Frankfurter Gemeine Zeitung

Rettet das U-Bahn-Saufen!

Plastovy Kanystr

Bei all der Aufregung um den Euro ist tatsächlich die Verteidigung eines der erhaltenswertesten abendländischen Kulturgüter in Vergessenheit geraten, etwas das seit Jahrhunderten Bindeglied und Fixpunkt europäischer Kultur war: Das öffentliche Besäufnis.
Was waren das früher für herrliche Zeiten gewesen, als mir ein Arbeitskollege nach einem Aufenthalt in Tschechien literweise billigen Absinth mitgebracht hat?

Er hatte aus Angst eventuell doch in eine Polizeikontrolle zu geraten, den guten Tropfen in einen Plastikkanister abgefüllt, auf dem, sehr zu unserer Begeisterung, der Schriftzug „Plastovy Kanystr“ (oder so ähnlich- keine Ahnung mehr, wie man das richtig schreibt) mit einem internationalen Symbol, welches vor Brandgefahr warnt, aufgedruckt war.
„Plastovy Kanystr“ (von meinen Freunden ehrfurchtsvoll „El Canistre“ genannt) und ich hatten eine Menge Spaß zusammen. Einmal begleitete er uns auf einer U-Bahnfahrt irgendwo in der U123 zwischen Südbahnhof und JWD.
Zufälligerweise hatten wir auch Gläser, Eiswasser, Absinthlöffel und Zuckerwürfel dabei und so konnten wir unseren Absinth vor den Augen der staunenden Fahrgäste entflammen, genüsslich zuschauen, wie karamellisierter Zucker ins Glas tropfte, das Ganze dann mit Eiswasser aufgießen und trinken.

Ein wahrer Absintheur mag mich nun für meine kulturlose Barbarei schelten, mir vorwerfen, dass man Absinth nicht anzündet und tschechischer Absinth ohnehin wie Nagellackentferner aussieht, schmeckt, riecht und nicht einmal eine schöne Louche bildet, wenn man Wasser hinzugießt.
Doch es war eben dieses U-Bahn-Plastikkanister-Feeling, das den Reiz an der Sache ausmachte und das man sich eben nicht bei einem renommierten Absinthhändler für teures Geld kaufen kann.

Meine Enkel werden dieses Gefühl wahrscheinlich nur noch aus den Erzählungen Ihres Großvaters kennenlernen. Im Wahn allgemeinen Anpassungs-, Wohlverhaltens und Gesundheitszwanges haben sich nämlich die Verkehrsverbände mehrerer Großstädte für ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr entschieden.
Dies wurde mancherorts mit einem Abschiedssaufen gefeiert. Dies wäre eigentlich eine gute Idee, zumal Saufen meist eine gute Idee ist, aber in diesem Fall ist es einfach zu traurig.
Es scheint so, dass die Bürger in München ihrem gerechten Zorn über die offenkundige Gängelung wenigstens noch ein Bisschen Luft an den Einrichtungen der Verkehrsbetriebe gemacht hätten, aber es ist davon auszugehen, dass sich bald jeder duckt und den Befehlen der Obrigkeit artig Folge leistet, so wie es Deutsche meist tun, wenn sie eigentlich für ihre Rechte kämpfen müssten.

Aber es gibt eine Lösung.

Den besten Alkohol gibt es nämlich ohnehin nur in Plastikgefäßen. Und dies sage ich nicht alleine im Gedenken an den altehrwürdigen Kanister:
Den besten Schnaps meines Lebens bekam ich von einem kleinen orthodoxen Priester, der in den Vorkarpaten einem Nonnenkloster vorsteht, in einer leeren 2Liter „Bucovina“-Wasserflasche, mit den besten Wünschen und Gottes Segen überreicht.
Wie hätte ich wissen können, dass sich aus seiner freundlichen Geste einmal in meinem Geiste eine Waffe zur Rettung ur-abendländischster Tradition entwickeln könnte?
Denn man kann in der U-Bahn genüsslich weitersaufen, wenn man sich seinen Alkohol einfach in Plastikflaschen umfüllt.
So ein Wodka-Bull sieht in einer entsprechenden Flasche nicht anders aus als Apfelschorle. Und wenn der erste U-Bahnkontrolleur kommt und auch einmal nippen will, um zu kontrollieren, ob ich verbotenen Alkohol dabei habe, dann schmeiße ich ihm vorher ein Ticket rein. (vom RMV natürlich)

Natürlich gäbe es auch eine andere Methode des Protestes, die die Verkehrsbetriebe zum Einlenken bringen könnte:
1. Bierdose kaufen (günstig z.B. „5,0“)
2. Zu Bahnsteig der örtlichen U-Bahn gehen
3. Dose kräftig schütteln
4. Loch in Dose stechen
5. „Fire in the hole!” rufen
6. Bierdose in sich-schließende U-Bahntür schleudern
7. Wegrennen
8. Beim Verkehrsverbund anrufen und drohen: „Die Angriffe werden fortgesetzt!“
9. Repeat until enemy surrenders


Florian K. liest den Koran- Des Projektes zweiter Teil

Dies ist nun der zweite Teil meines Koranprojektes, von dem wohl einige gedacht haben, ich würde es nicht mehr weiterführen.

