Frankfurter Gemeine Zeitung

Deutsche Bank optimiert: Schlecker als Vorbild

Ertragsverbesserung: Banker quälen Banker. Die Deutsche Bank AG “saniert” die frisch gekaufte Postbank.

Die Deutsche Bank AG residiert in Frankfurt am Main, und vielen in den reichen Dörfern um die Stadt herum gilt sie als Leuchtturm deutscher Vermögensbildung. Während die meisten Camper von Occupy Frankfurt eine geschlossene Bankerwelt vor sich sehen, die für die wirtschaftliche Unsicherheit vieler Menschen verantwortlich ist, verehren tausende vermögende Rentner in Rheinmain gerade die Deutsche Bank und ihren Vorstand als sicheren Hafen für ihre Portfolios.

outsourcing - controlling
Das Doppelhochhaus an der alten Oper gilt vielen Vermögenden als eine hochprofitable Geldmaschine, komplett besetzt mit alerten Jungmanagern, die ihre hohen Boni (fast) zu Recht verdienen – ganz anders als die staatlichen Landesbanken, deren typische Mißwirtschaft uns allen doch so viel Geld kostete. Bankenkritiker sehen dagegen den öffentlichen Sektor durch die Sparkassen und Volksbanken repräsentiert, deren zurückhaltendes Auftreten in Finanzmärkten und klassische Finanzierung der „Realwirtschaft“ ökonomischen Sinn mache.
Die kolportierten Bilder hängen einigermaßen schief, besonders zeigen sich die Risse in der „Welt des schnellen virtuellen Geldes“ durch Maßnahmen, die der deutsche Platzhirsch seit Jahren ohne Skrupel an eigenen Mitarbeitern exerziert. Seit Wochen wird die Umorganisation der „Banker“ gemäß gängiger betriebswirtschaftlicher Ideale („Ertragsoptimierung“) an denen der neu erworbenen Postbank, einem ehemaligen Staatskonzern nachvollzogen.

Doch der Reihe nach mit den Rissen, zuerst kundennah versus risikogeil, und Staat versus Privatunternehmen: das schöne Bild der sicheren und bodenständigen Sparkassen wird dadurch massiv verfälscht, dass deren „Investment-Abteilungen“ sozusagen ausgelagert agieren. Es sind nämlich genau die Landesbanken, von denen einige jetzt in der Art „Bad Bank“ dahin vegetieren. Ein Beispiel: der Helaba gehört die Frankfurter Sparkasse, auch wenn erstere fast als einzige Landesbank bisher einigermaßen unbeschadet durchkam. Dem Absturz wären anders herum die deutschen Privatbanken nicht entgangen, wenn ihre Investmentabteilungen als eigene Banken handeln würden, oder sie nicht gar auch durch Staatshilfen über Wasser gehalten wären. 2009 hätte es diese diese ganze private Investmentgarde dahingerafft.

Dieses Resüme gefällt vermutlich weder den Privatbank-Fans noch den Banker-Kritikern. Denn die Trennung von Geschäfts- von Investmentbank, die aus dem New Deal der 30er Jahre Krise in den USA herrührt, gilt vielen schon als Kraut gegen die Krise. Aber diese Aufspaltung liest sich nicht sehr gut ohne viele andere Maßnahmen zum Bremsen der Kapitalflüsse. Für das private Zusammenstehen spricht allerdings auf gegenwärtigem Fundament auch nicht viel.

