Frankfurter Gemeine Zeitung

Idealer Job für Langzeitarbeitslose: Bundespräsident

Liebe Leser,

auch von mir ein schönes Neues Jahr 2012!

Für mich war und ist der Jahresbeginn wegen eines jahreszeittypischen grippalen Infekts leider ein lupenreiner Fehlstart. Nichtsdestotrotz möchte ich Ihnen einen Leserbrief von Hans-Joachim Viehl (ehrenamtliches Magistratsmitglied der Stadt Frankfurt am Main, Mitglied in der Partei Die Linke.) zum Lesen anempfehlen. Viehls Leserbrief vom 8. Januar 2012, der an die Frankfurter Rundschau und an die Frankfurter Neue Presse geschickt wurde, schildert das Bundespräsidentenamt aus einer besonderen, satirisch-aktuellen Perspektive:

Idealer Job für Langzeitarbeitslose: Bundespräsident

Dem Azubi im Schloss Bellevue, Christian Wulff, sei Dank, nun endlich weiß ich, was der ideale Job für Langzeitarbeitslose ist – einfach mal als Bundespräsident bewerben. Denn offenbar braucht man dafür keine besondere Ausbildung, charakterliche Reife oder Ehrlichkeit, sondern allenfalls das aufgesetzte Dauerlächeln eines Musterschwiegersohns. Und man darf da auch ruhig mal gravierende Fehler machen, man lernt ja laut Wulff noch in den fünf Jahren-Amtszeit. Fünf Jahre in einer Qualifizierungsmaßnahme, die noch dazu superb bezahlt wird, da kann kein Ein-Euro-Job mithalten. Auch die sonstigen Vorteile sind nicht zu verachten. Die Wohnungsgröße spielt keine Rolle. Schloss Bellevue sprengt ja alle in Hartz-IV zugebilligten „angemessenen“ Wohnraumgrößen. Und während jeder Langzeitarbeitslose, der Hartz-IV-Leistungen bezieht, eine Gegenleistung in Form von Eigenbemühungen, also zig Bewerbungen pro Monat nachweisen muss, weil ansonsten empfindliche Leistungskürzungen und Sanktionen drohen, darf der Bundespräsident Wulffscher Prägung gar 500.000 Euro Freundschaftskredit und Gratisurlaube bei „selbstlosen“ Unternehmern genießen, ohne dass jemals eine Gegenleistung (Gefälligkeit) eingefordert würde. Das behauptet jedenfalls Wulff.
Wenn dem wirklich so ist, und wer könnte an den Worten des höchsten Repräsentanten im Staate zweifeln, dann hätte zumindest einer oder eine der Hartz-IV-Geknechteten eine wirkliche Chance auf eine sanktionsfreie und vor allem existenzsichernde Zukunftsperspektive. Einfach mal eine Initiativbewerbung als Bundespräsident losschicken. Macht sich auch gut als Eigenbemühungsnachweis für die Eingliederungsvereinbarung. Aber unbedingt vorher das Musterschwiegersohnlächeln üben.

Erstveröffentlicht in Bernhards Weblog am 9. Januar 2012.

Alle Rechte liegen beim Autor, Herrn Hans-Joachim Viehl. Eine Kontaktaufnahme über mich ist möglich.


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