Wie immer ist ABSOLUTE VORAUSSETZUNG zum Verständnis, die Einleitung zum Projekt gelesen zu haben. Zum Gewinn von Fleißpunkten empfehle ich außerdem das Lesen des ersten Projektteils.

Ich muss gestehen, ich habe lange gebraucht um mich wieder an den Koran zu setzen. Um die dritte Sure Al-i-´Imran (Die Sippe Imrans) überhaupt zu lesen habe ich mehrere Anläufe gebraucht, in deren Verlauf ich immer wieder das Bedürfnis hatte, mein Projekt zu begraben, aufgrund des Gefühls der Fremdheit, das mich beim Lesen immer wieder befiel.
Viele Verse der dritten Sure beziehen sich wieder auf das Verhältnis Allahs zu den Ungläubigen, denen ein negatives Schicksal in Form einer schweren Höllenstrafe beschieden sein soll. Vers 24 deutet darauf hin, dass diese Höllenstrafe im Islam, wie in vielen Interpretationen des Christentums als ewige Strafe angesehen wird. Wer dies nicht anerkennt gilt als Widerstrebender.
„Dies, weil sie sagen: „Das (Höllen)feuer wird uns nur für eine bestimmte Anzahl von Tagen berühren.” Was sie (an Lügen) zu ersinnen pflegten, hat sie über ihre Religion getäuscht.“

Ich persönlich kann mit der Vorstellung einer ewigen Höllenstrafe wenig anfangen, da sich die Vorstellung einer ewigen Strafe für ein zeitlich begrenztes Sündersein mit meinem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden beißt.
Warum sollte ein Gott der allumfassend gerecht ist, uns als Sünder erschaffen und uns dann für die begangenen Sünden ewig strafen?

Gerade im Koran, in dem jemand nur aufgrund des Willens Allahs überhaupt Ungläubiger ist, erscheint mir dies als widersprüchlich. (vgl. hierzu Teil 1 des Projektes) Doch mir scheint der Text wohl in folgende Richtung zu verstehen:
Wenn Allah etwas tut, so ist dies immer gerecht, auch wenn dies unserem menschlichen Gerechtigkeitsbegriff widerstrebt. In diesem Sinne handelt es sich um eine gänzlich andere Definition von Gerechtigkeit, die vollständig vom menschlichen Gerechtigkeitsempfinden losgelöst ist.

Die ethische Prämisse wird hier nicht aus der Logik unserer Sprache definiert, wie viele von uns dies gewohnt sind, sondern durch das Diktum „unterwerfe Dich und gehorche“. Auf Begründungen wird verzichtet.

Naja… mangelnde Letztbegründbarkeit ist der Makel auch plausibler erscheinender ethischer Prämissen. Man kann aus einer ethischen Prämisse logische Schlussfolgerungen ziehen, doch kann niemand die ethische Prämisse selbst logisch begründen ohne letztlich bei irgendeiner Form der Tautologie zu landen im Sinne von „das Gute ist gut weil es gut ist“.
Welcher ethischen Prämisse man folgt, ist stets Produkt des eigenen Empfindens. Und genau hieran scheitert es bei mir mit der dritten Sure. Ich empfinde einfach nicht so.

Ich kann nicht glauben, dass der Beschluss eines Gottes tatsächlich gut oder gerecht ist, wenn ich mir nicht einmal sicher sein kann, ob es diesen Gott überhaupt gibt oder wenn es ihn gibt, ob das Gelesene auch tatsächlich seinem Willen entspricht.

Aber vielleicht könnte ich vernagelter Abendländer es glauben, wenn man es mir in den Worten meines Glaubens (also Kausalbeziehungen und logisch erscheinende Argumente) erklärte?

Eines wird mir angesichts meiner Betrachtungen klar:
Der Schlüssel zur Bekehrung eines Anderen zu einer Idee liegt nicht in deren logischer Begründung, sondern darin, welche Empfindungen eine Person mit der Idee verknüpft. Ist das Herz einer Person für die Idee gewonnen, so wird der Kopf schon logische Begründungen zu deren Verteidigung finden.
Nebenbei gesagt, ist dies ein Ansatz, der bei der Durchsetzung linker politischer Konzepte oft sträflichst vernachlässigt wird.

Außer diesen zugegebenermaßen weitschweifenden Gedanken konnte ich von meinem rein subjektiven Standpunkt aus der Lektüre der Dritten Sure nichts ziehen, das mich persönlich erbaut hätte, was aber auch an der Unzulänglichkeit meines Geistes oder der vorliegenden Übersetzung gelegen haben kann.

Ich bin nun allerdings doch gespannt auf die nächste Sure, in der es um ein greifbareres Thema gehen soll: Die Frauen.

Eine Betrachtung dieser Sure wird, so Gott (wenn es ihn gibt) will und wir leben folgen, wenn ich die Muße dazu finde.


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