Notwendigkeit der Bewegung hat Occupy eine erhebliche Schwäche:
Die Bewegung campiert vor (!) den Hochhäusern der Banken. Dieses „Davor-Campieren“ beschreibt für meine Begriffe die allgemeine Lage gesellschaftlichen Protestes in diesem Land und vielen anderen Industrieländern. Draußen ist der Protest, drinnen funktionieren alle.
Kursfeuerwerk

Auch unsere Mainstreammedien stellten bereits mit einer Mischung aus Be- und Verwunderung fest, dass sich durchaus auch einige der Angestellten der Großbanken solidarisch gezeigt haben und teilweise sogar den Demonstranten die Reste ihres Caterings vom letzten Meeting überlassen haben sollen.
Die Rundschau präsentierte mit einem gewissen Stolz Businessleute, die nach Feierabend ins Camp gekommen sind und zumindest kurzzeitig an den Protesten teilgenommen haben.
Doch was nützt es, wenn ein Bankangestellter nach Feierabend protestiert? Und die Reste des Caterings helfen der Occupy-Bewegung vielleicht beim Durchhalten, aber nicht zu einem Erfolg, für den es mehr bräuchte, als gute Hoffnung und Sitzfleisch.

Anstatt vor den Tempeln der Wirtschaft zu campieren, müsste ein demokratischer Protest, um wirklich erfolgreich zu sein, auch im Inneren der Banken stattfinden. Doch im Inneren der Banken protestieren bedeutet nicht, als maskierter Mob die Glasfront zu durchbrechen und sich für ein paar Stunden im Gebäude zu verschanzen, bis man unter massivstem Einsatz von Knüppeln und Tränengas wieder herausgeschmissen wird.
Solche Aktionen sind eher kontraproduktiv.
Viel entscheidender wäre es, am eigenen Arbeitsplatz politisch tätig zu sein und wenn dies den „Betriebsfrieden“ stört, dabei durchaus auch verdeckt vorzugehen.

Hierbei ermöglicht die Anonymität des Netzes einen guten Schutz vor rufschädigenden Nachstellungen seitens der Arbeitgeber.
So ließe sich beispielsweise über einen Provider für anonymous webhosting ein Forum eröffnen, in dem Mitarbeiter einer bestimmten Firma die Möglichkeit haben Missstände in ihrem Unternehmen zu kritisieren und dabei auch offen Ross und Reiter nennen. Sozusagen ein schlagkräftiger basisdemokratischer Betriebsrat, der auch noch ein starkes Druckmittel hat:
Fast jeder Angestellte ist in gewisser Weise auch Geheimnisträger seines Unternehmens. Jeder kennt Interna.
Wer kein eigenes Forum eröffnen will oder kann, kann auch bequem über einen Facebook-Aliasaccount, Twitter, Imageboards oder fremde Foren alle Infos verbreiten. Dem Schutz der Anonymität dienen hierbei Proxys, TOR, Internetcafés oder öffentliche WLANS.

Allerdings möchte ich hier doch noch einmal an die Vernunft appellieren:
Wer nun tatsächlich mit dem Gedanken spielt diese Ideen in die Tat umzusetzen, sollte dabei im Kopf behalten, dass er sich auf durchaus gefährliches Pflaster begibt. Der Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen ist nach § 17 UWG strafbar und kann auch zu empfindlichen zivilrechtlichen Forderungen führen. Sinn und Zweck der Aktion kann es auch nicht sein, aus Böswilligkeit bestimmte Unternehmen zu ruinieren. Doch wenn in einem Unternehmen echte Sauereien passieren, so ist es recht und billig, diese öffentlich anzuprangern!

Letztlich gibt uns die Anonymität des Netzes eine Waffe, die, wie jede Waffe, mit Verantwortung und Verstand benutzt werden muss.

Wenn sich aber diese Form des Protestes etablieren würde, wäre jedem Unternehmen gut geraten, nett zu seinen Beschäftigten zu sein, wenn das Unternehmen nicht will, dass seine dreckige Wäsche in aller Öffentlichkeit gewaschen wird.

Auch das verdeckte Auslegen von Manifesten und Flyern in Geschäftsräumen mit Kundenverkehr wird eine gewisse Wirkung nicht verfehlen.

Wenn Gewerkschaften noch das wären, wofür sie einst gegründet wurden, würden sie ihre Mitglieder zu solchen Aktionen ermutigen und ihnen im Fall einer arbeits- oder strafrechtlichen Verfolgung bestmöglichen Schutz gewähren, anstatt aus politischer Folklore ihre langweiligen Protestkundgebungen und kraftlosen Streiks zu zelebrieren.


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