Frankfurter Gemeine Zeitung

Schöner Wohnen, lockerer Leben

Anders Wohnen“ klingt seit mindestens einem Jahrzehnt in vielen deutschen Städten Deutschlands als Drohung, nur für wenige als Verheißung. Die Immobilienpreise ziehen fast ohne Unterbrechung an, und das hat verschiedene Gründe, meistens aus politischen Entscheidungen herrührend.
Zum einen das viele verfügbare Geld, das nun noch von den Aktien- und Geldmärkten verunsichert wird (das Kapital ist eben ein scheues Reh). Die diversen Steuersenkungen und Einkommenserhöhungen für die oberen Etagen häuften dort ganz erhebliche Geldmittel an. Diese suchen nun einen sichere Unterkunft und finden sie als Anlage in lukrativen Wohnungen von Metropolen. Die um Platz streitenden Investoren treiben dort die Preise hoch, denn in den Einkommenshöhen lässt sich damit noch einmal Steuern sparen, ein Weg, der den normalen Mietern verwehrt ist.
Dazu kommt eine Politik der Privatisierung öffentlichen Eigentums, die nicht nur Wasserwerke, Brücken oder Schulen betrifft, sondern eben auch die kommunalen Wohnungsgesellschaften oder direkt deren Wohnungen. Aus Sozialwohnungen werden überdies freie Mietwohnungen oder Eigentumswohnungen, der soziale Wohnungsbau in Deutschland bricht seit Jahren ein. Wahrhaftig eine absurde Entwicklung in unserer Gesellschaft, bei der sich Mieten nach oben und Löhne nach unten entwickeln.
Dann gibt es noch einen Effekt in Städten wie Frankfurt, der eine hohe Dynamik des Immobilienmarkts verspricht: sie ist (global) verkehrsgünstig gelegen, bietet beste technologische Infrastrukturen und siedelt eine Menge internationale Dienstleistungsfirmen an. Und die dort tätigen „High Potentials“ suchen neben Wohnraum auch nach Anlagen, und verkaufen sie mitunter schnell wieder. Dazu kommen dann noch die Bürobauten, welche den Platz weiter verknappen. Das hält den Markt in Bewegung und treibt die Preise nach oben – überall in der Stadt.

Schöner Wohnen - 2
Besonders nach oben gehen sie, wenn all das zusammenkommt, und große regionale Immobilienkonzerne sich aktiv am Spiel um Cash beteiligen. Das gilt hier für die ABG Frankfurt Holding, den ganz großen Wohnungseigentümer in RheinMain. Der Beispiele sind viele: nachdem die neuen Mietspiegel für Frankfurt veröffentlicht wurden, und diese eine erhebliche Steigerung der allgemeinen Mietpreise in Frankfurt konstatierten, war bei ihr natürlich kein Halten. Geschwind setzte der Konzern, bei dessen Töchtern das „gemeinnützig“ noch nicht einmal mehr im Firmennamen steht, ihre Mietpreise nach oben, und zwar bis zur Grenze des Möglichen. Was natürlich in den Folgejahren wieder den Mietspiegel anhebt und….
Das erregt erheblichen Unmut bis in den Römer hinein, in dem eine schwarz-grüne Stadtregierung als Einflußnehmer durchgreifen könnte, es aber seit Jahren nicht mehr tut: zu groß der Glaube an den freien Immobilienmarkt und die lukrative Klientel drum herum. So wird denn schlichtweg bestritten, dass die Mietpreissteigerung zu 100 Prozent ausgeschöpft wurde, vielleicht ja nur um 96 Prozent?
Über die Verkaufspläne der Landesregierung bezüglich der nassauischen Heimstätte mit 16.000 Wohnungen in Frankfurt wurde schon berichtet, weniger bekannt sind die lukrativen Geschäfte und der Umbau des Wohnraums in der Stadt, mit denen die ABG ihre Profite nochmal steigern möchte. Nachdem sie ganze Abschnitte der Eschersheimer Landstrasse mit Werbung für „luxuriöses Wohnen“ voll hängte, kann die Interessierte entdecken, was sich in den Westend-/Nordend-Strassen dahinter jetzt abspielt.
In der Hansaallee, wo einst Wohngemeinschaften und Szenekneipen das Bild bestimmten, und bei der heute nur wenige Hundert Meter von den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fachbereichen hinter der maroden IKB Mittelstandsbank sich heute der Frankfurter Luxus ansiedelt, dort mischt die ABG mit. Die Leser trauen ihren Augen kaum, hier wird auf höchstem Preisniveau gearbeitet: „Die Urbane Projekte GmbH ist ein Unternehmen der ABG FRANKFURT HOLDING mit besonderen Kompetenzen in den Bereichen Projektentwicklung, Projektmanagement und Vertrieb.“ Dabei geht es nicht um Klicker, wie 200 oder 300 Tausend für eine Eigentumswohnung, die unbedarfte Hansel vielleicht noch aufbringen könnten. Die UPG bietet in der Hansaallee eine „exklusive Penthousewohnung“ an, mit einer Grundfläche von 245 Quadratmetern.
Schön, da möchte ich auch wohnen, aber dann kommt der Preis: 1.660.000 Euro, also ein Wohn-Quadratmeter für fast 7.000 Euro, sogar in Frankfurt recht weit oben. Wer nicht rechnen kann dem sei es gesagt: selbst bei einem Nettoeinkommen von 10 – 15.000 Euro im Monat (was ist das schon?) wird dann die Luft dünn, denn die Nebenkosten schlagen auch noch zu Buche. Was soll´s, die vorbeieilenden Studenten werden es sich eh nicht leisten können, genausowenig wie ein Zusammensitzen in den wenigen, meist edlen Kneipen im ansonsten milieufreien Westend um die Uni herum. Hier herrscht das große Banking, so wie auf dem Uni-Campus das „House of Finance“ der Leuchtturm wurde. Vermutlich der wichtigste Wegweiser für die ABG.
Auf jeden Fall meint der Umbau der Städte „Schöner Wohnen“ für die einen und „Gar nicht mehr Wohnen“ für die anderen. Zumindest nicht mehr dort, wo sie bisher wohnten. Die Politik der „kommunalen Wohnungsgesellschaften“ hat einen erheblichen Anteil daran. Vermutlich denken Frankfurter Sozialpolitiker beim Bau von Wohnungen für Millionäre durch kommunale Gesellschaften. „Auch denen muß geholfen werden“.

Ein Bonmot dazu zum Abschluß: welche Irrlichter die Phantasien über unsere Lebensweise leiten, konnte vor Tagen eine Vertreterin des Reisekonzerns TUI der Frankfurter Rundschau zum Besten geben. Befragt nach den Reisetrends offenbarte sie den „Facharbeiter, der nur einmal im Jahr in Urlaub fahren kann und für seine Familie acht Wochen auf der Karibikinsel Antigua bucht, was dann 20.000 Euro koste“ Na, die acht Wochen Urlaub und die 20.000, locker Späßchen, da gehen auch die 245 Quadratmeter in der Hansaallee – werden die Sozialplaner von Stadt und ABG denken. Ganz “nah am Bürger”.

Vielleicht haben die Leute aber nur das letzte Geld zusammen geschafft, um von hier wegzukommen. Ob das jedoch wirklich „lockerer leben“ heißt?


Ein Kommentar zu “Schöner Wohnen, lockerer Leben”

  1. Wallacerhymn

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