Frankfurter Gemeine Zeitung

Die Zukunft des Systems- was das Orakel sagt

Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Zeit der Orakel und Wahrsagungen. Es werden Jahreshoroskope für das nächste Jahr gelesen und manch Einer lässt sich die Zukunft von geschmolzenem Blei vorhersagen.
Ich habe 6 Mal drei Münzen geworfen und dem uralten I Ging folgende Frage gestellt:

„Wie soll es mit dem kapitalistischen System weitergehen?“

Als Antwort erhielt ich

Die Umwälzung

革 gé / Die Umwälzung
Die Umwälzung.
Am eigenen Tag da findest Du Glauben.
Erhabenes Gelingen, fördernd durch Beharrlichkeit.
Die Reue schwindet.

Staatliche Umwälzungen sind etwas überaus Schweres. Man darf sie nur im äußersten Notfall, wenn kein anderer Ausweg übrig ist, vornehmen. Nicht jeder ist dazu berufen , sondern nur der, der das Vertrauen des Volkes hat, und auch erst dann, wenn die Zeit erfüllt ist. Man muss dabei in der rechten Weise vorgehen, dass man das Volk erfreut und durch Aufklärung Ausschreitungen verhindert. Man muss dabei ferner ganz frei von selbstsüchtigen Zielen sein und muss wirklich der Not des Volkes abhelfen. Nur dann hat man nichts zu bereuen.
Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Anforderungen. So ändern sich die Jahreszeiten im Laufe des Jahres. So gibt es auch im Weltenjahr Frühling und Herbst der Völker und Nationen, die gesellschaftliche Umgestaltungen erfordern.

Das Bild:
Im See ist Feuer: das Bild der Umwälzung.
So ordnet der Edle die Zeitrechnung
Und macht die Zeiten klar.

Das Feuer unten und der See oben bekämpfen und vernichten einander. So findet im Lauf des Jahres auch ein Kampf der lichten und der dunklen Kraft statt, der sich in den Umwälzungen der Jahreszeiten auswirkt. Der Mensch wird Herr über den Wechsel der Natur, wenn er seine Regelmäßigkeit erkennt und den Zeitverlauf entsprechend einteilt. Dadurch kommt Ordnung und Klarheit in den scheinbar chaotischen Wandel der Zeiten, und man kann sich schon im Voraus auf die Erfordernisse der verschiedenen Zeiten einstellen.

Die einzelnen Linien
Anfangs eine Neun bedeutet:
Man wird eingewickelt in das Fell einer gelben Kuh.

Änderungen darf man erst unternehmen, wenn es nicht mehr anders möglich ist. Darum ist zunächst äußerste Zurückhaltung nötig. Man muss innerlich ganz fest werden, sich mäßigen – Gelb ist die Farbe der Mitte, die Kuh ist das Symbol der Fügsamkeit- und zunächst noch nichts unternehmen; denn jedes vorzeitige Losschlagen hat üble Folgen.

Sechs auf dem zweiten Platz bedeutet:
Am eigenen Tage, da mag man umwälzen.
Aufbruch bringt Heil. Kein Makel.

Wenn man alles versucht hat, um die Verhältnisse zu reformieren, ohne dass es einen Erfolg hatte, dann ergibt sich die Notwendigkeit einer Revolution. Allein eine solch tiefgreifende Umwälzung muss wohl vorbereitet sein. Es muss ein Mann da sein, der die Fähigkeiten und das öffentliche Vertrauen besitzt. Einem solchen Mann mag man sich dann zuwenden. Das bringt Heil und ist kein Fehler. Es handelt sich zunächst erst um die innere Stellung zu dem Neuen, das kommen muss. Man muss ihm gleichsam entgegengehen. Nur dadurch wird es vorbereitet.

Neun auf drittem Platz bedeutet:
Die Reue schwindet. Man findet Glauben.
Die Staatsordnung zu wechseln bringt Heil.

Grundstürzende Änderungen erfordern die nötige Autorität. Sowohl die innere Charakterstärke muss da sein als auch die einflussreiche Stellung. Es muss einer höheren Wahrheit entsprechen, was man tut darf nicht willkürlichen oder kleinlichen Motiven entspringen, dann bringt es großes Heil. Wenn keine solche innere Wahrheit einer Revolution zugrunde liegt, ist sie immer von Übel und hat keinen Erfolg. Denn die Menschen unterstützen schließlich doch nur solche Unternehmungen, für deren innere Gerechtigkeit sie ein instinktives Gefühl haben.

Neun auf fünftem Platz bedeutet:
Der große Mann ändert wie ein Tiger.
Noch ehe er das Orakel fragt, findet er Glauben.

Das Tigerfell mit seinen deutlich sichtbaren schwarzen Streifen auf gelbem Grund ist weithin sichtbar deutlich gegliedert. So ist es bei Umwälzungen, die ein großer Mann zustande bringt: es werden große, klare Richtlinien sichtbar, die jedermann verstehen kann. So braucht er nicht erst das Orakel zu fragen, denn ganz von selbst fällt ihm das Volk zu.

Oben eine Sechs bedeutet:
Der Edle ändert wie ein Panther.
Der Geringe mausert sich im Gesicht.
Aufbruch bringt Unheil.
In Beharrlichkeit weilen bringt Heil.

Nachdem die großen grundsätzlichen Fragen entschieden sind, sind noch Umgestaltungen im Einzelnen und genauere Durchführungen notwendig. Diese sind zu vergleichen mit den ebenfalls deutlichen, aber kleineren Flecken des Pantherfells.
Auch bei den Geringen findet infolge davon eine Änderung statt. Sie mausern sich ebenfalls der neuen Ordnung entsprechend. Freilich ist diese Mauserung nicht tiefgehend, aber das lässt sich auch nicht erwarten. Man muss sich mit dem Möglichen zufrieden geben. Wollte man zu weit gehen und zu viel erreichen wollen, so würde das nur zur Beunruhigung und zum Unheil ausschlagen. Denn was durch eine große Umwälzung erstrebt werden soll, sind klare gefestigte Zustände, die eine allgemeine Beruhigung bei dem zur Zeit Möglichen gewähren.

Zuguterletzt möchte ich anmerken, dass es sich bei den beiden Yin-Linien (die gebrochenen Linien) um sich wandelnde Linien handelte, wodurch sich eine Entwicklung zu

乾 qián/ Das Schöpferische

andeutet.


5 Kommentare zu “Die Zukunft des Systems- was das Orakel sagt”

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