Andererseits, was treiben denn „die Banker“? Sie gehen nicht unbedingt gut mit sich selbst um. Dass die Maximen, die (Finanz-)Investoren für „sanierungsbedürftige“ Firmen anwenden, nicht bloß für die Realwirtschaft gelten, sondern gleichfalls für die Finanzwirtschaft, davon können die Weisungsempfänger in den unteren Etagen der Deutsche Bank AG seit Jahren ein Lied singen. Genau so wie die vielen Metallbetriebe im Frankfurter Ostend in den 80ern und 90ern Löhne senkten, outsourcten und schließlich ganz nach Fernost umsiedelten, geschieht es heute zwischen Taunusanlage und Eschborn. Um versprochene 25% Rendite zu erwirtschaften, müssen die Controller der großen Bank am Main sogar ihre „High Potentials“ an indische Software-Konzerne outsourcen, um sie dann geschwind für erheblich weniger Cash wieder „inzusourcen“. IT-Spezialisten verlassen oft nicht mal ihren Schreibtisch und machen die gleichen Projekte wie ein paar Wochen vorher – nur unter viel schlechteren Konditionen.
Dieses Spiel gilt als Übergang vom „Offshoring“ zum „Nearshoring“, von den billigen Kräften in der Ferne zu den billigen Kräften hier, in der Nähe. Es sind übrigens Begriffe die aus knallharter Realwirtschaft stammen, nämlich der Ölindustrie. So wie viele Finanzinstrumente zuerst in der Realwirtschaft implementiert wurden. Deshalb sind nicht alle bei der Deutschen Bank AG Beschäftigten Freunde der Betriebspolitik ihrer Oberen, ob nun drinnen oder in irgendeinem Betrieb draussen.
Trotzdem oder gerade deswegen kann der bekannte Ackermann verkünden: „Die Deutsche Bank war in punkto Kapital, Liquidität und Refinanzierungsstruktur noch nie besser aufgestellt als heute“. Ein leichter Wonneschauer streicht durch den Vordertaunus.

Jetzt sind wir schließlich bei der Postbank angelangt, bei der deshalb viel Ärger in der Belegschaft aufwallt, weil die Deutsche Bank sich als Sanierer im gerade erworbenen Betrieb betätigt, einfach so wie es bei Mergers & Acquisitions in allen Sparten unserer Wirtschaft Gang und Gäbe ist. Viele der über 20 Tausend Angestellten der Postbank ebenso wie die ihrer Töchter sollen in der Art verwurstet werden, wie es die unsägliche Ladenkette Schlecker vormachte: Schluß mit dem alten Arbeitsvertrag, raus aus der Firma und sozusagen „neargeshored“ wieder ran an den Job – mit neuem Vertrag. Allerdings für 30 % weniger Gehalt und 10 Prozent mehr Wochenarbeitszeit. Ach so, natürlich: und 10 Prozent weniger Urlaub.

Die Kritiker mögen bedenken: die Sachbearbeiterein hat schon vorher nicht im Geld geschwommen. Was soll´s: eine Woche im Jahr reicht doch eigentlich, die Amis machen es uns schließlich vor.  Da macht das Leben erst richtig Spaß! Vielleicht erlässt der Vermieter bei dieser Lage auch ein klein wenig Miete, zwei-, dreihundert Euro wären passend?
Aber es geht ihnen nicht anders wie vielen in Betrieben, in kommunalen Verwaltungen oder weiteren öffentlichen Einrichtungen. Das Kürzungsspiel („Ertragsoptimierung“) geht quer durch die Ökonomie der Lohnabhängigen und betrifft darüber hinaus alle Sozialleistungen.

Wie sind nun wohl die Kundenberater der Postbank drauf, wenn der Kurs der Postbank steigt, und zwar genau deshalb, weil sie selbst zu weit schlechteren Lohnbedingungen dort arbeiten? Empfehlen sie den Kauf, mit Freude? Empfehlen sie die Deutsche Bank? Und was sagen sie zum reichen Onkel, der das Management der Bank in den Himmel lobt?
Die Wut der Postbanker lässt sich nachvollziehen, Warnstreiks haben begonnen, sie sollten sich quer durch die ganze Branche ausbreiten. Es ziehen sich Risse durch die Bankenwelt, und die meinen nicht den heutigen DAX-Verlauf.

Schade, dass Occupy Frankfurt nicht die empörten Banker einlädt und diese Fragen stellt. Da gäb es mehr zu beraten, als bei Auftritten mit abgehalfterten Neoliberalen.


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